Trauer

Das Erste was er sah, als Felix seine Augen öffnete, war der kleine dicke Hamster Scotty auf seiner Nase. Erst jetzt spürte er einen starken Schmerz am Kopf und die Leute redeten auf ihn ein: "Geht es dir gut? Brauchst du einen Krankenwagen? Erinnerst du dich noch an alles?"

Felix stand auf, aber wankte ein bisschen auf den Beinen. Scotty hatte er von seiner Nase in seine Hand genommen.

"Mit geht es gut, ich brauche nichts", murmelte er und ging an den ganzen Menschen vorbei.

Er achtete auf den Boden, bis er an seinem Haus angekommen war.

"Lässt du mich mal mit deinen Fettfingern los? Mein schönes Fell wird noch ganz ranzig, wenn es weiter mit dir in Berührung kommt", meckerte Scotty.

"Womit habe ich das verdient?", fragte Felix und warf Scotty auf den Boden.

"Autsch! Selbst wenn ich nichts in der Welt der Lebenden spüre, tat es dennoch weh!", keifte Scotty und sah Felix dabei zu, wie er die Haustür mit dem Schlüssel öffnete. Er betrat das Haus und warf seine Schultasche von seinen Schultern ab. Scotty ignoriere die offene Tür und lief einfach durch die Wand hindurch.

"So Scotty. Brauchst du einen Käfig, oder wo sollst du verbleiben? Was isst du überhaupt?", frage Felix.

"Ich kann die Dinge in dieser Umgebung nicht berühren. Also bringt das alles nichts. Mein Futter besorge ich mir selber aus dem Tierheim. Die haben einfach das beste Futter."

"Und was soll ich meiner Familie erzählen? Ich kann doch nicht einfach einen Hamster mit anschleppen."

"Kein Problem. Im Normalfall können nur Wesen aus dem Jenseits mich berühren und sehen, so wie du es tust. Aber das ist auch schade, denn so können die Mädels meinen schönen süßen Körper nicht bewundern."

Scotty stellte sich auf seine Hinterbeine und streckte seinen wabbeligen Fettbauch raus.

"Schön und süß ist was anderes", murmelte Felix und ging hoch in sein Zimmer.

"Was behauptest du mickriger Wicht?", maulte Scotty mürrisch und flog hinter ihm her.

In seinem Zimmer angekommen holte Felix sich ein Handtuch und zog sich aus. Er wollte erst mal duschen gehen, um sich den ganzen Dreck und das Blut von seinem Kopf abzuwaschen. Als er unter der Dusche stand, spürte er plötzlich etwas eigenartiges.

"Felix! Da ist jemand gestorben, du musst los", rief Scotty, welcher vor der Dusche stehen geblieben war.

"Hat das nicht noch kurz Zeit?", fragte Felix, der das Wasser anstellte und sich seinen Kopf wusch.

"Wenn die Seelen zu lange warten, werden sie traurig und sind verängstigt. Es könnte passieren, dass sie im Jenseits herumwandern und versuchen ihre liebsten zu suchen. Wenn sie da etwas anfassen und sie es mit Glück bewegen können, denken die dummen Menschen, dass es bei ihnen Spukt."

"Ach, so kommt das also?"

"Klar. Manche Seelen unterhalten sich dadurch ein bisschen, bis der Tod sie abholt."

"Na gut. Ich beeile mich."

Felix duschte schnell, zog sich frische Sachen an und sah Scotty erwartungsvoll an.

"Was willst du? Geh in den anderen Modus", blaffte Scotty Felix an.

"Aber ich weiß doch gar nicht, wie das geht!", rief Felix, "Scotty, beam mich einfach hoch. Irgendwie."

Scotty sah ihn fragend an "hochbeamen? Was soll das den bedeuten?"

"Kennst du kein Star trek? Natürlich kennst du das nicht. Egal, bring mich ins Jenseits", befahl Felix.

"Um ins Jenseits zu kommen, musst du sterben", meinte Scotty stumpf.

"Was? Ich soll mich jedes mal umbringen, wenn ich eine Seele abholen soll! Das ist doch grausam!", Felix sah sich um, "dann muss ich mir ein Messer holen...", überlegte er.

"Haha. War nur Spaß. Ihr Menschen seid ja so dumm. Ich bringe dich weg", machte sich Scotty lustig über ihn. Er berührte Felix mit seiner Pfote und Felix sah, wie sein eigener Körper zusammen sackte.

"Oh nein! Mein Körper! Passiert das immer?", fragte Felix erschrocken.

Scotty schüttelte seinen kleinen dicken Hamsterkopf. "Das passiert nur so lange, bis du deine neue Kraft unter Kontrolle hast und weißt, was du alles tun kannst."

Felix sah an sich herunter

"Ich sehe nicht professionell in dieser Kleidung aus. Gibt es nicht irgendwas, damit mir die Leute auch glauben, dass ich der neue Tod bin?", fragte Felix.

Scotty überlegte und antwortete kurz darauf:" ich könnte dir einen Kapuzenmantel und eine Plastiksense besorgen."

"Hm. Das sollte wohl erst mal ausreichen", murmelte Felix.

Kurz darauf verschwand Scotty in einem Portal, was er wohl irgendwie selber erschaffen hatte und brachte ihm einen alten Kapuzenmantel und eine unglaublich lächerliche Plastiksense. Felix sah nicht sonderlich beeindruckt aus, doch akzeptierte er es erst mal.

"Und wie komme ich zu der Seele? Muss ich sie aufspüren oder so?", fragte Felix, der wirklich keine Ahnung von irgendwas hatte.

"Meine Güte. Der Tod ist ein fauler Sack. Der hat dir ja wirklich gar nichts erklärt! Immer bleibt diese blöde Erklärerei an uns hängen!", beschwerte sich Scotty lauthals, "ich sollte dir ein Handbuch besorgen, in dem alles drinsteht. Du müsstest doch alles können, was der Tod auch konnte, er hat dir ja schließlich seine Fähigkeiten abgegeben, aber sein Wissen behält er natürlich für sich! Moment mal. Wahrscheinlich hat der Tod peinliche Geheimnisse... Die werde ich herausfinden und ihn blamie...", Scottys Redefluss wurde von Felix unterbrochen: "Aber dann bräuchte ich es schnell, ansonsten kann ich gar nichts machen."

"Immer nur am herummeckern! Nichts kann man den Menschen recht machen. Ihr seid ja so egoistisch, denkt immer nur an euch selber, aber die armen Tiere werden dazu gezwungen so einen Blödsinn zu machen. Ungerecht ist das!"

"Ich brauche trotzdem das Handbuch, sonst kann ich doch gar nichts machen. Beschweren kannst du dich später, okay?", schlug Felix vor.

"So viel ich will?", fragte Scotty.

Felix seufzte: "wenn es sein muss."

Scotty grinste und seine Hamsterzähne wurden sehr gut sichtbar. Das hätte vielleicht niedlich ausgesehen, hätte Scotty nicht ein undefinierbares Etwas zwischen seinen Zähnen stecken.

Daraufhin verschwand er wieder und es dauerte eine Zeit, bis Scotty mit einem sehr dicken Buch, welches ein sehr lächerliches Cover besaß, wieder zurück kam.

Felix nahm das schwere Buch an und suchte nach einem Inhaltsverzeichnis.

"Achja, der Tod selber hat das Buch für jemanden wie dich geschrieben. Allerdings macht er, dieser faule Sack, nur das nötigste und hat weder Seitenzahlen, noch ein Inhaltsverzeichnis hinzugefügt.

Mit Überschriften war er auch sehr sparsam, also viel Spaß beim suchen."

"Und was ist, wenn die Seele jetzt etwas blödes anstellt?", fragte Felix besorgt.

"Dann ist das dein Problem. Musst du irgendwie wieder gerade rücken."

Felix seufzte und blätterte durch das Buch.

"Ah, da! 'Die geheimnisvolle und super spannende suche nach den extrem mysteriösen Seelen, von denen niemand weiß, wie viele eigentlich in den Himmel oder in die Hölle passen, ohne dass diese Orte zu voll werden und was passiert, wenn sie doch voll werden und wo die Seelen der letzten Millionen Jahre eigentlich geblieben sind und ob sie sich nicht langweilen, aber eigentlich müssten es die Aufseher dieser Orte wissen, deshalb sollte man sie mal fragen.', scheint das richtig Kapitel zu sein.", überlegte Felix laut mit einem leicht verärgerten Gesichtsausdruck.

"Diese Überschriften sind Müll. Der Tod kann halt nichts, außer Seelen wegbringen und Tiere quälen. Ich süßes Tier habe ja so gelitten, die letzten Jahrtausende in diesem modrigen Käfig!", beklagte sich Scotty, welcher aber vollkommen von Felix ignoriert wurde, da dieser dabei war die krakelige Schrift des Todes zu entziffern.

"Das sieht so aus, als hätte der Tod das geschrieben, ohne hinzusehen. Oder ohne die Absicht da Buchstaben hinzuschreiben. Das ist doch einfach nur Geschmiere!", ärgerte sich Felix.

"Du hast sogar recht. Tod hat nicht hingeguckt, als er das geschrieben hat. Er war gerade dabei seine Lieblingsschnulze auf dem Fernseher von irgendeiner menschlichen Toten zu gucken, als er das da hin geklatscht hat", antwortete Scotty.

"Achso. Jetzt versehe ich, warum da 'Oh nein, Andrea darf ihn nicht verlassen, die beiden sind doch füreinander bestimmt!' steht", murmelte Felix.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte Felix die Textstelle gefunden, die ihm verriet, wie er die Seelen fand und wie er zu ihnen kam.

Nach mehrfachem lesen, weil der Tod ein wirklich schlechter Erklärer war, verstand Felix es endlich und konzentrierte sich. Er spürte plötzlich eine Präsenz aus einer Richtung. Der dachte fest an diese Seele und wie sich die Präsenz anfühlte, als sich ein Portal vor ihm öffnete.

Felix schritt hindurch, gefolgt von Scotty, welcher hinterher hopste.

Die Beiden standen in einem Zimmer, das ziemlich schlicht eingerichtet war. Schon schnell merkten sie beide, wo sie sich befanden.

"Oh nein! Wir sind an dem Ort des Grauens gelandet!", rief Scotty, "hier versammelt sich die ganze lästige Arbeit, die einem alle Nerven raubt!"

"Was? Altersheime sind doch gar nicht schlimm", wunderte sich Felix und ging auf den alten Mann zu.

"Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber Sie sind... ich bin der Tod und hier, um sie abzuholen" sagte Felix bedauernd.

"Tod? Ich kenne keinen Tod? Warum willst du mich dann abholen? Hilfst du mir, hier auszubrechen? Ich bin in meinem Bett eingeschlafen und dann plötzlich bin ich hier aufgewacht. Die Leute tun alle so, als würden sie mich kennen und als ob ich schon lange hier wäre, aber ich kenne doch keinen einzigen!"

"Ich glaube sie haben mich falsch verstanden. Sie sind tot und ich muss Sie in den Himmel bringen."

"Himmel? Sind Sie Pilot? Wollen Sie etwa Werbung für eine Reise machen? Nein danke, keine Interesse."

Hilfesuchend sah Felix zu Scotty, der ihm eine Pergamentrolle hinhielt. Felix nahm sie an und sah rein: Kunibert Barrels. Tod durch Sturz. Alzheimer, versuchte aus dem Altenheim zu fliehen. War bei einer Hilfsorganisation beteiligt -> Himmel.

"Verstehen sie es doch Bitte", fing Felix an, "Sie leiden unter Alzheimer. Sie sind durch einen Sturz gestorben und ich bin der Tod. Ich werde Sie jetzt in den Himmel, zu den anderen Seelen bringen."

"Ich bin also tot? Ist das... ist das da also das Licht am Ende des Tunnels?", fragte Kunibert.

"Nein, das ist nur die Stehlampe", antwortete Scotty.

"Oh, die hat mich schon die ganze Zeit geblendet. Na gut. Ich werde... Wer bist du denn? Was machst du in meinem Schlafzimmer?", rief Kunibert.

"Ah, was ist denn jetzt passiert?

Ähm, ich bin der Tod. Sie sind vorhin gestorben und ich bin hier, um Sie in den Himmel zu bringen", versuchte Felix erneut zu erklären.

"Wenn ich tot wäre, wüsste ich es doch! Ihr Jugendliche und eure schlechten Witze! Dieser Umhang und diese Sense sind das schlechteste, was ich jemals gesehen habe! Eine Frechheit ist das! Ich werde dich anzeigen!"

"Wenn das hier ein Spaß wäre, könnte dieser Hamster dann sprechen?", fragte Felix und zeigte auf Scotty. "Komm schon Scotty, sag was."

Scotty schwieg und legte sich hin. "Du bist doch nicht normal! Unverschämt bist du. Das kann ich nicht tolerieren!"

Felix fragte sich, wie er den Mann überzeugen könnte, dass er tot und Felix der Tod war.

"Da. Das dort ist das Licht. Sie haben doch bestimmt schon mal von dem Licht am Ende des Tunnels gehört? Genau ist dies", versuchte Felix es und zeigte auf die Lampe, auch wenn die Chancen sehr niedrig waren, dass es klappen würde.

"Deswegen blendet es mich so. Ich wusste doch, dass es Gottes Licht sein muss, wenn es so hell ist."

"Ja... das ist das heilige Licht. Ich bringe Sie nun dort hin", meinte Felix, der sehr verwirrt dadurch war, dass es geklappt hatte.

Dann flüsterte er Scotty zu: "Hilfst du mir, ein Portal in den Himmel zu öffnen?"

Scotty erhob seinen Kopf und das Portal, kaum sichtbar, öffnete sich vor der Lampe. Auf Felix Befehl hin, ging der alte Kunibert Barrels durch den Eingang in den Himmel. Felix folgte him, der wiederum von Scotty verfolgt wurde.

Felix sah sich staunend um. Es war schließlich das erste mal, dass er im Himmel war. Der Boden bestand aus weichen Wolken, zumindest wirkte es auf Felix so, und der Himmel im Himmel strahlte Blau. Vor ihnen stand eine weiße Kutsche, die von einem weißen Pferd gezogen wurde. Der Kutscher war eine Gestalt in einer weißen Robe.

Felix ging auf den Kutscher zu. "Bringen Sie die Seelen weiter?", fragte er.

"Ja. Das ist meine Aufgabe. Ich sehe, du bist ein neuer Tod. Ich verlange eine Münze von dir."

"Was für eine Münze denn?", wunderte sich Felix.

"Das ist die Bezahlung für den Kutscher und dem Fährmann. Ich wette, der Tod hat sie dir nicht gegeben", überlegte Scotty

"Aber was soll ich jetzt machen? Der Tod soll für seine Arbeit bezahlen? Das ist doch total bescheuert. Wer würde denn Arbeiten gehen, wenn er Geld bezahlen müsste, anstatt welches zu bekommen?", ärgerte sich Felix.

"Du kannst mir auch ein Angebot machen. Ein Tauschhandel. Du mistest den Pferdestall für mich aus", schlug der Kutscher vor.

Felix stimmte etwas unzufrieden zu und der Mann wurde von dem Kutscher weg gefahren.

"Jetzt muss ich wegen diesem blöden Tod auch noch ein Pferdestall ausmisten!", ärgerte sich Felix.

"Das Schlimmste kam noch gar nicht", dachte Scotty laut.

"Was meinst du damit?", fragte Felix.

"Der Tod liebt es zu Wetten. Aber er ist ganz schön mies darin. Er hat ganz schön viele Schulden. Wenn du Pech hast, musst du sie alle begleichen. Schließlich hast du ja alles von ihm übernommen."

Noch schlimmer hätte es ja kaum kommen können, dachte Felix und bat Scotty schließlich darum, ihn wieder zurück in seinen Körper zu bringen.

Zurück in seinem Körper setzte er sich auf sein Bett und versuchte erst mal alles zu ordnen vor nicht wenigen Stunden hatte er sich vor der Schule zum Affen gemacht, ist durch eine Bananenschale gestorben und wurde zu einem Aushilfstod. Das konnte nicht jeder Schüler von sich behaupten.

"Felix, wie war es in der Schule?", fragte seine Mutter, die zur Tür in sein Zimmer kam. Sie war gerade von der Arbeit wiedergekommen.

"Oh, Mama, du bist schon wieder da. Ich wurde zum Schulsprecher gewählt", sagte Felix mit einem aufgesetzten lächeln. Er wollte ihr nicht von der Blamage erzählen, das hätte sie bestimmt auf irgendeine Weise enttäuscht.

"Was, ehrlich? Das ist ja großartig. Das werde ich sofort allen unseren Verwandten erzählen!", freute sich seine Mutter. Daraufhin verließ sie sein Zimmer wieder.

"Hör jetzt endlich auf damit!", fauchte Felix Scotty an, welcher während des Gespräches von Felix mit seiner Mutter an seiner Nase gezogen hatte und darauf rumknabberte, um ihn zu stören

"Aber das ist doch lustig. Deine Nase ist so ein großer Zinken, dass ich gedacht habe, er wäre aufgeklebt. Aber jetzt weiß ich, dass du eigentlich Pinoccio bist", stichelte Scotty.

"Und du bist kein fetter Hamster, sondern eine nervige, fette Ratte", warf Felix ein.

"Du solltest mal den Unterschied zwischen einem Hamster und einer Ratte lernen. Ich bin viel zu süß um eine Ratte zu sein. Und da sind noch ein paar andere Unterschiede, die mich von einer Ratte unterscheiden. Aber lassen wir erst mal das Gespräch. Ich wollte mich zwar noch ein bisschen aufregen, aber mir ist eingefallen, dass dir eine bessere Ausrüstung zusteht, außer dieser Plastiksense und dem zerfledderten Mantel. Ich tue das nicht gerne, aber wenn es zu einem Problem kommt, will ich die Suppe nicht auslöffeln. Das ist dann ganz alleine dein Problem. Ich werde für eine Weile weg sein, wenn du eine Seele spürst, musst du selbstständig in das Jenseits gelangen."

"Na gut, habe ich verstanden", antwortete Felix und informierte sich in dem Handbuch über weitere dinge, beispielsweise, wie der Tod es geschafft hatte, dass alle Personen um seiner Leiche plötzlich stehen geblieben waren.

Eine Weile nach Scottys verschwinden merkte Felix wieder das Gefühl, was er in der Dusche gehabt hatte. Er hatte sich schon gewundert, warum er sich in dieser Zeit nur um eine Person kümmern musste. Schließlich starben auf der Erde tausende Menschen in einer Minute. Darüber hatte er bislang auch noch nichts in dem Buch gefunden gehabt.

"Verdammt, wie komme ich da jetzt nur hin? In dem Buch steht zwar etwas darüber, aber ich kann es doch noch gar nicht richtig", murmelte Felix. Das Gefühl änderte sich plötzlich schlagartig und die Farben aus seinem Zimmer verschwanden. Er war irgendwie in das Jenseits gelangt. Doch hatte er nichts getan, um dort hinzu gelangen. Kurz darauf sah er schon den Grund, warum er im Jenseits gelandet war. Eine Gestalt, die beinahe genauso aussah wie der Tod, nur in etwas kleiner, schmaler und mit einer Schleife an der Kapuze, stand direkt vor ihm.

"Herje, wer bist denn du? Du hast die Präsenz des Todes, aber du siehst kein bisschen aus wie ein Sensenmann. Ich habe mich wohl irgendwie vertan, ich wollte eigentlich nur nach meinem Freund sehen."

"Du bist also weiblicher Tod?", fragte Felix, "Tod hat mir von dir erzählt, bevor er mich zu einer Art Sensenmann machte."

"Was? Tod hat sich eine Aushilfe geholt? Er war wohl eifersüchtig auf die anderen, die sich es nun gemütlich machen können."

"Die Anderen? Es gibt noch mehr Sensenmänner?", fragte Felix.

"Und Sensenfrauen. Alleine würde es niemand hinbekommen, so viele Seelen in den Himmel oder in die Hölle zu bringen."

"Und wie werden die Seelen aufgeteilt?", fragte Felix neugierig.

"Der Tod, der am nächsten an der Seele dran ist, spürt sie. Er hat dann also die Aufgabe sie abzuholen. Pro Stadt in Stadt gibt es einen bis zehn Sensenmänner und Sensenfrauen, es kommt darauf an, wie groß die Stadt ist. Oder ob die Menschen schnell sterben."

"Endlich erklärt mir mal jemand was. Tod und Scotty erklären wohl nicht gerne."

"Scotty?", fragte der weibliche Tod, "der kleine korpulente Hamster aus der Tierhandlung, der so frech ist und sich so toll fühlt?"

"Ja. Genau der. Tod hat ihn mir auf gezwängt, aber anstatt, dass er mir hilft, nervt er eigentlich nur", beschwerte sich Felix.

"Tod macht das sehr gerne. Er hat Menschen mit Katzenhaarallergie auch Katzen aufgezwungen oder anderen mit einer Spinnenphobie eine riesen Tarantel gegeben.

Er gibt den Tieren auch oft Namen, die sie nicht mögen und erzieht sie schlecht, deswegen rebellieren sie auch ständig. Scotty kann seinen Namen auch nicht leiden."

"Wolltest du eigentlich deinen Hund abholen?", fragte Felix sie

Sie nickte kurz.

"Du kannst gerne mitkommen. Ich kann dir einen kleinen... wie nennt ihr Menschen das... Crash-Kurs geben. Du hast auch noch gar keine Sense, die ist sehr wichtig", sagte weiblicher Tod und klopfte Felix auf die Schulter, wodurch beide in die Tierhandlung gebracht wurden.

"Scotty wollte mir eine Ausrüstung besorgen", erzählte Felix, "mit diesen Klamotten sehe ich auch gar nicht professionell aus." Er sah auf seine Nike-Schuhe und die große Hose. Auch sein Pullover sah ziemlich lässig aus.

Tod wunderte sich: "Die Tiere kommen gar nicht an die Ausrüstung dran. Und du glaubst, wir tragen diese Roben nur, damit wir professionell aussehen? Durch die Mäntel haben wir einige Vorteile. Für Aushilfen wie dir sind sie unentbehrlich. Durch sie könnt ihr leichter von eurer Welt in das Jenseits gelangen, ohne, dass euer Körper bewusstlos werden. Du kannst also deinen Körper verlassen, ohne dass es irgendjemand mitbekommt. Gut, oder?"

Felix nickte

"Wo ist Scotty eigentlich, wenn er keine Sense besorgt?", fragte Felix.

"Ich denke, ich weiß wo er steckt", meinte weiblicher Tod. Sie lief sofort los und riss eine Tür auf. Felix lugte hindurch und sah Scotty vor einer großen Packung sitzen, wie er sich einen Berg Hamsterfutter in seinen Schlund stopfte.

"Ups, da wurde ich wohl ertappt", nuschenlte Scotty.

"kein wunder, dass du so fett bist", merkte weiblicher Tod an und zog ihn aus der Kammer.

"Man soll doch nicht lügen", belehrte sie Scotty, "aber jetzt wollen wir dem lieben Jungen doch erst mal eine Sense bringen."

"Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt", fiel es Felix ein als sie auf dem Weg zu der Waffenkammer waren, "ich heiße Felix."

"Felix also. Du scheinst mit aber nicht glücklich mit seiner Lage zu sein. Zu kannst mich einfach nennen, wie du magst. Wir haben keine richtigen Namen."

Wird jeder irgendeinen Satz mit der Übersetzung meines Namens bilden, nachdem er ihn erfahren hat, fragte sich Felix.

"Dann nenne ich dich einfach mal Sybille", überlegte er.

"Na gut, einverstanden", sagte Sybille und blieb vor einer silbernen Tür mit einer schönen Goldverzierung stehen. Als sie die Tür öffnete und Felix hinein sehen konnte, staunte er nicht schlecht. So einen großen, schönen Raum, mit so vielen Waffen hatte er noch nie gesehen.

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