Kapitel 32
Amalia Pov.:
Das Zimmer war, wie von dem Anwesen zu erwarten, groß aber sehr spartanisch eingerichtet. Wenn ich tippen müsste, würde ich sagen, dass Dietrich nicht sehr viel Besuch bekam. So wenige Möbel waren sicher leichter in Schuss zu halten. Es konnte ja nicht jeder einen dämonischen Butler haben, der alleine einen ganzen Haushalt schmeißen konnte. Und bei dem alten Butler der dieses Haus pflegte, war es sowieso ein Wunder, dass alles so sauber war. Vielleicht wohnten ja doch noch ein paar Angestellte in den angrenzenden Quartieren.
Schulterzuckend ließ ich mich rücklinks auf das Bett fallen. Jeder wie er wollte. Nicht jeder hatte gerne Leben im Haus und Dietrich sah wieso eher wie ein Einsiedler mit seiner grimmigen Mine aus.
Mit einem hatte er jedoch recht gehabt, auch wenn es sicher nur eine Ausrede gewesen war. Ich war sehr erschöpft.
Gähnend rollte ich mich zusammen und driftete langsam in den Schlaf ab.
Leider war er nicht sehr erholsam, sondern eher unruhig. Einzelne Farben, Bilder und Gefühle schossen durch meinen Kopf, viel zu schnell und verschwommen, um einen Sinn dahinter erkennen zu können.
Trotzdem war ich mir sicher das es sich dabei um keine Träume sonder Visions- oder Realitätsfetzen handelte.
Als ich daraus hochschreckte, schlug mir mein Herz bis zum Hals und mein Gefühlschaos war zurück.
Ich konnte mich nicht an viel erinnern, aber bei einem war ich mir ziemlich sicher und zwar, dass Undertaker darin vorgekommen war. Mir war so als hätte ich seine Aura gespürt als ich aufgewacht war, denn in Visionen konnte die Fähigkeit nicht benutzen. Angespannt schloss ich meine Augen erneut und rief meine Kräfte auf.
Schnell loderten sie hoch und ich nutzte die überschüssige Energie um meinen Radius zu erhöhen. Seltsam... Nichts. Ich hatte ziemlich sicher das ganze Haus abgedeckt mit meiner Fähigkeit, aber ich konnte nur die Präsens von zwei Personen ausmachen und keine davon gehörte dem Shinigami.
Seufzend lies ich meine Kräfte wieder versiegen und zählte bis Zwanzig, bis das leichte Kribbeln und Druckgefühl wieder nachliesen. Das Kribbeln war ein typisches Zeichen dafür das die Energie durch mich floss oder geflossen war und der Druck baute sich immer auf wenn ich sie sehr lange einsperrte oder abrupt wieder versiegelte. Es kostete mich immer viel Konzentration, aber ich wollte auch nicht riskieren dauernt unter Strom zu stehen. Es gab nur ganz oder gar nicht und solange ich es nicht zu 100% kontrollieren konnte und sicher war das ich nicht wieder Amok lief, setzte ich lieber die meiste Zeit auf gar nicht.
Inzwischen war es kurz nach Zwei am Nachmittag, wie mir die Uhr auf dem Kaminsims verriet. Ich sollte mich also langsam fertig machen für mein Kaffeekränzchen mit Dietrich.
Neben einem frischen Kleid, legte ich mir auch schon einmal ein paar Fragen im Kopf bereit, die ich unbedingt stellen musste.
Keine halbe Stunde später war ich fertig und lief unruhig im Zimmer auf und ab. Eigentlich wäre es höflicher hier zu warten bis man nach mir rief, aber das konnte noch ewig dauern!
Vorsichtig öffnete ich die Tür und lugte in den Flur hinaus. Es war niemand zu sehen und auch sonst nahm ich niemanden in der Nähe wahr. Trotzdem versuchte ich so wenige Geräusche wie möglich zu machen und fing an das Haus zu erkunden.
Die meisten Räume waren fast komplett leer, nur wenige schienen wirklich in Benutzung zu sein.
Schnell wurde mir das zu langweilig und ich begab mich in die Richtung aus der ich vorhin die einzig anderen Personen im Haus wahrgenommen hatte.
Je weiter ich in den anderen Flügel des Hauses eindrang, desto unbehaglicher war mir zumute. Irgendetwas zupfte unterbewusst an mir. Es lies mich nicht los und lies mich immer unruhiger werden. Meine Schritte waren inzwischen doppelt so schnell, bis ich aprupt vor einer Tür zum stehen kam.
Ich zwang mich innezuhalten und versuchte zumindest einen Teil meiner Haltung wieder zurückzugewinnen, bevor ich klopfte und eintrat.
Es war der gleiche Raum wie vorher am Tag, doch nun saß mein Gastgeber hinter dem Schreibtisch und schien ziemlich überrascht zu sein über mein plötzliches Auftauchen.
Schnell versuchte er seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Laut räusperte er sich, ehe er sich mit aufgesetzt genervten Blick mir zuwandte.
"Was willst du denn schon hier? Ich hätte schon nach dir rufen lassen."
Innerlich verdrehte ich die Augen.
War er wirklich so unhöflich oder wollte er nur so erscheinen?
Mein Blick wanderte durch den Raum ohne auf sein Frage zu antworten.
Bei einer Kommode, die mir vorher gar nicht aufgefallen war, blieb ich hängen.
Wie in Trance trat ich einen Schritt näher heran.
Auf dem Möbelstück standen einige eingerahmte Fotos. Besonders das in der Mitte zog mich wie magisch an.
Eingehend studierte ich die Personen, die darauf zu sehen waren. Wie schon auf dem Foto bei Heller, handelte es sich wieder um die selbe Gruppe junger Männer. Alle hatten sich rund um Vincent Phantomhive aufgestellt, der mysteriös lächelnd auf einem Stuhl saß. Zögernd griff ich nach dem Rahmen, doch kaum dass ich ihn berüherte schreckte ich zurück.
Eine Welle von Emotionen schwappte über mich herein, bevor die passenden Bilder auf mich hereinprasselten.
Obwohl ich den Gegenstand der dies auslöste nicht mehr berüherte, dauerte es ein Stück ehe ich mich aus der Starre reißen konnte.
Langsam drehte ich mich mit gesenkten Kopf zu Dietrich um, der inzwischen hinter seinem Schreibtisch hervorgetreten war.
Ich spürte wie sein Blick prüfend auf mir lag und jede meiner Bewegungen verfolgte.
"Wasn los? Wirst du jetzt etwa sentimental durch ein altes Foto wo dein Vater drauf ist?", murrte er angespannt, ehe er leise murmelte, "Gott, können die nicht irgendwo anders ihren Gefühlszusammenbruch haben?"
Zornig ballte ich meine Hände zu Fäusten und hob langsam meinen Kopf.
In mir brodelte es und auch mein Gegenüber schien die Spannung im Raum endlich wahrzunehmen.
Sicherheitshalber wich er wieder einen Schritt zurück, doch ich trat hinterher.
"Wann wolltest du mir sagen, dass er hier war?", knurrte ich gefährlich leise.
Irritiert hob er eine Augenbraue.
"Hier? Meinst du etwa deinen Vater? Ja der war ständig hier, bevor er gestorben ist. Kann ich doch nix dafür das er dir das nie gesagt hat."
Noch fester krallten sich meine Fingernägel in meine Handballen, bis ich Blut spürte, doch ich konnte mich nicht zurückhalten.
Innerhalb eines Augenaufschlages war ich nach vorne gehechtet und hielt nun Dietrich am Kragen. Das Blut meiner Handflächen färbte sein weißes Shirt rot.
"Doch nicht mein Vater! UNDERTAKER!!!! Wann wolltest du mir sagen das Undertaker vor weniger als einer halben Stunde noch hier gewesen war?!" Meine Stimme war so laut das sie sicher durchs ganze Haus zu hören war, kein Wunder also dass wenig später die Tür vom Butler aufgerissen wurde. Doch als dies geschah war ich schon lange durchs Fenster verschwunden.
Zurück blieb nur der Hausherr, der mit weit aufgerissenen Augen mir hinterherstarrte, während er sich auf dem Schreibtisch abstützte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
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Eieiei... Lia komplett aufgebracht und Undertaker in der Nähe.
Das schreit ja regelrecht nach Katastrophe. 😜 Was soll das nur werden....
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