-2.1- Februar

Den ganzen Januar über hatten sich meine Symptome nicht verschlechtert und ich begann zu hoffen, dass die Medikamente halfen und ich ein ziemlich normales Leben führen könnte. Die Knochenmarkpunktion hatte ergeben, dass ich an chronischer myeloischer Leukämie, kurz CML, erkrankt war. Standen die Überlebenschancen früher eher schlecht, wird diese Form der Leukämie mittlerweile hauptsächlich medikamentös behandelt. Dr. Yoshida erklärte mir, dass meine Lebenserwartung sich dadurch nicht wesentlich veränderte, vorausgesetzt, die Behandlung schlug gut bei mir an. Natürlich könne man das erst nach einer Weile sagen, aber die Chancen standen nicht schlecht. Ich musste jeden Tag die Medikamente zu mir nehmen und ich war generell etwas kurzatmig unterwegs. Schwarze Ränder unter den Augen gehörten mittlerweile zu meinem normalen Erscheinungsbild, ebenso wie ein sehr blasser Teint, doch ich konnte jeden Tag zur Schule gehen und fieberte hoffnungsvoll meinem Abschluss entgegen. Ich ging regelmäßig zu Dr. Yoshida, der meinen Gesundheitszustand und die Behandlungsmethode streng überwachte.

Kuroo grüßte mich, seit er bei mir gewesen war, jeden Tag freundlich und verwickelte mich immer öfter in Gespräche. Sein plötzliches Interesse verwirrte mich sehr und ich wusste nicht recht damit umzugehen. Meine Klassenkameradinnen hingegen wussten genau was sie davon hielten. Sie sahen mich jedes Mal mit einem mörderischen Blick an, wenn der Schwarzhaarige sich mit mir unterhielt und ihnen keine Aufmerksamkeit schenkte. Ich ignorierte sie so gut es ging.

Mitte Februar erhielt der Winter noch einmal richtig Einzug und es schneite wie verrückt. Ganz Tokio wurde unter einer weißen Masse begraben. Es war wunderschön, doch machte es mir das Leben noch etwas schwerer. Es war so viel Schnee gefallen, dass der Räumungsdienst nicht hinterherkam und so stapfte ich in meiner Schuluniform durch den zentimeterhohen Schnee. Zwar trug ich eine dicke Strumpfhose zu dem schwarzen Rock und dicke Winterstiefel, doch war der Schnee so hoch, dass ich dennoch völlig durchnässt in der Schule ankam. Erleichtert darüber meine nassen Schuhe loswerden zu können, stellte ich sie in den Spind und schlüpfte in meine trockenen Slipper. Das Problem mit der nassen Strumpfhose blieb, doch diese würde deutlich schneller trocken, ohne die klobigen Schuhe an den Füßen. Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg ins Klassenzimmer. Kurz vor der Tür überholte mich jemand, rempelte mich mit voller Wucht an der Schulter an und verschwand im Raum. Die braunen Haare des Mädchens waren unverkennbar. Es war eine meiner ehemalige Teamkameradinnen gewesen.
Ich stolperte und mein Rucksack fiel von meiner Schulter zu Boden, als ich versuchte mein Gleichgewicht wiederzuerlangen. Ich seufzte und rieb mir die schmerzende Stelle. Eine Hand griff an mir vorbei nach meiner Tasche und hob sie hoch. „Hier Kätzchen." Ich sah den Schwarzhaarigen an, nahm meine Tasche entgegen und lächelte dann. „Danke Kuroo." Wir gingen ins Klassenzimmer, an meinem Platz blieb ich stehen und lächelte Kuroo dankbar hinterher, ehe ich mich auf meinem Stuhl niederließ.

In der Mittagspause saß ich allein am Tisch und stocherte lustlos in meinem Essen herum. Bis zu meinem Austritt aus dem Club hatte ich immer bei meinen Teamkameradinnen am Tisch gesessen und auch wenn ich nicht unbedingt viel zur Konversation beitrug, war ich zumindest nie allein gewesen.
Umso überraschter war ich, als ein Tablett direkt neben meinem abgestellt wurde und der Schwarzhaarige sich neben mir auf einem Stuhl fallen ließ. „Wenn du dir was zum Essen holst, solltest du es auch zu dir nehmen, ansonsten ist es nur Verschwendung."
Ich senkte den Blick zurück auf meine kaltgewordenen Spaghetti. „Ich habe eigentlich gar keinen Hunger." Der Schwarzhaarige sah mich prüfend an, aber schwieg, während er sich seine Gabel in den Mund schob. Unter seinem bohrenden Blick lief ich rot an. Schließlich schluckte er sein Essen laut hinunter. „Ich sehe dich kaum noch was Essen und du siehst von Tag zu Tag blasser aus. Geht es dir gut?" Ich legte meine Gabel neben den Teller, lehnte mich auf meinem Stuhl zurück und sah ihn kurz an, ehe ich den Blick an ihm vorbei gleiten ließ. „Ich hänge nur mit dem Lernen hinterher, ich hätte nicht gedacht, dass es so fordernd sein würde." Kuroo schüttelte den Kopf. „Das glaube ich dir nicht."
Ich setzte ein Lächeln auf. „Es ist nett von dir, dass du dir Sorgen machst. Aber es geht mir gut, ich bin nur müde." Ich stand auf, nahm meine Tasche und das Tablett mit meinem unberührten Essen und drehte dem Schwarzhaarigen beim Weggehen den Rücken zu. Ich stellte das Tablett in die Rollcontainer für die Rückgabe und machte mich auf den Weg in die Bibliothek. Dort suchte ich mir an den riesigen Tischen einen freien Lernplatz. Ich packte meine Sachen aus, schlug mein Lernbuch auf und fing an zu lesen, während ich mir parallel Notizen machte. Kurze Zeit später ließ sich jemand auf dem freien Platz direkt neben mir fallen. Ich hob den Kopf und runzelte die Stirn. „Verfolgst du mich?" flüsterte ich dem Schwarzhaarigen leise zu. Er grinste mich schief an. „Vielleicht." Ich schüttelte den Kopf, widmete mich wieder meinen Lernunterlagen und versuchte Kuroo so gut es ging zu ignorieren. Mein Blick glitt immer wieder zu dem Sportler neben mir. Er sah konzentriert auf seine eigenen Unterlagen hinab und notierte Sachen in seinem Heft. Meine Augen blieben an seinen muskulösen Unterarmen hängen. Kuroo hatte das weiße Hemd der Schuluniform hochgekrempelt und so konnte ich seine Sehnen tanzen sehen, während er schrieb oder in dem Buch blätterte. Er hob seinen Blick und sah mir direkt in die Augen. „Ich hoffe, dir gefällt was du siehst," raunte er leise mit rauer Stimme. Ich wandte ertappt den Blick schnell ab, lief rot an und räusperte mich. „Ich habe nicht... ich mein, ich..." stotterte ich verlegen vor mich hin. Kuroo fing an zu Lachen und erntete dafür böse Blicke unserer Mitschüler.
„War doch nur Spaß, Kätzchen. Aber jetzt hat dein Gesicht endlich mal wieder ein wenig Farbe."
Meine Wangen glühten und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Stattdessen starrte ich stur auf meine Unterlagen und versuchte mich wieder zu sammeln und mich auf meine Lernsachen zu konzentrieren. Irgendwann gab ich auf und räumte meine Sachen zusammen. Der Schwarzhaarige hob seinen Blick, als ich meine Sachen in den Rucksack packte. Ich sah ihn unsicher an. „Ich ähm...werde dann mal nach Hause gehen." Ich wollte aufstehen, aber Kuroo hielt mich zurück, in dem er eine Hand sanft auf mein Bein legte. Meine Wangen fingen schlagartig wieder an zu glühen und mein Herz pochte wild. „Soll ich dich begleiten?" fragte er ernst. Ich sah ihn verwundert an. „Warum solltest du das tun? Außerdem hast du doch gleich Training." Seine braunen Augen suchten meinen Blick. „Weil ich mir Sorgen um dich mache."
„Das ist wirklich nett von dir, das meine ich ernst. Aber unnötig," erwiderte ich leise. „Es geht mir gut."
Kuroo hielt den Blick weiter fest auf mich gerichtet. „Heute habe ich Training, aber ich würde mich freuen, wenn ich dich morgen begleiten darf." Ich hielt den Blickkontakt noch einen Moment aufrecht, schüttelte den Kopf, während sich ein leichtes Lächeln auf meine Lippen legte. „Okay," murmelte ich leise.
Kuroo grinste zufrieden, zog seine Hand zurück und widmete sich wieder seinen Sachen. Ich stand auf, warf Kuroo noch einen kurzen Blick zu und machte mich dann auf den Heimweg.

Am nächsten Tag wartete der Schwarzhaarige nach dem Unterricht auf mich, während ich noch kurz mit unserem Mathelehrer sprach. Als ich aus dem Klassenzimmer trat stand er mit verschränkten Armen vor der Brust an die Wand gelehnt dar und unterhielt sich mit einer Mitschülerin. Sein Blick glitt mitten im Satz zu mir herüber, er entschuldigte sich bei dem Mädchen und trat auf mich zu. Kaori warf mir hinter seinem Rücken hasserfüllte Blicke zu. Innerlich seufzte ich laut, während ich äußerlich versuchte meine Mitschülerin zu ignorieren und dem Schwarzhaarigen ein Lächeln zu schenken. Kuroo streckte seine Hand aus und nahm mir wie selbstverständlich meinen Rucksack ab. „Also Kätzchen, kann's losgehen?" Kaori lief wütend an uns vorbei Richtung Treppenhaus. Wir setzten uns in Bewegung und gingen ihr langsam hinterher. Während wir auf dem Weg zu unseren Spinden waren, um unsere Schuhe zu tauschen, wurden uns immer wieder verstohlene Blicke zugeworfen und unsere Mitschülerinnen begannen miteinander zu tuscheln. Ich wusste, ich würde es ganz bitter bereuen ungezwungen mit einem der beliebtesten Schüler der Schule durch die Gänge zu laufen. Kuroo hingegen schien sich dem Getuschel und den Blicken gar nicht bewusst zu sein oder er hatte sich so daran gewöhnt, dass er es einfach nur noch ignorierte. Für mich hingegen war es völlig neu und unangenehm so im Mittelpunkt zu stehen.
Nachdem wir die Schuhe getauscht hatten, musste ich noch den ganzen Weg bis zum Schultor überleben. Als wir das Schulgelände endlich verlassen hatten und die Zahl der Mitschüler um uns herum immer geringer wurde, atmete ich erleichtert auf. Kuroo sah mich verwundert an. „Alles okay?"
„Du bist dir dem was um dich herum geschieht gar nicht bewusst, oder?"
Er sah mich überrascht an. „Was geschieht denn um mich herum?"
„Die Blicke, das Getuschel? Ich werde morgen bestimmt dafür gehenkt, dass ich mit dir das Schulgelände verlassen habe."
„Was? Warum?"
Ich blieb stehen und sah den Schwarzhaarigen mit zusammengezogenen Augenbrauen an. „Du bist dir dessen tatsächlich nicht bewusst, oder?"
Er blieb ebenfalls stehen und sah mich irritiert an. Ich fing an zu Lachen. „Ich glaub's nicht. Du bist einer der beliebtesten Kerle der Schule und es interessiert dich nicht einmal. Jedes Mädchen wäre glücklich, wenn du ihr auch nur einen Blick schenken würdest." Kuroo setzte ein freches Grinsen auf. „Jedes? Dich eingeschlossen?" Ich verdrehte die Augen, wandte mich ab und setzte mich wieder in Bewegung. „Sagen wir fast Jedes," brummte ich und versuchte die verräterische Röte auf meinen Wangen zu überspielen. Kuroo lachte, wurde dann wieder ernst. „Das alles bedeutet mir nichts. Ich will nicht sagen, dass es mir das Leben nicht etwas leichter macht, aber ich mache mir nichts daraus." Ich grunzte. „Ja klar."

Bei mir angekommen kochte ich Tee, während Kuroo die Gelegenheit nutzte und im Bad verschwand, um sich umzuziehen. Als ich ins Zimmer kam, saß er bereits am Tisch und hatte Hemd und Pullover gegen ein schwarzes T-Shirt getauscht.
„Alsooo~" sagte ich, unsicher was als nächstes passieren sollte. „Wir sollten erst unsere Hausaufgaben machen," sagte Kuroo und fing an seine Matheunterlagen aus seiner Tasche zu kramen. „Erst?" fragte ich überrascht. Kuroo sah auf. „Bevor wir es uns gemütlich machen und einen Film gucken."
„Du bleibst hier?"
Er legte das Buch auf den Tisch, stütze sich mit dem Ellenbogen ab, legte seinen Kopf in die Hand und grinste mich an. „Den ganzen Abend." Ich lief rot an. „O-Okay."
Kuroo war vor mir mit den Hausaufgaben fertig, stand vom Tisch auf, schnappte sich die Tassen und kochte wie selbstverständlich neuen Tee. Er stellte die volle Tasse vor mir ab, setzte sich wieder auf seinen Platz und beobachtete mich, wie ich die Englischaufgaben machte. Unter seinem Blick verschrieb ich mich mehrfach, lief rot an und fing an zu grummeln. „Kannst du bitte woanders hingucken?" Kuroo hatte seinen Arm auf den Tisch gestützt und sein Kopf lag in seiner Hand, während er mich frech angrinste. „Stört es dich etwa?"
„Etwas."
Er lachte leise, wandte den Blick aber von mir ab und zog sein Handy aus der Tasche. Er tippte darauf herum, während ich meine Hausaufgaben beendete. Als ich fertig war warf ich einen verstohlenen Blick auf ihn und bewunderte abermals seine muskulösen Arme. Seine Bizeps brachten die Ärmel seines schwarzen T-Shirts unter Spannung. Mir wurde unmittelbar bewusst, dass der gutaussehende Volleyballer freiwillig in meiner Wohnung saß und wir ganz allein waren. Mir wurde heiß und ich stopfte hastig meine Sachen zurück in den Rucksack. „Ich muss kurz ins Bad," murmelte ich, als ich hastig vom Stuhl aufsprang. Eilig lief ich durchs Zimmer und verschwand durch die Badezimmertür. Ich lehnte mich dagegen und seufzte. Ich verharrte einen Augenblick, dann ging ich zum Waschbecken hinüber, wusch mir das Gesicht mit kaltem Wasser und blickte anschließend meinem kümmerlichen Spiegelbild entgegen. Okay... es bedeutet rein gar nichts, dass Kuroo in deiner Wohnung ist. Er macht sich einfach nur Sorgen, weil du in letzter Zeit wirklich jämmerlich aussiehst und er Mitleid hat... ich kniff die Augen kurz zu, löste dann meine Hände vom Waschbeckenrand und verließ das sichere Versteck. Kuroo hatte es sich mittlerweile auf meiner Schlafcouch bequem gemacht, den Fernseher eingeschaltet und zappte durch die Programme. Ich ging zu ihm hinüber und ließ mich unsicher mit Abstand neben ihm auf der Couch fallen. Kuroo drehte sich zu mir. „Ich hab Pizza bestellt, Käse und Schinken."
„O-Okay. Pizza ist g-gut."
„Was willst du gucken?"
„Ähm ich..." Ich räusperte mich. Was war nur los mit mir?
„Keine Ahnung, ist mir eigentlich egal." Ich nestelte verlegen mit meinen Fingern herum, während ich an ihm vorbei starrte.
Er rutschte etwas näher an mich heran und legte seine rechte Hand an meine Wange. „Ich wäre gerade nirgendwo lieber..." raunte er leise, ohne den Blick von mir abzuwenden. Ich erwiderte seinen Blick mit glühenden Wangen und mein Herz fing unter seiner Berührung wie wild an zu schlagen. Kuroo zögerte kurz, als würde er darauf warten, dass ich ihn von mir schob, doch ich rührte mich nicht. Langsam näherte er sich mit seinem Gesicht und legte seine Lippen sanft auf meine. Er küsste mich, erst sehr zurückhaltend, dann etwas stürmischer. Ich schlang meine Arme um seinen Nacken und drückte mich ihm entgegen. Kuroo legte seine rechte Hand an meinen Hinterkopf und vergrub sie in den Haaren, während er seinen linken Arm um meine Taille schlang. Seine Zunge stupste sanft an meine Lippen und bat um Einlass. Ich war dabei mich zu verlieren, für einen Augenblick alles zu vergessen und wollte mich ihm einfach nur hingeben. Dann riss uns die Türklingel schlagartig in die Realität zurück. Kuroo löste sich von mir und drückte seine Stirn gegen meine. „Schlechtes Timing..." murmelte er. Ich hielt die Augen geschlossen, verzog den Mund zu einem Lächeln. Mein Atem ging schnell und ich hielt mich an dem Schwarzhaarigen fest. Es klingelte erneut, gefolgt von einem energischen Klopfen. „Hallo? Pizza ist da!" kam es gedämpft durch die Tür. Ich zog meine Arme zurück und kicherte verlegen. Kuroo seufzte laut und stand dann auf. Er ging zur Tür, kramte dabei sein Portemonnaie hervor und öffnete dem Pizzaboten. Ich zupfte meine Kleidung zurecht und erhob mich ebenfalls vom Sofa. Ich schlich mich so unauffällig wie möglich an der Tür vorbei und verschwand in der Küche. Ich nahm mir einen Moment und stützte mich mit beiden Händen auf der Arbeitsfläche ab, um tief durchzuatmen. Mein Herz pochte noch immer schnell gegen meine Brust, mein Atem ging schnell und meine Wangen glühten. Auf einmal erschien mir die ganze Situation total surreal und ich wusste nicht, wie ich Kuroo nach dem Kuss gegenübertreten sollte. Heißt das, ich bedeute ihm etwas...? Ich schüttelte den Kopf, schloss die Augen und lächelte traurig. Nein...auf keinen Fall... er könnte jede haben...
Ich schlug die Augen auf und richtete meinen Blick auf den Hängeschrank vor mir. Ich fasste nach dem Schrankgriff, als sich eine Hand auf meine legte. Ich zuckte erschrocken zusammen und sah benommen dabei zu, wie Kuroo meine Hand von der Schranktür löste und meinen Armen nach unten drückte. Er fasste mich um die Taille und drehte mich zu sich. Seine beiden Hände legten sich um meine Wangen und er presste seine Lippen sanft auf meine. Ich drückte meine Hände gegen seine Brust und schob ihn von mir. „Kuroo..." murmelte ich leise, senkte den Kopf und starrte auf unsere Füße. Kuroo legte seine linke Hand unter mein Kinn und zwang mich so ihn anzusehen. „Wir werden jetzt nicht so tun, als wäre das nicht passiert." Ich lächelte ihn nur traurig an, unfähig zu Sprechen und versuchte die aufkommenden Tränen zurückzuhalten. Er seufzte leise, legte seine linke Hand an meinen Hinterkopf, schob seine rechte hinter meinen Rücken und zog mich sanft an sich. Mein Kopf lag zwischen meinen Händen an seiner Brust und eine Träne löste sich aus meinem Augenwinkel. „Tut mir leid..." murmelte Kuroo in meine Haare. „Ich wollte dich nicht bedrängen." Ich schüttelte den Kopf. „Das ist es nicht..." flüsterte ich und drückte mich gegen ihn. Seine Hand streichelte meinen Hinterkopf. „Was dann?"
„Ich versteh nicht..." begann ich, hielt dann kurz inne. „Ich...warum?" Ich biss mir auf die Unterlippe und schämte mich für mein Gestammel. Ich war einfach nicht gut darin, über meine Gefühle zu sprechen. Wie auch? Es gab niemanden in meinem Leben, mit dem ich sie teilen konnte.
„Warum was?" fragte Kuroo leise, während seine Hand weiter sanft über meine Haare strich. Ich schluckte laut, meine Hände krallten sich leicht in seinem T-Shirt fest. „Warum ich?" fragte ich mit zittriger Stimme. Eine kurze Stille breitete sich zwischen uns aus, in der ich bezweifelte, dass es tatsächlich einen Grund gab.
„Warum nicht du?" entgegnete der Schwarzhaarige schließlich. Etwas in mir zerbrach augenblicklich und ich drückte Kuroo von mir weg. „Das ist keine Antwort," sagte ich, den Blick auf den Boden geheftet. Ich wollte an ihm vorbei gehen, um im Badezimmer zu verschwinden, in der Hoffnung Kuroo würde einfach gehen, wenn ich nur lang genug da drinblieb. Doch der Schwarzhaarige streckte seine Hand nach mir aus, bekam mein Handgelenk zu greifen und hielt mich zurück. „Weil du anders bist," raunte er leise. „Ich versuche seit der ersten Klasse eine Bindung zu dir aufzubauen, aber du hast es nicht einmal bemerkt." Ich hörte auf mich gegen seinen Griff zu wehren und sah ihn irritiert an. „Was?"
Kuroo ließ meinen Arm los und fuhr sich seufzend mit der Hand durch seine Haare. „Ich versuche, seit wir auf der Oberschule sind, dich besser kennenzulernen, aber du machst es einem echt schwer und ich habe das Gefühl jetzt läuft mir die Zeit davon." Ich sah ihn weiterhin verständnislos an. „Was?" wiederholte ich wenig geistreich. „Wir machen bald unseren Abschluss und wer weiß, was danach kommt." Er räusperte sich verlegen. „Du...ich..." diesmal war er es, der ins Stottern geriet. „Du gefällst mir..."
„Du meinst das ernst, oder?" fragte ich leise und suchte seine Augen mit meinen. Er nickte sichtlich verlegen. Ich rieb mir verwirrt die Stirn. „Ich...Du...Was?" Ich ließ die Schultern hängen und seufzte. „Ich bin wirklich nicht gut in sowas..."
Wir starrten einander schweigend an. Etwas in mir zweifelte an dem Wahrheitsgehalt seiner Aussage und trotzdem ging ich langsam auf ihn zu. Er war hier. Er begehrte mich. Was war falsch daran, es zumindest für den Moment so hinzunehmen? Ich legte Kuroo eine Hand an die Wange, sah ihm direkt in die Augen. Mein Herz schlug rasend schnell und meine Wangen glühten. Ich legte meine Lippen auf seine und küsste ihn. Kuroo seufzte zufrieden, legte seine Arme um mich und zog mich näher an sich. Seine Zunge strich sanft über meine Lippen, ich öffnete meinen Mund ein wenig und ließ ihn gewähren. Vorsichtig erkundete er mit seiner Zunge meinen Mund, wurde dann fordernder. Ich legte meine Hände auf seine Brust, krallte mich in sein Shirt und drückte ihn leicht von mir. Kuroo hielt inne, hielt mich aber nah bei sich. Ich drückte meine Stirn gegen seine Brust und atmete schwer. „Das ist ein Traum, oder?" fragte ich atemlos. „Nein," raunte der Schwarzhaarige leise, ehe er mich hochhob und in den Nebenraum trug. 

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