~Kapitel 66~
Kurzer Rückblick:
An meinen Schläfen befanden sich feine, dünne, noch kaum sichtbare, schwarze Linien. Sie bildeten ein ähnliches Muster, welches auch Kayden's Schläfen zierte. Ich schluckte gegen den Kloß in meinem Hals an und blinzelte die aufkommenden Tränen weg. Das durfte nicht wahr sein! Mein Traum, meine Vision, sie war eingetreten.
Rückblick Ende
Wir saßen alle wieder in Alex Zimmer und schwiegen. Alex, der von all dem nichts mitbekommen hatte, da er, wie ich von Jimmy erfahren hatte, ebenso geschlafen und sich erholt hatte wie ich, war jetzt ebenfalls wach und starrte Kayden's und meine Schläfen an. Mein Blick war starr auf meine Hände gerichtet und ich ignorierte alle, die versuchten mir irgendwelche Fragen zu stellen. Ich konnte sie ohnehin nicht beantworten. Außerdem hatten wir keine Zeit für sowas! Wir mussten hier weg, dass Mason uns noch nicht gefunden hatte, war gewollt. Er wollte sehen, wie weit wir kommen würden. Wir sollten den ersten Schritt wagen.
,,Angel, wir haben ihn gefunden, er ist nicht ansprechbar, aber er lebt. Wir treffen uns in dem Raum, wo du die Wahrheit erkannt hast.", hörte ich die Stimme meiner Schwester Celine in meinem Kopf. Endlich! Das war das Zeichen, wir sollten aufbrechen! Ich stand blitzschnell auf, schnappte mir die nächst beste Jacke die ich finden konnte und eilte zur Tür. Sie hatten Will gefunden, jetzt konnten wir fliehen, jetzt würde der Spaß erst richtig los gehen! Alle sahen mich fragend an und ich verdrehte genervt die Augen. ,,Sie haben ihn gefunden, los jetzt. Raus hier!", klärte ich sie auf und warf mir die Jacke über, es war eine schwarze Lederjacke und sie war mir viel zu groß. Wahrscheinlich gehörte sie Alexander, da er mich amüsiert, aber auch mit geschürzten Lippen betrachtete. Ohh, habe ich ihm seine Jacke weggenommen? Schade...
,,Will? Sie haben ihn gefunden!", schrie Jordan auf und die Anspannung fiel mit einem Mal von seinem Gesicht ab. Ich verdrehte wieder die Augen und legte mir den Zeigefinger an die Lippen. ,,Wie ein kleines, unerfahrenes, dummes Kind.", raunte ich und verdrehte erneut meine Augen. ,,Mach lieber noch schnell einen Doppelknoten in deine Schnürsenkel, nicht dass sie aufgehen, du stolperst, hin fällst und uns doch noch jemand hört.", fluchte ich und hob spöttisch die Augenbrauen. Der einzige der lachte war Kayden. ,,Du veränderst dich bereits.", flüsterte Jordan bestürzt. Wieder verdrehte ich die Augen und als wenige Sekunden später alle fertig vor mir standen, nickte ich und wir verließen das schützende Zimmer. Leise schlichen wir uns die Gänge entlang, immer wieder lugte Michael, der uns anführte um die nächste Ecke und winkte uns dann durch. Kayden lief zwischen Jordan und Jimmy. Ich und Alex waren gleich hinter Michael. ,,Wo müssen wir eigentlich hin?", fragte Alex und runzelte fragend die Stirn.
>>Wir treffen uns in dem Raum, wo du die Wahrheit erkannt hast.<< Welche Wahrheit? Wut stieg in mir auf, wieso sprachen immer alle in Rätseln? Ich schloss die Augen und versuchte mich zu beruhigen, aber es ging einfach nicht. Ich hörte die ganze Zeit das Blut in meinen Adern rauschen, immer wieder überliefen mich eiskalte Schauer und meine Schläfen begannen wieder zu schmerzen. Ich massierte sie mir mit meinem Zeige-und meinem Mittelfinger und versuchte mich an die Melodie aus einem meiner Träume zu erinnern, kurz nachdem ich Kayden's Körper zum letzten Mal verlassen hatte. Diese unbekannte Melodie, die mir jedoch nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Wie sehr sehnte ich mich gerade zurück an diesen Ort. Einfach mal alles vergessen, an nichts denken, nichts wissen, einfach nur sein.
,,Angel?", fragte Alex Stimme und ich versuchte mit aller Macht meinen aufsteigenden Zorn zu unterdrücken. Ich würde ihn am liebsten anschreien, das er mich in Ruhe überlegen lassen sollte. Ruhig Angel, das bist nicht du. >>Du veränderst dich bereits.<< Ich atmete tief durch und ging tief in mich. In meinen eigenen Geist. Vielleicht würde ich bei mir die Ursache für diese-, ja was war es eigentlich? Eine Krankheit? Eine Besessenheit? Ein Genfehler? Eine Mutation? -finden und vernichten! Wieder begegnete ich dem schwarz-grauen Nebel, der allerdings dieses mal meinen Geist umhüllte. Jedoch war dieser hier noch nicht so dicht und ich konnte hindurch sehen. Ich wusste nicht, woher er kam, oder wie ich ihn wieder los werden konnte, aber genau in dem Moment, in dem ich meinen eigenen Kopf betrat, traf mich eine Erkenntnis. Wir wurden beeinflusst, von außen. Jemand mit einer Fähigkeit, der die Köpfe anderer waschen und verdrehen konnte?- Möglich. Und das hatte schon mal jemand mit Kayden probiert! Wieder schäumte die Wut in mir hoch, Mason! Wer sollte auch sonst dahinter stecken! Aber wieso war es auch auf mich über geschwappt? Mason hatte mich nie bequatscht. Irgendetwas fehlte mir noch, wie das letzte kleine Puzzle-Teil das nie zu finden war. Mason hatte Kayden zweifellos den Kopf gewaschen, damit dieser auf seiner Seite blieb. Ich war definitiv nicht mit eingeplant gewesen.
Ich kam nicht drauf! Das Puzzle-Teil blieb verschwunden. Mist! Dann fiel mir etwas ins Auge, meine Gabe! Meine innere Stimme, sie hatte mir schon ewig keine Hinweise mehr gegeben. Lag es an dem Nebel? Weiter konnte ich nicht darüber nachdenken, denn ich wurde heftig geschüttelt. Ich blinzelte und vor meinen Augen stellte sich das Bild von Michael, der mich hin und her schwankte scharf. ,,Lass das!", zischte ich ihn an und er atmete erleichtert aus. ,,Mach das nicht noch mal.", zischte er zurück. Ich runzelte fragend meine Stirn und er ergänzte: ,,Du hast ins Leere gestarrt und nicht reagiert." Auch die anderen standen neben oder vor mir und betrachteten mich besorgt, nur Kayden grinste mich dreckig an. Anscheinend funktionierte sein Gehirn bereits nicht mehr richtig, er grinste nur noch dieses dämlich dreckige Grinsen. Als würde er mir jeden Augenblick die Klamotten vom Leib reißen wollen. War ja klar. Dieser Zug seines Charakters blieb und wurde dazu noch bestärkt. Ich funkelte in wütend an und er grinste noch breiter.
,,Wo müssen wir denn jetzt hin?", fragte Jordan und ich war kurz vorm explodieren. ,,Hört auf mich mit Fragen zu löchern!", zischte ich ihn an und warf jedem Killerblicke zu. ,,Ich würde dich gerne mit etwas anderem löchern.", raunte Kayden und leckte sich über die Lippen. Bevor ich reagieren konnte, hatte er die Faust von Jimmy im Gesicht. Kayden taumelte kurz, doch er wurde von Jordan festgehalten, damit er nicht hinfiel und Lärm verursachte. Kayden knurrte Jimmy mordlustig an und sah aus, als würde er ihn jeden Moment anspringen. Eiskalt. Seine schwarzen Augen funkelten. Wie konnte ich das nur sexy finden? Er war nur ein Schatten seiner Selbst. ,,Kayden!", warnte ich und sein Blick schwenkte blitzschnell zu mir. ,,Lass das, oder du hast auch meine Faust in deinem Gesicht. Ihr alle! Ich bin im Augenblick ziemlich aggressiv und ringe jede Sekunde mit mir. Also haltet euren Mund.", sagte ich dann so sachlich wie möglich und schenkte jedem ein Fakelächeln, welches allerdings genauso mordlustig wie Kayden's ausgesehen haben musste.
Ich massierte mir wieder die Schläfen und dachte nochmal über die Worte von Celine nach. >>Wir treffen uns in dem Raum, wo du die Wahrheit erkannt hast.<< Die Wahrheit. Andersherum, welcher Lüge habe ich Glauben geschenkt? Und da fiel mir nur eine ein. Ich war kurz davor, zu glauben, dass die Malum vielleicht nicht so schlechte Absichten hatten, wie es am Anfang aussah. Das war das schlimmste was ich hätte glauben können. Ich entdeckte die Wahrheit in den Büchern. In den Briefen aus dem Krieg. Wieder blitzten die kleinen, traurigen Gesichter der Bonum-Kinder vor meinen Augen auf und ich schluckte gegen den Kloß in meinem Hals an. Ein wenig Mitleid und Wärme erfüllten mein Herz, bei dem Gedanken an ihr Schicksal. Das hatten die Malum ihnen angetan! Sie waren schlecht. Ich spürte, wie der Nebel ein kleines Stück meines Geistes freigab. Ich atmete tief ein und wieder aus. Ein kleines Stück Freiheit umspielte mein Herz. ,,Wir müssen ins Archiv.", sagte ich stolz und lächelte alle mit einem Leuchten in den Augen an. ,,Was für ein Archiv, wir haben kein Archiv Gabenmädchen.", antwortete Michael vorsichtig. Gabenmädchen, so nannte er mich, seitdem er auf unserer Seite stand. ,,Doch gibt es, du kennst es nur nicht.", gab ich grinsend zurück. ,,Kommt, folgt mir."
Wir stiegen alle nacheinander die alte Holztreppe im hinteren Bereich des Trainingssaal nach oben. Natürlich war von Mason's und meinem 'Training' nichts mehr zu sehen, geschweige denn er selbst. ,,Die habe ich noch nie bemerkt.", raunte Michael und Alex stimmte ihm erschrocken zu. ,,Hier sind sämtliche Unterlagen zum Krieg und den Experimenten gebunkert. Natürlich kennt ihr sie nicht.", antwortete ich und verdrehte die Augen, diesmal allerdings amüsiert.
,,Celine?", rief ich leise, als wir das Archiv betraten. ,,Angel!", hörte ich ihre Stimme, doch es lag zu viel Sorge darin, Sorge um wen? Will? War es so schlimm? ,,Hier drüben!" Wir folgten ihrer Stimme und hinter einem weiteren Bücherregal lag Will auf einer kleinen, staubigen Decke. Seine Augen waren geschlossen und er war total blass. Wieder hörte ich ein raues Lachen hinter mir, natürlich kam es von Kayden. Wenn es überhaupt noch einen Funken seines früheren Ichs gab, dann war es gut versteckt. ,,Sah er als ich ihn aus eurer Zelle geholt hatte auch schon so scheiße aus?", fragte er amüsiert und ohne das ich es verhindern konnte, landete meine Handfläche hart und klatschend auf seiner Wange. Ein wohliges Brennen breitete sich dort aus, wo sein Gesicht sie getroffen hatte und ohne ihn weiter zu beachten, kniete ich mich neben Will auf den Boden.
Ich hörte hinter mir aufgeregtes trampeln, aber mit einem schmerzerfüllten Aufkeuchen endete es wieder und ich legte meine andere Handfläche auf William's Stirn. Sie war kühl. Ich legte zwei meiner Finger an seine Halsschlagader und spürte das es zwar langsam, aber stetig pulsierte. Er lebte. Ich drang vorsichtig in seinen Kopf ein und sofort bildeten sich schwarze Punkte in meinem Sichtfeld. War der Nebel bereits so weit gekommen? Blockierte er schon meine Fähigkeit? Ich blinzelte und konzentrierte mich. Mach schneller Angelin!
Ich drang wieder in seinen Kopf ein und schob ihm einen Teil meiner Kraft zu, wie ich es schon bei meiner Schwester im Keller getan hatte. Als Will sich immer noch nicht regte, ließ ich weiter meine Kraft in seinen Körper fließen. Ich spürte, wie ich schwächer wurde und ich musste mich bereits mit der anderen Hand am Boden abstützen. Dann nach gefühlt endlosen Minuten, stärkte sich sein Puls, wurde kraftvoller, schneller und seine Atmung stetiger. Ich schob ihm noch ein wenig Kraft nach und stoppte diesen Vorgang dann.
Sonst ging es ihm soweit ich erkennen konnte gut. Ich zog mich aus seinem Kopf zurück und streckte meine Beine aus. Meine Sicht war verschwommen und mir war schwindelig. Übelkeit stieg in mir auf und ich schluckte beklommen. ,,Er ist stabil.", ich wusste das meine Schwester genau das von mir gewollt hatte und da ich somit meine Aufgabe erfüllt hatte, ließ ich mich langsam nach hinten gleiten und schloss meine Augen. Die Übelkeit regierte meinen gesamten Körper und weitere Schüttelfrost-Anfälle überliefen mich.
Kälte rollte über mich hinweg.
So Cut!!!
Angel kämpft vergeblich um ihre Beherrschung! Wird sie es schaffen ihre Fähigkeiten zu retten?
Will!!! Wird er es schaffen? Was ist mit ihm passiert? 😱😳
Stay Fresh! 😎
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