Captain Jack Sparrow
Der Tag hatte gerade erst begonnen, doch Kai war schon seit einer Stunde wach. Sie wusste genau welcher Tag heute war und falls sie es vergessen hätte, waren die Zofen, die ihr in das amethystfarbene Kleid halfen Erinnerung genug. Captain Norringtons Beförderung war heute und würde nun auch Elizabeths Schicksal endgültig besiegeln.
Norrington hatte vor zwei Jahren ein Auge auf Kais jüngere Schwester geworfen und würde nun endgültig um ihre Hand anhalten.
Kai hatte ihren Vater und Norrington vor einer Woche belauscht und es natürlich sofort ihrer Schwester erzählt. Die hatte es Kai jedoch nicht geglaubt.
Kai selbst war schon verlobt mit einem von Norringtons Männern. Lieutenant Theodore Groves. Kai hatte keine andere Wahl gehabt, aber sie hatte sowohl die Verlobung als auch die Hochzeit lange herausschieben können.
Doch nach heute würde sie vermutlich schnellstens heiraten müssen, damit nicht die jüngere Swann zuerst heiratete und somit ein schlechtes Licht auf Kai warf.
Kai überlegte schon lange ob sie Port Royal nicht verlassen sollte. Sich das Leben nehmen, welches sie so dringend wollte. Ein Leben voller Abenteuer.
Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als die Zofen verkündeten, dass sie fertig waren und das Zimmer verließen. Kai betrachtete sich im Spiegel und schnaubte.
Sie sah aus wie eine Puppe.
Sie war zu blass geschminkt, ihre braunen Locken waren kompliziert hochgesteckt und das enge Korsett schnürte ihr die Luft ab. Kai dehnte sich und zu ihrem Glück lockerten sich die Schnüre etwas.
Flink griff Kai nach einem Tuch und wischte sich über das Gesicht. Ihre meerblauen Augen strahlten triumphierend, als die Blässe verschwand und sie wieder aussah wie eine normale Frau.
Sie richtete sich auf, warf das Tuch auf ihre Kommode und verließ ihr Zimmer.
Die Stimme ihres Vaters erklang aus Elizabeths Zimmer, weswegen Kai vermutete, dass ihre Schwester gerade die gleiche Tortur über sich ergehen lassen musste. Nur legte ihr Vater mehr Wert auf Elizabeths Aussehen, da die noch vermählt gehörte.
Kai war da weniger wichtig. Hauptsache sie hielt ihre scharfe Zunge im Zaum, damit jeder Mann weiterhin denken konnte er wäre schlauer als die Frau vor ihm.
Kai blickte über das Geländer ins Foyer und grinste als sie ihren besten und wohl oder übel auch einzigen Freund entdeckte.
Will Turner musterte gerade einen Kerzenhalter an der Wand und wollte gerade danach greifen, da unterbrach ihn Kai.
„Den würde ich lieber nicht angreifen. Die Dinger sind äußerst sensibel und brechen leicht."
Erschrocken wirbelte der junge Mann zu ihr herum, entspannte sich aber wieder, als er Kai die Treppen runter schreiten sah.
Nachdem sie Will vor acht Jahren gerettet hatten, hatte Kai sich mit dem jüngeren Mann schnell angefreundet. Regelmäßig hatte Kai sich aus dem Haus geschlichen, um sich mit Will zu treffen. Diese Treffen waren zwar nicht erwünscht gewesen, doch ihr Vater hatte sie erst strikt verboten als Kai ins heiratsfähige Alter gekommen war.
Seitdem sah sie Will weniger, aber immer noch so oft sie konnte.
„Du siehst toll aus.", lächelte dieser nun, als sie vor ihm stehen blieb und interessiert die Schachtel in seiner Hand musterte.
„Danke. Was ist das?", änderte Kai schnell das Thema und deutete auf das Objekt in seiner Hand. Es war nicht so, dass Kai Komplimente nicht mochte, sie wusste nur zu gut für wen Will sich wirklich interessierte.
Zusätzlich genoss Kai jeden Moment, in dem sie nicht der Etikette folgen musste und nach heute würden diese Momente vermutlich noch seltener werden.
„Das Schwert für die Beförderung."
Kai wippte auf ihren Zehenspitzen und legte ihren Kopf schief. Sie wollte schon fragen, ob sie es sehen könnte, da hörte Kai die Stimme ihres Vaters und sie brachte einen respektvollen Abstand zwischen Will und sich.
„Ah. Mister Turner. Schön dass Ihr da seid."
Will ging sofort auf den Governor zu und legte die Schachtel auf einem Tisch ab.
„Guten Tag, Sir. Ich habe Eure Bestellung."
Er öffnete die Schachtel und ein wunderschönes Schwert kam zum Vorschein. Während Kais Vater das Schwert inspizierte, erklärte Will die Details des Schwertes.
Kai lächelte zufrieden, als ihr Vater seine Bewunderung ausdrückte. Das Lächeln gefror ihr jedoch, als ihr Vater Will bat seinem Meister die Komplimente ihres Vaters zu überreichen. Sie wusste, dass heutzutage Mr. Brown kaum noch etwas anderes als eine Rumflasche in die Hand nahm.
Dieses Schwert war Wills Werk, doch ihr Freund würde wohl dies nie verkünden.
Die Stimmung änderte sich abrupt, als Elizabeth die Stiegen herabkam.
Kai wusste nicht wer hoffnungsloser war, ihre Schwester oder Will?
Als Elizabeth Will direkt ansprach, beschloss Kai, dass ihr Freund der hoffnungslosere Fall war und verließ leise das Haus. Die beiden hatten unter den Augen ihres Vaters sowieso schon keine Privatsphäre, da musste Kai nicht auch noch lauschen.
Sie stieg schon in die wartende Kutsche und musste nicht lange warten, bis ihr Vater und ihre Schwester folgten. Der bittere Blick von Elizabeth zeigte Kai, dass das Gespräch wohl nicht so geendet hatte, wie sie sich das vorgestellt hatte.
~~~
Die Zeremonie war eine einzige Qual. Es war viel zu heiß in der Sonne und selbst ohne die Hitze hätte Kai Schwierigkeiten gehabt aufzupassen.
Viele der Frauen, darunter auch Elizabeth fächerten sich kühle Luft zu, doch Kai glaubte kaum, dass es wirklich etwas half.
Das einzig Positive bisher war, dass Theodore noch kein Gespräch mit ihr begonnen hatte.
Kai rollte mit den Augen als Norrington auftauchte.
So viel Trubel nur wegen eines Mannes. Kais Augen wanderten über die Gesichter und blieben schließlich am Horizont hängen.
Die Freiheit, die der Ozean ihr versprach, war süß und bitter zugleich.
Elizabeth verzog neben ihr das Gesicht und holte einmal tief Luft. Besorgt drehte Kai sich zu ihrer Schwester und fragte leise: „Geht es dir gut?"
Schnell nickte die Blondine und gab genauso leise zurück: „Dieses Kleid ist nur sehr eng."
Kai überlegte schon, ob sie ihrer Schwester anbieten sollte, die Fäden zu lockern, doch bevor sie etwas sagen konnte, wurde die Zeremonie beendet und die Feier eingeleitet.
„Beth, vielleicht kann ich dir...", fing Kai an, wurde jedoch von einer tiefen Stimme unterbrochen.
„Kaileena, Ihr seht bezaubernd aus."
Kai zog eine Grimasse, die ein Lächeln auf Elizabeths Lippen zauberte. Mit einem falschen Lächeln drehte Kai sich zu Theodore um, der sie anstrahlte.
„Wie fandet Ihr die Zeremonie?", fragte der junge Mann, während Elizabeth sich entfernte, um ihnen mehr Privatsphäre zu geben.
Kai nickte zaghaft und log lächelnd, dass es äußerst aufregend gewesen war.
Ein kleiner Teil von Kai fühlte sich schlecht und wollte den Mann vor ihr nicht komplett abweisen. Sie hatte schließlich keine andere Wahl und würde Theodore schlussendlich heiraten müssen. Noch dazu musste sie sich eingestehen, dass es schlimmere Möglichkeiten gegeben hatte.
Norrington zum Beispiel.
Auch wenn Theodore nicht ihr Typ war, war der Mann vor ihr attraktiv und vor allem hatte er Manieren. Seine Augen ruhten respektvoll auf ihrem Gesicht, während andere Offiziere sie schon schamlos gemustert hatten. Noch dazu hatte Theodore ihre Entscheidung die Hochzeit rauszuschieben akzeptiert und sie nie bedrängt.
Sie schätzte ihn dafür. Er war ein guter jedoch auch sehr langweiliger Mann.
Kai versuchte Theodores Worten zu lauschen, wurde jedoch abgelenkt, als sie entdeckte, dass Norrington Elizabeth an die Brüstung führte.
„Bitte verzeiht mir meine schlechten Manieren, doch ich muss nach meiner Schwester sehen."
„Natürlich."
Statt beleidigt oder wütend zu werden, da Kai ihn unterbrochen hatte und ihn stehen ließ, lächelte Theodore verständnisvoll und entfernte sich.
Kai schenkte ihm ein ernst gemeintes Lächeln und folgte schnellen Schrittes ihrer Schwester.
Elizabeth und Norrington standen am höchsten Punkt der Brüstung. Kai war zu weit entfernt, um zu verstehen, was sie sagten, aber Kai war sich sicher, dass Norrington gerade um ihre Hand anhielt.
Kai ging vorsichtig auf die beiden zu. Jederzeit bereit einzugreifen, falls ihre jüngere Schwester sie brauchte.
Ihr Gehirn schaltete von einem Moment auf den nächsten ab, als ihre kleine Schwester umkippte und über die Brüstung ins Meer stürzte. Norrington, der von Elizabeth abgewandt stand, hatte es noch nicht einmal bemerkt. Kai hätte nach ihrer Schwester schreien können. Sie hätte die Männer und auch Norrington alarmieren können.
Doch stattdessen sprintete sie los. Ihr Körper arbeitete wie ferngesteuert, als sie ihr Kleid hochzog und ihre Schuhe von sich kickte um besser rennen zu können, und schlussendlich selbst über die Brüstung und ins Meer sprang, und hart ins Wasser eintauchte.
Sobald Kai sich wieder gefangen hatte, schwamm sie zu ihrer Schwester, doch sie merkte recht schnell, dass ihr mit Wasser vollgesogenes Kleid, sie selbst in die Tiefe zerrte.
Ohne großartig darüber nachzudenken, strampelte sie sich aus ihrem Kleid und tauchte zu ihrer Schwester.
Wie aus dem Nichts ging ein Puls durch das Wasser, doch Kai konnte nicht ewig die Luft anhalten, weswegen sie beschloss, nachher darüber nachzudenken.
Bei Elizabeth angekommen, versuchte Kai, sie nach oben zu ziehen, doch mit dem Kleid war sie zu schwer.
Eine Bewegung in Kais Augenwinkel brachte sie dazu sich zu drehen. Neben ihr tauchte ein Mann auf, den sie noch nie zuvor gesehen hatte. Doch jetzt war nicht der Moment, um den Mann zu mustern. Stattdessen griff sie wieder nach ihrer Schwester und zog an den Schnüren des Kleides.
Es lockerte sich und der Mann riss das Kleid endgültig von Elizabeth runter.
Er griff nach ihr und schwamm zurück zur Oberfläche. Kai folgte ihm schnell und schnappte gierig nach Luft, sobald sie Oberwasser war.
Der Fremde hievte Elizabeth an den Steg und überreichte sie zwei Soldaten, die Kai als Murtogg und Mullroy kannte. Nachdem Elizabeth am Steg lag, drehte der Mann sich zu Kai um und half ihr ins Trockene.
„Sie atmet nicht!", schrie Mullroy, weswegen sowohl Kai als auch der Fremde zu Elizabeth herumwirbelten.
„Weg da!" Blitzschnell hatte der Fremde ein Messer in der Hand und durchschnitt die Schnüre des Korsetts. Nachdem er das Korsett auch noch aufgerissen und es Murtogg in die Hand gedrückt hatte, schnappte Elizabeth nach Luft und spuckte Wasser aus.
Erleichtert stützte Kai ihre Schwester, während Mullroy verkündete, dass er nie daran gedacht hätte, das Korsett zu lösen.
„Noch nie in Singapur gewesen?", fragte der Fremde und Kai nahm sich zum ersten Mal die Zeit ihn zu mustern.
Der Mann hatte dunkle Augen und eine sonnengebräunte Haut. Seine langen braunen Haare waren zu Dreadlocks gebunden. Mehrere Perlen waren in sein Haar eingeflochten und ein rotes Bandana, welches wohl heller war, wenn es nicht gerade komplett nass war, bewahrte das Haar davon in sein attraktives Gesicht zu fallen.
Seine durchnässte Kleidung war stylisch aber auch praktisch, um auf See zu sein und nach der Art wie er sich bewegte, war Kai sich sicher, dass dieser Mann ärger bedeutete.
Der Fremde schaute zu Kai und schenkte ihr ein charmantes Lächeln, bevor er auf Elizabeth herabblickte.
Kai war immer noch damit beschäftigt ihn zu mustern. Er hatte einen Bart, der auch zusammengeflochten war und hatte Kohle unter seine Augen geschmiert, um nicht von der Sonne geblendet zu werden.
Sie war so beschäftigt, dass sie zuerst gar nicht bemerkte, dass er nach Elizabeth griff. Erst als er fragte: „Woher habt Ihr das?", wurde Kai auf das Medaillon in seiner Hand aufmerksam.
Sie kannte es natürlich, hatte es aber selbst seit Jahren nicht mehr gesehen und wunderte sich, weshalb Elizabeth es tragen würde.
Kai schaute auf, als sie Schritte hörte und Norrington auftauchte. Mit gezücktem Schwert befahl James dem Fremden aufzustehen, der auch mit erhobenen Händen dem Befehl folgte. Kai zog ihre Schwester auf die Beine, wandte aber nicht den Blick von den gezückten Waffen ab.
Der Governor stürzte sofort besorgt auf seine Töchter zu und legte Elizabeth seinen Mantel um. Erst jetzt bemerkte Kai, dass sie selbst sowohl als auch ihre Schwester nur sehr leicht bekleidet waren.
Da ihre Schwester aber auch fast gestorben wäre, fiel es Kai schwer sich großartig für ihr Auftreten zu interessieren.
Ihr Vater war da aber anderer Meinung, denn als er seine Töchter und das zerstörte Korsett betrachtete, befahl er sofort: „Erschießt ihn!"
„Vater!", widersprachen beide Töchter sofort und Kai trat nach vorne, um den Fremden etwas zu verdecken.
„Kaileena! Trete sofort zurück!"
Kai ignorierte ihren Vater und starrte Norrington in die Augen. „Wollt ihr wirklich Elizabeths Retter erschießen?"
Norrington überlegte kurz und nickte schließlich. Die Soldaten nahmen ihre Waffen runter und Kai entfernte sich wieder etwas.
Der Fremde lächelte Kai dankbar an und grinste dann als er sich Norrington zuwandte.
„Ich glaube ein Dank ist angebracht."
Norrington streckte seine Hand aus und nach kurzem Zögern ergriff der Fremde die Hand. Schneller als Kai realisieren konnte, hatte James den Fremden herangezogen und seinen rechten Ärmel hochgezogen.
Ein blasses „P" tauchte darunter auf. Ein Brandmal, um zu zeigen, dass dieser Mann zumindest einmal in seinem Leben in Piraterie verwickelt gewesen war. So wie der Fremde jedoch aussah, war Kai sich sicher, dass diese Tage noch nicht der Vergangenheit angehörten.
Norrington lächelte zufrieden und fragte: „Hatten wir mal eine Begegnung mit der East India Trading Company, Pirat?"
Der Pirat verzog das Gesicht, antwortete aber nicht.
Nun noch interessierter als zuvor, trat Kai wieder einen Schritt auf den Mann zu, doch ihr Vater hielt sie am Arm zurück.
„Hängt ihn!", befahl der Governor und Norrington befahl schon seinen Männern, den Piraten zu verhaften.
Kai konnte nicht glauben was da passierte. Pirat oder nicht, ohne diesem Mann, wäre ihre kleine Schwester nun tot. Sie allein hätte es vermutlich nicht geschafft, Elizabeth rechtzeitig an Land zu bringen und selbst wenn doch, hätte sie vermutlich erst viel zu spät, dass Korsett entfernt.
Norrington schob den Ärmel noch etwas weiter rauf und legte ein Tattoo frei.
Das Tattoo sagte Kai nichts, aber James sprach sofort: „So, so, Jack Sparrow, nicht wahr?"
„Captain Jack Sparrow! Wenn ich bitten darf."
Vielleicht hatte das Tattoo ihr nichts gesagt, aber sie kannte den Namen. Sie hatte Geschichten über Jack Sparrow gehört und gelesen.
„Ich sehe gar nicht euer Schiff, Captain."
„Will mir gerade eins besorgen, zufällig."
Kai verfolgte den Schlagabtausch mit Interesse, doch wurde sie in die Realität zurückgeholt als Murtogg erklärte, dass Jack ein Schiff kapern wollte. Mullroy zeigte Norrington Sparrows Besitz, der sofort die Pistole inspizierte.
Nun unruhiger, zappelte Jack, seine Augen immer auf die Pistole gerichtet.
„Nur eine Kugel. Kein Schießpulver.", beobachtete Norrington und legte die Pistole wieder weg.
Kai bemerkte, wie Sparrow sich sofort etwas entspannte, während James nach dem Kompass griff.
„Ein Kompass der nicht nach Norden zeigt."
Während Norrington auch noch das Schwert musterte, welches tatsächlich normal war, fragte sich Kai, wieso jemand mit solch seltsamen Gegenständen reiste.
„Sie sind ohne Zweifel der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe.", verkündete James mit einem abwertenden Blick.
Jack hob sofort seine Hände und grinste: „Aber Ihr habt von mir gehört."
Kai versuchte ihr Glucksen zu kaschieren, doch der Blick, den ihr Vater ihr zuwarf zeigte ihr, dass sie nicht leise genug gewesen war.
Kais Lächeln verschwand aber, als James nach Jack griff und ihn hinter sich her, zu Gilette schliff, der schon mit Handschellen wartete.
„Wartet! Ich muss protestieren! Dieser Mann rettete Elizabeths Leben!", zischte Kai, riss sich von ihrem Vater los und folgte dem Commodore. Ihre Schwester widersprach genauso und folgte Kai schnellen Schrittes.
Kai baute sich vor Norrington auf und stellte sich somit zwischen Jack und ihn. Elizabeth blieb neben James stehen und nickte eifrig.
„Eine gute Tat reicht nicht um die lebenslange Sündhaftigkeit eines Mannes auszugleichen.", widersprach Norrington sofort.
„Aber um ihn zu verurteilen, reicht es?"
Norrington blickte zu Jack, der gefragt hatte und grummelte leiser: „Sehr richtig."
Kai hörte das Klimpern von Ketten hinter sich und sah im Augenwinkel, wie Gilette sich entfernte. Im nächsten Moment hörte sie Jack sagen: „endlich" und Ketten schlangen sich um ihren Hals.
Sie keuchte auf, als Sparrow sie an sich presste und die Soldaten erhoben sofort ihre Waffen.
Ihr Vater befahl ihnen jedoch nicht zu schießen.
Sparrow verlangte nach seinem Besitz, während Kai sich weiter nach hinten lehnte, damit die Ketten sich nicht zu sehr in ihre Haut bohrten.
Sie sah die Panik in den Augen aller, aber Kai war tatsächlich ruhig. Sie hatte nicht das Gefühl, dass sie in Gefahr war. Tatsächlich fürchtete sie mehr die nervösen Soldaten als den Piraten hinter sich. In ihren Augen war es wahrscheinlicher, dass einer von denen versehentlich schoss, als dass Jack sie verletzen würde.
Noch dazu konnte sie den verzweifelten Versuch zu entkommen verstehen. Sie würde auch nicht gerne gehängt werden wollen.
Norrington zögerte kurz, bevor er Mullroy die Besitztümer abnahm.
Jack lehnte sich nach vorne und sprach leiser: „Kaileena... Ist doch richtig Kaileena, oder?"
„Ich bevorzuge Kai.", antwortete sie ruhig.
„Kai, wenn Ihr so nett wärt."
Kai griff nach Jacks Besitz und dieser wiederum griff sofort nach seiner Pistole, die er Kai sogleich an die Schläfe presste, nachdem er sie herumgewirbelt hatte.
Nun war nicht mehr ihr Rücken, sondern ihre Brust gegen ihn gepresst.
„Also. Wenn Ihr so nett wärt."
Kai fühlte sich immer noch sicherer mit der Pistole an der Schläfe als mit den Soldaten in ihrem Rücken. Jack schien selbstbewusst genug zu sein, um nicht aus Versehen abzudrücken.
Kai hob eine Augenbraue und Jacks Mundwinkel zuckte einmal, als sie ihm den Gürtel umschnallte. Sie griff über seine Schulter und konnte sein Grinsen spüren, als sie auch sein Schwert befestigte. Zuletzt stellte Kai sich auf ihre Zehenspitzen, um Sparrow seinen Hut aufzusetzen.
Ihre Nasenspitzen berührten sich fast und Kai traf eine vermutlich sehr blöde Entscheidung.
Sie entfernte sich äußerst langsam von ihm und wisperte: „Die Waffenschmiede ist in der Nähe vom Hafen. Dort könnt Ihr die Ketten loswerden."
Nun hob Jack seine Augenbrauen, doch Kai blickte ihn einfach nur an.
„Und erschießt nicht den Schmied. Bitte.", fügte sie noch hinzu.
Jack schaute einmal über ihre Schulter und grinste dann leicht. Er beugte sich nach vorne und sie konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren, als er hauchte: „Ich verspreche es."
Danach wirbelte er sie wieder herum und ging langsam mit Kai zurück.
„Gentlemen! Mylady. Ihr werdet diesen Tag nie vergessen, an dem ihr Captain Jack Sparrow beinahe geschnappt hättet!"
Jack hob die Handschellen an und stieß Kai von sich.
Sie fing sich und konnte gerade noch rechtzeitig herumwirbeln, um zu sehen, wie Jack sich mit einem Seil in die Luft katapultierte.
Ihr Vater und Elizabeth zogen sie nach hinten und der Befehl zum Feuern wurde erteilt. Kai biss sich in die Wange, um das Lächeln zu unterdrücken, als der attraktive Pirat den Kugeln auswich und schließlich an einem Seil den Steg entlang rutschte.
Da die Soldaten keine guten Schützen waren, schaffte Sparrow es zu entkommen, jedoch traten fast alle Soldaten sofort die Verfolgung an.
Sowohl ihr Vater als auch Elizabeth sprachen auf sie ein, ob Kai in Ordnung war, doch sie hörte sie gar nicht. Sie war völlig fokussiert auf den Punkt, wo sie Captain Jack Sparrow verschwinden sehen hatte.
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