࣪ ִֶָ☾. serendipity

࣪ ִֶָ☾. sannie

Ich stand am Herd, rührte vorsichtig im kleinen Topf und achtete darauf, dass der Reisbrei nicht anbrannte. Durch das gekoppte Küchenfenster wehte die kühle Morgenluft herein und vermischte sich mit dem warmen Duft des Essens. Die Stille war angenehm, beinahe heilend, nur unterbrochen von dem leisen Blubbern des Breis und dem Klappern des Löffels gegen den Topfrand.

Ich warf einen kurzen Blick zur Küchentür. Wooyoung schlief noch. Es war typisch nach einem epileptischen Anfall direkt einzuschlafen, da der Körper danach extremst erschöpft war. Heute morgen zu sehen, wie sehr der Anfall ihn ausgelaugt hatte, traf einen sensiblen Punkt in mir, und ich ließ ihn bis jetzt zum Mittag schlafen.

Er brauchte Ruhe - selbst, wenn er es mir nicht sagen oder zeigen würde. Er war zäh, aber ich wusste, wie viel Kraft ihn das alles kostete. Manchmal sah ich es in seinen Augen, in den Sekunden, in denen er dachte, dass ich nicht hinschaute.

Langsam schlug ich ein Ei auf und ließ es vorsichtig in den Topf gleiten. Die Farbe mischte sich sanft mit dem Weiß des Reises, während ich weiter umrührte. Fürsorglich - so fühlte ich mich. Es war seltsam, wie natürlich es sich anfühlte, hier zu stehen, in Wooyoung's Küche, während er im anderen Zimmer lag. Als würde es schon immer so sein.

Ein leises Knarren ließ mich aufblicken, und da stand er. Zerzaustes Haar, ein müdes Gesicht, seine Gestalt noch schmaler, in dem cremefarbigen Top, welches ich ihm in der Nacht auszog und heute morgen genauso liebevoll wieder anzog. Dabei spürte ich die Verlegenheit in mir hochkommen, als ich wieder realisierte, was wir in der Nacht alles getrieben hatten.

Seine Augen ergatterten aber direkt wieder meine vollkommene Aufmerksamkeit. Sie wirkten etwas verschwommen, als hätte er nicht wirklich erwartet, mich hier zu sehen.

,,Du stehst ja schon. Komm, und setz dich hin. Du musst dich noch ausgelaugt fühlen.", entkam es mir so sanft wie möglich in meiner Gestik. Ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen, während ich den Herd ausstellte und selbst noch in meiner Arbeitshose und nur einem Unterhemd hier stand. ,,Ich hoffe, du hast Hunger. Es ist nur Reisbrei."

Wooyoung blinzelte und starrte mich an, als hätte ich gerade gesagt, ich hätte sein Haus verkauft. Mit seinen zitternden Händen fragte er mich nur skeptisch:,,Du... hast gekocht?", wobei ich irgendwo unter der Skepsis ein Anflug von Staunen herauslesen konnte.

Ich grinste und zuckte mit den Schultern, als ich ihn amüsiert fragte:,,Was dachtest du denn? Dass ich die Küche in Brand stecke? Das habe ich mir für unser zweites Date vorgenommen!"

Während ich lachen musste, schnaubte er nur leise, doch ich bemerkte, wie er sich unauffällig an das Türgestell lehnte. Er wollte es verstecken, aber er war noch schwach. Das sah ich direkt. Das Zittern in seinen Fingern war nur minimal, aber es war da. Der Gedanke daran, dass er wieder allein gewesen wäre, ließ etwas in mir schmerzhaft zusammenziehen.

,,Setz dich, Woo.",sagte ich sanft und deutete auf den Stuhl hin:,,Es ist wichtig, dass du vorallem jetzt nach dem Anfall etwas zu dir nimmst." Dabei sah ich, wie er zögerte, er vermutlich wieder protestieren wollte - wie immer - doch ich sah, wie seine Schultern nachgaben, als würde er meine Fürsorge diesmal einfach akzeptieren.

Wortlos schlurfte er zum Tisch und ließ sich kraftlos auf den Stuhl fallen. Der Anblick von ihm, wie er sich erschöpft zurücklehnte, weckte in mir einen Beschützerinstinkt, den ich kaum beschreiben konnte. Und gleichzeitig konnte ich nicht ignorieren, wie er trotzallem so wunderschön aussah. Mit diesen aufgeplusterten Lippen, den großen, schwarzen Pupillen sowie dem zarten Muttermal unter seinem Auge.

Ich stellte die dampfende Schüssel vor ihm ab, bevor ich erwiderte:,,Hier. Warm und leicht verdaulich. Der perfekte Start nach so einer Nacht und Morgen."
Er musterte das Essen skeptisch, bevor er mich ansah - mit diesem typischen, halb genervten Blick, der jedoch nicht verbergen konnte, wie dankbar er war.

,,Seitwann bist du ein Koch?",fragte er mich ironisch und rührte anschließend zaghaft im Brei herum. Seine Worte konnte ich nur noch schmunzelnd mit:,,Ich bin Krankenpfleger. Wir sind zu allem fähig.",erwidern und zog mir einen Stuhl neben den Tisch hin, sodass ich Wooyoung seitlich auf das Gesicht schauen und ihn dennoch vollkommen im Fokus behalten konnte.

Er hob eine Braue und schüttelte leicht den Kopf. ,,Erzähle mir was Neues.",entkam es ihm nur noch gespielt genervt, wobei ich wusste, dass er seine Worte nicht wörtlich meinte und dennoch fing ich erstmal an, wieder zu lachen.

Ich lachte leise und lehnte mich zurück, betrachtete ihn einen Moment, wie er den ersten Löffel Reisbrei nahm und kurz innehielt. Es war ein winziger Moment - kaum länger als ein Atemzug -, aber in seinem Blick lag eine Wärme, die mir verriet, dass es nicht nur der Brei war, der ihm gut tat.

,,Alsooooo mit 19 Jahren habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Mit 16 Jahren habe ich meinen normalen Abschluss gemacht, bin aber auch kein Streber gewesen. Drei Jahre Ausbildung, und direkt ins Krankenhaus in die Neurologie.",fing ich spielerisch an, von mir zu erzählen, während er mich nur unbeeindruckt anschaute.

,,Wie lebensmüde musst du sein, wenn du freiwillig in die Neurologie gegangen bist?",konterte er nur noch, während mich seine pechschwarzen Augen fixierten und ich meine Arme investiert in diese Unterhaltung verschränkte, ihn liebevoll anlächelte, als ich antwortete:,,Es erfüllt mich. Die Arbeit mit erkrankten Menschen. Ich war schon immer so. Sehnend danach, anderen das Leben zu erleichtern. Dadurch sammele ich mein eigenes Lebenselixier."

,,Wieso ausgerechnet die Neurologie? Wärst du nicht dann eher etwas für die Intensivstation?",fragte mich Wooyoung direkt wieder, als seine Augen für einen Moment gedankenverloren an mir hafteten und ich ihm die Schüssel und den Löffel aus der Hand nahm, nachdem ich sah, dass er durch unsere Konversation vergaß, zu essen.

,,Meine Mutter hat Epilepsie."
,,Deine Mutter?"
,,Ja, meine Mama. Als Kind lernte ich bereits schon, mit ihren Symptomen, ihren Einschränkungen und ihren Belastungen zu leben, aber vorallem mit ihren Anfällen.",fing ich an, ihm Persönliches von mir zu erzählen. Dabei hielt ich ihm einen Löffel an die Lippen, diesen er seufzend nahm und mein Lächeln umso breiter wurde, als ich sah, dass er sich auf meine Fürsorge einließ.

,,Das tut mir leid."
,,Ihr Betroffenen habt immer diese Angewohnheit euch zu entschuldigen. Für euer Schicksal.",entkam es mir sorgsam, schmunzelnd, wobei mein Schmunzeln einen kleinen nachdenklichen Unterton beinhaltete, dennoch fuhr ich fort:,,Auch meine Mama. Sie hat sich ständig bei mir entschuldigt, wenn sie anfing zu krampfen, ich ihren Nachttisch voller Medikamenten sah, ihre beschmutzte Kleidung, wenn sie durch ihre Anfälle ihre Blase nicht unter Kontrolle hatte."

Ich seufzte.

,,Als Kind sowie als Erwachsener sehe ich immer wieder noch, wie sie sich entschuldigt. Dabei weiß sie nicht, dass ich Komfort und Liebe in meiner Fürsorge für sie gefunden habe.",erklärte ich Wooyoung konzentriert, während ich sah, wie seine Mimik verweichte, er mich still musterte und mir lauschte.

Lächelnd strich ich ihm einen Tropfen an Brei von seinem Mundwinkel, bevor ich ihn friedlich weiter fütterte und aus dem Augenwinkel sehen konnte, wie es mir sein Körper dankte, dass ich ihm dies abnahm. Seine zitternden Finger, die müden Armen.

,,Wie kann man in sowas Komfort und Liebe finden?",fragte er mich unverständlich, mit Skepsis und Misstrauen in seiner Mimik, als würde er mir meine Worte nicht abkaufen können. Dennoch dachte ich für einen Moment nach, wie ich ihm meine Worte richtig überbringen konnte.

Letztendlich erklärte ich ihm:,,Weil Fürsorge keine Last ist, wenn sie von Herzen kommt. Es bedeutet, für jemanden da zu sein, der selbst gerade nicht kann. Es ist ein Akt der Liebe, der nichts verlangt, außer präsent zu sein. In meiner Kindheit war es vielleicht anfangs schwer, das zu verstehen, aber mit der Zeit habe ich gesehen, wie viel Vertrauen und Nähe in solchen Momenten entstehen. Jemanden zu halten, der fällt, ihm zu zeigen, dass er nicht alleine ist... Meine Mutter ihre Wäsche zu waschen, ihre Bettlaken zu wechseln, ihr die Tränen wegzuwischen, ihr die Zähne zu putzen, wenn sie durch ihre Anfälle ihre Glieder kaum bewegen konnte. Das erfüllt mich... Dies nun seit Jahren bei meinen Patienten auch tun zu können. Ein Stück Vertrauen und Liebe weitergeben zu können."

Wooyoung schaute mich nachdenklich an, seine dunklen Augen durchzogen von etwas, das ich nicht sofort deuten konnte. Vielleicht war es ein Hauch von Verständnis, vielleicht aber auch der Widerstand gegen die Vorstellung, selbst derjenige zu sein, der gehalten werden muss. Seine Lippen öffneten sich leicht, als wollte er etwas erwidern, doch stattdessen schloss er sie wieder und senkte den Blick auf die Schüssel in meinen Händen.

Sanft hielt ich ihm den nächsten Löffel hin. Er zögerte, nahm ihn aber schließlich, und ich spürte, wie sich etwas zwischen uns veränderte - wie eine unsichtbare Mauer, die langsam Risse bekam. Vielleicht war es seine Art, mir stumm zu zeigen, dass er mir zuhörte, auch wenn er es nicht in Worte fassen konnte.

,,Ich kenne Fürsorge nur als Bürde. Eine, die man anderen nicht aufladen sollte. Am Ende haben sie doch sowieso alle die Schnauze voll von einem und schieben ihre Familienmitglieder in Alten - und Pflegeheimen ab, weil sie es sich ihrer Zeit zu schade sind, sich um sie zu kümmern.",entkam es ihm nach einer Weile, wobei ich direkt sah, dass er in diesem Zusammenhang bereits negative Erfahrungen gesammelt haben musste. An diesem verletzlichen, verbitterten Blick. Die zusammengebissenen Zähnen und kühle Augen, die auf den Tisch vor ihm starrten.

Ich sah ihn ernst an, als er mich langsam wieder anschaute und antwortete ruhig:,,Das ist keine Bürde, Wooyoung. Es ist ein Geschenk, das du jemandem machst, wenn du dich in seiner Nähe verletzlich zeigst und Hilfe zulässt. Auch wenn es schwer ist. Manchmal bedeutet Stärke nicht, alles allein zu schaffen, sondern zuzulassen, dass man aufgefangen wird."

Unsere Augen trafen sich, und für einen kurzen Moment glaubte ich, hinter all seinen Mauern einen Funken von Weichheit zu sehen - ein zögerliches Vertrauen, das er sonst nicht zuließ. Dabei gebärderte er halb spöttisch, halb unsicher:,,Du klingst wie ein Therapeut."

Ich grinste leicht und zuckte mit den Schultern, als ich ihn humorvoll daran erinnerte:,,Ich bin Krankenpfleger, schon vergessen? Wir sind zu allem fähig."

Das ließ ihn tatsächlich einwenig schmunzeln, auch wenn es nicht lange anhielt. Als er mich jedoch weiter musterte, konnte ich spüren, dass er mit sich selbst rang, vielleicht mit den Worten, die er mir sagen wollte, aber nicht aussprach.

Ich ließ ihm die Zeit, die er brauchte und fütterte ihn weiter in Stille. Mit jedem Bissen schien die Anspannung in seinen Schultern ein kleines Stück mehr nachzulassen, auch wenn er es nie zugeben würde. Schließlich lehnte er sich leicht zurück und schloss kurz die Augen, bevor er mit seinen Lippen ein kleines,,,Danke, San.", formte.

Ein warmes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, während ich die leere Schüssel zur Seite stellte und ihm eine Decke über die Beine zog, dabei liebsam antwortete:,,Dafür bin ich hier, Wooyoung."

Er sah mich an, und in diesem Moment wusste ich, dass er mich zwar nicht ganz verstand, aber dass er mich zumindestens ein Stück weit akzeptierte – so wie ich war und so, wie ich für ihn da war.

Ich konnte nicht anders, als meine Hand über seinen Haarschopf streichen zu lassen und ihm seine Stirn vorsichtig zu küssen, bevor ich mich dem Abräumen des Geschirrs lächelnd begab. Ohne zu wissen, wie seine Augen noch eine ganze Weile still auf mir lagen, mir folgten und mir ihre ersten Funken seiner Liebe still mitteilten.

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࣪ ִֶָ☾. Wie Recht unser junger Krankenpfleger doch hat... :) Könnt ihr Fürsorge auch nur schwer annehmen, wie Wooyoung?

Startet morgen gut in die neue Woche!

-࣪ ִֶָ☾. Deine Eleja

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