Kapitel 11


Mein Vater sollte Recht behalten. Wir gingen den Pfad durch den Wald einige Zeit weiter, bis wir an einen klaren Fluss kamen. Er schlängelte sich durch die Landschaft. Ich spürte wie sich die Kühle um meine Wangen legte und schloss für einen Moment die Augen. Es fühlte sich alles richtig an und voller Vorfreude blickte ich auf das, was noch kommen mochte.

Es waren zwei riesige Felsen. Das Lager der Widerständler befand sich zwischen den zwei großen Kolossen. Sie erblickte man schon von weitem, wohingegen die Zelte, Feuerplätze und Pferde zwischen den Schatten verschwanden. Es war das perfekte Versteck.

Ferin wurde langsamer, als ein Spalt zwischen den Felsen sichtbar wurde und führte sein Pferd geschickt durch die Öffnung.

Wider Erwarten war es im Lager nicht dunkel, sondern hell. Ich hätte gedacht, die Felsen würden sich berühren und eine Art schützende Höhle bilden, aber stattdessen drang das Sonnenlicht durch die Blätter und Äste schimmernd nach unten und tauchte alles in honigfarbendes Licht. Ich blickte mich staunend um. Viele Elfen liefen zwischen den Zelten hin und her und gingen ihrer Arbeit nach. Ich sah einen, der an einem Feuer stand und Brot backte, ein zweiter baute einen Trainingsparkour für Elfenrekruten auf, es gab weibliche Elfen, die Decken und Kleidung nähten und welche, die das geheime Lager bewachten. Sie hatten Waffen aus schimmerndem Silber an ihren Gürteln. Einer von ihnen schritt auf uns zu und nahm Ferin in den Arm.

„Schön, dich zu sehen, Kumpel!", meinte er mit einem Lächeln in der Stimme und blickte dann zu meiner Mutter und mir. „Und das ist nun deine berühmte Familie. Du hast nicht übertrieben." Sein Blick blieb für einen viel zu langen Moment auf meiner Mutter und wanderte dann nur zögernd zu mir. Er lächelte mich warm an, aber ich war noch viel zu überwältigt, als dass ich es hätte erwidern können.

„Schön, dich zu sehen, Bandalur." Der Blick von meinem Vater wurde eine Spur dunkler. Es ist ihm wohl auch nicht entgangen, wie er meine Mutter angestarrt hatte.

Der verbeugte sich leicht und sagte kurz: „Hinten in der dritten Reihe ist ein Zelt freigeworden. Dort könnt ihr eure Sachen abstellen. Ich nehme euer Pferd und versorge es." Bevor Ferin etwas sagen konnte, bedankte sich meine Mutter mit einem Lächeln.

„Das ist zu gütig von Ihnen." Ich hätte fast losgelacht, so sehr amüsierte es mich, wie bemüht höflich meine Mutter klang.

„Nenn mich doch Bandalur!", meinte unser Gegenüber und reichte ihr die Hand. Sie ergriff sie und hauchte: „Eleysa."

Ich drängte mich nach vorne und sagte, ein wenig zu laut: „Und ich bin Indira." Bandalur hob amüsiert seinen Blick.

„Ich habe gute Ohren, mein Kind. Du musst mich nicht anschreien." Mir schoss die Röte ins Gesicht und ich blickte ihn fassungslos an.

Ferin rettete mich aus der Situation: „Bandalur, vielen Dank für das kleine Gespräch, wir würden aber nun wirklich gerne erst einmal unser Gepäck abstellen." Er nickte ihm kurz zu, überreichte ihm sein Pferd, nahm das Gepäck und mit uns im Schlepptau ging er durch die Zeltreihen.

Ich wusste nicht, ob sie Neuankömmlinge immer so anstarrten, aber ich hatte das Gefühl es begleiteten uns zig Augenpaare bis zu unserer Lagerstätte. Ich wand mich unter den Blicken der anderen, ließ mir aber nichts anmerken.

Ferin schlug die Plane aus gegerbtem braunen Leder zurück, als wir ankamen. Unser Zelt war groß und gemütlich. Der Boden war mit Moos ausgelegt und in einer Ecke stand ein Holztisch mit Stühlen. Als Betten dienten Decken und selbstgenähte Kissen. Überall waren kleine Lichter aufgestellt und als ich eines näher in Augenschein nahm, sah ich in dem Glas Glühwürmchen tanzen.

Ich fühlte mich sofort wohl.
Während Ferin und Eleysa sich häuslich einrichteten, begann ich damit das Lager zu erkunden. Zuerst ging ich zu dem Pferdeplatz und schaute nach Ferins Pferd. Auch, wenn Bandalur sagte, er würde sich um ihn kümmern, traute ich ihm nicht so Recht über den Weg. Ich war erleichtert, als ich das große, stämmige Tier friedlich Heu kauend zwischen den anderen Pferden erblickte. Beruhigter als vorher setzte ich meinen Rundgang fort. Ich kam bei den Näherinnen vorbei und staunte nicht schlecht, wie sie kleine filigrane Stickereien auf Kleidung brachten. Die Muster waren verschlungen und zeigten meist Blumen. Es sah wunderschön aus. Irgendwann würde ich auch einmal schön bestickte Kleidung tragen, sagte ich mir.

Selbst einen Schmied gab es in dem kleinen Lager. Um nicht allzu laute Geräusche mit seinen Werkzeugen zu machen, hatte er nasse Tücher um die noch zu schmiedenden Gegenstände gelegt. Eine Weile schaute ich ihm bei der Arbeit zu. Seine Arme waren kräftig und mit jeder energetischen Bewegung sah ich das Muskelspiel unter seiner Haut.

„Oh, ich wusste gar nicht, dass du auf muskelbepackte Männer stehst?", ertönte auf einmal hinter mir eine Stimme. Ich wirbelte herum und starrte verlegen in Henris Gesicht. Der grinste mich süffisant lächelnd an.

Ich dachte nicht nach und schlang meine Arme kurzerhand um seinen Oberkörper. Fast reflexartig atmete ich tief ein. Sein Geruch strömte in mich und vernebelte mir die Sinne.

„Hi!", krächzte ich und ließ ihn schlagartig los, als mir bewusst wurde, wie peinlich ich mich gerade benahm. Henri grinste von einem Ohr bis zum anderen.

„Hallo Indira! Lange nicht gesehen und eine so feurige Begrüßung hätte ich dir gar nicht zugetraut. Das muss wohl an dem Schmied liegen, der dir mit seinem heißen Feuer ordentlich..." Ich boxte ihm gegen die Schulter. „Hör auf! Du weißt, dass das nicht stimmt." Ich versuchte ihn böse anzustarren, aber dennoch schmunzelte ich. Es war so schön ein vertrautes Gesicht zu sehen.

„Ich freue mich, dich zu sehen!" Das meinte ich ernst und ich merkte, wie die Botschaft bei Henri ankam. Seine Augen funkelten und leise meinte er: „Ich auch, aber ich bin nicht der einzige." Dann nahm der Schalk in ihm wieder die Überhand.

„Außerdem habe ich gerne wundervolle Begleitung hier in dem Lager." Ich runzelte die Stirn. „Äh, ich glaube, ich verzichte." Er schaute mich gespielt entsetzt an. „Was? Das kannst du doch nicht machen! Mädchen würde sterben für eine Nacht mit mir!" Ich räusperte mich und steif antwortete ich: „Okay, dass kann ich mir durchaus vorstellen, aber tut mir Leid, im Moment besteht kein Interesse." Ich starrte peinlich berührt auf den Boden und riss meinen Blick erst vom Schlamm vor mir los, als ich hörte, wie Henri schallend lachte.

„Ach, Indira, man kann dich so leicht aufziehen." Ich starrte ihn erst perplex und dann wütend an.

Aber nun komm, ich führe dich im Lager herum und ich würde einen Besen fressen, wenn nicht eine Person schon sehr ungeduldig wird, wenn sie wüsste, dass du hier bist."

Ich wollte zum Sprechen ansetzen, aber Henri hielt mir seinen erhobenen Zeigefinger vor die Lippen und zog mich ins Getümmel.

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