Kapitel 4

In der U-Bahn hatte ich einen Sitzplatz am Fenster ergattern können und sah der vorüber fliegenden Landschaft zu. Vom Schultag konnte ich mich nur noch an eine Sache erinnern: Wir würden mit der Theater-AG ein Theaterstück am Sommerfest aufführen. Welches hatte Deline, der Leiter - ein ehemaliger Schüler unserer Schule, der jetzt aufs College ging - noch nicht gesagt. Ich hoffte bloß, dass es nicht schon wieder Romeo und Julia sein würde. Natürlich, die Story ist schön und tragisch, aber wenn man es einfach zum gefühlt hundertsten Mal durchkaut, wird selbst das beste Buch langweilig. Vor allem wenn man es im Englischunterricht auseinander genommen hatte, um - wie die Lehrer es immer nannten - es zu analysieren.

Die U-Bahn hielt an meiner Haltestelle an und ich stieg aus. Ich lief die Treppe hoch, trat aus dem Bahnhof heraus und ging auf das Apartmentgebäude zu. Der Bewegungsmelder erfasste mich und die automatischen Türen glitten auseinander. In der riesigen Eingangshalle waren links die Briefkästen und rechts stand der Tresen, hinter dem der wachhabende Portier saß. Heute steckte der unfreundliche Mr. Hester seine Nase in ein Automagazin. Ich wandte mich nach links, ging zielstrebig auf den Briefkasten mit dem Aufkleber „Parker" zu, zog meinen Schlüsselbund aus meiner vorderen linken Hosentasche und steckte den passenden Schlüssel ins Schloss.

Als ich die Klappe öffnete, sah ich vier Briefe in dem kleinen Hohlraum dahinter liegen. Ich nahm sie heraus, schloss den Kasten wieder ab und ging zu den Aufzügen. Auf dem Weg in den 61. Stock sah ich die Briefe durch; und tatsächlich auf einem von ihnen stand mein Name! Aufgeregt stürmte ich den Gang entlang auf die Tür zu unserem Apartment zu und schloss sie auf. Ich rannte in mein Zimmer, schmiss meinen Rucksack neben meinen Schreibtisch und warf mich auf mein Bett. Die restliche Post flatterte unbeachtet neben meinem Bett auf den Boden, während ich meine schon auf riss.

Sehr geehrte Ms. Parker,

wir freuen uns ihnen mitteilen zu dürfen, dass sie im 2017 erscheinenden Film 'Maze Runner: The Death Cure' die Rolle der 16-jährigen Rebellin Lyz ...

Beim Lesen weiteten sich mein Augen immer mehr, bis ich einfach nur den Zettel in meiner Hand anstarrte ohne weiterzulesen. Bis ich endlich realisiert hatte, was mir diese Zeilen sagen wollten, vergingen einige Sekunden. Dann sprang ich voller Tatendrang von meinem Bett auf und jubelte lautstark. Ich hopste in meinem Zimmer herum bis meine Mutter auf den Plan trat.

Von einem auf den anderen Moment stand sie neben und starrte mich mit ihrem Was-soll-das-junge-Dame?-Blick an. Doch auch das konnte meine Euphorie nicht ein winziges Stück dämpfen und so sprang ich, immer noch überglücklich, fassungslos und zufrieden mit der Welt sowie mit mir selbst, durch mein Zimmer.

Fragend und äußerst skeptisch zog meine Mutter die linke Augenbraue hoch. Ja, meine Mutter ist eines der seltenen Exemplare des Homo sapiens sapiens, die auch nur eine einzelne Augenbraue hoch ziehen können, was zu so viel mehr Auswahl an Gesichtsausdrücken führt, dass ein einfaches Exemplar derselben Spezies, wie ich eines bin, diese mir völlig fremden Emotionen nicht deuten kann.

Sie schaute mich also mit diesem mir nicht bekannten und nicht zu deutenden Blick an und fragte: "Was bewegt meine hochwohlgeborene Frau Tochter gar so unprinzessinnengleich durch ihr Gemach zu tanzen?"

Natürlich redet meine Mutter nicht immer so. Nur wenn sie jemandem durch die Blume und vollkommen ironisch die Meinung sagt. Oder, wie hier in diesem Fall, bei vollkommenem Unverständnis. Ihrer vor Sarkasmus triefenden Stimme zum Trotz lächelte ich sie an und hielt ihr das Anstellungsschreiben hin.

"Lies einfach."

Sie nahm den Zettel und überflog ihn. Ich dotzte noch ein bisschen im Zimmer herum. Als sie fertig war glotzte sie mich verständnislos an.

Dann erhellte sich ihre Miene und sie quietschte auf: "Oh Gott. Mein Mäuschen kommt ins Fernsehen!"

Wenige Sekunden später hatte sie sich auch schon wieder unter Kontrolle und ich wusste von wem ich meine quirlige Ader geerbt hatte. Hätte sie mir nicht auch das Augenbrauen-Hochzieh-Gen vermachen können?! Das wäre viel praktischer gewesen! Meine Mutter, jetzt wieder ganz erwachsen, las sich den Brief noch einmal durch.

"Um mitzuspielen, brauchst aber einen Agenten."

"Ach, kein Ding."

"Fräuleinchen, du nimmst mir das ein bisschen zu wenig ernst!"

"Ja Mama. Mach dir keinen Stress. Ich mach das schon allein. Bin ja schon groß!" Ich grinste sie an.

Genervt seufzte sie auf. Sie kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich bei solchen Dingen sehr stur sein konnte. Vor allem, wenn ich sie damit auf die Palme bringen konnte. Also versuchte sie sich neuerdings nichts mehr anmerken zu lassen, aber ich wusste, dass sie meine Art immer noch nicht guthieß. 

"Gut, dann überlasse ich das dir."

"Sollst du auch." Ich streckte ihr die Zunge raus. Ich weiß, nicht wirklich erwachsen, aber das war mir in dem Moment egal. Ich wollte sie einfach nur aus meinem Zimmer raus haben um mich noch ein bisschen zu freuen. Was ich auch voller Enthusiasmus tat, als sie Türe wieder hinter ihr geschlossen hatte.

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Bitte denkt daran, dass ich selbst keine Ahnung habe, was in 'Maze Runner: The Death Cure' passieren wird und die Rolle, die Alyss spielen wird, sowie alle anderen Inhalte des Films in dieser FF meiner eigenen Fantasie entsprungen sind!

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