Kapitel 34


Teron hatte sich mittlerweile wieder erholt und betrat eine kleine Seitenstraße. Er legte viel Wert darauf, dass er von seinen Feinden unbemerkt blieb und behielt die Umgebung wachsam im Auge. Einer der Elfen hatte ihn vor wenigen Minuten aufgespürt und davon berichtet, dass sie die Auserwählte gefunden haben. Nun galt es zum Treffpunkt zu gelangen und die Frau in Sicherheit zu bringen.

Als er um die Ecke und auf eine breitere Straße bog, hörte er die sich nähernden Geräusche von Drachenschwingen, gefolgt von einem lauten Grollen. Teron erschauderte, als der von ihm beschworene blaue Drachen nur wenige Meter entfernt in ein Haus krachte. Der Lärm war ohrenbetäubend und es gelang ihm nur im allerletzten Moment einen Zauber zu wirken, um nicht von der Wucht des Aufpralls umgerissen zu werden. Als ein durchdringender Schrei die Luft erfüllte, hielt Teron nach der Quelle ausschau und blickte in die Ferne. Was er am Himmel sehen konnte, ließ ihn zusammenzucken.

Silas Drachengestalt war in der tat angsteinflößend, seine Flügel waren gigantisch und trugen ihn rasch näher. Terons Puls beschleunigte sich, als Silas über eine Häuserreihe hinweg flog und sie vollkommen in Brand steckte, ehe er den verletzten Drachen mit seinen rot glühenden Augen fixierte. Silas schien Teron nicht zu bemerken. Zumindest schenkte er ihm keine Beachtung und konzentrierte sich stattdessen darauf, den Blauen mit Feuerbällen zu attackieren.

Teron nutzte die Gelegenheit und rannte so schnell er konnte die Straße entlang. Glücklicherweise begegnete er auf dem Weg zum Südviertel nur wenigen Feinden. Die meisten waren damit beschäftigt gegen andere Elfen zu kämpfen oder konnten relativ leicht mit Magie abgewehrt werden.

Als er sein Ziel erreichte und eine kaum beschädigte Stallung betrat, kam ihm der Geruch von Stroh und Holz entgegen. Das Wiehern seines Pferdes war zu hören.
"Da bist du ja" rief ihm Illias, ein braunhaariger Elf zu. Er trug eine blonde Frau im Arm und Teron war sofort klar, dass es sich bei ihr um die Auserwählte handeln musste. Sie rührte sich kaum und einzig ihre Augen zeigten, dass sie wach war.

Fury, der schwarze Hengst neben ihnen wieherte und schnaubte. Er schlug immer wieder mit den Hufen auf den Boden und konnte es wohl kaum abwarten aufzubrechen. "Das ist sie also?" fragte Teron neugierig und trat näher, während er die junge Frau musterte. Illias nickte. "Wir haben sie bereits in diesem Zustand vorgefunden, aber ich kann dich beruhigen. Ihre Verletzungen werden innerhalb weniger Tage heilen." Die Blonde sagte nichts und verengte nur die Augen. Feindseligkeit lag in ihrem Blick doch Teron ließ sich davon nicht beeindrucken.

Er strich über eine schwarze Schuppe an ihrer Wange und verstand sofort was Silas an ihr fand, sie war atemberaubend schön.
Teron räusperte sich. "Freut mich dich kennenzulernen, du kannst mich Teron nennen" er lächelte freundlich, erhielt aber keine Antwort. Schließlich wandte er sich an Illias. "Was ist mit den Anderen, konnten sie Siana mittlerweile finden?" Eine kurze Pause des Schweigens folgte ehe der braunhaarige Elf antwortete "Bisher noch nicht, aber sie geben ihr Bestes."

Schritte näherten sich und Kelaja betrat das Gebäude. Sie verschwendete keine Zeit und ergriff das Wort "Es gibt gute Neuigkeiten, Nevion lebt." Ihre Atmung ging schnell und es war ihr deutlich anzusehen, dass sie sich beeilt hatte um hierher zu kommen. "Er wurde bereits zum Portal gebracht und müsste nun in Marreth angekommen sein" Teron atmete erleichtert aus und blickte die Elfin an. "Das sind in der Tat gute Neuigkeiten, ich hoffe wir schaffen es ebenfalls sicher zum Portal."

Kelaja nickte und zog ein kleines Fläschchen aus einem Beutel hervor. "Nevion hatte etwas bei sich, das dich interessieren könnte." Terons Augen weiteten sich, als er den bräunlichen Trank erkannte. "Das ist doch die Mixtur, die wir für die Auserwählte beschafft haben" Er ging zu Kelaja und nahm das Fläschchen entgegen. "Danke" flüsterte er und öffnete den Verschluss. Ein süßlicher Geruch stieg ihm in die Nase. Als er sich zu Illias und der Auserwählten umdrehte, blickte die Blonde misstrauisch zum Trank und machte trotz ihres geschwächten Zustands Anstalten sich zu wehren. Ihr ganzer Körper zitterte. "Ich werde das nicht trinken, versucht es erst garnicht, dreckiges Elfenpack" sagte sie schwach.

"Beruhige dich, wir wollen dir nur helfen" wisperte Teron mit sanfter Stimme und setzte das Fläschchen an ihren Mund. Sie schüttelte den Kopf und presste die Lippen fest aufeinander. "Verzeih mir, aber wenn du dich weigerst bleibt mir leider keine andere Wahl als dich zu zwingen. Glaub mir, danach wird es dir besser gehen." Teron beugte ihren Kopf nach hinten, sodass die Flüssigkeit gegen ihre Lippen schwappte und hielt ihr mit der anderen Hand die Nase zu.

Tränen stiegen der Frau in die Augen und sie versuchte sich zu befreien. Viel zu lange kämpfte sie dagegen an Luft zu holen und Teron befürchtete schon, dass sie lieber ersticken wollte als die Mixtur zu trinken.

Schließlich öffnete sie doch noch den Mund und schluckte die Flüssigkeit widerwillig runter um nach Luft zu schnappen. Nur wenige Sekunden später erschlaffte ihr Körper und sie verlor das Bewusstsein. Die schwarzen Schuppen, die den Großteil ihrer Haut bedeckten verschwanden fast augenblicklich und das Tattoo an ihrem Handgelenk verblasste, bis es kaum mehr zu erkennen war. Teron lächelte und freute sich, das der Trank die gewünschte Wirkung erzielte.

Er ging zu Fury und streichelte über sein weiches Fell ehe er aufstieg. Illias übergab ihm die Frau und ging anschließend zu seinem eigenen Pferd. "Ich werde dich begleiten und dir Rückendeckung geben" sagte er entschlossen.

Teron antwortete nicht und nahm stattdessen die Zügel in eine Hand, mit der anderen drückte er die Auserwählte an sich. Kelaja trat einen Schritt zur Seite um den Pferden Platz zu machen. "Passt gut auf euch auf, das Portal befindet sich außerhalb der Stadtmauer in südlicher Richtung. Ich werde in Taleth bleiben und mit den anderen nach unserer Königin suchen."

"Ich hoffe ihr habt Erfolg, viel Glück" rief Teron ihr zu und ritt aus dem Stall, Illias folgte ihm. Fury schnaubte und gallopierte die Straße entlang Richtung Süden, seine Hufe donnerten über den Boden. Die Häuser zogen mit beeindruckender Geschwindigkeit an Teron vorbei und er konzentrierte sich auf das offene Stadttor am anderen Ende der Straße.

Fast hatten sie den Torbogen erreicht, als sich ein ungutes Gefühl in seinem Körper ausbreitete. Bisher waren sie auf keinen Widerstand gestoßen und das, obwohl die Auserwählte doch das wichtigste Ziel ihrer Feinde sein sollte. Irgendetwas war hier faul.

Terons Vermutungen bestätigten sich, als sie die Stadt verließen und über eine Wiese ritten. Die Wachen, die eigentlich das Portal bewachen sollten lagen in ihren Einzelteilen auf dem Gras verstreut. Mehrere Schwarzmagier waren gerade dabei das Portal am Waldrand zu schließen und somit die einzige Möglichkeit auf eine Flucht, zunichte zu machen.

"Schneller wir dürfen jetzt nicht scheitern" rief er Illias zu und spornte Fury dazu an noch schneller zu werden. Silas musste den blauen Drachen mittlerweile besiegt haben, denn seine wütenden Schreie wurden immer lauter. Scheinbar war er auf dem Weg hierher. Teron stockte der Atem als sich das Portal langsam schloss. Wenn sie in diesem Tempo weiter ritten, würde es verdammt knapp werden den Durchgang rechtzeitig zu erreichen.

Fury wieherte laut, als Wurzeln seine Beine packten und das Pferd stolperte. Teron fiel und rollte über den Boden, die Auserwählte landete neben ihm im Gras. Mit rasendem Herzen kroch er zu ihr, nahm sie auf den Arm und rannte so schnell er konnte zum Portal. Teron blickte nicht zurück um zu sehen was mit Illias geschehen war. So leid es ihm tat, er musste an das Wohl aller denken und die Frau in Sicherheit bringen.

Pflanzen schossen aus dem Boden und stürzten sich wie Schlangen auf ihn. Er wehrte sie ab und nutzte seine Magie um sie auf Distanz zu halten, was ihm letztendlich auch gelang.

Das Portal war zum greifen nah. Er konnte die magische Oberfläche schon fast berühren, als ihn ein Zauber von der Seite traf und sein Körper in der Bewegung erstarrte. Hilflos musste Teron zusehen wie die Auserwählte von einer Ranke aus seinen Händen gerissen und fortgetragen wurde. Das Portal schloss sich vor seinen Augen und löste sich in Luft auf.

Er wollte das Gewächs aufhalten, doch sein Körper gehorchte ihm nichtmehr. "Der Moment, in dem die Hoffnung stirbt und man sich eingestehen muss, dass all die Mühen umsonst gewesen waren, ist ziemlich unangenehm nicht wahr?" flüsterte ihm ein Unbekannter gehässig ins Ohr.

Die Schwarzmagier hatten sich Teron nun ebenfalls zugewandt und blickten ihn an. Allesamt trugen sie dunkle Gewänder und Kapuzenumhänge verbargen ihre Gesichter fast vollständig. Der Fremde fuhr fort "Kannst du deinen nahenden Tod hören, wie er mit jeder Sekunde näher rückt?" Kalter Schweiß lief Teron über den Rücken, als die Erde wie aufs Stichwort erbebte. Silas musste in der Nähe gelandet sein. Der Mann lachte und befreite ihn aus der Starre. Hastig drehte Teron sich um und blickte in zwei eiskalte blaue Augen. Der Unbekannte musste ebenfalls ein Schwarzmagier sein so wie er gekleidet war. Er hatte einen Ziegenbart und schenkte ihm ein finsteres Lächeln. Auf seiner Schulter saß ein winziger Drache der Teron frech die Zunge rausstreckte.

Gerade wollte er den Zauberer und das Vieh angreifen, als sie von jetzt auf gleich verschwanden und einige Meter entfernt neben einer rothaarigen Frau auftauchten. Sie hielt die Auserwählte im Arm und strich ihr behutsam eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, ehe sie Teron ansah und schmunzelte.

Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er tatsächlich versagt hatte. Die Auserwählte war außerhalb seiner Reichweite und das Portal geschlossen. Bevor seine Gefühle die Kontrolle übernehmen konnten, bebte die Erde erneut und er musste mitansehen wie Illias von Silas aufgespießt und gegen einen Baum geschleudert wurde. Seine Schmerzensschreie hallten in Terons Kopf wieder und erinnerten ihn daran, welches Schicksal auch auf ihn wartete.

Der schwarze Drache ließ seinen Blick über die Wiese schweifen und blieb eine Sekunde an der Auserwählten hängen. Teron meinte einen Hauch von Wärme in seinen roten Augen erkennen zu können. Die Schwarzmagier wichen alle gleichzeitig zurück, als Silas näher an Teron heran trat.

Nackte Angst ergriff ihn, doch er hatte nicht vor um sein Leben zu betteln. Diese Genugtuung würde er seinen Feinden nicht geben. Teron wirkte einen Eiszauber um Silas aufzuhalten doch er schien es garnicht zu bemerken und öffnete sein riesiges Maul. Teron konnte einen Blick auf seine spitzen Zähne werfen, die immer näher kamen. Sein Herzschlag setzte mehrere Male aus und er presste die Augen fest zusammen, in der Hoffnung, dass sein Tod schnell sein würde.

Als Silas sich auf ihn stürzte galten Terons letzte Gedanken seinem Volk. Diese Schlacht mochte vielleicht verloren sein doch er wusste, dass die Elfen stark waren und zurückschlagen würden. Er betete dafür, dass sie Silas noch aufhalten konnten ehe es zu spät war.

Beißender Gestank drang in Terons Nase,
Wärme und Speichel umhüllten ihn,
Zähne gruben sich in sein Fleisch,
Seine Knochen knackten.
Unbeschreibliche Schmerzen folgten,
Schwärze.

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