3.Kapitel

Plötzlich warf der Mann seine Decke weg und eine blaue Uniform kam darunter hervor. Erschrocken blickte Taylor ihn an. Bis jetzt war er der Einzige, der den Soldaten bemerkt hatte.
Auf einmal kamen hinter dem Mann weitere Soldaten hervor, die sich zuvor versteckt im Untergrund gehalten hatten und der Junge stolperte entsetzt zurück.

Erschrocken blickte er die Fremden vor ihm an. Er wollte diese Gefahr nicht wahrhaben, er wollte das alles nicht.
Der Mann behielt weiterhin sein schiefes Grinsen an sich. Plötzlich lag sein Bilck auf Taylor. Ihm wurde mulmig zumute und erstarrte förmlich. Der Mann sagte: ,,Ich habe gesagt, ich bin ohne Frauen und Kinder gekommen." Und zwinkerte.
Taylor wurde übel. So eine Grausamkeit hatte er bereits erlebt. Er war gerade geflohen und hatte sich nach Monaten wieder sicher gefühlt.

Kurz darauf fielen drei Warnschüsse aus einem Gewehr. Taylor zuckte ängstlich zusammen. Doch er konnte sich nicht mehr bewegen. Wie erstarrt, blickte er auf die Neuankömmlingen.
Alle Soldaten, inclusive dem Vordermann trugen eine Waffe. Durch die Schüsse wurden nun ein paar Leute wach und blickten erschrocken den plötzlich erschienenden Mann an.
,,Männer auf diese Seite." Er zeigte von ihm aus nach rechts.
,,Frauen auf die Gegenüberliegende und Kinder dorthin." Er wies auf die entsprechenden Seiten, doch niemand schien seinen Worten glauben zu schenken. Bei den Meisten sprach bereits die Angst in ihren Augen alles aus.
,,Ach ja, Freiwillige zu mir", fügte er mit einem Lächeln hinzu.

Immer noch starr vor Angst, sah Taylor dabei zu, wie die sechs Helfer zu dem Mann geführt wurden. Sie alle wirkten nicht gerade begeistert, schienen jedoch mehr an sich selbst zu glauben, als die Meisten hier.
,,Junger Mann, wir können Ihre Aufruhe verstehen", fing eine etwas ältere Frau an auf den Hauptmann einzureden. Sie schien ihm beruhigen zu wollen.
,,Diese Zeit ist für uns alle schwer. Aber lassen Sie doch diese armen, halb verhungerten Menschen in Frieden. "
Da der Soldat keine Regung zeigte, versuchte sie es nocheinmal.
,,So werden wir den Krieg nicht lösen können. Kampf auf Kampf wird nie eine gute Lösung sein. Wenn Sie versprechen die Flüchtlinge in Ruhe zu lassen, werden wir folgsam mit Ihnen gehen. Sie dürfen mit uns machen, was Sie wollen."
Der ganze Raum hielt den Atem an. Die Menschen zeigten in ihren Blicken, wie dankbar sie den Freiwilligen waren und dass sie hofften.
Aus Erfahrung wusste Taylor jedoch, dass Hoffnung in diesen Zeiten nichts brachte und dass man dieses schreckliche Gefühl nicht zu lassen sollte, da es in kurzer Zeit zerstört werden konnte. Was blieb, war eine einfache Leehre, die durch nichts gefüllt werden konnte.

Der Soldat schien weder berührt noch Gefühllos zu sein. Sein Blick fiel auf die Kette, die die Dame um den Hals trug. Ein Kreuz, der ihren Glauben symbolisierte. Viele Freiwillige gehörten einer Religion an und fühlten sich, an ihren Glauben gebunden, verpflichtet, Menschen in dieser schrecklichen Zeit beizustehen.

Er nahm die Kette in seiner Hand und betrachtete sie.
,,Es ist nie zu spät, sich einem besseren zu belehren", fügte die Frau hinzu. Dabei nahm sie behutsam die Hände des Mannes und blickte ihm in die Augen.

Es war eine rührende Szene, die den ganzen Raum zur Stille half. Niemand wagte mehr zu sprechen.

Das war zu viel für den Soldaten. Er riss sich von dem Blick los und schlug sie.
Der Frau blieb kaum Zeit, sich ihrer schmerzenden Wange zu widmen, als der Mann die Kette von ihrem Hals riss und schrie: ,, So wollt ihr enden? Alt, armselig, allein... Ich rate euch, folgt uns ohne euch zu wehren. Sonst wird es euch nichts, außer weitere Schmerzen einbringen. "

Er drehte sich von der Frau und den Helfern weg und befahl einem weiteren Soldaten die Menschen weg zuführen.
,,Kinder und Jugendliche in die Ecke." Er wies mit seiner Hand auf das Ende des Raumes. ,,Frauen dort hin, Männer da hin." Abermals zeigte er auf verschiedene Seiten.
Jetzt begannen sich alle Soldaten zu bewegen. Sie scheuchten die Menschen und Familien auseinander.

Erschrocken blickte Taylor sich um und suchte nach Emma.
Sie war bereits wach geworden und sah sich etwas verwirrt um.
Als sie ihren Gefährten erkannte, schien sie sich etwas zu freuen.
Was gerade passierte, war überhaupt nicht wichtig für sie.
Nur Taylor zählte.

Schnell lief er auf sie zu. ,,Wir müssen machen, was sie sagen." Ihrem Blick nach zu urteilen schien sie ihm zu verstehen.
Anschließend blickte sie sich suchend um. Sie brauchte ihren Stoffhasen, etwas wo dran sie sich klammern konnte, wenn Taylor etwas zustoßen würde oder sie getrennt wurden. Daran wollte er jedoch nicht einmal mehr denken. Er hätte das Ding am liebsten zurück gelassen, aber er wusste, dass Emma ansonsten einen großen Aufstand gemacht hätte, egal, wer sie bedrohte.

Mittlerweile wurde es lauter. Der ganze Raum stand unter Angst und Schreie erfüllten die ganze Atmosphäre. Auch Schüsse hörte Taylor. Die Meisten gaben sich den Soldaten hin, doch ein paar wehrten sich.
Für Emma aber war ihr Stoffhase eben wichtig.

,,Ihr auch, mitkommen", hörten die Beiden plötzlich eine Stimme.
Einer der Soldaten war hinter uns getreten.
,,Wir kommen", antwortete Taylor schnell und blickte flehentlich zu Emma. Die jedoch interessierte sich dafür nicht und durchwühlte weiter unsere wenigen Sachen.

,,Jetzt", erläuterte der Mann.
,,Gibt es ein Problem Sir", mischte sich der Hauptmann ein, der für alles verantwortlich war.

,,Nein", antwortete Taylor für ihn, obwohl er wusste, dass er nie für einen Soldaten sprechen durfte.
,,Und dass kannst du beurteilen", fragte der Mann dementsprechend.
Taylor senkte den Blick. Er wollte ihm zumindest nicht in die Augen sehen.
Doch genau das wollte der Mann.
Er packte den Jungen an sein Kinn und brachte ihn somit zum stehen.
,,Es tut mir leid", brachte Taylor mühsam hervor. Ihm war die Situation deutlich unangenehm, besonders vor Emma. Sie jedoch bekam von der Sache überhaupt nichts mit und suchte weiter nach ihrem Kuscheltier.
,,Wir kommen jetzt", fügte er noch hinzu.
,,Wie alt bist du", fragte der Huptmann, der ihn immer noch musterte.
,,18", schätzte Taylor sich zwei Jahre älter. Da er nicht wusste, wie viel Zeit vergangen war, konnte er sich dementsprechend sowieso nicht sicher sein.
,,Dafür siehst du aber deutlich jünger aus, mein Junge", antwortete der Mann abfällig. ,,Ist das deine Schwester", fragte er und zeigte dabei auf Emma.
Immer noch unter dem Griff des Soldaten, versuchte Taylor so gut es geht zu nicken.
Der Mann vor ihm nickte nur und ließ dann schließlich los.
Immer noch geschockt spürte Taylor den Druck an seinem Hals und widmete sich wieder dem kleinen Mädche.
Sie schrie plötzlich auf. Es war jedoch ein Freudenschrei.
Fröhlich rannte sie auf die zwei nächsten Decken zu, die neben unserem kleinen Lager lagen.
Dort lag ihr kleiner dreckiger Stoffhase.
Wahrscheinlich hatte ein anderes kleines Mädchen das Ding gefunden und es behalten.
Glücklich umarmte Emma ihren Schatz und blickte anschließend etwas verwirrt zu mir. Sie schien von der Situation kaum etwas mitbekommen zu haben.

,,Wie rührend", lachten die Soldaten vor Taylor sarkastisch.
,,Wie wäre es", sprach der Hauptmann wieder mit dem Jungen.
,,Du kommst mit uns mit", redetete er weiter.
Überrascht schüttelte Taylor den Kopf.
Er wollte natürlich bei Emma bleiben.
,,Vielleicht hast du gar keine Wahl", erläuterte er seine Aussagen.
Taylor blickte verzweifelt zu Emma.
Sie schien auf ihn zu warten und blickte ihn lächelnd an. Sie verstand nicht, in was für eine Lage sie sich befanden. Selbst wenn sie es mitbekommen würde. Normalerweise hatten sie es immer gemeinsam raus geschafft. Emma glaubte an ihn. Sie glaubte an die Hoffnung.

Taylor wollte zu Emma laufen, um zu verdeutlichen, dass das nicht geht.
Doch der Soldat hielt ihn am Handgelenk fest.
,,Junge, du bist zwar etwas abgemagert und vielleicht noch keine 18. Aber du wirkst trotzdem kräftig. Wir können jeden gebrauchen. Ich würde dir raten freiwillig mitzukommen."
Erneut schüttelte Taylor den Kopf und blickte zu Emma.

Der Soldat hatte ihn verstanden. Er nahm es jedoch nicht ernst.
Der Hauptmann befahl seinem Soldaten mit einer Handbewegung Emma mitzunehmen.
Er packte sie unsanft an ihren kleinen Arm.
Jetzt endlich begriffen sie, dass das hier kein Spaß war.
Sie versuchte sich loszureißen und schrie nach ihm. Sie schrie nach Taylor.

Der Hauptmann jedoch hatte weiterhin seine Hand fest um das Handgelenk von Taylor geschlossen.
Auch jetzt begreife er, dass es bald kein zurück mehr gab.
Er versuchte sich jetzt ebenfalls loszureißen und trat nach dem Mann.
Er lachte nur etwas spöttisch und rief mach zwei weiteren Soldaten.
Sie packten ihn.
Er wehrte sich jedoch weiterhin.
Er wollte nur zu Emma. Er wollte sie beschützen und in den Arm nehmen. Dafür war er doch da.
Er schrie und trat um sich.
Taylor konnte noch nie besonders gut kämpfen, aber aufgegeben hatte er nie.

Plötzlich spürte er einen unfassbaren Schmerz, der durch seinen ganzen Körper drang.
Er hustete erschrocken und er schmeckte Blut.
Der Hauptmann hatte ihn in die Magengrube geschlagen.
Taylor wollte sich hinsetzen und er sackte etwas in sich zusammen. Doch die Soldaten hielten ihn fest, so dass es unmöglich war, sich auf dem Boden auszuruhen.
Tränen traten ihm in die Augen.
Er sah Emma nicht mehr.
Wütend und mit letzter Kraft spuckte er nach seinem Gegenüber.
Der jedoch schien darauf schon gefasst gewesen zu sein und wich dem aus.

Plötzlich trat er einen Schritt näher auf ihn zu. Er packte Taylor an seinem Haarschopf und flüsterte: ,,Denk daran, wir haben deine Schwester. Du willst doch nicht, dass ihr was passiert oder?"
Diese Nachricht erschütterte Taylor nicht mehr allzu sehr. Er nahm sie kaum war.
Es sah so aus, als ob der Hauptmann von ihm ablassen würde. Doch er war noch nicht fertig und schlug den Jungen ins Gesicht.
Jetzt nahm Taylor nichts mehr war.
Er klappte trotz Soldaten an den Seitem zusammen.

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