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Ich schmiss gerade meine gesamten Klamotten in meinen großen Koffer, als mein Handy anfing zu klingeln. In Gedanken suchte ich es, wühlte sogar in meinem Koffer, doch irgendwie fand ich es nicht und die Mailbox sprang an.

„Angelin! Ruf zurück!", Celines Stimme. Ich schenkte dem keine wirkliche Beachtung. Ich dachte die ganze Zeit an ihre letzten Worte in meinem Kopf, als ich ihr Haus verließ. „Wenn sie es herausfinden, bist du so gut wie Tod. Sprich mit niemandem, du weißt nicht wer alles zu Ihnen gehört." Das konnte doch nicht wahr sein, sogar meine beste Freundin, Soph konnte eine von Ihnen, eine Malum sein. Nein, sie nicht, Niemals.

Ich raufte mir meine Haare und musste meine Zähne zusammen beißen um nicht auszurasten. Mein Leben war eine einzige Lüge. Meine Mutter war mit Tabletten vergiftet worden, ich hatte eine 25 Jahre alte Schwester, ich war "Anders"und hatte auch noch so eine beschissene Gabe, die mich zu etwas Besonderem unter den schon "Anderen" machte.

Ach ja, hätte ich fast vergessen, wenn auch nur einer von dieser Gabe erfuhr war ich höchstwahrscheinlich tot. Das Schlimmste allerdings war, dass ich die ganze Zeit an Kayden denken musste. Hatte er es längst gemerkt? Warum lebte ich dann noch? Und warum musste er ausgerechnet einer der Malum sein, nein nicht nur Irgendeiner, sondern einer der Anführer der LA'Gang. Ich lehnte mich gegen meinen Kleiderschrank und schloss die Augen.

„Einmal tief einatmen und wieder ausatmen.", flüsterte ich. Wieder klingelte mein Handy, ich schrak hoch und wühlte genervt durch meine, auf dem Bett verstreuten, Kleidungsstücke. Diesmal fand ich es. Ich nahm es genervt entgegen: „Was ist?"

„Angelin?", fragte eine nervöse, eingeschüchterte Stimme. Sophie. „Ach Soph du bist es.", sagte ich und ließ mich mit dem Handy auf meinem Bett nieder. „Erzähl, was ist los?", fragte ich immer noch leicht angesäuert.

„Ich will dich ja nicht hetzen, aber du solltest dein Zimmer in der Uni endlich mal beziehen. Die Stundenpläne sind jetzt auch im Internet zum runterladen bereit. Morgen früh finden auch deine ersten Kurse statt.", antwortete sie zögerlich und betonte das "auch deine" etwas stärker. Ich spannte mich an und seufzte. „Ich weiß echt nicht wie ich das alles schaffen soll, es ist schon 21 Uhr."

„Ich hab leider keine Zeit jetzt zu dir zu kommen und dir beim packen zu helfen.", sagte Soph wieder. „Ja ich weiß, ich muss jetzt auch weiter machen, sonst zögere ich es nur noch weiter hinaus. Ich rufe dich an wenn ich bei der Uni angekommen bin.", sagte ich und legte auf. Ich hatte mich nachdem ich zu Hause angekommen war bei ihr gemeldet, um ihr zu sagen, dass ich lebte und es mir schrecklich leid tat, dass ich auf einmal weg war. Soph war eindeutig erleichtert gewesen.

Ich schob die letzten Klamotten in eine der vielen Seitentaschen und als ich diese geschlossen hatte war ich total fertig mit den Nerven. 22 Uhr und ich war gerade mal fertig meinen Koffer zu packen. Diesen rollte ich hinter mir her und ließ ihn, um mich zu verabschieden und meine Tasche, mit den Formularen zu schnappen, kurz im Flur stehen.

„Pier?", rief ich und fand ihn schlafend auf der Couch, vor ihm sein Computer und eine Tasse Kaffee. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht ab. Er arbeitete einfach zu viel. Ich schrieb ihm schnell einen Zettel, das ich ihn oft besuchen würde und wenn er aufwachte vermutlich schon meinen ersten Kurs hätte. Zum Schluss schrieb ich das ich ihm für alles dankbar wäre und ihn lieb hatte.

Danach drückte ich ihm einen Kuss auf die Stirn und verschwand mit meinem Koffer, meiner über alles geliebten Handtasche und meiner schwarzen Bomberjacke. Mittlerweile kannte ich den Weg zu meiner Universität etwas besser und würde auch ohne GPS hinfinden. Es war stock duster und extrem kalt. Bei jedem Atemzug kam eine kleine, weiße Wolke aus meinem Mund. Der Winter kam immer näher.

Pass auf!

Ich zuckte zusammen und verfluchte diese Stimme in meinem Kopf, wegen ihr war alles so kompliziert. Warum ich? Warum nicht jemand anders? Ich hörte ein Auto hinter mir und die Scheinwerfer erhellten auch meinen Weg ein bisschen mehr.

Pass auf!

Meine Alarmglocken meldeten sich. Irgendetwas stimmte nicht. Warum war das Auto noch nicht an mir vorbei gefahren? So langsam fuhr man doch nicht unabsichtlich. Schlagartig wurde mir klar das es mich verfolgen musste, oder derjenige etwas von mir wollte.

Lass dir nichts anmerken! -Richtig, Ruhe bewahren.

Meine Hand zitterte leicht an dem Griff meines Koffers, vermutlich vor Kälte. Ich schnaubte, ich hatte doch keine Angst, oder? Mein Atem ging zittrig. Mist, was will der denn von mir? Ich entschied mich kurzerhand dafür stehen zu bleiben und in das Licht hinein zu starren. Dieses stach mir in die Augen und ich hielt mir eine Hand zum Schutz davor. Das Auto kam neben mir zum stehen und das Fenster fuhr herunter. Grüne Schlangenaugen.

Was will der denn hier? Weiß er etwa von meiner Gabe? Panik überkam mich. Beruhige dich. Ich reckte mein Kinn hervor und sah ihm unausweichlich mitten in die Augen. „Warum verfolgst du mich?", fragte ich eisig. Ich verbarg all meine Gefühle, das konnte ich sehr gut, da ich damals nicht vor meiner Klasse weinen wollte, als ich meine Mutter verloren hatte. Ich kniff meine Augen zusammen und versuchte hinter seine Mauern zu schauen.

Er war darin nicht ganz so gut wie ich, vielleicht lag es aber auch daran, dass ich "Anders" und darauf spezialisiert war mit Gedanken zu arbeiten, sodass ein paar Gefühle zu mir durchdrangen.Kayden war überrascht das ich gar keine Angst hatte. Bald würde ich sogar seine Mauern umgehen können, mit nur ein bisschen mehr Übung. Ich lächelte kalt.

Du sollst dir nichts anmerken lassen!

„Was willst du von mir?", fragte ich schnell, um von meinem plötzlichen Lächeln abzulenken. Jetzt grinste er. „So spät noch unterwegs.", er schüttelte gespielt betroffen mit dem Kopf. „Gar keine Angst davor das dir was passieren könnte?", fragte er und grinste noch breiter. Es jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken und ich begann zu zittern.

„Nö.", sagte ich knapp, schluckte meine Nervosität herunter und wollte weiter gehen, als er plötzlich ausstieg und meinen Arm packte. Warum war er so schnell? Schoss es mir durch den Kopf.

Jede Familie hat seine eigenen Fähigkeiten. Celines Worte.

Ich kniff meine Augen zusammen und sah ihm herausfordernd in die Augen. „Lass mich los.", zischte ich. Er lachte rau und zog mich ruckartig näher zu sich heran. Ich knallte gegen seine harte Brust. Mein Blick streifte sie und ich kam nicht drumherum, er war extrem muskulös. Konzentrier dich!

Ich sah ihm wieder ins Gesicht. Er grinste wieder breit. Verdammt sexy.

Gott Angelin! Er ist dein Feind!

Ich wollte mich von ihm losreißen doch er hielt meine Handgelenke nur noch fester umklammert. „Was willst du von mir?", raunte ich und funkelte ihn wütend an. Seine grünen Augen glitten über meine Gestalt, wieder verharrte er zu lange an meinen Brüsten, bevor er mir wieder in meine dunkelbraunen Augen sah. Ich bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut. Was machte er bloß mit mir? „Weißt du noch wo wir im Club am Freitag stehen geblieben waren?" Mein Stichwort.

Ich grinste überlegen und zog die Augenbrauen unschuldig hoch. „Oh ja, tut es noch sehr weh?", fragte ich gespielt mitleidig und sah an ihm herab, verharrte ein wenig unter seiner Gürtellinie und sah ihm dann wieder in die Augen.

Sein Grinsen war erloschen. Sehr gut. Wut loderte stattdessen in seinen Augen und er war kurz abgelenkt, also versuchte ich ihm meine Handgelenke zu entreißen. Ohne Wirkung. Sofort hatte er sich wieder unter Kontrolle und verstärkte seinen Griff nur noch mehr. Schmerz durchzuckte meinen ganzen Körper und ich keuchte kurz auf. Sein dreckiges Grinsen war zurück gekehrt. Welch eine Überraschung.

Versuch es! Du bist eine Bonum! Seine Gedanken, manipulier sie! -Wie denn? Leichter gesagt als getan.

Er beugte sich langsam zu mir herunter. „Es wird mir ein Vergnügen sein.", sagte er und ein Schauer jagte mir über den Rücken. Panik überkam mich erneut. Reiß dich zusammen! Niemals würde ich es zulassen das dieser Typ mich küsste.

Ich streichelte ihm mit einem meiner Finger über den Handrücken, so gut es mir eben möglich war und zwang mir ein Lächeln auf die Lippen. Er sah überrascht in meine Augen und ich konzentrierte mich intensiver auf seine. Auf das was dahinter lag. Auf seine Gedanken, er kam noch näher und ich schloss meine Augen. Dahinter verschwamm alles, zuerst fiel ich in Dunkelheit doch dann spürte ich plötzlich eine fremde Präsenz. Seine Gedanken spiegelten sich vor meinen geschlossenen Augen, wie ein Film ab.

Seine Wut, der Stolz darauf das er "Anders" und Jedem überlegen war. Ich sah die Herausforderung die ich für ihn war und seine ekelhafte Absicht meinen Willen zu brechen. Kurz konnte ich sogar durch seine Augen sehen, seine Lippen berührten gerade die meinen, als ich die volle Kontrolle bekam und seine Gedanken einfach abschaltete, ich ließ ihn zusammensacken und einfach umfallen. Ein schriller Schrei durchbrach die Stille und mit enormer Wucht wurde ich in meinen eigenen Körper zurück gezogen und schlug hart auf dem Boden auf.

Es war mein eigener Schrei gewesen. Ich hatte extreme Kopfschmerzen und mir war schwarz vor Augen, mir wurde plötzlich schlecht, ich rollte mich auf die Seite und augenblicklich übergab ich mich. Bittere Galle kroch meine Speiseröhre hoch und hinterließ einen bitteren Geschmack in meinem Mund.

Ein Wort reichte um meine Gefühle zu beschreiben. Leere.

Ich blieb kurz liegen und versuchte Kraft zu schöpfen. Total erledigt rollte ich mich zurück auf den Rücken und öffnete nach kurzer Zeit meine Augen. Meine Sehkraft kehrte zurück und ich sah in einen klaren Sternenhimmel. Es beruhigte mich sie zu zählen und ich stand irgendwann erschöpft auf.

Ich stützte mich auf meinen Koffer und versuchte meine wackeligen Beine zu kontrollieren. Ich zitterte inzwischen ununterbrochen und war vermutlich stark unterkühlt. Wie lange hatte ich auf dem Boden gelegen? Ich holte mein Handy aus meiner Jackentasche, 24:30 Uhr. Ich war fertig mit den Nerven. Ich sah mich um, Kayden lag auf dem Boden vor seinem Auto. Es hatte tatsächlich funktioniert.

Gut gemacht! -Ich nickte.Schaff ihn in sein Auto zurück! -Wieder nur ein Nicken.

Ich wartete einen kleinen Moment bis ich einigermaßen sicher stand und zerrte ihn dann zu seinem Auto. Ich öffnete die Tür und brachte es irgendwie fertig seinen schweren Körper hinter das Steuer zu klemmen. Mein Atem ging schwer und einige Schweißperlen sammelten sich bereits auf meiner Stirn. Ich musste mir irgendetwas einfallen lassen, niemand würde glauben das er einfach so hier angehalten hätte, oder so etwas.

Ich durchsuchte seine Handschuhfächer und fand eine kleine Schachtel auf der "Vivinox, Sleep-Schlaftabletten" drauf stand. Wozu brauchte er die denn? Geschockt verstreute ich ein paar davon in seinem Fußraum und schmiss die Schachtel dann auch dazu. Ich knallte die Autotür zu und machte mich erschöpft auf den Weg zu meiner Universität. In der Hoffnung er lebte noch.

Oh mein Gott Leute, danke! 100 Reads!

Was passiert nun wenn die zwei erneut aufeinander treffen?

Und wofür zum Teufel waren die Schlaftabletten??

Mögt ihr Kayden?

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