Episode 2

Schlüssel klackerten an der Tür. Benommen öffnete ich meine Augen.

,,Jaeryung, hier ist Papa" Er klingelte. ,,Die Tür geht nicht auf. Anscheinend hast du sie von innen verschlossen, haha", lachte er leicht und rüttelte ein wenig am Türknauf. Ich sprang auf um ihm die Tür zu öffnen, doch als ich den Türknauf drehen wollte, klemmte es. Ich konnte ihn nicht umdrehen. ,,Jaeryung, bleib drinnen", flüsterte er auf einmal. ,,Ich schaute durch das Guck-Loch und sah meinen Vater davor. ,,Papa?!" Meine Stimme fing an zu zittern. Ich rüttelte am Türknauf, doch mein Vater hielt ihn von außen fest. ,,Was ist los Papa??!"

Dann hörte ich einen Schuss und mein Vater knallte gegen die Tür. Ich sah noch mal durch das Guck-Loch. Ein Mann. Vermummt in schwarzer Kleidung und einer Pistole in der Hand. Verzweifelt versuchte ich noch immer die Tür zu öffnen.

,,Bitte...nicht meine Tochter..", hörte ich ihn murmeln. Ich hämmerte mit der Faust gegen die Tür. Noch ein Knall. Mein Vater rutscht an der Tür herunter. ,,Papa!!!" Ich sah den Mann die Pistole wegwerfen und dann lief er davon. ,,Öffne die Tür!!" Mein Vater stöhnte vor Schmerz. ,,Bleib drin. Komm nicht raus. Komm ja nicht raus"

,,Was ist los Papa??!" Öffne die Tür, na los, schnell!!", sagte ich weinend. ,,Ich will zu dir!! Bitte!!"

,,Jaeryung..." Tränenüberflößt hielt ich inne. ,,Ja..? Ja??" ,,Es tut mir leid...das ich es so schwer für dich gemacht habe..." ,,Papa es ist okay und jetzt mach bitte die Tür auf!!", rief ich verzweifelt. ,,Aufmachen!!" Ich hämmerte gegen die Tür. ,,Wie konnte es nur so weit kommen...Es ist alles bloß meine Schuld..." ,,Nein!! Papa, das stimmt nicht! Es ist nicht deine Schuld!!"

,,Jaeryung", sagte er mit ruhiger Stimme. ,,Meine Jaeryung...", er seufzte. ,,Für mich bist du so-" Mitten im Satz brach er ab und seine Hand and löste sich vom Türknauf. Ich stemmte mich gegen die Tür.

,,Papa...bitte...bitte nicht..." Mit voller Kraft stemmte ich mich gegen die Tür. Mein Vater wurde von der Tür etwas weggeschoben. Überall war Blut. Sein Blut.

Ich sah die Geburtstagsgeschenke, die ich vor ein paar Stunden noch wütend weggekickt hatte.

,,Papa!!", rief ich und brach in noch mehr Tränen aus. ,,Steh auf! Du musst aufstehen! Bitte..."

Ich rüttelte an ihm. Tränenverschleiert blickte ich in seine leblosen Augen. ,,Papa.. Wieso hilft uns denn keiner!!" Verzweifelt nahm ich ihn in meine Arme und sah ein Messer in seiner Hand, womit er sich anscheinend versucht hatte zu verteidigen. ,,Hilfe... mein Vater...", rief ich hilflos.

Es war zu spät. Mein Vater war tot.

***

Es war der Tag der Bestattung. Viele Männer in schwarzen Anzügen erwiesen Yong Jeonghan ihre letzte Ehre und rauchten jeweils eine Zigarre. Nach dem ersten Auspusten des Rauches, legten sie sie sie in einen Aschenbecher neben dem offenem Sarg. Sie verbeugten sich und wandten sich dem Gehen zu, doch ich hielt den vordersten Mann auf. ,,Sind Sie der Anführer des Drogenrings? Was hat mein Vater für Sie getan?", ich atmete tief ein und dann wieder aus. ,,Leute verprügelt? Oder erpresst und sogar erschossen? Wer hat meinen Vater getötet?"

Er drehte sich zu mir um. ,,Dein Vater war...mein engster Freund und wie ein Bruder für mich. Und Yong Jeonghan... er war ein guter Vater. Alles Weitere zählt nicht"

Mit diesen Worten verließ er den Raum. Ein Arzt rief meinen Namen und ich drehte mich um. ,,Sie dürfen ihn noch ein letztes Mal berühren, wenn Sie wollen" Ich nickte und ging näher an den Sarg heran, in dem mein Vater lag. Sein Oberkörper war frei, nur der Rest seines Körpers lag unter einer schwarzen Decke. Oberhalb der Lunge hatte er Nähten. ,,Verabschieden Sie sich und wünschen Sie ihm ein friedvolles Leben nach dem Tod.", sagte er ruhig. Ich bemerkte ein Tattoo auf der rechten Brust meines Vaters. Es war rund und zeigte einen Kreis mit Teufelshörnern. Es sah fast so aus als hätte jemand es mit schwarzer Tinte draufgeschmiert.

Seine Augen waren nun geschlossen und seine Haut war gereinigt worden. Ich nahm seine Hand und drückte sie. Meine Traurigkeit verwandelte sich in Verzweiflung und die wiederum wurde zu Wut. Wut auf den Mörder. Ich werde ihn finden und umbringen. Egal für welchen Preis.

-Flashback-

,,Das ist ein sehr schönes Lied, wie heißt es?", fragte mein Vater mit einem Lächeln im Gesicht.

Der Meereswind strich durch meine Haare und kitzelte mich im Gesicht.

,,Lost At Sea", antwortete ich. ,,Wieso hast du da so viele Kratzer auf der Hand?", fragte ich neugierig und hob eine Augenbraue.

,,Vielleicht weil ich ein Angsthase bin?", antwortete er und trank einen Schluck aus seiner Pepsi. ,,Mein Papa? Ein-"

,,Lass den Quatsch!", lachte er und strich die Picknickdecke glatt.

,,Verstehe...Uhm Papa, nur mal angenommen du könntest die Zeit zurückdrehen", ich schmunzelte und räusperte mich. ,,Würdest du sie zurückdrehen?" Papa seufzte. ,,Die Zeit?"

,,Ja. Damit du dann wieder sechzehn oder so sein könntest. Würdest du's wollen?" Er schaute mich lächelnd an. Seine Grübchen waren zu sehen. ,,Nein", sagte er kurz und stellte seine Pepsi auf den Boden. ,,Dann wäre ich nämlich ganz gewiss nicht dein Vater"

,,Achso..."

,,Jaeryung, wollen wir uns hier ein Haus am Meer bauen?"

Ich nahm mir meine Pepsi aus der Kühlbox.

,,Mit einer Hängematte davor und dann hätten wir auch einen Hund! Na, was sagst du?"

,,Gern, aber wann denn? Wann machen wir das?", stellte ich stirnrunzelnd diese Frage und schaute dann auf den Horizont. Es war prallende Juni-Mittagsonne und der Strand war nicht sehr voll, sodass wir hier unsere Ruhe hatten.

Papa lächelte. ,,Schon sehr bald, denn ich hab meinen Job schon fast erledigt!" Er trank seine Pepsi aus. Seufzend schlug er die Beine übereinander. ,,Ach, ist das schön hier" Das Rauschen des Meeres klang wundervoll beruhigend und die Sonne wärmte meine Beine, die ich auf der Picknickdecke ausgestreckt hatte. Lächelnd schloss ich meine Augen.

-Flashback Ende-

Seine Hände waren kalt, wie die Steine im Wald, die wir zusammen beim Wandern immer gesammelt hatten. Ich brach weinend zusammen.

Wieso? Wieso musste er ihn töten? Ich hatte ihn so wenig zu Gesicht bekommen und nun wurde er mir einfach genommen. Er war der einzige Mensch, dem ich vertrauen konnte. Er war tot und ich hatte es nicht verhindern können. Ich musste herausfinden was er im Schilde geführt hatte. Was hatte er getan? Wer war sein Mörder?

Ich schwöre bei meinem Leben, ich werde es herausfinden und Rache nehmen!

***

Mit schnellen Schritten lief ich durch die Glastür in das Polizeisekreteriat und stellte mich vor den Tisch eines Beamten. ,,Du schon wieder", seufzte der Beamte. Ich war die Tage davor schon hier gewesen und jedes Mal wurde mir gesagt, das sie den Fall nicht lösen können. ,,Was ist Ihr Problem? Sie geben den Fall auf oder?", fragte ich fordernd.

,,Naja, ich habe keine Wahl. Es gibt keine Beweise" ,,Das war's dann also?", ich zitterte vor Verzweiflung. Ich entdeckte ein Aufnahmebild einer Videokamera unseres Wohnhauses und hielt es ihm vor die Nase. ,,Und was ist mit dem hier?! Fangen Sie diesen Scheißkerl!", schrie ich ihn an. Er riss das Papier aus meiner Hand. ,,Ach ja? Und wie soll ich ihn damit fangen? Fang ihn doch selbst!", sagte er gelassen.

,,Das glaubt man doch nicht! Scheiße, mein Vater ist tot!!!" Sauer trat ich gegen das Tischbein.

Seine Kollegen blickten von ihren Arbeitsplätzen hoch. Mit einer Handbewegung beruhigte er sie und alle schauten wieder weg.

,,Was hattest du deinem Vater gesagt? Du hattest ja noch mit ihm telefoniert", ruhig blickte er mich an. ,,Er war einer der meistgesuchten Verbrecher. Er war komplett abgetaucht. Wie hast du es dann geschafft, dass er wieder auftaucht?!", fragte er etwas lauter.

Ich erinnerte mich zurück an die Worte, die ich kalt durch's Telefon gesprochen hatte.'Nein, ich warte nicht länger. Komm nicht zurück, für mich bist du gestorben.'

,,Hättest du ihm gesagt, er solle sich stellen, wäre er nicht wie ein Hund krepiert" Der Beamte musterte mich genervt.

Angespannt verließ ich die Polizeistation und ging in ein Café. Dort bestellte ich mir einen doppelten Espresso. Aufgewühlt google ich in meinem Handy nach bekannten Drogenkonzernen und wurde auch sofort fündig. Choi Sungho, Leiter von Dongmayag, einem Verbrechersyndikat und Drogenkonzern. Er sah genauso aus wie der Mann bei der Bestattung heute.

***

Als ich später zuhause war, durchsuchte ich die Schubladen meines Vaters und entdeckte ein Notizbuch. Ich durchblätterte es und irgendwo in der Mitte waren Adressen niedergeschrieben. Choi Sungho's Adressen waren auch in der Liste. Ein Fitnessstudio, ein Hotel und ein Platz am Hafen. Am wahrscheinlichsten war es, dass er sich im Hotel aufhielt, also machte ich mich auf den Weg dorthin.

Es war nicht weit weg. Vielleicht zwanzig Minuten zu Fuß von der Wohnung meines Vaters.

Als ich dort ankam, sah ich schon gleich wie nobel es von außen aussah. Ich betrat das Hotel und fuhr mit dem Aufzug in den sechsten Stock.

Zimmer 108. Nervös klopfte ich an.

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