Kapitel 26.

Mit beiden Füßen stehen ich in der Finsternis. Es ist so dunkel, dass ich nicht mal meine eigene Hand sehen könnte. Logisch, denn alles Licht hier wird von May gesteuert.

Ich forme mit den Händen eine Kugel und umkreise diese mehrmals mit beidem Händen. Ein kleines Licht entsteht, und als es etwa so groß wie meine Faust ist, lasse ich es fallen. Langsam gleitet es zu Boden. Als es aufkommt, zerplatzt es und kleine Lichtpartikel verteilen sich im ganzen Raum. Erleichtert atme ich auf. Das habe ich schon mal geschafft.

In der Medizinhalle ist es still und alle Tische sind säuberlich aufgeräumt.

Ich stehe die ganze Nacht lang an der Wand und übe Zeichnungen. Mit fein säuerlichen Zügen male ich Sachen, die ich vorher noch nicht konnte. Es fühlt sich komisch an, verlorenes Wissen wiederzubekommen, aber es ist ein Gefühl der Freude.

Mit geschicktem Finger zeichne ich ein Winzigen Tablett in die Wand ein und ziehe es heraus. Ich habe es geschafft. Alles was ich wollte. Diese winzige eigene Wand, um mir alles herstellen zu können.

Der dünne silberne Monitor ist grade mal so groß wie das Blatt einer Buche. Ich betrachte das Meisterwerk nochmal und lasse es dann in meiner kleinen Seitentasche verschwinden.

"Nicht schlecht", ertönt es direkt hinter mir und ich zucke zusammen.
"Wie lange bist du schon hier, Mary?", fragt die raue Stimme wieder. Ich drehe mich um und blicke direkt in zwei dunkelgrüne Augen, die mich durchdringlich anstarren. May.
"Woher wissen Sie davon?", frage ich mit zitternder Stimme.
"Ohne mich wärst du nicht hier", May lächelt. "Ich habe dir das Portal geöffnet. Keiner kann in Räume, deren Portale geschlossen sind."
"Aber warum hast du das getan?", immer noch erschrocken schaue ich sie an.
"Ich hab dich heute beobachtet, als du dir einen Teil des Tranks mitgenommen hast", meint sie. "Ich wusste doch, dass du was im Schilde führst. So warst du schon immer." May kommt zu mir gelaufen und setzt sich auf den kleinen Hocker vor mir.
"Ich war neugierig, was du machen würdest. Aber irgendwie habe ich es ja geahnt."

Ich seufze und vergrabe meinen Kopf in meinen Händen. Ich bin so ein schlechter Mensch.

"Das bist du nicht, Mary", sagt May sanft. "Du und Jay seid ein großes Talent. Ihr könnt Leute besiegen, die wir nie besiegen konnten. Man muss euch nur ausbilden..." Tränen kullern meine Wangen hinunter.

"Geh jetzt schlafen", meint May nach einer Weile. "Und den Monitor kannst du mit nehmen, solange du seine Mächte nicht missbrauchst."

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