Chapter 17 ☆ Kriegerische Wut

"Halt dich von Rhea fern", hörte ich Din mit unterdrückter Wut sagen. Durch die Vorhänge konnte ich erkennen, dass er nah an Eris herangetreten war. Der Pilot sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Seine Arme waren vor der Brust verschlungen und sein Oberkörper leicht nach vorne gelehnt.
"Du hast mir dabei nichts zu sagen. Ich werde mit Rhea so viel Zeit verbringen, wie ich will", schoss er zurück. Seine Stimme hatte jeglichen charmanten Unterton verloren.
Din ballte seine Hände zu Fäusten und baute sich vor seinem Freund auf. "Sie steht unter meinem Schutz. Wenn du sie verletzt, wie alle anderen Frauen vor ihr, dann liegt das in meiner Verantwortung!"

Eris lachte trocken auf und schüttelte leicht den Kopf. "Du sprichst, als ginge es dir wirklich nur um ihren Schutz. Das kaufe ich dir nicht ab Mando." Er machte einen Schritt auf ihn zu und tippte gegen seine Beskarbedeckte Brust. "Ich weiß ganz genau, dass mehr dahinter steckt. Du kannst dich vielleicht selber anlügen, doch nicht mich."
Din schlug seine Hand weg. "Du weißt nichts. Doch ich weiß, dass sie niemals einen einfachen Schmuggler-Piloten haben will. Hast du etwa vergessen, wer sie ist?"
"Achja und einen Kopfgeldjäger, der sie entführt hat, will sie? Was willst du ihr überhaupt bieten? Du kannst ja nicht mal deinen Helm abziehen", schlug Eris zurück. Seine eisblauen Augen funkelten ihn bedrohlich an. Mein Herz setzte für einen Schlag aus, als die Bedeutung seiner Worte in mein Bewusstsein eindrang.

Din schnaubte verächtlich und ich hatte das Gefühl, dass nicht viel fehlte, damit er explodierte. Er baute sich so nah vor Eris auf, dass sich ihre Schuhspitzen fast berührten. Ich hielt den Atem an. Angst kroch in meinen Bauch und ließ meine Hände zittern.
"Du denkst also, ich will sie nur vögeln wie du? So dumm kannst nicht mal du sein. Ich würde niemals etwas mit ihr anfangen. Zu ihrem eigenen Besten." Es fühlte sich an, als hätte Din mir in den Magen geschlagen. Direkt unter mein Herz. Mein Atem verschnellerte sich und mein Bauch verwandelte sich in einen einzigen Knoten.

Eris lachte nur bitter.
"Was verstehst du schon von Frauen? Aber mir ist es recht. Ich will sehen, wie du mich davon abhälst, sie nur zu vögeln'", imitierte er ihn. Ein Fehler. Als die Worte seinen Mund verlassen hatten, griff Din blitzschnell nach dem Kragen seines Shirts und schloss es in eine eiserne Faust.
"Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmst, dann breche ich dir alle Knochen!", drohte er mit nur mühsam unterdrückter Wut. Erschrocken sprang ich auf und riss die Tür auf. Die Köpfe der beiden Männer schnellten zu mir, als ich die wenigen Stufen zu ihnen hinabstieg. Erbost legte ich je eine Hand auf die Brust der Männer und versuchte, sie auseinander zu drücken. Din ließ zu meiner Überraschung von Eris ab und trat tatsächlich einen Schritt zurück.
"Rhea...", grollte Din warnend. Doch der unbändigende Zorn hatte seine Stimme verlassen.

"Genug!", rief ich und blickte hektisch zwischen den beiden hin- und her, "Es ist mir egal, Din! Ihr streitet euch wie zwei kleine, pubertäre Jungs, die zu lange aufeinander gehangen haben. Seht euch doch mal selber an! Wir haben besseres zutun, als über sowas zu streiten." Es tat so gut, endlich meiner Wut freien Lauf zu lassen. Immer hatte ich sie unterdrückt und klein beigegeben.
Eris war ein wenig blass geworden und starrte mich mit geweiteten Augen an. "Was hast du mitbekommen?"
Ich rollte mit den Augen. "Genug", antwortete ich. Dann ließ ich die beiden Männer los und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Wenn ihr euch nicht von alleine vertragen könnt, dann wenigstens meinetwegen", meinte ich dann matter.
Ich sah zwischen den beiden hin- und her, doch es kam keine Reaktion. Din hatte den Kopf nach unten geneigt und Eris sah mich nur mit einem entschuldigenden Blick an. Es war komisch mit ihm zu reden, nach dem was passiert war.
Er seufzte und seine schönen Gesichtszüge verzogen sich kurz. "Dann lasst uns heute Abend besprechen, wie wir als nächstes vorgehen", meinte er schon etwas versöhnlicher. Zufrieden nickte ich und sah abwartend zu Din. Dieser brummte nur zustimmend, doch was hatte ich sonst vom ihm erwartet?
"Schön, dann lasst uns heute Abend zusammen essen."
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Din und Eris waren an diesem Abend auffällig still. Sie hatten wohl noch immer nicht ganz den Streit von heute Vormittag überwunden. Ich auch nicht. Immer wieder kamen mir die Worte von Din in den Sinn. Ich würde niemals etwas mit ihr anfangen. Zu ihrem eigenen Besten. Es schmerzte in meiner Brust. Und ich wusste noch nicht mal genau, warum es so wehtat. Wir kannten uns noch nicht lange und Din hatte nie zu Verstehen gegeben, dass er in mir mehr sah als eine Freundin.

Und da war auch noch Eris. Wir hatten nie richtig darüber gesprochen, dass er meinen Hals geküsst hatte. Und ich spürte, wie die Leichtigkeit zwischen uns einer komischen Schwere Platz gemacht hatte.

"Es wäre gut, noch ein paar Tage die Füße still zu halten. Dann können wir ohne Verdacht nach Asteridea reisen. Da wird er uns am wenigsten vermuten", überlegte Niesken gerade. Wir saßen um den runden Holztisch herum und aßen zusammen viele verschiedene kleine Spezialitäten, die Eris auf dem Markt in Dantonar gekauft hatte.
"Also steckt der Händler hinter den Angriffen?", hakte ich nach. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich an die bewaffneten Männer auf Corellia zurückdachte.
"Wir vermuten schon. Einen anderen Zusammenhang gibt es nicht. Wer sonst sollte so schnell von deiner Entführung gewusst und uns attackiert haben? Wahrscheinlich ist der Händler einer der Imperialen", steuerte Din bei. Er hatte den ganzen Abend nicht mehr gesagt als eine knappe Begrüßung am Tisch.

"Und wie wollen wir vorgehen?"
Niesken antwortete mir, während sie in ein Stück fluffiges Brot biss. "In ein paar Tagen werden wir zusammen nach Asteridea in die Hauptstadt Cassiopeia fliegen. Du wirst uns behilflich sein müssen beim Finden eines Unterschlupfs. Din hat den Händler selbst nie getroffen, sondern nur seinen Handlanger. Ihn werden wir aufspüren müssen. Danach müssen wir nur noch unser Opfer töten."

Ich verschluckte mich fast an meinem Bissen und hustete, dass mir die Tränen in die Augen stiegen. Die drei sahen mich an, weswegen ich schnell einen Schluck von meinem Mujasaft nahm.
"Wäre es nicht besser, den Händler auszuliefern und an die Galaktische Republik zu überführen?", warf ich ein. Nieskens Gesichtsausdruck verfinsterte sich. "Du willst das Schwein am Leben lassen? Diesen imperialen Abschaum?", wütete sie auf einmal. Ihr Gesicht hatte einen tieferen Violettton angenommen und ihre orangenen Augen glühten mich bedrohlich an. Mein Herz machte einen Satz und ich sank tiefer in meinen Stuhl.
"Natürlich ist er eine schreckliche Person Niesken. Beruhige dich bitte!", versuchte ich sie zu beschwichtigen. Immerhin wandte sich Nieskens Gesichtsfarbe daraufhin wieder einem Normalbereich zu.
"Ich bin Rheas Meinung", stimmte Eris mir überraschenderweise zu, "Es wird für das Imperiale Schwein demütigender sein, von der Galaktischen Republik eingebuchtet und ausgefragt zu werden. Meinst du nicht Niesken?"

Ich schenkte Eris einen dankbaren Blick, den er mit einem leichten Lächeln erwiderte. Niesken schnaubte nur, doch sagte nichts mehr dagegen.
"Dann sei es so. Einen Plan können wir noch die nächsten Tage besprechen, aber heute bin ich zu müde dafür Kinder", sagte Niesken gähnend und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Ich musste ihr zustimmen. Der Streit heute zwischen Eris und Din hatte mir gereicht. Noch immer herrschte eisige Stille zwischen den beiden. Als ich Nieskens Blick begegnete, zog sie leicht eine Augenbraue hoch und huschte mit ihrem Blick zwischen den Beiden hin- und her. Ich seufzte innerlich und gab ihr mit einem kaum merklichen Nicken zu verstehen, dass ich ihr alles erzählen würde. Man mochte es der Togruta nicht ansehen, doch sie hatte ein Feingespür dafür, wenn etwas in der Luft lag.

Ich versuchte so gut es ging nicht mehr über Dins und Eris Worte nachzudenken. Und über Eris Verhalten einen Tag zuvor nachzudenken. Das Liebesmal pochte noch immer verräterisch auf meiner Haut, wenn ich daran dachte. Ich musste unbedingt mit Eris reden. Und zwar jetzt.

POV DIN DJARIN

Ich vermied es Eris anzusehen. Sein Anblick verschaffte mir einen zu hohen Blutdruck. Wut brodelte in meinem Bauch hoch, wenn ich an das Kussmal an Rheas Hals dachte. Glücklicherweise musste ich es nicht sehen, da Rhea einen Pullover übergezogen hatte. Ich war mir nun sicher, dass alles von Eris aus gekommen war und Rhea ihn nur hatte gewähren lassen. So hatte sie mir es auf der Lichtung gesagt. Doch als sie plötzlich Eris fragte, mit ihr einen Spaziergang zu machen, wollte ein ungutes Gefühl in mir auf. Ich sagte nichts und beobachtete nur, wie die beiden den Esstisch verließen. Ich sah noch, wie Eris eine Hand auf ihren Rücken legte, bevor sie verschwanden.

Ich atmete tief ein uns aus, um die aufkeimende Wut in mir zu unterdrücken. Ich würde Eris noch zeigen, wer besser mit Frauen umgehen konnte. Sollte er mich doch für einen Einsiedlerkrebs halten, der nie seinen Helm abzog. Ich hatte genau gesehen, wie Rhea mich heute Vormittag angesehen hatte. Und ich hatte ihr nur aus einem Grund erlaubt, mich beim Training zu beobachten...

Am liebsten wäre ich den beiden nachgeschlichen. Stattdessen fluchte ich leise vor mich hin. Alles in mir widerstrebte sich dagegen, Rhea mit Eris allein zu lassen. Er könnte Dinge tun, an die ich nicht denken wollte. Eris hatte seit ich ihn kannte nur seinen Charme bei Frauen spielen lassen, die er im Bett haben wollte. Wie könnte es bei Rhea anders sein? In mir sträubte sich alles bei dem Gedanken, dass Eris sie in sein Bett holen könnte. Ich würde ihn umbringen, wenn er sie verletzte. Sie war viel zu zart für ihn. Sie war zu gut für diese Welt.

POV RHEA DE STEUR

Als ich schließlich mit Eris auf der kleinen Holzbank vor dem Steinhaus saß und die spärlich erleuchtete, schmale Gasse hinunter blickte, verließ mich mein Mut. Mein Herz pochte viel zu schnell in meiner Brust und meine Handflächen fingen an, unangenehm zu schwitzen.

"Weshalb wolltest du wirklich mit mir raus gehen?", fragte Eris mich von der Seite. Ich sah stumm auf die langen Ärmel meines eng anliegenden Pullovers und wippte mit den Knien.
"Ist es wegen dem Streit heute Morgen?" Ich seufzte leise. Wieder schrien mich die Worte der Beiden in meinem Inneren an. Nein, ich wollte nicht weiter darüber nachdenken und ignorierte das enge Gefühl in meiner Brust.

Langsam schüttelte ich den Kopf, räusperte meine Stimme. Ein kalter Wind jagte über meinen Kopf.
"Nein...Das nicht...Ich bin zwar immer noch etwas genervt von dem Streit, aber ich wollte dich etwas anderes fragen", fing ich an. Eris lehnte sich etwas zu mir und schirmte mich von dem kalten Abendwind ab.
"Schieß los."
"Was...was war das gestern?" traute ich mich zu fragen. Erst dann sah ich wieder zu ihm auf. Seine eisblauen Augen schauten mich intensiv unter seinen dichten Wimpern an. Er hatte den Kopf leicht zu mir geneigt, sein Oberkörper war zu mir gedreht, sodass ich ein kleines Stück seiner muskulösen Brust erhaschen konnte. Ich wusste auf einmal nicht mehr, weshalb mein Herz so schnell schlug.

"Was meinst du Rhea?", fragte er leise und lächelte mich mit seinem typischen, lässigen Lächeln an. Ich zog die Augenbraunen hoch und verschränkte die Arme.
"Du weißt genau, wovon ich rede."
Eris lachte leise. Seine Augen blitzten dabei in dem schwachen Laternenlicht auf. Ein warmer, verführerischer Ausdruck lag auf seinen Gesichtszügen.
Seine Arm lag auf der Rückenlehne der Bank und mit seiner Hand strich er auf einmal über die Stelle, an der er mich geküsst hatte.
Seine Augen verweilten einen Moment darauf.

Doch dann tat er etwas unerwartetes: Sein Oberkörper lehnte sich so weit zur mir, dass seine Lippen über meiner Halsbeuge verweilten, ja sie fast berührten. Ich versteifte und hielt den Atem an. Sein frischer Duft stieg mir in die Nase und das Blut pumpte pochend durch meine Adern.
"Wie wäre es wenn ich dort weiter mache, wo ich aufgehört habe?"

Meine Augen weiteten sich und Aufregung schoss in meinen Bauch.
"Ich glaube das ist keine gute Idee", flüsterte ich. Meine Haut bettelte danach, von ihm geküsst zu werden.
"Bist du dir da ganz sicher Süße?", liebkoste er mich. Seine Stimme war so dunkel und leicht zu verfallen. Es machte mich schier verrückt, wie er mich genannt hatte.
Ein schuldbewusstes Gefühl in meinem Magen kühlte mein Gemüt jedoch wieder ab.
"Besser nicht Eris", bat ich. Meine Stimme zitterte. Ich hörte ein leises Seufzen. Eris Kopf hob sich, sodass er auf Höhe meines Ohres verweilte. Er war mir so nah, dass ich seinen warmen Atem spüren konnte. Dann sagte er ernst, fast schon genervt: "Ich verspreche dir, dass Din davon nichts mitbekommt. Aber wie du willst Rhea."

Dann zog er sich blitzschnell zurück. Ich war viel zu sprachlos, um etwas zu antworten. Eris sah mich noch ein letztes Mal durchdringend an, dann ging er die paar Stufen zum Haus hinauf und verschwand hinter der Tür. Mein Herz pochte. Mein Gedanken schwirrten in meinem Kopf. Ich wusste nicht mehr, was ich denken und fühlen sollte.

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Hallo meine lieben Leser!

Wie es wohl zwischen den dreien weitergehen wird? Schreibt mir gerne, was ihr denkt oder was ihr euch wünscht. :) Ich muss mich außerdem wie immer bei euch bedanken für eure treuen Reads und die lieben Kommentare!
Bis nächste Woche und liebe Grüße

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