Kapitel 3


„Dir schmeckt es wohl, hm?" Henri grinste mich über seinen Teller hinweg an.

Ich nickte mit vollem Mund. Zu mehr war ich einfach nicht fähig. Das Essen nahm mich zu sehr in Anspruch.

„Ich habe noch nie einen so leckeren Eintopf gegessen", nuschelte ich und schlug mir dann verlegen die Hand vor den Mund. Was sollten sie denn von mir denken, wenn ich noch nicht einmal Tischmanieren hatte.

Es störte sie nicht im Geringsten wie ich feststellen musste und das Unbehagen verflog wieder.

Nachdem wir alle gestärkt waren, fühlte ich mich deutlich entspannter und ausgeglichener.

„Gut, wollt ihr mich jetzt über alles aufklären?"

Die zwei Männer wechselten einen Blick und Cen seufzte unmerklich.

„Du gibst doch eh vorher keine Ruhe, habe ich Recht?" Mir entging der missbilligende Tonfall nicht. Ich nickte wie wild.

„Ja, ganz Recht."

Gefühlt viel zu langsam ging er in den angrenzenden Raum. Er setzte sich auf die Matte, auf der ich vorhin geschlafen hatte und klopfte mit der Hand neben sich. Auch ich setzte mich und nachdem Henri den Tisch abgeräumt hatte, gesellte er sich zu uns.

Erst dann fing Cen an zu erzählen: „Indira, du bist heute vor Elfen mit Umhängen geflohen. Ich weiß nicht, was sie dir zuhause über diese Gestalten erzählt haben, aber bestimmt nicht, dass sie die Guten in der Geschichte sind, oder?" Er wartete meine Antwort nicht ab, sondern betrachtete seine in einander geschlungenen Hände. Sie waren sehr filigran, dachte ich ein wenig verwundert. Sofort schüttelte ich leicht den Kopf, um den lästigen Gedanken zu vertreiben.

Cen fuhr fort: „Jedenfalls sind sie nicht die Guten, meiner Meinung nach. Sie haben falsche Ansichten. Ihre Anführerin ist sehr gewieft und denkt nur an ihren eigenen Vorteil. Und natürlich an ihr Volk. Es ist ihr das Wichtigste. Sie stellt es über alles." Er machte eine kurze Pause.

„Gut, das habe ich verstanden, aber was hat das alles mit mir oder euch zu tun?"

Er schaute mich an und holte geräuschvoll Luft. „Ich weiß aus sicherer Quelle, dass sie immer mal wieder auf Menschenjagd gehen auf Befehl von ihr, weil sie etwas bestimmtes haben möchte. Und dich hat sie wohl heute ausgewählt." Es schien mir, als hätte er mit jedem weiteren Wort das Interesse daran verloren, mich in sein Wissen einzuweihen. Seine Augen schauten mich nicht länger an, sondern gingen ins Leere, genauso leer war auch sein Gesichtsausdruck. Wütend und ein wenig enttäuscht, dass ich noch keinen großen Schritt weiter war, schaute ich zu Henri.

„Er kann dir wohl heute nicht alles erzählen, Indira." Sein Lächeln war traurig. „Und was ist mit dir?" Meine Stimme klang verletzt und ich biss mir auf die Lippe. „Willst du mir auch nichts erzählen?", schleuderte ich ihm entgegen.

Er lächelte sanft, aber in seinen Augen sah ich eine tiefe Traurigkeit.

„Du weißt gar nicht, wie gerne ich würde, aber leider kann ich nicht. Wir sind an ein Versprechen gebunden." Den letzten Satz flüsterte er. Ganz große Klasse, dachte ich ironisch. Aber wenigstens lag ich mit meiner Vermutung richtig: Es gab noch deutlich mehr! Vielleicht war es Zeit, mit meiner Mutter zu reden. Auch, wenn sich alles in mir vor Nervosität zusammenzog. Meine Mutter und ich, ach, es war sehr kompliziert. Ich schüttelte die schweren Gedanken ab und stand auf.

„Dann gehe ich am besten jetzt. Ich habe eure Gastfreundschaft schon überstrapaziert. Außerdem wartet meine Mutter zuhause auf mein Erscheinen." Meine Stimme klang ein wenig steif und in mir bildete sich ein Eisklumpen, als ich mich den zwei Jungen zuwandte. Einmal hatte ich mich geöffnet und Hilfe angenommen und was brachte es mir: Andere verschlossen sich vor mir. So bist du auch, flüsterte die eine Stimme in meinem Kopf. Ich biss vor Wut meine Kieferknochen so stark aufeinander, dass ich mit den Zähnen knirschte.

Cen rührte sich immer noch nicht, auch nicht, als ich aus dem Zimmer rauschte. Im Türrahmen hielt ich inne, drehte mich um und meinte ganz ruhig und gefasst: „Nur zu deiner Info: Ich bin kein Mensch, sondern ein Halbelf!" Ich spie ihm die Worte förmlich entgegen, drehte mich auf dem Absatz um und verließ das Haus.

Henri hatte noch so viel Anstand mich bis nach draußen zu begleiten. Wir blieben vor der Tür stehen.

„Es tut mir Leid, aber Cen ist manchmal so. Das ist nichts persönliches." Ich schnaubte abfällig durch die Nase.

„Ja, klar. Aber danke trotzdem." Ich hasste meine abweisende Stimme, trotzdem konnte ich nichts an der Situation ändern.

„Mach es gut." Henris Augen ruhten sanft auf mir und er streckte mir zum Abschied die Hand entgegen. Ich ignorierte sie, ich hatte ehrlich gesagt Angst, was dann mit mir passieren würde. Stattdessen nickte ich ihm nur kurz zu und ging, so schnell es die Höflichkeit erlaubte, Richtung Westtor.

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