ᗰᗩᖇᗷᗩᑕᕼ ᑕᒪᗩՏՏIᑕՏ
Heute war es soweit. Es war Zeit für die Marbach Classics. Lange hatte das gesamte Team auf diese 3 Tage daraufhin gearbeitet. Nun sollten die Reiter und ihre Pferde an den Prüfungen teilnehmen. Eine Koppel hatten wir als Hängerparkplatz umfunktioniert und die Küche war für alle zugänglich. Seit vorgestern war Martha ununterbrochen damit beschäftigt gewesen sämtliche Kuchen zu backen.
Bei einigen hatte ich sogar geholfen, aber da ich nicht die beste Bäckerin war, überließ ich Martha lieber diesen Teil der Arbeit. Dafür war ich gut darin, mich um die Ordnung und den Papierkram zu kümmern. Heute war Freitag, weshalb heute nur Springpferdeprüfungen stattfinden würden. Zusammen mit Nick saß ich in der Meldestelle. Es war wirklich interessant mal zu erfahren, wie es war ein Turnier zu organisieren.
Während der Prüfung setzte ich mich an das Fenster, um die Reiter im Pacour zu beobachten. All die jungen Pferde machten bereits einen hervorragenden Job und lieferten sichere Runden ab.
Bei diesem Anblick kam mir mein inzwischen siebenjähriger Wallach in den Sinn. Geysir war durch und durch ein Springpferd und nur, weil ich mich nicht traute, blieb er in seiner Ausbildung stehen. Klar es machte auch Spaß ihn dressurmäßig zu reiten, aber ich wusste wie viel mehr Spaß er am Springen hatte.
Mich machte es augenblicklich traurig. Würde ich so meinem Pferd jemals gerecht werden? Er war noch so jung und voller Energie, während ich wohl lieber ein sicherers Pferd reiten würde. Damals, als ich ihn gekauft hatte, hatte ich echt gedacht, dass ich gemeinsam mit ihm voll durchstarten könnte. Doch ich war reiterlich einfach noch nicht soweit, dass ich einem jungen Pferd Sicherheit geben könnte.
Ich sah rüber zu Nick, der konzentriert die Starterlisten durchsah.
Erst merkte er nicht meinen Blick, doch dann sah er schließlich auf und legte den Kugelschreiber zur Seite.
"Was ist los? Du siehst traurig aus."
"Ach, wenn ich hier die erfolgreichen Jungpferde sehe, muss ich an Geysir denken. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht in der Lage bin, jemals mit ihm einen Pacour zu bestreiten. Dafür hab ich einfach zu viel Angst davor, aber Geysir ist nunmal ein Springpferd. Ich frage mich, ob er bei jemand anderem wohl besser aufgehoben wäre..."
Sofort stand Nick auf und kam auf mich zu. Tröstend legte er seine Arme um mich und gab mir einen Kuss auf die Wange.
"Würdest du sein Training gern an wen anderes abgeben?"
Sofort nickte ich. Das wäre wohl das Schönste. Ein Reiter trainierte mein Pferd, ohne dass ich es verkaufen müsste. Klar hatte ich schon daran gedacht, wie es wäre, wenn Nick mein Pferd ritt, aber ich wollte ihm nicht noch ein Pferd aufzwingen. Er hatte ohnehin schon genug mit seinen Dreien zu tun.
"Und was ist, wenn ich den ab und zu mal reite und mitnehme?", schlug er mir genau nach meinem Gedankengang vor. Unwillkürlich schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht und ich bejahte seine Frage mit einer zustimmende Kopfbewegung.
"Würdest du das echt machen?!
Ich hatte ehrlich gesagt auch schon daran gedacht, aber ich wollte dir nicht noch mehr Arbeit aufzwingen...", gestand ich ihm, doch er umarmte mich nur fester.
"Für dich mach ich alles und ich bin mir sicher, dass Geysir sich über ein paar Hindernisse freuen wird. Zudem ist es mein Beruf und umso mehr Pferde ich reite, desto mehr Erfahrung kann ich sammeln. Also ist eine klassische Win-win-Situation."
Froh, den besten Freund der Welt zu haben, drehte ich meinen Kopf und küsste ihn voller Liebe und Dankbarkeit. Es war mit der leidenschaftlichste Kuss, den wir je geteilt hatten.
Ich war so glücklich, dass Nick mir immer mit Verständnis begegnete.
Sowas war schließlich nicht selbstverständlich. Doch unsere gefühlvolle Stimmung, wurde abrupt unterbrochen.
"Nick Winkler!", hörte ich plötzlich eine bestimmende Männerstimme. Hektisch lösten wir uns voneinander und sahen in das enttäuschte Gesicht vom Chef.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie mein Freund ein entschuldigendes Lächeln aufsetzte. Auch ich versuchte eine gute Miene zu machen.
Unser Ausbilder seufzte und kam weiter auf uns zu.
"Hatte ich mich am Anfang deiner Ausbildung nicht klar genug ausgedrückt? Du weißt, was ich von diesen Spielerein halte. Damit hast du mir schon einige Reitschülerinnen vergrault..."
Nick stellte sich aufrecht hin und sah Theo direkt in die Augen. So entschlossen hatte ich ihn noch nie gesehen.
"Melanie ist keine 'Spielerei'. Ich liebe sie wirklich und werde alles dafür tun, damit wir immer zusammen bleiben!", gab er von sich und es war so süß, dass mein Herz dahin schmolz.
Nawww, dachte ich mir.
"Aber ich bin nicht allein Schuld. Zu einer Beziehung gehören immer zwei", hörte ich ihn jetzt sagen und somit war alles wieder zerstört. Dieser Verräter. Aber er hatte ja recht. Nick war nicht allein Schuld daran, dass wir eine Beziehung führten.
Sofort schnellte Theos Blick zu mir und ich nickte nur zustimmend. Dann nahm er seine Brille ab und massierte nachdenklich sein Nasenbein.
"Würdet ihr eure Beziehung beenden, wenn ich es euch verbiete?"
Ohne uns anzusehen, schüttelten wir beide unsere Köpfe.
Anerkennend nickte der Chef und setzte seine Lesebrille wieder auf.
Er kam Nick gefährlich nah und zeigte mit dem Zeigefinger auf ihn.
"Wehe ihr macht Schluss und es herrscht dann eine unangenehme Stimmung. Ihr bleibt gefälligst zusammen. Immerhin ist sie die Vernüftigste, die du bisher angeschleppt hast!"
Damit lächelte er mich an, während Nick fassungslos und mit einem geöffneten Mund unserem Chef hinterher sah, welcher somit das kleine Häuschen verließ. Ich fand es süß, dass Theo wolllte, dass wir für immer zusammen sein sollten. Doch mein Freund schien sich noch mit dem letzten Satz zu beschäftigen.
"So einen schlechten Geschmack hab ich nun auch nicht", meckerte er und sah mich an.
Ich hingegen schlang nur glücklich meine Arme um seine Hüfte und legte meinen Kopf gegen seinen Bauch.
Endlich war unsere Beziehung öffentlich, wir mussten uns von nun an nicht mehr verstecken.
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