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Loving him is like driving a new Maserati down a dead-end street.
~Taylor Swift

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Als ich am nächsten Tag in die Schule kam war Angel nirgendwo zu sehen. Ich machte mir nichts draus und setzte mich auf unsere Bank, um auf sie zu warten. Es kam öfter vor, dass sie zu spät kam oder die erste Stunde verpasste, das war für mich nichts Neues.

Bis jetzt hatte sie jedoch noch nie groß Ärger dafür bekommen, denn da sie in allen Fächern eine Eins war, ließen die Lehrer es ihr durchgehen. Außerdem machte sie es so geschickt, dass sie in einem Halbjahr nie öfter als 2 Mal bei einem Lehrer zu spät kam, deshalb fiel den meisten gar nicht auf, dass sie in einem Jahr mindestens 20 Mal erst in den Unterricht kam, wenn die erste Stunde fast vorbei war.

Außerdem war Angel eine viel bessere Lügnerin als ich, also schaffte sie es, sich Ausreden einfallen zu lassen, die bis jetzt jeder Lehrer geglaubt hatte, ohne auch nur einmal an ihnen zu zweifeln. Vielleicht lag es an ihrem Namen, dass jeder, der sie nicht genauer kannte, nicht einmal daran dachte, dass sie nicht so lieb war, wie sie vorgab zu sein.

Während ich wartete beobachtete ich die vielen Schüler, die in kleinen Grüppchen verteilt überall auf dem Schulhof saßen oder standen. Viele redeten und lachten und genossen die morgendliche Sonne, die ein bisschen Extra-Wärme spendete. Ich kannte viele von den Menschen, auf die mein Blick fiel. Mit den meisten hatte ich ein paar Kurse zusammen, mit ein paar hatte ich noch nie wirklich gesprochen, doch wir waren auf die selben Schulen gegangen, also würde ich sie in meinen Bekanntenkreis mit einbeziehen und dann gab es noch die, die mich definitiv nicht kannten, doch dadurch, dass sie oftmals in den Gesprächen der anderen Schüler vorkamen, kannte ich sie.

Zum Beispiel gab es da die Clique von Olivia. Diese Mädchen waren beliebter als alle anderen und wurden von den meisten Jungs theoretisch vergöttert, selbst, wenn sie nie aus Olivias Schatten heraus kommen würden. Ich wusste genau, dass sie mich nicht kannten, auch wenn Olivia es tat. Es war allen bekannt, dass Olivia so gut wie niemandem richtig vertraute, deshalb hatte sie ihr Rudel wohl kaum in ihre Pläne was mich betraf eingeweiht. 

Dann gab es da noch Nats Freunde, die sehr gern Liebeleien mit Olivias Rudel anfingen und wahrscheinlich gab es kein Mädchen, dass auf diese Schule ging und noch nicht auf einen von ihnen scharf gewesen war. Selbst ich hatte mich als ich sechzehn gewesen war zu Dorian Price, dem besten Freund von Adam, hingezogen gefühlt, doch nach drei Wochen hatte ich realisiert, wie dämlich diese Schwärmerei war und ich war schnell von ihm losgekommen. Bis gestern hatte er wahrscheinlich nicht einmal gewusst, wie ich heiße, doch dann war ich ja irgendwie in Nats Arme geflogen. Natürlich hatte er mich öfter gesehen, wenn er bei Adam gewesen war und ich bei Angel, doch er war nicht der Typ Junge, der sich große Mühe machte, ein Mädchen kennenzulernen. Im Gegensatz zu den anderen hatte er auch relativ selten ein Mädchen an seiner Seite, was ihn natürlich noch begehrter machte, da jedes Mädchen die sein wollte, die seinen Ansprüchen entsprach. 

Zum Schluss gab es in der Kategorie "Leute, die ich kenne obwohl sie mich nicht kennen" noch einen Typen namens Keith Harrington. Keith war im selben Jahrgang wie Nat und er war ein ziemlicher Einzelgänger. Er kam so gut wie nie zur Schule und er hatte es nur knapp in die zwölfte Klasse geschafft. Jeder wusste, dass er denen, die danach fragten, Drogen verkaufte, doch irgendwie hatte noch niemand es geschafft, ihm das nachzuweisen. Angel war fest davon überzeugt, dass er das irgendwann in ganz großem Stil machen würde und irgendwie war das gar nicht so unwahrscheinlich.

Ich beobachtete schmunzelnd, wie ein paar Neuntklässler herumalberten und sich gegenseitig über einen Teil des Hofes jagten, da einer die Tasche des anderen gestohlen hatte. Die Mädchen, die dabei standen, lachten belustigt und schüttelten dabei ungläubig den Kopf. Genau wie ich damals fanden sie es auf der einen Seite witzig und auf der anderen Seite unglaublich kindisch. So dachte man nunmal, wenn man gerade auf die High School gekommen war: man wollte seine kindliche Seite behalten, doch viel mehr wollte man, dass die Älteren einen für "cool" hielten.

Selbst von meinem Platz auf der Bank aus konnte ich sehen, dass die Mädchen immer wieder hoffnungsvolle Blicke auf Nat und seine Freunde warfen und sich wünschten, dass sie ein bisschen Aufmerksamkeit von ihnen bekamen. Natürlich kümmerten sich die Jungs kein bisschen um die Albernheiten von 14-Jährigen.

Es klingelte und als sich der Schulhof ein bisschen geleert hatte stand ich auf und sah mich noch einmal um, in der Hoffnung, Angel würde doch noch irgendwo auftauchen. Natürlich war dem nicht so, also bewegte ich mich langsam auf das Schulgebäude zu und lief die Treppen hinauf. 

Wie immer, wenn Angel nicht da war, fühlte ich mich ein bisschen einsam und verloren, doch immerhin gab es noch ein paar andere Leute, mit denen ich befreundet war, also würde ich den Tag wohl mit ihnen verbringen, wenn Angel nicht auftauchte. 

Gemächlich schlenderte ich durch den Schulflur und ließ mir extra Zeit, während ich die Treppe zum zweiten Stock hinauf lief. Ich hatte jetzt Geschichte und unser Geschichtslehrer war ein alter Mann mit schneeweißen Haaren und dickem Bierbauch, der bestimmt schon Ende sechzig war. Warum er immer noch unterrichtete war jedem ein Rätsel, doch die Schüler störte es nicht, solange er jeden Tag zu spät zur ersten Stunde kam, da er mit seinem alten Käfer nie schneller als 20kmh fuhr. Ich musste also erst in frühestens zehn Minuten im Klassenraum sein. 

"Hey, du!", rief plötzlich jemand hinter mir, doch es waren noch andere Schüler im Treppenhaus, also fühlte ich mich nicht wirklich angesprochen und lief einfach weiter. "Warte!", rief die Stimme wieder und ich fing an, mich zu fragen, ob nicht doch vielleicht ich gemeint war. Ich drehte mich immer noch nicht um, doch mir viel auf, dass mir diese Stimme irgendwie bekannt vorkam.

"Riley!", rief die Stimme dann einen Namen und ich hörte schnelle Schritte hinter mir. Ein paar Meter vor mir lief ein Junge gerade um die Ecke, den ich nicht kannte, der musste anscheinend gemeint sein. 

"He, jetzt bleib doch mal stehen, Riley.", hastete plötzlich der, der gerufen hatte an mir vorbei, doch anstatt weiter zu laufen, wie ich es erwartet hatte, drehte er sich um und stand nun mit mir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkannte ich auch, dass mein Gegenüber kein geringerer als Dorian Price höchst persönlich war. Seine dunkelblonden Haare hingen ihm in der Stirn und seine grünen Augen funkelten mich amüsiert an, da ich gerade wahrscheinlich ziemlich verwirrt aussah. 

Ich hätte damals wahrscheinlich alles dafür gegeben, ihn nur einen halben Meter entfernt von mir zu haben und irgendwie machte mich das in dem Moment ein wenig nervös, denn ich musste zugeben, so von Nahem sah er ziemlich gut aus, nicht einmal die feine Narbe, die sich über sein Kinn zog, konnte daran etwas ändern. Doch die Tatsache, dass er mich Riley genannt hatte sorgte irgendwie dafür, dass ich meine kleine ehemalige Schwärmerei für ihn vergaß und einigermaßen ruhig blieb.

Ich konnte nicht anders, ich musste ihn korrigieren.

"River.", sagte ich leicht schüchtern und er sah mich irritiert an. "Ich heiße River, nicht Riley."

Er zog kurz die Augenbrauen zusammen und man merkte, dass es ihm leicht unangenehm war, mich beim falschen Namen genannt zu haben.

"Dann eben River.", fing er sich wieder und grinste schief. Mein sechzehn-Jähriges Ich hätte jetzt wahrscheinlich weiche Knie bekommen, doch mein Jetziges Ich musste nur daran denken, dass er bei vielen Mädchen so begehrt war, dass sie ihm selbst nach so einem Ausrutscher noch in die Arme springen würden.

"Also, River, stimmt es, dass Adam heute zurück kommt? Er hat mir so etwas in der Art geschrieben, aber ich wusste nicht, ob es ein Witz war oder nicht. Eigendlich hätte ich seine Schwester gefragt, aber du weißt es bestimmt auch, du bist doch so gut wie immer mit ihr zusammen.", redete Dorian drauf los.

Ich konnte nicht verhindern, dass ich für den Bruchteil einer Sekunde so etwas wie Enttäuschung empfand. Wie hatte ich auch denken können, dass er vielleicht mit mir sprach, weil er mich interessant fand.

"Uhm, ja, es stimmt. Er ist wahrscheinlich jetzt schon auf der Fahrt nach Hause.", antwortete ich schnell und ließ mir nicht anmerken, dass ich mir erhofft hatte, er würde mich vielleicht mögen. Natürlich war ich nicht wirklich an ihm interessiert, doch es wäre eine schöne Sache zu wissen, dass man von jemandem begehrt wurde.

"Das ist fantastisch!", rief Dorian aus und seine Augen fingen an zu leuchten. Für einen kurzen Moment erhaschte ich einen Blick auf einen komplett anderen Jungen, als den, von dem die ganze Schule sprach. Doch dann war der Moment vorbei und er war wieder der coole, unnahbare Typ, der sich kaum für irgendjemanden interessierte.

"Okay", sagte ich langsam, "schön, dass ich dir helfen konnte."

Ich schlängelte mich an ihm vorbei und lief weiter die Treppe hinauf. Ich hatte gerade ihr Ende erreicht, als er noch einmal nach mir rief (dieses Mal benutzte er meinen richtigen Namen). Ich drehte mich um und sah ihn abwartend an.

"Ich werde wahrscheinlich eine Willkommensparty oder so für Adam schmeißen.", meinte er und kratzte sich am Hinterkopf, "Wenn du willst kannst du auch kommen, je mehr, desto besser. Außerdem kann ich dann diese Namensverwechslung wieder gut machen."

Ich starrte ihn kurz überrascht an. Ich war noch nie von jemandem wie Dorian auf eine Party eingeladen worden. Normalerweise war es Angel, die die Einladungen erhielt und die mich dann mitschleppte, da sie wollte, dass wir so viele klischeehafte  High-School-Erfahrungen wie möglich sammelten, damit wir, wenn wir uns ein kleines Zimmer im Altenheim teilten und unser Essen pürrieren mussten, viele lustige Erinnerungen hatten.

"Ja.", stimmte ich nach kurzer Überlegung zu, "Ich würde gerne kommen."

Es gab genau zwei Gründe, warum ich zusagte: Erstens hätte Angel mich umgebracht, hätte ich Nein gesagt. Und zweitens würde Nat bestimmt auch dort sein und so eine Party war die beste Möglichkeit, ihm näher zu kommen.

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Hallo Homies!

Tut mir leid, dass letzte Woche kein Kapitel kam, aber der vorweihnachtliche Schulstress hat bei mir angefangen und ich kam kaum zum schreiben. 😓

Wie findet ihr Dorian? Er wird auf jeden Fall noch öfter vorkommen. 😉

Stay happy
~Nora

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