Kapitel 14

Ich wusste nicht, wie wir zurück ins Lager kamen, denn ich war wie ausgelaugt von meinem Gefühlsausbruch. Den restlichen Tag verschlief ich und erst als meine Eltern mich zum Abendbrot weckten, verließ ich den Schlafplatz.

„Komm, Indira, es gibt Stockbrot draußen am Lagerfeuer." Schnell zog ich frische Kleidung an und spritzte mir kaltes Regenwasser, das in einer Schüssel in unserem Zelt stand, in mein Gesicht.

Dann verließ ich unser neues Zuhause und ging mit meinen Eltern zu dem Lagerfeuer. Wie beim letzten Mal waren schon viele Elfen um die Feuerstelle versammelt.

Ich nickte grüßend in die Runde und zog meine Mutter und meinen Vater zu einer freien Stelle.

Dankbar ließen sie sich auf einem der Baumstämme nieder und begannen weichen Teig um einen Stock zu wickeln. Kurze Zeit später gesellte sich Henri zu uns. Ich lächelte ihn grüßend an.

Er sah es als Einladung ein Gespräch anzufangen: „Das ist eine interessante Abwechslung zu unserem alltäglichen Elfenessen. Das ist sehr viel süßer." Ich schaute ihn erstaunt an. „Wirklich? Ich würde es zu gerne einmal probieren. Mir wurde gesagt, es soll ganz anders schmecken, als alles, was ich je in meinem Leben gegessen habe."

„Das mag sein, Indira, aber ich würde es trotzdem nicht jedem empfehlen, besonders aufgrund des vielen Zuckers, auch wenn ich dir damit die Romantik verderbe."

Ich verdrehte die Augen.

„Ach, wenn wir gerade beim Thema sind." Er wackelte mit seinen Augenbrauen. „Wie schaut es aus? Du und der..."

Ich zischte: „Wenn du jetzt Schmied sagst, dann haue ich dir eine runter."

Er lachte laut auf.

„Nein", er haute sich vor lachen auf die Oberschenkel, „obwohl ich es gerne mal erleben möchte, wie du mir eine knallst." Er grinste, während ich abfällig durch die Nase schnaubte.

Henri kicherte immer noch, als Cen angeschlendert kam. Seine Hände hatte er tief in den Taschen seiner hellen Hose vergraben.

„Wusste ich es doch, dass ich euch hier finde", begrüßte er uns und schaute dann zu Henri. „Immer da, wo es am lautesten ist."

Henri lachte wieder los. „Du hast den Witz des Jahrhunderts verpasst, Cen." Dieser hob fragend die Augenbraue. Ich stieß Henri schnell gegen das Schienbein.

„Entschuldige, aber die feine Dame möchte wohl gerne weiter geheimnisvoll erscheinen", meinte Henri mit einer hohen verstellten Stimme und klimperte mit seinen Wimpern. Das Gemeine dabei war, dass er jedem Mädchen mit seinen langen Wimpern Konkurrenz gemacht hätte.

„Da war sie wohl wieder lustig, unsere Indira." Das sagte Cen zu uns, während Henri weiter gluckste und seinem Freund kaum Beachtung schenkte. Dabei fiel ihm auch nicht auf, wie Cens Augen für einen Bruchteil der Sekunde heller wurden und anfingen zu schimmern, als sein Blick mich streifte.

„Oha, jetzt spricht er schon von „unserer". Das kann interessant werden." Ich musste gar nicht aufsehen, um zu merken, dass Henri mich anzüglich angrinste.

„Ich würde sagen, wir teilen sie artig in der Mitte." Bevor diese Unterhaltung endgültig aus dem Ruder laufen konnte, klinkte ich mich ein und meinte mit eiskalter Stimme: „Hier wird niemand geteilt, es sei denn sie heißt Frau Stockbrot." Mit diesen Worten teilte ich mein Stockbrot und stopfte ihnen damit den Mund. Es funktionierte hervorragend. Während wir aßen, redeten wir über belanglose Dinge und ich genoss es sehr, mir einmal keine Sorgen machen zu müssen. Es hätte also perfekt sein können...

Bis sich mein Vater umdrehte, mich mit den zwei Jungs sah und irgendwie eine Kurzschlussreaktion startete.

Erst wurde sein Gesicht vollkommen ausdruckslos und dann kurze Zeit später verzerrte es sich vor Wut.

In zwei großen Schritten war er bei uns und starrte Cen und Henri wütend an.

„Ihr zwei kommt mal sofort mit!" Seine Gestik und Mimik verriet, dass er keine Entschuldigungen hören wollte.

Überrascht setzten sich die zwei Jungs in Bewegung und folgten meinem Vater. Meine Mutter rückte zu mir auf.

„Was war das denn?" Ich starrte den Dreien betäubt hinterher, wie sie sich einige Meter von uns entfernten.

„Ich habe keine Ahnung", antwortete meine Mutter, schaute dabei aber nicht die Männer an, sondern mich. Nachdenklich stütze sie ihren Kopf auf ihre Hand.

Ich sah sie irritiert an.

„Ist was?"

Sie lächelte geheimnisvoll und sagte dann etwas widerstrebend: „Ich muss feststellen, dass du den zwei jungen Männern sehr nahe stehst und ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll."

„Bitte was?" Jetzt hatte sie meine volle Aufmerksamkeit. „Mama, die zwei haben mich gerettet, mehr nicht. Ich bin ihnen einfach nur dankbar." Ich verdrängte die Bilder von Cen, der mich heute in den Armen gehalten hatte und mir somit ein wenig Geborgenheit schenkte.

„Mehr nicht!", sagte ich mit deutlich mehr Nachdruck.

„Wie du meinst", sagte sie und lächelte verschmitzt. „Dann eile ich deinen Rettern mal zur Hilfe." Mit diesen Worten ging sie auf die Männergruppe zu, in der eine hitzige Diskussion entbrannt war. Ich war etwas unschlüssig, ob ich mich zu ihnen gesellen sollte, entschied mich aber dagegen. Sie sollten es erst einmal unter sich klären, was auch immer sie für ein Problem hatten. Meine Mutter war schließlich auch noch da.

Ich sah sie wild herum gestikulieren, irgendwann im Gespräch deutete sie auf mich und zum Schluss schüttelte sie erst Henri und dann Cen die Hand.

Selbst aus der Ferne sah ich, wie sie ein Lachen unterdrücken mussten. Meine Mutter war einfach zu liebenswürdig, wie sie versuchte sich korrekt zu verhalten. Dabei verhielt sie sich anscheinend so menschlich tollpatschig, dass ihre Bemühungen umsonst waren. Es sei denn, sie setzte auf ihren Charme.

Egal, weshalb sie es tat, es half. Ferin beruhigte sich, nickte den Zweien zwar freundlich zu, war aber weiterhin distanziert. Dann entfernten sich Henri und Cen mit langsamen Schritten von dem Lagerfeuer. Cen schaute kurz zurück, sein Blick drückte Bedauern aus. Er zuckte mit den Schultern, als Antwort auf meinen fragenden Ausdruck im Gesicht. Dann verschwand er in der Dunkelheit der Zelte.

Nun drehte ich mich zu meinen Eltern um und fixierte Ferin.

„Was sollte das?" Meine Stimme ließ ich extra etwas gedämpfter klingen und bemühte mich um einen nachdrücklichen Tonfall.

Ferin wich meinem Blick aus und setzte sich seufzend auf den Baumstamm. Eleysa nahm neben ihm Platz. Sie sah sehr zufrieden aus.

„Ich kannte die zwei von früher", kam er ohne Umschweife zum Kern des Ganzen.


Jetzt wird es interessant...

By the way: Was sagt ihr zu dem Trio Henri, Cen und Indira? Ich habe alle drei schon sehr liebgewonnen.

Und wie findet ihr denn die Kapitellänge? Ich bekam einen Tipp, ein wenig längere Kapitel zu veröffentlichen? Wir seht ihr das? Gerne in die Kommentare!

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