58. Kapitel

"It's the way that I feel when I'm with you... brand new"

Ellie's POV

Gähnend öffnete ich meine Augen und sofort spürte ich einen stechenden Schmerz in meinem Kopf. Ich seufzte. Wie viel hatte ich gestern noch getrunken? Ich konnte mich nicht mehr erinnern.
Schwermütig richtete ich mich auf und gähnte erneut. Ich war so fertig. Ich fühlte mich wie ein Wrack. Dennoch stand ich auf und ging ins Badezimmer. Dabei merkte ich, dass ich immer noch die Tracht von gestern anhatte, die völlig verschwitzt war. 

"Guten Morgen!", trillerte meine Großmutter laut und gut gelaunt, als ich müde das Esszimmer betrat. Sofort zuckte ich wegen der Lautstärke zusammen, verzog mein Gesicht vor Schmerzen im Kopf und massierte mir die Schläfen.
"Morgen.", begrüßte auch mein Opa mich und lächelte mich bemitleidend an.
"Wow, du siehst aus wie-", wollte Alex lachend beginnen, doch ich unterbrach ihn sofort schwermütig: "Sag jetzt... nichts."
Er hob unschuldig die Hände, kicherte und rührte weiter seinen Kaffee um.
"So einen brauch ich jetzt auch.", seufzte ich und rieb mir die Augen. Ich würde nie wieder Alkohol trinken. Nie wieder.
"Wohl eher eine Kopfschmerztablette.", amüsierte sich mein Onkel erneut über meinen Zustand und ich sah ihn so düster an wie nur möglich.
"Oh, wirklich? Geht es dir nicht gut, mi flor?", fragte mich Valentina sofort besorgt und legte eine Hand auf meine Schulter. Ich zuckte kurz darunter zusammen und spannte meinen Kiefer an. Wenn sie die Hand nicht gleich wegnehmen würde, würde ich seit langem wieder einen Ausbruch haben. Dennoch versuchte ich mir zitternd ein Lächeln aufs Gesicht zu zwingen und die Situation für mich zu entschärfen: "N-nein. Mir geht es gut. Nur hab ich... ein bisschen Kopfschmerzen."
"Das haben wir gleich!", sagte meine Oma lächelnd, zwang mich, mich hinzusetzen und ließ mich endlich los. Meine Anspannung fiel urplötzlich, dennoch konnte ich jetzt wieder jede einzelne Narbe aufs genauste spüren. Ich fühlte den stechenden Schmerz, als Dario sie mir zugefügt hatte. Das kalte Messer an meiner Haut. Ein Schauer überkam mich und mir wurde auf einmal übel.
"Wie schlimm sind denn deine Kopfschmerzen? Weil ich hätte hier einmal-", begann meine Großmutter gerade und hatte zwei weiße Schachteln mit bunter Aufschrift in der Hand, da unterbrach ich sie und versuchte dringlich meine Panik zu unterdrücken: "Entschuldige mich kurz"
Damit stand ich ruckartig auf, während der Stuhl hinter mir krachend zu Boden fiel und ich rannte zur Toilette, um dann hinter mir abzusperren und mich augenblicklich zu übergeben. Irgendwann musste das ja kommen. Bestimmt war der Alkohol gestern auch ein Auslöser dafür.
Plötzlich hämmerte jemand gegen die Tür. "Mi flor, alles in Ordnung?"
"Es... es ist alles gut, abuela. Ich komme... gleich.", gab ich schwach zurück und versuchte, es einigermaßen authentisch rüberzubringen, während ich am ganzen Körper zitterte und mich gerade so aufrecht halten konnte. Jegliche Kraft war von mir gewichen.
Ich hoffte inständig, dass es geklappt hat, sie abzuwimmeln. Meine Oma konnte manchmal wirklich überfürsorglich sein und das konnte ich gerade eben echt nicht brauchen.
"Sicher? Lass mich doch einfach rein!", rief sie wieder besorgt, doch ich hielt dagegen: "Ich komme gleich!"
Ich hörte, wie Alex sie von der Tür wegzog. "Es liegt nur am Alkohol, Mutter."
Er wusste, dass es nicht der einzige Grund war.
Damit ließen die Zwei mich endlich alleine, während ich mich ein zweites Mal übergab.
Fünf Minuten später ging ich mit wackeligen Knien zurück zu den anderen. Oma kam sofort fürsorglich zu mir und half mir, mich zu setzen. Gleich danach reichte sie mir ein Glas Wasser, das ich sogleich mit der Tablette austrank. Besorgt tätschelte sie mir den Rücken: "Geht es wieder?"
Ich nickte nur. Reden konnte ich gerade noch nicht. Als dann wieder eine ganz normale Stimmung am Tisch herrschte, zwang mich Valentina dazu, zwei beschmierte Brote zu essen, die ich gerade so herunter brachte. Alex sah mich nur kurz bemitleidend an, aber er wusste genauso gut wie ich, dass sich meine Großmutter nicht hätte aufhalten lassen.

Den restlichen Vormittag verbrachte ich damit, im Garten zu liegen, mich von der Sonne bestrahlen zu lassen und die Ruhe zu genießen. Bilder von gestern kamen zurück. Wie wir getanzt hatten. Wie ich gesungen hatte. Wie Luis und ich uns kaum noch auf den Beinen halten konnten, als wir nach Hause gestolpert waren. Das war schon lustig gewesen. Den gestrigen Abend würde ich niemals vergessen. Live Musik war einfach noch tausend mal besser und schöner. Außerdem hatte ich meine Liebe zu spanischen Songs wiederentdeckt. Besser konnte es nicht mehr werden.
Wirklich nicht.
Denn heute war schon unser letzter Tag hier. Um Punkt 20 Uhr mussten ich und Alex am Flughafen stehen. Doch wie sollte ich all das hier hinter mir lassen? Einfach so? Die Menschen hier. Die ganze Atmosphäre. Ich würde es viel zu sehr vermissen. Doch die Jungs vermisste ich genauso sehr. Egal was ich tat, ein Teil von mir würde immer fehlen.

Plötzlich stellte sich mir jemand vor die Sonne. Ich öffnete neugierig meine Augen. In dem Moment vernahm ich ein leises Knipsen.
"Hey", begrüßte mich Luis müde lächelnd und legte sich neben mich auf die Decke, die ich im Garten ausgebreitet hatte. Er klang genauso fertig wie ich. In seiner Hand befand sich eine Kamera, die etwas Retro wirkte.
"Hey, wie geht's dir?"
"Schrecklich.", jammerte er, lächelte verschlafen und rieb sich müde die Augen. Seine leichten Locken waren aber wie immer perfekt gestylt.
"Hast du noch Ärger von deiner Mutter bekommen?", fragte ich interessiert und blinzelte etwas wegen der Sonne, als ich zu ihm herüber sah.
"Naja, sie war schon mal besser drauf, aber insgesamt war es nicht so schlimm wie erwartet.", antwortete er mir schulterzuckend und spielte mit der schwarzen Kamera in seinen Händen herum. "Sie war nur nicht so angetan von dem Kater, den ich habe. Meine Mutter ist glaube ich die Einzige hier, die das mit dem Alkohol nicht so locker sieht."
"Allerdings. Sogar Alex hatte schlussendlich nichts dagegen.", erwiderte ich überrascht. "Coole Kamera übrigens."
"Danke", antwortete er und begann zu strahlen. "Die hab ich mal von Opa zum Geburtstag bekommen. Ist schon etwas her, aber sie funktioniert noch."
Als er zu Ende gesprochen hatte, hielt er den kleinen Kasten wieder vor sein Gesicht und knipste ein Bild von mir. Ich legte lachend meine Hand auf mein Gesicht und mit der anderen versuchte ich ihn abzuwimmeln. Schließlich hörte er auf und legte sich lachend flach neben mich.

Eine angenehme Stille legte sich über uns. Ich hörte die Vögel, die auf dem großen Baum im Garten saßen, ein Lied zwitschern und Bienen summen. Alles wirkte so schön friedlich.
"Dann ist es heute wohl soweit.", seufzte Luis. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das sagen würde, aber ich werde dich vermissen, Cousinchen."
Ich stupste ihm in die Seite und lachte.
"Lass uns den Tag heute einfach noch ein bisschen genießen, okay? Reden wir nicht darüber.", meinte ich dann und er nickte: "Abgemacht."
Schließlich lagen wir einfach noch ein bisschen herum, unterhielten uns etwas und vergaßen die Zeit. Irgendwann rief dann Oma nach uns: "Kommt ihr?! Das Mittagessen ist fertig!"
Schwermütig stand Luis auf und zog mich dann auch auf die Beine. Zusammen liefen wir zur Terrasse, wo ich auch noch Rosa, Ricardo und Lupita begrüßte. Wir aßen zusammen das Gekochte von Valentina, das wieder mal viel zu viel geworden ist. Doch ich genoss das Essen von ihr.

Als dann alle wieder in ein Gespräch vertieft waren, holte Lupita ihre Malsachen hervor und fragte Luis zuckersüß, ob er mit ihr malen wollte. Dieser nickte und nahm sie an die Hand. Mit ihnen lief ich zu meiner Decke und dort breitete Lupita ihre Blätter aus und schnappte sich den blauen Buntstift. Sie kritzelte dann etwas herum und Luis unterhielt sich mit ihr über das Bild: "Ist das eine Wolke? Dann fehlt doch noch die Sonne."
Die Kleine überlegte kurz, nickte dann und holte den gelben Buntstift hervor. Doch bevor sie damit malte, zögerte sie nochmal und reichte ihn dann mir. Ich begann zu strahlen. Das war wohl ein Freundschaftsangebot. Und ich nahm den Stift dankend an. Dann malte ich die Sonne und integrierte mich etwas ins Gespräch. Ich hatte ja noch kein bisschen mit der Kleinen geredet, weil ich noch nicht wirklich dazu gekommen bin und sie sehr ruhig und leise war, was andererseits ziemlich goldig war.
Wir kritzelten noch ein bisschen herum und ich lernte sie besser kennen. Sie liebte Pferde und Eis und am liebsten malte sie mit ihrem Bruder anstatt ihren Eltern. Luis wuschelte ihr daraufhin liebevoll lächelnd durch die dunklen, gewellten Haare und sie kicherte aufgeregt. Er liebte seine Schwester.
Wir malten noch eine Weile und als das Bild fertig war, schenkte Lupita es mir schüchtern. Ich bedankte mich strahlend bei ihr und brachte es daraufhin schnell in mein Zimmer zu meinem Koffer, um es nicht zu verlieren. Als ich dann wieder bei den Beiden angekommen war, entdeckte ich, dass Lupita eingeschlafen war und Luis sie lächelnd beobachtete. Als er mich dann bemerkte, deutete er auf den Baum und ich folgte ihm zu diesem.

"Lassen wir sie schlafen.", lächelte er und setzte dann einen Fuß an einem hervorstehenden Knorpel des Baumes an.
Ich weitete meine Augen, als ich verstand, worauf er hinaus wollte.
"Oh nein nein nein. Das werde ich nicht tun.", stellte ich sofort klar und wich einen Schritt zurück. Luis kletterte allerdings weiter und befand sich mittlerweile auch nicht mehr auf dem Boden. Doch ich hörte ihn lachen: "Ach komm schon! Sei nicht so spießig!"
"Ich bin nicht spießig!", zischte ich sogleich beleidigt, doch er hielt dagegen: "Und ob du das bist, sonst würdest du mir nämlich folgen!"
Ich schnaubte verärgert und verschränkte die Arme vor der Brust. Als ich wieder nach oben sah, bemerkte ich, dass Luis bereits auf einem dicken Ast nicht weit oben saß und grinsend auf mich herab schaute.
"Hör auf so zu gucken!", rief ich nach oben.
"Dann komm hoch!"
"Nein!", schrie ich, doch versuchte mich, mit der Lautstärke zurückzuhalten, denn ich wollte Lupita nicht aufwecken.
"Komm! Ich helfe dir! Oder traust du dich nicht?", provozierte er mich, doch noch während er den dritten Satz aussprach, setzte ich meinen Fuß entschlossen an der Rinde an. Daraufhin lachte er lauthals und lotste mich nach oben. Er erklärte mir, wo ich meinen Fuß am besten hinsetzen sollte.
Als ich endlich bei ihm angekommen war, platzierte ich mich etwas außer Atem neben ihn und seufzte erleichtert. Ich hatte eigentlich nicht gedacht, dass ich da noch ankommen würde.
"Also", begann ich unschuldig lächelnd. "Wer war dieses Mädchen gestern?"
Er stöhnte genervt auf und sein Blick wechselte zum Boden. Dabei raufte er sich kurz die Haare.
"Das braucht dich nicht zu interessieren.", gab er dann eintönig zurück und ich stieß ihm freundschaftlich in die Seite: "Hey, ich bin wegen dir diesen verdammten Baum hochgeklettert. Du schuldest mir was."
Er seufzte, lachte dann aber. "Stimmt schon"
"Also?", stichelte ich weiter und er schnaubte belustigt, knickte daraufhin allerdings ein: "Na gut"
Luis atmete kurz durch, als müsste er erst noch seinen Stolz überwinden, dann erklärte er: "Ihr Name ist Lucía und sie ist... ziemlich nett."
"Aha", gab ich grinsend zurück. "Ziemlich nett also. Und noch was?"
"Du weißt schon!"
"Tu ich?"
Ich begann zu kichern und noch währenddessen schubste er mich etwas und ich taumelte leicht, wobei mir mein Herz in die Hose rutschte vor Schreck.
"Spinnst du?", fragte ich entsetzt, konnte ihm aber nicht lange böse sein.
"Selber schuld.", antwortete er schulterzuckend und lächelte befriedigt vor sich hin.

Nach einer kurzen Stille drehte er den Kopf plötzlich wieder zu mir und grinste breit.
"Oh je", seufzte ich. "Welche Idee hast du jetzt wieder?"
Was Abenteuer betraf ist mein Bedarf bereits durch den Baum hochklettern abgedeckt worden.
"Lust auf eine kleine Spritztour?", zwinkerte er mir abenteuerlustig zu und ich seufzte erneut: "Das heißt, ich muss den Baum jetzt wieder runterklettern?"
Er nickte. "Keine Sorge, ich helfe dir wieder."
"Ich glaube es wäre eigentlich für uns beide sicherer, wenn du mir nicht hilfst.", gab ich zu bedenken und er brach in schallendes Gelächter aus: "Also wenn wir fallen, dann fallen wir zusammen."
"Na gut, aber ich habe dich gewarnt!", meinte ich noch und zeigte klarstellend mit dem Zeigefinger auf ihn.

Zehn Minuten später standen wir in einem kleinen Gartenhäuschen neben dem Haus unserer Großeltern. Luis suchte nach deren alten Fahrrädern.
Was das runterklettern betraf: Mein Cousin hatte mir zwar geholfen, nur etwas zu wohlwollend. Ungefähr bei der Hälfte sind wir beide wie vorausgesagt runtergefallen. Wir hatten ziemlich Glück gehabt, denn wir zwei waren nur mit ein paar Schürfwunden an den Armen und Beinen davongekommen. Es hätte natürlich schlimmer ausgehen können, doch wir beide konnten nicht anders, als lachen, nachdem wir uns wieder aufgerichtet hatten. Luis' Eltern sowie unsere Großeltern hatten uns etwas geschimpft, sie waren ziemlich erschrocken, als sie unsere Schreie gehört hatten. Nun stand wohl eindeutig fest, dass abhauen gerade eine gute Idee war, so würden sie sich wieder abregen und ich konnte meinen letzten Tag hier in Mexiko nochmal in vollen Zügen mit Luis genießen.
Als wir die bunten Fahrräder dann beide aus der Hütte rausgezogen und von Spinnennetzen befreit hatten, hing sich Luis seine Kamera um und es ging los. Die Dinger waren zwar schon etwas rostig, aber funktionierten noch gut.

Mein Cousin fuhr vor und ich ihm hinterher. Erst bewegten wir uns etwas durch das bunte Bernal hindurch und dann aus der Stadt hinaus. Wir kamen zu einem Schotter Weg, den wir entlangfuhren. Luis und ich entfernten uns immer mehr von der Stadt selbst. Um uns herum lagen Felder in grün und braun Tönen, an deren Enden standen hochgewachsene Bäume. Ich hörte die Vögel wieder ein Liedchen trillern und atmete die frische Luft Mexikos tief ein, während die Sonne warm auf uns hinunter schien. So sollte es immer sein.

Auf einmal stoppte Luis und hing seine Kamera lässig um den Lenker des Fahrrads. Ich drückte fest in die Bremse, so überraschend kam sein plötzliches Anhalten. Leider nur etwas zu ruckartig. Ich verlor die Balance durch den kleinen Hüpfer, den das Fahrrad gemacht hatte, kippte nach rechts um und landete im weichen, grünen Gras eines Feldes. Was war denn heute nur los? Erst bin ich vom Baum hinuntergefallen und jetzt vom Fahrrad.
Ich erhaschte Luis geschockten Blick und plötzlich begann ich, lauthals und ausgeglichen zu lachen.
"Ellie, alles okay?", kam er besorgt und erwacht aus seiner Starre auf mich zu.
Ich schlang mittlerweile meine Arme um meinen Bauch vor Lachen, als er das Fahrrad von mir nahm, das bei dem Sturz auf mir gelandet ist.
"Anscheinend schon.", beantwortete er seine eigene Frage lächelnd und reichte mir eine Hand, um mir aufzuhelfen. Ich nahm sie entgegen, doch anstatt ihn mich hochziehen zu lassen, zog ich ihn mit einem kräftigen Ruck nach unten und er landete neben mir im Gras.
"Hey!", brachte er gespielt empört hervor. "Was sollte das denn?"
"Das war Rache.", antwortete ich hinterlistig grinsend.
"Wofür?"
"Für dein plötzliches Bremsen ohne Vorwarnung!", erwiderte ich und schubste ihn etwas von mir weg, als ich bemerkte, dass er absichtlich näher zu mir gerutscht ist.

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, auf dem Feld herum zu liegen, zu reden und dann auch etwas auf dem Fahrrad weiterzufahren. Wir hatten viel zu lachen und ich lernte die Umgebung noch etwas besser kennen. Ich habe mich eindeutig in diesen Ort verliebt und zusammen mit Luis fühlte ich mich so völlig ausgeglichen und abgeschnitten von all meinen Sorgen und Ängsten, dass das riesige Lächeln auf meinem Gesicht schon gar nicht mehr verschwinden wollte.
Wir hatten auch schon versucht, mit seiner Kamera ein Selfie zu knipsen, was sich als gar nicht so einfach herausgestellt hat. Doch auch so schoss Luis immer wieder Bilder von mir.
Wie auch jetzt. Wir schoben unsere Fahrräder nebenher, während wir langsam auf dem Schotter Weg weitergingen.
"Hör auf damit, Luis.", befahl ich ihm ernst, aber dennoch nicht böse gemeint.
"Warum denn?", fragte er lächelnd und ich sah ihm in die dunklen Augen: "Ich mag das nicht."
"Was? Fotografiert zu werden? Warum nicht?"
"Ich mag es nicht, mich dann auf den Schnappschüssen sehen zu müssen und erneut zu denken, wie komisch ich ausschaue.", antwortete ich wahrheitsgetreu und schob mein Fahrrad mit dem Kopf gesenkt langsam weiter.
"Aber warum denn? Nur dass das klar steht: Ich bin ein Meisterfotograf... und meine Bilder von dir sind richtig gut geworden!", erklärte er und blieb auf einmal stehen. "Du kannst mir jetzt nicht weis machen, dass du dich nicht hübsch findest."
Ich zuckte nur niedergeschlagen mit den Schultern.
"Ellie", begann er und schob sein Fahrrad auf meine Höhe. "Jedes Mädchen gestern auf dem Fest hat dich neidisch angesehen und das nicht nur wegen mir, das kann ich dir versprechen."
Ich mochte die Richtung, in die unser Gespräch gerade gelenkt wurde, überhaupt nicht. Das fühlte sich immer so an wie eine halbe Therapiesitzung und die hatte ich schon viel zu oft bekommen. So oft, dass es mich schon fast aufregte. Nur bei Jonah war es irgendwie anders. Es lag wahrscheinlich daran, dass ich ihm viel zu gerne zuhörte, weil seine Stimme so beruhigend auf mich wirkte.
Um die Stimmung also wieder etwas aufzuheitern beugte ich mich zu ihm hinüber und begann verschmitzt zu lächeln: "Das glaub ich dir nicht."
Und mit diesen Worten sprang ich blitzschnell auf mein Fahrrad und fuhr los.
"Hey, warte auf mich!", rief er mir noch hinter her, doch ich schrie nur: "Wer als erster daheim ist!"
Leider war es wirklich langsam Zeit zu gehen. Wir wollten ja noch zusammen zu Abend essen, bevor ich und Alex losmussten.

Und so flitzten wir durch die Stadt zurück zu dem Haus meiner Großeltern. Ich hatte die ganze Zeit die Nase vorne, doch kurz vor der Einfahrt des Hauses überholte mich Luis ganz knapp und schrie: "Erster!"
Doch über seinen Sieg sollte er sich nicht lange freuen.
"Da seid ihr ja endlich!", rief unsere Großmutter aufgebracht, als sie gerade zufällig aus dem offenen Fenster hinaus sah. Sie krallte ihre Hände in den Fensterrahmen. "Wir haben uns schon Sorgen gemacht! Jetzt beeilt euch und kommt zum Essen!"

____________________

Hii, da bin ich wieder! Ich weiß, ich habe die Zeit zum Updaten etwas hinausgezogen, aber dafür ist das Kapitel auch etwas länger als sonst.
Ich hoffe, euch geht es allen gut und ihr haltet schön Abstand zueinander. Fällt schon jemandem die Decke auf den Kopf oder genießt ihr es eher ein bisschen, einfach mal nur Zuhause herumzuhocken?
Bleibt gesund!❤️

Bis zum nächsten Kapitel!

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top