Kapitel 22:

„Es steht ihm absolut frei zu küssen, wen er will. Es kümmert mich nicht im Geringsten!"

Hermine ging wütend durch die Bibliothek und räumte die Bücher ein, die sie innerhalb der letzten Woche ausgeliehen hatte. Harry und ich folgten ihr dabei wortlos. Sie begrüßte uns nicht einmal, sondern begann sofort das Thema mit Ron und Lavender an, die seit dem Quidditch-Spiel zusammen sind - als hätten wir sie gefragt. Dabei wussten wir beide, dass das in ihrem Kopf schon seit längerem war und sie jemanden brauchte, um ihre Frust auszulassen.

„Hatte ich den Eindruck, dass er und ich zusammen zu Slughorns Weihnachtsfeier gehen? Ja. Jetzt war ich gezwungen, angesichts der Umstände, umzuplanen."

„Ach, wirklich?"

„Ja. Wieso?"

„Ich dachte nur, da unsere Wunschpartner als Begleitung nicht zur Verfügung stehen, könnten wir ja zusammen gehen. Als Freunde?"

Hermine starrte verwundert zu Harry, als wäre ihr diese simple Idee niemals eingefallen. „Das wäre super, Harry. Dann müsste ich mir keine Sorgen machen."

„Super.", lächelte Harry und starrte dann zu mir. „Mit wem gehst du?"

„Ich weiß nicht, ob ich überhaupt gehe. Ich habe keine Wunschpartner."

Dann erblickte ich hinter Harry hinweg bei dem Fenster ein Mädchen aus Gryffindor, das ich aus unserer Klasse kannte. Sie saß auf dem Schreibtisch und anstatt zu lesen, schaute sie lächelnd zu Harry.

„Harry."

„Ja?"

Ich ging an ihm vorbei und stellte mich vor ihn, sodass er bloß über meine Schultern hinwegsehen konnte, ohne, dass das Mädchen es bemerkte.

„Das Mädchen starrt dich die ganze Zeit an."

Ich sah, wie Harry hinter meinem Rücken weitersieht und auflächelte.

„Das ist Romilda Vane.", sagte Hermine seufzend. „Offenbar will sie dich mit einem Liebestrank rumkriegen."

„Wirklich?" Harry scheint positiv überrascht zu sein. Es schien, als würde er den Liebestrank nicht mal brauchen.

Hermine schnipste vor seinem Gesicht mit den Fingern. „Hey! Sie will nur was von dir, weil sie denkt, du wärst der Auserwählte."

„Aber ich bin der Auserwählte."

Hermine schlug ihm mit dem Tagespropheten gegen den Kopf.

„Ok, entschuldige. War ein Scherz."

„Du hast ja jetzt deine Begleitung.", meinte ich. „Dann müsste das ja kein Problem sein."

Wir verließen zusammen die Bibliothek, wo sich unsere Wege trennten. Harry und Hermine gingen in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum, währenddem ich in den von Ravenclaw gehen wollte. Immerhin war in einer halben Stunde Sperrstunde und niemand durfte sich mehr in den Räumen und Gängen außerhalb blicken lassen.

In einem Flur erblickte ich Draco ganz hinten, der alleine an einer Säule gelehnt war und mich sofort erblickte. Als hätte er auf mich gewartet. Die Flure waren um diese Uhrzeit immer randvoll, deswegen bemerkte auch niemand, wie ich wir beide uns anstarrten. Ich wollte auf ihn zugehen, hob leicht meine Hand und wollte ihm zu winken, als ich nur zwei Meter vor Draco von Cormac McLaggen aufgehalten wurde, der plötzlich vor mir stand und mich angrinste.

„Jade Brian. Ich hatte mich nie wirklich vorgestellt. Du kennst mich ja womöglich noch vom Slug-Club. Ich bin Cormac McLaggen."

Ich fälschte ein Lächeln. „Sehr erfreut.

Ich wollte an ihm vorbeigehen, als er sich wieder mir in den Weg stellte. „Womöglich hast du bereits viel von mir gehört." Allerdings. „Und da morgen Abend der Weihnachtsball von Professor Slughorn ist, hätte ich gedacht, dass wir beide zusammen dorthin gehen könnten?"

Er kam mir näher und nahm meine Hand. Ich schaute hinter ihm hinweg zu Draco, der womöglich alles mithörte oder zumindest alles beobachtete. Dann wechselte ich den Blick zu Cormac, damit dieser nichts bemerkte. Zum Teil redete er immerhin mit der Wand, denn das meiste bekam ich kaum mit.

„Ich, äh..."

„Oder hast du bereits eine Begleitung gefunden?"

„Nein, um ehrlich zu sein, aber..."

„Na, dann sehen wir uns morgen, nicht?"

„Äh... Ja. M-morgen."

„Gut."

Er nahm kurz meine Hand, küsste diese, bis er dann an mir vorbeiging und verschwand.

Und Draco war auch verschwunden.

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