Kapitel 24
„Hi", sagte ich und knetete vor Aufregung die zwei Zügel. Mein Herz schlug nun doppelt so schnell, denn ich wusste, jetzt würde es losgehen. Meiner Mutter hatte ich gesagt, dass ich mit den Jungs einen längeren Ausflug unternehmen würde, um die Gegend zu erkunden. Besonders bei Nacht würde man interessante Entdeckungen machen, die meinen Horizont erweitern und mein Wissen steigern. Erstaunlicherweise hatte sie mir geglaubt oder sie vertraute Henri und Cen so sehr, dass sie mich mit ihnen alleine ließ. Vielleicht wollte sie aber auch für ein paar Stunden alleine sein oder fand es toll, dass meine Wissbegierde gewachsen ist. Was auch immer es war, was meine Mutter nur zu einem leichten Nicken auf meine Aussage hin bewegt hatte, ich war dankbar dafür.
„Hey", erwiderte Henri und nahm mir einen Zügel aus der Hand. „Wie gut, dass du an Pferde gedacht hast. Ich habe auch erst mitbekommen, dass sie dort hin reiten. Wir haben eins und eins zusammengezählt und sind hier her gekommen, zum Stall." Ach ja stimmt, dachte ich benommen, sie hatten keine Ahnung, dass ich die Pferde holen gegangen war und hinter dem Stall gewartet habe.
„Sehr gut", gab ich lächelnd zurück.
„Außerdem kenne ich das Lachen meiner Schwester sehr gut. Und wer eignet sich nicht besser, als die neue beste Freundin von ihr, sie zum Lachen zu bringen", ergänzte Cen und lächelte mich leicht an.
„Ich weiß nicht, ob sie meine „neue beste Freundin" ist", murmelte ich leise.
„Doch klar. Sie hört gar nicht mehr auf von dir zu erzählen. Indira hier, Indira da." Er runzelte leicht die Stirn. Ich schmunzelte, als ich das hörte.
„Klingt gut", meinte ich und hörte nur ein Schnauben von Cen.
Dann wurde er wieder ernst, als er die zwei Pferde anblickte.
„Wir haben nur zwei Reittiere?"
Ich nickte. „Alle anderen sind entweder bei den Kämpfern oder müssen im Stall bleiben."
Cen fluchte, aber Henri meinte gut gelaunt: „Indira reitet dann einfach bei einem von uns mit."
Cen grummelte etwas unverständliches und schwang sich auf eines der Pferde.
Ich verkündete: „Ich reite bei Henri mit." Ich wollte nun wirklich nicht den brüchigen Frieden mit Cen auf die Probe stellen. Während ich unbeholfen versuchte auf das Tier zu klettern und mir Henri Sekunden später behilflich war, spürte ich den unergründlichen Blick Cens sich in meinen Rücken bohren.
Henris „gut festhalten" befolgte ich, indem ich, als ich oben saß, mich an sein Hemd klammerte. Kurz danach ritten wir schon los. Ich wusste nicht, wie es Cen angestellt hatte, aber als wir die zwei riesigen Steine passierten, die das Ende des Lagers markierten, waren keine Wachen in Sicht. Erleichtert atmete ich aus, als wir mit den Pferden im Wald stehen blieben.
„Sorge gehabt?", neckte mich Henri mit einem Lächeln im Gesicht. Ich sah es nicht, da ich hinter ihm saß, aber ich konnte es erahnen. So gut kannte ich ihn mittlerweile. Und er war um einiges einfacher zu durchschauen, als Cen. Dieser blickte konzentriert in die entgegengesetzte Richtung von uns und sondierte aufmerksam die Umgebung.
„Quatsch, ich bin doch in guten Händen", sagte ich leichthin und beobachtete Cen weiter dabei, wie seine Augen unablässig den Waldboden musterten. Dann deutete er mit einem Mal auf das Laub kurz vor ihm.
„Sie sind hier entlang gelaufen. Die Spuren sind frisch und das Laub aufgewirbelt. Es ist der direkte Weg zum Lager, aber wir nehmen einen anderen Weg. Das Risiko ist einfach zu hoch. Und wir müssten nur ein paar Minuten später eintreffen als die Gruppe, so lang ist der Umweg nicht."
Statt einer Antwort gab Henri unserem Pferd ein Zeichen und daraufhin setzte es sich wieder in Bewegung.
Die nächste Stunde ritten wir durch den Wald. Immer wieder lenkte Henri unser Pferd geschickt um Bäume herum und ließ es über umgestürzte Baumstämme springen. Ich klammerte mich so gut es ging an ihn und sorgte dafür, dass ich nicht herunter fiel. Es war leichter gesagt als getan. Ich wurde mächtig durchgeschüttelt. Cen schien überhaupt keine Probleme zu haben. Er und sein Pferd harmonierten auf eine perfekte Art und Weise, die mich neidisch machte. Mit Tieren konnte er anscheinend sehr gut umgehen. Vielleicht sogar besser als mit Menschen, Elfen oder Halbelfen, dachte ich bei mir, während mir der Wind meine Haare aus dem Gesicht blies. Ich vertrieb ihn aus meinen Gedanken, was mir leicht fiel, denn nun änderte sich die Umgebung und ich wurde wieder aufmerksamer.
Wir erreichten die Baumgrenze und traten nun auf weites Feld. Hohes Gras umspielte die Beine der Reittiere und das fahle Mondlicht tauchte alles in ein schauriges Licht.
Ich erschauerte und zog mir meine Kapuze über den Kopf. Nun wurde es gefährlicher, wenn wir über das offene Feld laufen würden. Keine schützenden Bäume mehr. Dafür konnten die Pferde ein gutes Tempo vorlegen und die Minuten, die wir im Wald verloren hatten, vielleicht wieder aufholen.
Auch Cen und Henri setzten sich ihre Kapuzen auf und wie auf ein geheimes Zeichen fingen die Pferde an zu galoppieren.
Reflexartig krallte ich nun meine Finger in Henris Umhang, der sich hinter ihm aufblähen wollte. Dicht presste ich mein Gesicht an seinen Rücken und sah wie schwarze und graue Schemen an mir vorbei rasten. Es war ein halsbrecherisches Tempo, aber beide Jungs sahen so aus, als würden sie die Tiere nicht mehr langsamer galoppieren lassen.
So schloss ich die Augen und wartete einfach ab.
Irgendwann, ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, wurden die Tiere endlich langsamer. Das Geschaukel hatte ein Ende, dachte ich noch ganz träge von dem wilden Ritt und öffnete langsam die Augen.
Was ich nun sah, raubte mir schlichtweg den Atem. Wir waren nun längst nicht mehr in dem gewöhnten Wald und auch nicht auf dem Feld. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wo genau wir uns nun befanden, denn die Gegend war mir gänzlich unbekannt. Das erste was mir auffiel, war der riesige Berg, der in der Ferne aufragte. Davor erstreckte sich glitzernd und verführerisch ein klarer Bergsee.
Gerade so konnte ich ihn erahnen, denn das was vor mir aufragte, zog meinen Blick unweigerlich auf sich. Es war ein großer Haufen voller abgeholzter Bäume. Sie waren unlieb aufeinander geschmissen worden. Ihre dünnen Äste wie ein lautloser Hilfeschrei ineinander verkeilt, ihre Wurzeln, mit denen sie sich sonst tief in der Erde verwurzelten, waren brutal abgeschnitten worden und lagen wie als Triumph von den Übeltätern daneben. Genauso unordentlich auf einen Haufen geworfen wie das nun tote Holz.
Bei dem Anblick drehte sich mir der Magen um und ich konnte nur erahnen, wie es Cen und Henri dabei ging, als Vollblutelfen, die der Natur so nahe waren wie es nur irgendwie ging. Ich merkte, dass Henri die Luft anhielt, sein Herz klopfte in einem schnellen Rhythmus gegen seine Rippen und meine verkrampften Hände, die immer ich immer noch um seinen Oberkörper geschlungen hatte.
Langsam löste ich mich von ihm und rutschte vom Pferd herunter. Cen machte es mir nach und kam neben mir zum Stehen. Ein Blinzeln zu ihm hin, ließ mich zusammenzucken. Er war aschfahl im Gesicht und sein Atem kam stoßweise.
„Wer macht so etwas?" Henris Stimme klang rau und gepresst und ich konnte es kaum ertragen, ihn so zu hören.
Cen antwortete nicht auf seine Frage, sondern war währenddessen im verknoteten Gehölz der toten Bäume verschwunden. Von der anderen Seite des scheinbar undurchdringlichen Brauns ertönte plötzlich seine Stimme:
„Ich glaube, wir sind da!"
Hallöchen,
ich verlängere die Frist noch einmal für die Abstimmung zu meinem Geschenk an euch. Hier ist die Auswahl:
- Votes und Kommis für die Abstimmenden
- eine seperate Plauderecke über Bücher, Filme etc.
- eure Fragen an mich über das Schreiben, Indira etc.
Für die zwei letzten Ideen gibt es dann seperate Bücher.
Was meint ihr? Ich lasse die Abstimmung bis zum nächsten Sonntag laufen, also teilt mir gerne eure Meinung mit. =)
Liebe Grüße!
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