Kapitel 11 - Tyler (neu!)
Während ich durch die Straßen von Miami rauschte, konnte ich das leise Stöhnen und Keuchen, welches immer wieder von dem Beifahrersitz ertönte, nicht irgnorieren. Ich fuhr so schnell es ging, jedoch auch so vorsichtig wie möglich. Ich wollte garnicht wissen was sie für Schmerzen hatte und ich war mir ziemlich sicher, dass sie innere Blutungen im Bauchraum hatte. Der blaue Fleck war gestern schon heftig gewesen. Doch jetzt schimmerte ihr gesamter Bauch lila/blau. Das Fieber und die Bewusstseinstörungen, welche sie immer wieder hatte, bestätigten mir meine Vermutung.
Ich fuhr zu unserem Penthouse in der Stadt. Unser persönlicher Arzt Dr. Phillips war dort in einer ganzen Etage untergebracht und wir hatten ihm eine kleine Klinik errichtet, in welcher er all unsere Männer und Familienmitglieder versorgte und verarztete, egal was sie hatten. Er war einer der besten Ärzte, die ich kannte. Während der Fahrt hatte ich ihn angerufen und bescheid gesagt...Und das Giulia niemals etwas davon wissen dürfte.
Ich fuhr in unserere Tiefgarage,schaltete den Motor aus und gab Mason, welcher neben dem dicken Stahltor mit dreifacher Sicherrung hierunten zur Absicherung stationiert war ein Zeichen, das er herkommen solle. Ich öffnete das Fenster. „Stell die Kameras für einen Moment aus."Er sah etwas verwirrt aus, doch er nickte. „Klar."Sein Blick fiel auf Avery, welche mit geschlossenen Augen, zitternd vor Schmerzen auf meinem Beifahrersitz lag. Ich sah ihn ruhig an.Er verstand, weil er Avery, so wie jeder hier kannte. Sie war ein ungewöhnlicher Gast.
„Ich beeil mich."Er lief zum Kontrollraum, tippte etwas auf dem Laptop, welchen ich durch die Glaswand sehen konnte und nickte mir dann zu. Ich stieg aus und holte Avery so vorsichtig wie möglich aus dem Auto. Sie stöhnte und murmelte etwas unverständliches. Mason öffnete mir die Aufzustüren. Ich trat mit ihr auf dem Arm hinein und sah ihn ernst an. „Giulia darf hiervon niemalt etwas mitbekommen. Klar?"Er nickte. „Klar."
„Geb auch Alec bescheid."Meine Eltern waren auf unserem Anwesen in Orlando, sprich sie mussten hiervon nichts wissen. Nur Alec war hier und er würde es sowieso bemerken. Mason nickte wieder und dann schlossen sich die Aufzugtüren und ich tippte auf die Zahl 6. In diesem Moment schlug Avery die Augen auf. „Tyler?"Sie sah mich verwirrt an. Sie konnte sich wohl nicht mehr erinnern. Ich nickte. „Dir geht es schlecht. Ich bring dich zu unserem Arzt."Ihre Stirn zog sich kraus uns obwohl sie völlg fertig war, sah es zum lachen süß aus. Doch ich lachte nie. Auch jetzt nicht. Ich sah sie ausdruckslos an. „I...Ich will doch nicht zum A...Arzt."Murmelte sie schwach. „Das ist mir egal. Du stirbst sonst vielleicht."Nun wurde ihr Ausdruck traurig. Verloren.
„Er hat mich noch nie so zusammengeschlagen."Ich schluckte bei dem Schmerz in ihrer Stimme, doch in diesem Moment hielt der Aufzug und die Türen öffneten sich. Dr. Phillips erwartete uns mit besorgtem Ausdruck. „Hallo Tyler."Sein Blick wanderte zu Avery. „Komm mit ihr mit."Er deutete mit dem Kopf auf sein Behandlungszimmer. Ich folgte ihm und legte sie auf dem sterielen Stahltisch in der Mitte des Raumes. „Ich denke sie hat innere Blutungen."Ich zog ihr T-Shirt über ihren Bauch, sodass ihre Brust noch bedeckt war. Avery murmelte irgendetwas vor sich hin. Dr. Phillips schluckte, obwohl er jeden Tag Männer da hatte, die verschlagen worden waren. Wortlos nahm er ein Fiebertermometer und steckte es ihr in den Mund. Als es Pipste sah er besorgt aus. „Fast 40 Grad. Ich stimme deiner Vermutung zu, aber um sicher zu gehen und die genaue Stelle zu kennen, muss sie ins CT."Ich nickte, während unser Arzt schon aufstand und die Bremsen der Liege löste. Ich folgte ihm in den Raum der Computertomografie und half ihm Avery von der Liege auf die der Röhre zu legen. Sie stöhnte währenddessen doch ich merkte, dass sie nicht mehr wirklich bei uns war. Konzentriert bediente der grauhaarige Doktor das Gerät und lies Avery bis zum Hals in die Röhre wandern.Zu unserem Glück blieb sie ruhig liegen. Ich stellte mich neben Dr. Phillips und erkannte erstmal nur ein gesunden Bauchraum.
„Siehst du hier den Riss in der Dickdarm-Wand?Und hier die dunklen Flecken? Das ist Blut."Er deutete auf eine minimale Veränderung des Darmes und die darum herum verteilten, kleinen Flecken. „Ich muss eine Embolision bei ihr durchführen."Ich sah ihn fragend an. Er seufze, während er Avery wieder aus der Röhre fuhr. „Warum macht ihr ein CT?"Sie schien wieder ein wenig bei sich zu sein. „Du hast innere Blutungen und wir haben so herausgefunden wo."Meinte der Arzt, während ich sie erneut vorsichtig hochhob und wieder zurück auf die Liege legte. „Ich muss eine Embolsion durchführen. Das heißt ich lege ein Katheter um den Riss mit Fibrinkleber um die Blutung zu stoppen."Averys Augen wurden groß, doch sie nickte, als hätten wir sie gerade um ihre Zustimmung gebeten. „Ich werde dich dafür in Narkose legen."Ihre Augen wurden noch größer und ich erkannte, dass sie Angst bekam. Sanft strich ich ihr über die Stirn und verstand im selben Moment nicht, weshalb ich es tat. „Dr. Phillips ist der Beste."Er lächelte sie aufmunternd an und sie zwang sich ein lächeln zurück.
Ich begleitete die beiden bis vor den O.P - Raum, welcher von Dr. Phillips Assistentin Tina schon vorbereitet worden war. Die Dame mittleren Alters hatte feuerrote Haare und sah besorgt auf Avery hinab als sie uns sah. Die beiden Fachwissenden begannen gemeinsam alles vorzubereiten, während Avery mich schwach an meinem Arm packte. Ich zuckte zusammen und schloss für einen Moment die Augen, um meine Beherrschung beizubehalten.
„Lass mich nicht allein."Ihre Stimme klang flehend. Langsam lies ich mich in die Knie sinken, um mein Gesicht direkt vor das ihre zu bringen. In ihren Augen standen Tränen und in ihrem Blick lag so viel mehr, als nur Schmerz. Ich dachte ich wäre an den Blick gebrochener Menschen gewöhnt, doch als ich ihren sah wurde mir kalt.
„Ich bleib hier."Meine Stimme war emotionslos und kalt und Avery begann zu zittern. Ob wegen mir oder wegen etwas anderem konnte ich nicht sagen. Und obwohl sie meine Worte beruhigen sollten, weil es das war was sie hören wollte, wurde ihr Blick nur noch verlorener. Hatte ich etwas Falsches gesagt?
„Avery?"Sie schloss die Augen, doch die Tränen schafften es dennoch durch den kleinen Schlitz zwischen Auge und Lid. An ihrer Wimper hing eine einzelne Träne und ihre klare Haut war bleich und von Feuchtigkeit benetzt. Ihr Griff um mein Handgelenk wurde stärker, obwohl sie völlig am Ende sein musste. Avery holte zitternd Luft und öffnete danach wieder ihre Augen. Automatisch biss ich meine Zähne aufeinander, als ich in das klare blau ihrer Augen sah und das Gefühl bekam darin untergehen zu können.
Sie antwortete mir nicht. Sah mich nur an. Die Tränen liefen ihr still und kompromisslos über die Wangen, als wöllten sie Avery verschlingen, bis nichts mehr von ihr übrig war. Der Drang, meine Hand auf ihre Wange zu legen wurde übermächtig, doch ich zwang mich es nicht zu tun.
Gottseidank kam in diesem Moment Dr.Phillips und unterbrach diesen viel zu intensiven Blickwechsel. Ich stand ruckartig auf, während ich Averys Hand von meinem Arm löste.
„Haben Sie in den letzten 12 Stunden viel gegessen?"Wand er sich an Avery. Diese schüttelte schwach den Kopf. Ihr Blick lag noch immer auf mir, ihre kleinen Hände waren zu Fäusten geballt. „Gut. Dann kann ich sie jetzt in Narkose legen. Sind sie bereit?"Ich trat unbewusst einige Schritte zurück, mich aus ihrem Blick windend, während ich Angst in ihren Augen aufflattern sah. Doch dann räusperte sie sich endlich und löste ihre Augen von mir. Ich atmete auf.
„Okay."Averys Stimme klang erstickt und als sie die Nadel sah wurden ihre Augen groß. Ihr Blick flog erneut zu mir. Ich biss mir mittlerweile so fest auf die Zähne, dass mein Kiefer schmerzte. „Du bleibst, hast du gesagt."Ich schluckte und nickte, während ich mich an die Wand in meinem Rücken lehnte. Während der Arzt ihr langsam die Nadel in die Venen stach, sah sie mich weiter an. Ich konnte ihrem Blick nicht ausweichen. Dazu waren ihre Augen viel zu fesselnd und der Schmerz darin viel zu qualvoll. Sie versuchte die Augen offen zu halten, doch schon innerhalb von Sekunden flatterten ihre Lider und das blau ihrer Augen verschwand. Das Betäubungsmittel hatte gewirkt.
„Wir werden sie jetzt operieren. Wie ich richtig verstanden habe, soll ihre Schwester nichts hiervon mitbekommen?"Ich nickte dem Arzt zu.Mein Blick fiel auf die goldene Uhr an meinem Handgelenk. Es war kurz vor sechs am morgen. Ich musste spätestens in zwei Stunden in der Luft sein um pünktlich zu meinem Termin in Chigaco zu kommen.
„Ich werde nicht hier sein, wenn ihr fertig seit und sie aufwacht. Wendet euch an Alec, er wird veranlassen, dass sie an einen Ort kommt, andem sie in Sicherheit ist und Giulia nichts davon mitbekommt."Es war mir schon fast zu heiß gewesen, das blonde Mädchen in das selbe Gebäude wie meine Schwester zu bringen. Doch es war rießig und unsere Männer waren gut, Dinge vor Giulia zu verheimlichen. Mit einem letzten Blick auf Avery, welche gerade von Tina in den O.P -Saal geschoben wurde, drehte ich mich um und verlies den Stock um zu meinem Bruder zu gelangen.
„Ty."Alec stand nur in Boxershorts begleitet vor mir, während er die Tür zu seinem Schlafzimmer hintersich schloss. Ich zog fragend die Augenbraue hoch. Auf Alecs Gesicht breitete sich ein dreckiges Grinsen aus. Währe ich nicht so ernst, hätte ich spätestens jetzt die Augen verdreht. „Was ist mit ihr?"Fragte er, während ich ihm in seine Küche folgte. Alec wohnte die meiste Zeit hier, wobei Giulia normalerweise in Orlando auf unserem Anwesen war. Doch seit sie Avery kannte, wollte sie in Miami bleiben. Ich hatte mein eigenes Haus am Strand. Ich liebte meine Familie, doch meine Einsamkeit liebte ich noch viel mehr.
Während sich Alec ein Glas Wasser genehmigte, öffnete ich den Kühlschrank um mir etwas zu essen herauszuholen. Ich fand ein paar belegte Sandwiches. „Ihr Vater verschlägt sie regelmäßig. Diesesmal war es so schlimm, dass sie innere Blutungen davon hat. Der Doc operiert sie jetzt. Ich werde nicht da sein, wenn sie aufwacht, ich muss einige Dinge mit Johnson klären. Ich will aber nicht, dass sie hierbleibt. Giulia soll auf garkeinen Fall etwas davon mitbekommen."Alec sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Giulia wird keine Ruhe geben, bis wir sie da rausholen, wenn sie es wüsste. Außerdem will Avery es nicht."Erklärte ich mich. Alec trank einen Schluck aus seinem Glas. „Was spricht dagegen sie da rauszuholen? Hast du die Unterlagen von Karter bekommen? Bruce Carter ist ein Dreckskerl. Nicht nur wie er mit seiner Tochter und anderen Frauen umgeht, sondern auch im Geschäft. Wir sind kriminell und ich bin verdammt viel gewohnt, aber das Niveau von Averys Vater ist abartig niedrig."Ich biss in das Sandwich , bevor ich antwortete.
„Nein, ich hatte noch keine Zeit. Was meinst du mit abartig niedrig?"
„Menschenhandel. Crack Produktion. All so n scheiß, wovor wir uns schon lange versuchen zu distanzieren."Mit meiner Hand fuhr ich durch meine mittlerweile, viel zu langen Haare. Alec lehnte sich gegen die Küchenzeile, wobei sein Profil von den Lichtern der Stadt und der aufgehenden Sonne, welche durch die riesige Glasfront scheinte, beleuchtet wurde.
„Ein Grund mehr, dass wir sie da nicht rausholen können. Wir haben gerade genug andere brennenden Baustellen. Wir haben nicht noch Zeit uns einen solchen Feind zu machen."Alec zog die Augenbraue hoch und ich spürte, dass ihm meine Einstellung nicht gefiel. Er sagte nichts.
„Sags mir, was passt dir nicht."
„Wenn er so ein Dreckskerl ist, will ich garnicht wissen, was er mit ihr macht wenn sie tagelang verschwunden ist, ohne jegliche Begründung."Ich atmete durch. Daran hatte ich auch schon gedacht und es hatte sich langsam aber sicher ein Plan in meinem Kopf gebildet. „Was schlägst du vor?"Ich sah ihn fragend an, ich erkannte, dass er was im Kopf hatte.
„Wir lassen sie verschwinden, sodass der Kerl garnicht weiß, dass wir es waren, die sie da rausgeholt haben. So bekommen wir keinen Stress und sie ist endlich von ihm weg."
„Wie wärs wenn wie sie erstmal fragen, bevor wir sie entführen?"Er zog die Stirn graus bei diesem hässlichen Wort. „Du kannst sie aber nicht einfach nach einigen Tagen dort vor der Haustür absetzten. Und sie direkt nach der O.P hinzubringen ist lebensgefährlich. Du sagtest, da wäre niemand der sich um sie kümmert."Er hatte recht und er war auch der einzige der von ihr wusste. Von meinem nächtlichen Besuch. Es gab sowieso niemanden, der mich so kannte wie mein kleiner Bruder. „Okay. Wir holen sie da raus. Du musst aber dafür sorgen, das sie in mein Strandhaus kommt, bevor sie aufwacht. Ich kann frühstens heute Nacht wieder da sein."
"Okay."Ich schloss für einen Moment die Augen, denn eigentlich wusste ich nicht was ich hier gerade tat. Doch die Erinnerung an die hilflosen Blicke, welche sie mir zugeworfen hatte, bestätigten mir meine Entscheidung. Sie musste da raus.
Du hilfst sonst niemandem mehr...
Die Stimme fuhr in meinen Kopf und der Gedanke lies mich nicht mehr los. Doch ich wusste das es Giulia das Herz brechen würde, wenn sie irgendwann, was auf die Dauer mit Sicherheit passieren würde, davon mitbekommen würde. Wie ich ihr erklären sollte, das ich Avery einfach aus ihrem Zuhause riss, wusste ich zwar auch noch nicht, aber scheiß drauf. Gerade wollte ich einfach nur, dass, das unschuldige blonde Mädchen mit den leuchtenden Augen in Sicherheit war. „Fuck, wir werden uns sowas von selbst damit ins Bein schießen."Alec schüttelte den Kopf. „Ihr Vater wird davon niemals etwas erfahren. Er wird seine Tochter nie wieder sehen." Ich lachte tonlos. „Ich mein auch nicht ihren Vater...ich mein damit sie. Aber es ist besser als die Option sie wieder sich selbst zu überlassen." Alec kam auf mich zu uns klopfte mir brüderlich auf die Schulter. "In den Jahren im Osten hast du wohl vergessen, das wir eine der mächtigsten Familien sind. Das wird schon...Und jetzt...Ich will meinen Gast nicht warten lassen. Wir haben noch ein paar Stunden bevor die Sonne richtig aufgeht und sie weg muss."Er zwinkerte mir zu und steuerte sein Schlafzimmer an.
Ich seufzte und fuhr mir erneut durch die Haare, während ich nach dem zweiten Sandwich griff. Scheiße, was tat ich hier. ich wusste das Alec mich dazu bestärkte. Doch am Ende war ich derjenige, der am Sack war, wenn etwa schief ging. Ich würde es meinen Eltern erklären müssen...und Giulia. Und Avery...
Auf dem Weg nach oben aufs Dach, zündete ich mir eine Zigarette an. Ich inhalierte das beruhigende Nikotin und dachte an Avery.Eigentlich wusste ich genau weshalb ich das hier tat... Ich tat es weil ich einer anderen Person in der Vergangenheit nicht helfen konnte und meine Schuldgefühle mich deshalb noch immer plagten. Es war einer der Gründe, der mich Nachts nicht schlafen lies.
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