XIV - Die Kunst des Lichtschwerts

Noch bevor das Shuttle vor ihnen auf dem Vorplatz des Tempels aufsetzte, spürte Cin eine Unruhe in der Macht. Sie wirkte wie die See seiner Heimat, kurz vor einem Sturm, mit Wellen, die gegeneinander krachten.
Als sich die Ladeluke öffnete, schwappte ihm diese Empfindung nur noch stärker entgegen.

Zwei Jedi-Ritter nahmen die vier Jünglinge in Empfang und geleiteten sie zurück in den Jeditempel - Illin blieb neben Cin stehen, blickte mit ebenso besorgten Gesichtsausdruck zu dem Schiff, aus dem eben sein Padawan trat. Doch die Unruhe kam nicht von Samuel - stattdessen sah der junge Jedi dem letzten Passagier nach, der, ohne den Meistern Beachtung zu schenken, aus dem Shuttle stürzte.
Cin konnte Ezras Ausdruck nur kurz sehen, bevor dieser an ihnen vorbeistürmte - Aufgewühltheit und Zerrissenheit konnte er erkennen. Der Sturm in der Macht folgte dem Jungen, bis dieser im Inneren des Tempels verschwand.

„Was ist geschehen?”, fragte Illin in diesem Moment seinen Schüler, der die beiden Meister jetzt erreicht hatte. Der Blonde zuckte mit den Schultern. Cin konnte seine Unsicherheit durch die Macht spüren, stärker noch, als es seine Mimik zeigen konnte.

„Wir haben über den Krieg geredet - ich hätte damit gar nicht erst anfangen dürfen, es hat Ezra irgendwie - aus dem Gleichgewicht gebracht”, murmelte Padawan Jaec reuevoll.
„Der Krieg ist für niemanden ein leichtes Thema, Padawan”, meinte Cin, verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Er sprach jedoch nicht aus, dass ihn diese offensichtliche Zerrissenheit Ezras überraschte - vom Krieg hatte der Junge hier im Tempel eher wenig mitbekommen können, und wenn doch, dann hatte er immer eher neutral auf das Thema reagiert.
„Was genau, war seine Reaktion?”, entschied sich Cin schließlich, zu fragen.

„Er wirkte nachdenklich, verschlossen und eigentlich hat er sich fast sofort zurückgezogen. Ich werde aus Ezra einfach nicht schlau. Er wirkt immer so fröhlich, er ist mutig und entschlossen, aber er wirkt auch, als würde er das Gewicht der gesamten Galaxis auf den Schultern tragen. Er ist immer so gefasst und ruhig und hat unglaubliche Kontrolle über sich selbst. Aber eben - es war so wie damals, als er Meister Baaro zum ersten Mal gesehen hatte”, sagte Sam, kratzte sich gedankenverloren hinter dem Ohr. „Als wäre das Thema ein Trigger - nur hatte er diesmal keine Panikattacke.”

Cin wusste, wovon der Padawan sprach - er hatte dasselbe beobachten können.

„Das ist nicht alles, was dich aufwühlt, Sam”, sagte Illin in dem Moment, betrachtete den Jüngeren mit neugieriger Miene. Samuel nickte leicht, zupfte an seinem Ärmelsaum herum.

„Ezra hat mir von seinem ersten Lichtschwert erzählt.”

Cin blinzelte - hob überrascht die Augenbrauen. Er hatte geglaubt -

„Und er hat mir sein neues gezeigt - es funktioniert einwandfrei”, ergänzte Samuel.
„Wenn er bereits eine solche Waffe hatte, sollte euch das nicht überraschen”, sagte Cin langsam und leiser, denn inzwischen hatten sie den Tempel betreten und passierten eine Gruppe anderer Jedi-Ritter. Cin wollte nicht, das ihr Gespräch belauscht werden konnte.

„Das ist es auch nicht - Meister Illin, ihr wisst, dass ich mich gerne mit den Farben von Kyberkristallen beschäftige. Sein Lichtschwert ist violett”, erklärte Samuel zögerlich, als würde es ein Problem darstellen.

„Und das stört dich?”, fragte Cin den Padawan, der erst herumdruckste - er wirkte, als wäre es ihm peinlich, seine Gedanken auszusprechen.

„Naja -  äh - also Lila ist eine Mischung von Blau und Rot", murmelte der Blond, stockte aber, senkte den Blick. Er schien sich seiner eigenen Gedanken nicht sicher zu sein.

„Du meinst also, die violette Lichtschwertfarbe deutet an, dass Ezra nicht nur die helle Seite der Macht nutzt?”, fragte Cin ruhig, in der Hoffnung, das er erkannt hatte, worauf der Padawan hinauslaufen wollte.

„Ich - nun ja, bei Meister Windu trifft das auch zu”, stammelte Samuel, zupfte an seinem Ärmelsaum herum, bevor der die Arme verschränkte.
„Weil er Vaapad erlernt hat”, sagte Meister Illin und neigte nachdenklich den Kopf. “Der schwierigste aller Lichtschwertkampfstile. Ein Meister dieses Stil nutzt seine Gefühle und ist in der Lage, Teile der dunklen Seite für sich zu nutzen, ohne sich von ihr einnehmen zu lassen.”

„Wer weiß - vielleicht bedeutet das nur, dass Bridger in der Lage wäre, diesen Stil zu meistern?”, schloss Cin und lächelte leicht - er glaubte seinen eigenen Worten nicht, wusste er doch, dass Meister Windu diesen Stil niemandem lehren würde, dem er nicht vertraute. Und er selbst hatte ihn schon seit Jahren niemandem mehr beigebracht.
„Bridger mag durch seine spätere Ausbildung anfälliger für die Dunkelheit sein, dennoch, Padawan Jaec - man sollte nicht zu viel in simple Farbgebungen hineininterpretieren. Nur die Farbe eines Kyberkristalls bestimmt nicht den Charakter einer Person und schon gar nicht dessen Handlungen.”

„Ja - ich weiß”, murmelte der Jüngere schließlich, löste die verschränkten Arme wieder.

„Ich werde mit Bridger noch einmal reden. Du solltest dich ausruhen, Padawan. Ich bin sicher, du hattest nicht viel Zeit, schlafen zu gehen”, sagte Cin, nickte Meister Illin und seinem Padawan zu, bevor er sich von ihnen abwandte. Er wollte sichergehen, dass Ezra es schaffte, sein Gleichgewicht zurückzuerhalten - und vielleicht schaffte Cin es sogar, dass sich der Junge ihm gegenüber noch weiter öffnete.


***


Die Quartiere der Jedi-Ritter waren nicht sonderlich groß. Es waren kleine Räume, mit ausreichend Platz für ein Bett, einen Schrank und einem kleinen Regal, auf dem der Bewohner seine persönlichen Gegenstände abstellen konnte, sowie einem niedrigen Hocker für die Meditation. Die Zimmer hatten zwei Fenster, die meistens abgedunkelt waren, um sich nicht von der Aussicht auf Coruscant ablenken zu lassen.
Ein Jedi brauchte nicht mehr - sie achteten wenig auf Reichtum oder irdischen Besitz, und selbst wenn doch, waren die meisten Ritter häufig auf Missionen und somit gar nicht im Tempel anwesend.
Ezras Zimmer war nicht anders aufgebaut, als die anderen Räume. Nur war sein Regal noch leer - es gab keine Missionen, von denen er kleine Mitbringsel hatte sammeln können und auch keine kleinen Geschenke von anderen befreundeten Jedi.
Die Fenster waren nicht verdeckt, boten freie Sicht auf einige hoch aufragende Gebäude, umschwärmt von den Luftstraßen und halb verborgen hinter schwachen Nebelfetzen, die das gelbe Licht der untergehenden Sonne wiederspiegelten. 

Der Achtzehnjährige drehte sich nicht zu Cin um, als dieser in den kleinen Raum trat - er saß auf dem Hocker auf den Knien, von der Tür abgewandt, so dass Cin nicht wusste, ob der Junge nach draußen starrte, oder die Augen geschlossen hielt. Die Macht wiegte still - der Sturm, der von Ezra ausgegangen war, war wieder hinter dessen Schilden verborgen, die Cin selbst nach all den Monaten noch nicht durchdringen konnte. Nur selten ließ Ezra etwas durchsickern, und wenn, dann nur wenn es nichtssagend war oder nur ein Zeichen des Kontrollverlustes - letzteres sogar noch seltener. Samuel hatte Recht, wenn er Ezras Selbstkontrolle als unglaublich bezeichnete.
Und Cin bezweifelte mittlerweile, dass Ezras Selbstschutz nur darauf zurückzuführen war, dass er seinen Vater vor kurzem verloren hatte.

„Padawan Jaec meinte, du hättest deinen Kristall erhalten”, sagte Cin schließlich, nachdem Ezra nicht wirkte, als hätte er Cins Eintreten bemerkt.
Ruhig drehte Ezra ihm den Kopf zu und nickte leicht als Antwort.

„Ja”, fügte Ezra hinzu, löste sich von seiner Meditationshaltung und drehte sich vollends von dem Fenster weg, sein Gesichtsausdruck blieb unlesbar.

„Das freut mich. Nun, bis sich ein Meister für dich gefunden hat, wirst du ab morgen mit den ältesten Jünglingen trainieren. Sie stehen kurz vor ihren Prüfungen. Wir werden auch dich prüfen müssen - allerdings ist deine Situation anders und wir werden die Aufgaben ein wenig anpassen müssen”, erklärte Cin ruhig und musterte Ezra dabei.
„Es hilft, über Dinge zu reden, die einen belasten”, sagte er dann, beobachtete, wie Ezras Miene ein wenig verrutschte, er die Augenbrauen zusammenzog und auf der Unterlippe kaute.

„Das Thema war einfach nicht - leicht”, sagte er schließlich zögerlich. Cin verkniff sich ein erleichtertes Aufseufzen, als Ezra nicht abblockte. 

„Ein Krieg ist niemals leicht”, sagte Cin. Er konnte quasi sehen, wie Ezra versuchte, die richtigen Worte zu finden.

„Ich - ich habe nur Angst, dass die Jedi vergessen, wofür sie kämpfen. Denn zu kämpfen - ist nicht immer der richtige Weg”, sagte Ezra, starrte auf deine Hände in seinem Schoß.

„Du denkst viel nach - das ist gut. Und du hast Recht. Die Waffe sollte immer die letzte Lösung sein. Jedi-Ritter sind Friedenswächter und keine -”
„- keine Soldaten”, beendete Ezra seinen Satz, seine Miene wieder unlesbar.

Cin blinzelte - er wusste, was Ezra meinte. Und es überraschte ihn, dass der Junge diesen Gedanken eher aussprach, als all die anderen Jedi.

„Du hast Angst, dass wir das vergessen. Dass du das zugibst, beweist deine Stärke - und in gewisser Art auch Weisheit”, meinte Cin mit ruhiger Stimme, lächelte Ezra an - Ezra starrte nachdenklich zurück, sprach seine Gedanken diesmal jedoch nicht aus und blieb stumm. Cin wusste, dass da etwas war, was Ezra noch sagen wollte - doch er entschied sich dagegen.
„Vielleicht werden wir es vergessen - doch ich weiß, dass wir uns immer wieder daran erinnern werden - und wenn nicht wir selbst, dann werden es andere für uns tun”, murmelte Cin, doch Ezra schwieg weiter - Cin seufzte leise. Er erkannte, dass Ezra Zeit für sich haben wollte.

„Wir sehen uns morgen nach Sonnenaufgang. Vergiss nicht, zu meditieren, Bridger. Es wird dir helfen, zur Ruhe zu kommen”, sagte Cin, sah noch Ezras zustimmendes Nicken, bevor er den Raum verließ.


***


Als Ezra am nächsten Morgen die Trainingsräume betrat, fühlte er sich endlich wieder ruhig - und wach, trotz dessen, dass er in der letzten Nacht kaum Schlaf gefunden hatte. Er hatte, nachdem Meister Drallig ihn allein ließ, noch lange meditiert. Seine Gedanken und Gefühle, die Worte des Meisters geordnet und lange darüber nachgedacht - auch über diesen Krieg, über seine Anwesenheit darin und über seinen eigenen Zwiespalt. Er war nicht dumm, er wusste, dass er noch lange nicht all seine eigenen Zweifel abgelegt hatte - er würde immer diese Versuchung haben, die Zukunft, die seine Vergangenheit gestaltete einfach abwenden zu können.
Doch im Moment war alles gut - im Moment konnte er sich an dieser Zeit festhalten, an ebendiesen Moment.

Der Trainingsraum war hell erleuchtet. Sonnenstrahlen ließen die Staubkörner in der Luft wie kleine Glühwürmchen aufleuchten. Die weißen Wände strahlten warm im Sonnenlicht. Und wenn er kurz die Augen schloss und horchte, konnte er das liebliche Klingen der Macht hören.
Ein frischer Luftzug wehte durch den Raum, in dessen Mitte Meister Drallig und Meisterin Depa Billaba auf ihn warteten.

Ezra musste leicht lächeln, als er Billabas Körperhaltung wiedererkannte - diese leicht ungeduldige und gleichzeitig geduldige Haltung mit verschränkten Armen und schief gelegten Kopf. Kanan hatte immer mit genau derselben Körperhaltung auf ihn gewartet, wenn er mal wieder zu spät zu seinem Training erschien.
Heute war er allerdings nicht zu spät.

„Guten Morgen, Bridger. Wenn es dir nichts ausmacht, werden wir gleich beginnen, bevor die anderen Jünglinge von ihrem Meditationstraining zurückkehren. Du hast bereits Erfahrungen mit dem Lichtschwert”, begann Meister Drallig ruhig und lenkte Ezras Aufmerksamkeit somit auf sich. Er trug heute eine einfache, braune Jedi-Robe, nicht die traditionelle Uniform der Tempelwachen, seine Haare waren wie immer an den Seiten nach hinten gebunden.
Ezra nickte automatisch, auch wenn eine Antwort unnötig war, umklammerte den Griff seines neuen Schwerts. Er hatte es erst einen Tag, und doch fühlte sich der Griff vertrauter an, als diese Räumlichkeiten. Vertrauter, als die Schwerter vor diesem.

„Was kannst du uns über die verschiedenen Kampfstile erzählen?”, fragte Meister Drallig weiter, verschränkte die Arme hinter seinem Rücken.

„Es - es sind sechs Stile. Sie unterschieden sich vor allem durch ihre defensive oder offensive Art, sowie durch die intensive Nutzung der Macht oder der körperlichen Bewegung”, meinte Ezra und ertappte sich dabei, wie er Kanans Worte beinahe ein zu eins wiedergab, so oft hatte sein Meister ihm diese Trainingseinheiten aufgebrummt.
Er erinnerte sich, dass er kein leichter Schüler gewesen war - oftmals hatte er nicht verstanden, was Kanan ihm beibringen wollte, war zu ungeduldig und undiszipliniert gewesen, um sich auf die Theorie zu konzentrierten - oder hatte sich zu schnell gelangweilt und seine Aufmerksamkeit etwas anderem zugewandt. Deutlich spürbar, wenn er dann diese Theorie in der Praxis ausführen musste und dabei kläglich versagte. Lernen konnte Ezra sowieso besser, wenn er etwas tat, oder eben erst, wenn Kanan es ihm immer und immer wieder sagen musste, ihn damit nervte, solange, bis Ezra dessen Worte auswendig und im Schlaf wiedergeben konnte.

„Das ist richtig. Es existieren jedoch noch diverse weitere Formen des Lichtschwertkampfes, Mischformen oder individuelle Abwandlungen der Hauptformen, auch eine siebte Lichtschwertform, die jedoch nur die geübtesten Meister beherrschen”, ergänzte Depa Billaba ihn, riss Ezra wieder aus seinen Gedanken. Verlegen blinzelte er, als er ihren Blick bemerkte - Ihr war seine kurze gedankliche Abwesenheit nicht entgangen.
„Hinzu kommt, dass die einzelnen Kampfformen nicht auf jede Art von Lichtschwert anwendbar sind - Form III ist in seiner Grundform nicht mit einem Doppelklingenlichtschwert durchfürbar”, fügte Billaba hinzu.

Ja, ich weiß, dachte Ezra. Das hatte er selbst herausfinden müssen.

„In den letzten Wochen hast du von Meister Illin bereits Lektionen im Kampf erhalten. Dennoch möchten wir mit dir die Formen noch einmal durchgehen, um deinen derzeitigen Fortschritt einsehen zu können, bevor wir mit dem vertiefenden Training beginnen”, erklärte Drallig jetzt, verschränkte die Hände hinter dem Rücken. „Beginne mit Form I, Shii-Cho.”

Zaghaft nickte Ezra, griff nach seinem neuen Lichtschwert, während er versuchte, sich an die Bewegungsabfolge zu erinnern - Kanan hatte ihm diese Form nicht wirklich gezeigt, sondern sich auf effektivere Bewegungen konzentriert. Ezra hatte lernen müssen, im Kampf zu Überleben und nicht, wie man in Übungsduellen zwischen Jünglingen gewinnen kann. Es war Sam gewesen, der ihm die Form gezeigt hatte, und sie war Ezra viel zu simpel vorgekommen.

Mit einem Zischen aktivierte er die violette Klinge, stellte sich locker schulterbreit hin und umfasste den Griff des Schwerts mit beiden Händen. In zügigen, flüssigen Bewegungen schlug er mit der Klinge seitlich nach rechts, änderte die Richtung, schlug nach links, täuschte eine Parade vor, schlug von unten nach oben, ging in die Knie, parierte, schlug mit einer Körperdrehung wieder nach rechts, parierte.

„Form I ist die Grundlage aller anderen Formen. Sie wird auch als Entschlossenheitsstil oder Weg des Sarlacc bezeichnet. Jünglinge lernen sie als erstes, vor allen anderen Stilen. Es ist leicht zu lernen, aber schwer zu perfektionieren. Die meisten Jedi spezialisieren sich später auf die anderen Formen, die sich in ihrer Art nicht so allgemein halten, wie diese”, erklärte Meister Drallig, während er Ezras Bewegungen verfolgte.

Ezra hielt inne und ließ das Schwert sinken. „Form I ist in einem wirklichen Kampf nicht wirklich brauchbar”, meinte er schließlich. „Vielleicht, wenn ich einen Gegner mit einem Blaster habe, aber gegen mehrere Gegner kann man sich damit nicht verteidigen.”
Und Sturmtruppler waren niemals alleine, fügte Ezra in Gedanken hinzu.

Drallig nickte zustimmend, schmunzelte dabei leicht. „Eine gute Beobachtung. Zeige mir Form II.”

Ezra holte einmal tief Luft, stellte seine Füße parallel in einer Linie auf, hielt das Lichtschwert jetzt in einer Hand, wie Illin es ihm gezeigt hatte - die Klinge summte, als er sie erhob, senkrecht vor sein Gesicht hielt und dann wieder absenkte. Eine Geste des Respekts vor einem Schwertduell, wie Meister Illin erklärt hatte. Ezra fand es unnötig - seine Duelle waren niemals aus Sportlichkeit erfolgt, aber er war auch in einem Krieg aufgewachsen - anders als die Jedi im Orden, deren Krieg gerade erst begonnen hatte.

Makashi, Form II ist der Wettkampfstil oder auch Weg des Ysalamir genannt. Eine sehr elegante Form des Lichtschwertkampfs”, erklärte Drallig, während Ezra begann, die Klinge kreisend durch die Luft zu wirbeln - diese Form fiel ihm überhaupt nicht leicht. Sein Lichtschwert wirkte zu schwer, wenn er es nur mit einer Hand hielt und das ständige Wechseln der Füße brachte ihn aus dem Gleichgewicht, welches er brauchte, um den starken Schwung des Schwertarmes auszugleichen.

Ezra hieb mit dem Schwert nach vorne, die Spitze voran, als würde er einen Gegner stechen wollen, wich einen Schritt zurück, zog in einer fließenden Bewegung den Schwertarm zurück, schwang die Waffe in einem Bogen.

„Die Form ist ideal für Zweikämpfe mit dem Schwert, aber eher unideal, um Blasterschüsse abzuwehren. Ein Meister dieser Kampfkunst geht aus einem direkten Duell selten als Verlierer heraus”, schloss Drallig mit seiner Erklärung, hob einhaltend die Hand, als Ezra erneut ins Straucheln kam.

„Zeig mir deine Waffe”, sagte jetzt Meisterin Billaba, streckte auffordernd die linke Hand aus. Ezra deaktivierte das Lichtschwert, reichte ihr den Griff, den sie eingehend musterte, leicht in ihrer Hand wiegte.
„Anwender der Form II verwenden häufig Lichtschwerter mit gebogenen Griffen - diese Waffen sind ausbalancierter und ermöglichen flüssigere Bewegungen, selbst mit einer Hand. Dein Lichtschwertgriff ist robuster und ein wenig schwerer gebaut - du würdest mehr Übung brauchen, um diese Form des Kampfes zu meistern”, überlegte die Jedi laut, bevor sie ihm die Waffe zurückgab.
„Beeindruckende Designarbeit”, fügte sie dann hinzu und lächelte leicht.

„Äh - danke”, murmelte Ezra, kratzte sich verlegen im Nacken.

Depa Billaba trat zurück, verschränkte ihre Hände, so dass sie unter dem Saum ihrer Ärmel verschwanden, während Meister Drallig wieder das Wort ergriff.

„Für einen Ungeübten war die Vorstellung ganz gut, Bridger. Wenn du diese Form später vertiefen willst, musst du allerdings viel Zeit in dein Training investieren.”
Ezra nickte leicht - dennoch glaubte er nicht, dass er sich auf diese Form festlegen wollte. Ihm fehlte die Defensive darin.
„Dann fahre bitte mit Form III fort.”

Soresu. Die defensive Kampfform und ideal, um Blasterschüsse abzuwehren”, übernahm Ezra diesmal die Erklärung, ohne direkt mit den Bewegungen anzufangen - dies war die Form, die Kanan ihm als erstes beigebracht hatte und die ihn am Leben gehalten hatte, wenn Sturmtruppen auf ihn geschossen hatten. Und sie hatte ihm auch das Leben gerettet, als er gegen die Inquisitoren hatte kämpfen müssen.
Meister Drallig nickte zustimmend, bedeutete ihm mit einer Handgeste, anzufangen.

In die Anfangsposition fiel Ezra automatisch, neigte die Spitze seines Schwertes nach vorne, hielt den Griff mit einer Hand fest - in kurzen Bewegungen schwang er die Klinge dicht um seinen Oberkörper, ohne weitläufige Schwünge und mit schnellen Richtungswechseln. Kurz schloss er dabei die Augen, stellte sich vor, wie die Klinge die rot leuchtenden Blasterbolzen abwehrte und keinen einzigen Funken zu ihm durchdringen ließ.
Die einzige Schwierigkeit war es, nicht die Bewegungen anderer Formen miteinfließen zu lassen - Ezra beschränkte sich ausschließlich auf die defensiven Bewegungen, ohne einen Angriffsschlag anzutäuschen oder ein ruckartiges Ausweichmanöver zu starten.

„Form IV”, forderte Drallig ihn plötzlich auf - seine Stimme drang nur leise zu Ezra durch, so vertieft war Ezra in dem Ablauf versunken. Er musste kurz innehalten, um die Erinnerungen wieder loszuwerden.

Soresu und Ataru waren die beiden Schwertformen, die Ezra am besten kannte - zum einen hatten Anakin und Sam ihm diese Stile genauer gezeigt, zum anderen kannte er sie bereits von Kanan und Ahsoka - nur wusste er, dass er niemals so gut werden könnte, wie Ahsoka es gewesen war.

Ezra blinzelte, umfasste den Lichtschwertgriff fester, lockerte seinen Stand, schwang das Schwert nach links. Mit einem Seitensprung schlug er in die Luft, wechselte erneut die Richtung, drehte sich um sich selbst, um von der anderen Seite zuzuschlagen, sprang mit einem Salto nach hinten, als würde er einem Gegenschlag ausweichen. Er ließ mit seiner linken Hand das Lichtschwert los, so dass er mehr Schwung hatte, nutzte die Macht, um sich vom Boden abzustoßen, drehte sich mitten im Sprung und schlug mit der Klinge in die Luft.
Schwer atmend hielt Ezra inne, deaktivierte die Waffe wieder und richtete sich wieder auf.

„Du steckst noch zu viel Kraft in deine Schläge. Dadurch verbrauchst du unnötig viel Energie, die du für die akrobatischen Bewegungen benötigst und wirst zu schnell langsamer. Ein Gegner wird das ausnutzen. Für Form IV brauchst du vor allem Tempo und Ausdauer, die du durch die Macht verstärken kannst. Muskelkraft wird dagegen weniger genutzt. Die Stärke in den Schlägen erlangst du durch Geschwindigkeit und nicht durch Kraft”, verbesserte Drallig ihn, was Ezra mit einem Nicken zur Kenntnis nahm.
Er hätte Ahsoka definitiv um einige Trainingsstunden bitten müssen, dachte er still.

„Bis hierhin haben Meister Illin und Padawan Jaec dir die Lichtschwertformen erklärt, richtig?”, fragte Drallig schließlich,

„Sie haben mir alle Formen erklärt, aber die restlichen nur theoretisch. Zum Praktischen sind wir noch nicht gekommen”, antwortete Ezra, versuchte gleichzeitig, sich an die Details von Form V und VI zu erinnern.
Auffordernd nickte Meisterin Billaba ihm zu, während Ezra unbewusst begann, den Lichtschwertgriff in den Händen zu drehen und die Gravierungen im Metall mit den Fingerkuppen nachzufahren.

„Form V ist der Ausdauerstil”, begann Ezra aufzuzählen. „Sie erfordert Kraft, die man sowohl körperlich, als auch nur die Macht erlangen kann. Es ist eine erweiterte Form von Soresu mit mehr offensiveren Elementen. Man wehrt Blasterschüsse nicht nur ab, sondern lenkt sie direkt zum Ursprung zurück, um den Kampf schnell zu beenden.” - Und somit eine Form, die ich die ganze Zeit schon nutze, ohne einen Namen dafür zu haben, fügte Ezra in Gedanken hinzu.
„Anakin nutzt diesen Kampfstil, nicht war?”, fragte er Meister Drallig, nachdem er einige Sekunden darüber nachgedacht hatte. Drallig nickte.

„Gut beobachtet. Welche Strategie würdest du wählen, wenn du einen solchen Gegner gegenüberstehst?”

Ezra blinzelte, dachte an die beiden Übungsduelle zwischen Anakin und ihm.

„Ich muss schneller sein”, sagte er schließlich, verkniff es sich aber, das ‚und unfähr kämpfen’. Erneut nickte Drallig zustimmend.

„Was ist mit der letzten Lichtschwertform?”

„Form VI - Niman?” – Drallig nickte – „äh – das war der diplomatische”, sagte Ezra, wartete erneut auf eine Bestätigung, dass er sich nicht irrte.
„Die Form hat Elemente von allen Stilen, ähnlich wie Form I. Der Anwender nutzt jedoch weniger sein Schwert, sondern eher seine Machtfähigkeiten, um sich zu verteidigen.”

„Richtig. Viele Jedi halten nicht viel von dieser Schwertform, da sie nicht anspruchsvoll genug ist. Es ist jedoch auch der Stil, den man gebraucht, sollte man zwei Lichtschwertklingen führen. Das bietet mehr Möglichkeiten in der Verteidigung, sowie im Angriff, ist allerdings schwer zu erlernen und erfordert Disziplin und Geduld”, erklärte Depa Billaba. Ezra musste erneut an Anakin denken - der junge Jedi hatte Ezra vorgeschlagen, mit zwei Lichtschwertern zu üben. Also entweder Skywalker schätzte ihn als begabt ein, oder der Stil konnte nicht so schwer zu erlernen sein, wie Meisterin Billaba es ihm erklären wollte.

Oder Anakin hatte sich generell einen Scherz erlaubt.

„Was ist der siebte Stil?”, fragte Ezra schließlich, nachdem er die Gedanken an Anakin beiseite gewischt hatte.

Juyo, auch Vaapad genannt. Im Orden beherrschen nur Meister Windu und ich selbst diese Kampfform. Sie ist sehr umstritten - der Anwender ist in der Lage, seine Gefühle für sich zu nutzen, um seine Bewegungen schneller und stärker auszuführen, ohne die Kontrolle darüber zu verlieren. Auf Außenstehende wirken die Bewegungen chaotisch und nur der Anwender kann das Muster darin erkennen. Für Ungeübte ist diese Form jedoch gefährlich - wer nicht in der Lage ist, Gefühle wie Leidenschaft, Zorn oder Erregung zu kontrollieren, kann sich in der dunklen Seite verlieren. Deswegen wird dieser Stil nicht gelehrt. Mein letzter Schüler darin war Meister Windu. Ich habe seitdem keinen weiteren Jedi getroffen, dem ich die Anwendung dieses Kampfstiles zutrauen würde”, sagte Drallig mit ernster Miene.

Ezra nickte verstehend. Wenn er darüber nachdachte - er konnte es nicht einschätzen, ob er solch starken Gefühle nutzen konnte, ohne sich darin zu verlieren. Hatte er damals nicht genau das versucht? Geglaubt, er könnte die Kräfte der dunklen Seite nutzen, ohne sich darin zu verlieren?
Ezra war blind gewesen, blind und arrogant. Damals hatte diese Blindheit ihn fast in seinen eigenen Tod getrieben - und seine Freunde mit ihm.

„Nun gut. Deine theoretischen Kenntnisse sind vorhanden - jedoch nützt es keinem Jedi, zu wissen, wie man ein Lichtschwert führt, ohne es auch je zuvor gemacht zu haben”, führte Meister Drallig schließlich das Thema von Vaapad weg - der Jedimeister lächelte wieder, trat von seinem Platz am Rand des Trainingsraumes weg, zu Ezra hin.

„Arbeiten wir an deiner Kampftechnik. Form III beherrscht du bereits gut, ebenso wie Form IV in ihren Grundzügen. Auch Form V könnte auf deine Technik zutreffen. Viele Jedi entwickeln im Laufe ihres Trainings ihre eigene Mischung der Stile, die sie am besten beherrschen. Ich weiß von Meister Illins Berichten und den Duellen zwischen dir und Padawan Skywalker, dass du am ehesten durch Praxis lernst - ich möchte, dass du versuchst, die verschiedenen Elemente der drei Kampfstile zu nutzen. Baue eine stabile Verteidigung auf, doch vernachlässige nicht deine Offensivschläge.”

Mit diesen Worten griff der Jedimeister an seine Seite, aktivierte die grüne Klinge seines Lichtschwerts. Ezras Augen weiteten sich - er wollte doch nicht etwa -

„Wenn du es schaffst, dich länger als zwei Minuten zu halten, sind wir für heute fertig”, sagte Cin Drallig, erhob sein Schwert zum respektvollen Gruß der Form II, wartete, bis Ezra hektisch seine eigene Waffe aktivierte - und griff Ezra an.

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Hello^^

Ich habs pünktlich geschafft xD Und damit ist auch endlich mein "verfluchtes Kapitel" fertig (das war das eine Kapitel, an dem ich mehr als zwei Jahre festgesessen habe - ich habe es einfach nie geschafft, daran weiter zu schreiben, auch weil ich hierfür etwas mehr recherchieren musste, und da meistens die Zeit oder Lust für fehlte xD) Naja, aber wie ich gehofft habe, hat die Überarbeitung aller Kapitel Wunder gewirkt, und ich habe es fertigstellen können.
Die Informationen über die Lichtschwertstile hab ich übrigens alle aus dem (eigentlich Legends) Buch "Das Buch der Jedi" - da nehme ich auch ein paar andere Infos über den Jedi-Orden her, falls es euch interessiert. Ist für mich einfacher, weil ich mich immer verirre, wenn ich auf Jedipedia oder so unterwegs bin, einfach weil ich dann immer mehr Artikel durchlese und vergesse, warum ich eigentlich da war xD

So, genug geschwafelt - wie hat euch das neue Kapitel gefallen?^^

Ich wünsche euch noch eine schöne Woche und bis nächsten Mittwoch ;))
LG Danni^^

(PS: Nochmal Danke an alle, die bis jetzt fleißig gevotet und kommentiert haben - you make my day <3 Und es ist einfach eine riesige Motivation, wenn man weiß, dass da auch tatsächlich Leute sind, die das Buch lesen <3)

Artwork: Ich hab Ezras Lichtschwert nochmal digital gezeichnet ;)

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