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Nach dem Essen schnappte ich mir meine Schulsachen und sagte meiner Mutter Bescheid, dass ich nach oben gehen würde, um für die bevorstehende Mathe Klausur zu lernen. Mathe war zwar nicht wirklich mein Lieblingsfach, aber meistens verstand ich (glücklicherweise) alles.

Als ich fertig war, hatte ich Lust joggen zu gehen. Fragt mich nicht, wie ich auf diese grandiose Idee kam, da ich eigentlich eine totale Niete in Sport war, besonders was meine Ausdauer anging. Ich zog mir trotzdem eine Leggins an und ein schwarzes T-Shirt. Als ich vor dem Spiegel stand betrachtete ich meine Beine. Ich war eigentlich nie "Fett" gewesen, auch wenn sie mich immer so nannten, aber irgendwann glaubte ich es halt selbst. Mir wurde aber mit der Zeit klar, dass ich vielleicht kein Stock war, jedoch auch nicht dick. Und ich stellte mir wieder die Frage, diese positiven Gedanken plötzlich kamen.

Ich lief draußen an einem Feld entlang, das bei mir in der Nähe war. Die Innenstadt war ungefähr 20 Minuten von mir entfernt, da ich eher an einem etwas ruhigeren Ort wohnte. Als ich ein ganzes Stück gelaufen war setzte ich mich auf eine nahe gelegene Bank und schloss meine Augen für einen kurzen Moment.

Einfach mal alles vergessen. Das Gefühl von Freiheit. Für ein paar Sekunden.

Als ich plötzlich einen leichten Regentropfen auf meinem Gesicht wahrnahm, öffnete ich wieder meine Augen und zog meine Knie an mich heran. Ich mochte Regen. Auch wenn ich es lieber hatte dabei im Bett zu liegen und einen Serien Marathon zu starten, genoss ich es. Ich hatte meine Ruhe und wenn ich jetzt weinen würde, würde man meine Tränen nicht einmal bemerken.

Aber ich hatte keinen Grund zu weinen. Ich war glücklich. Ja, ich, Vivienne Brown war das erste mal seit langer Zeit wieder glücklich.

Ich ließ mir Davids Aussage "Weil eure Sprüche immer langweiliger werden", ewig durch den Kopf gehen. Egal wie oft ich sie verdrehte, er behielt Recht. Sie machten mich seit 4 Jahren fertig, es war bisher jeden Tag schlimmer geworden für mich, aber seit einiger Zeit kam immer nur das selbe. So als hätten sie keine Ideen mehr, hauptsache irgendeinen schlechten Spruch drücken, um sich besser zu fühlen. So langsam durchschaute ich ihre Strategie. Und um zuzugeben, wie billig konnte man sein? Und ich fühlte mich immer besser, weil es mir so langsam immer weniger ausmachte. Natürlich verletzte es mich, wenn sie mich beleidigen, besonders vor David, aber ich stand so langsam drüber. Und ich war wirklich stolz auf mich. Und ich hatte irgendwie das Gefühl mein Leben geht nach 4 Jahren wieder etwas bergauf.

***

Nachdem ich lange, wirklich lange duschen war, legte ich mich in mein Bett, wartete darauf das mein Laptop anging und scrollte an meinem Handy auf Instagram rum. Plötzlich erhielt ich eine Anfrage von.. Marvin ?! Ich wollte ihn direkt blockieren, aber bevor das alles schlimmer machen würde, lehnte ich die Anfrage nur ab. Was wollte der denn jetzt bitte? Meinen Instagram Account finden und der ganzen Schule zeigen? Nein danke, kein Bedarf.

Als mein Laptop an war und Netflix bereits gestartet, schaute ich Shadow Hunters. Mein Handy legte ich dabei an die Seite, weil ich mich nur auf die neue Folge konzentrieren wollte. Sonst war ich die Spezialistin, die jede Minute zurückspult, da sie nichts mitbekommt.

Gegen 22:00 Uhr legte ich mich schlafen, konnte aber längst nicht einschlafen. Ich war noch ein wenig am Handy und sah, dass Marvin mir erneut eine Anfrage geschickt hatte. Super. Ich wollte ihn zwar genauso wenig blockieren, jedoch hatte ich nicht wirklich Bock auf dieses hin und her. Also ging ich einfach aus Instagram raus ohne die Anfrage anzunehmen oder abzulehnen. Als ich mein Handy gerade ausmachen wollt bekam ich eine Nachricht.

David. Direkt schlich sich ein Lächeln auf meine Lippen.

Er schrieb : ,,Gute Nacht, kleine. Schlaf schön."

Ich antwortete ihm mit : ,,Gute Nacht du Riese, haha. Schlaf du auch schön."

***

Als mein Wecker am nächsten Morgen klingelte, bemerkte ich meine starken Halsschmerzen. War wohl doch nicht so schlau gewesen, eine halbe Stunde im Regen rumzusitzen. Als meine Mutter dann in mein Zimmer kam sah sie mich besorgt an. Ich fragte sie, ob ich zuhause bleiben müsste und sie sagte sofort : ,,Natürlich bleibst du zuhause, Vivienne. Du schaust auch überhaupt nicht gut aus."

Nett.

Ich schlief wieder ein und als ich gegen 11:00 Uhr aufwachte, waren meine Eltern schon längst auf der Arbeit. Mein Vater war Innen-Architekt und meine Mutter Krankenschwester. Irgendwie war es ja klar, dass sie manchmal etwas überfürsorglich war. Neben meinem Bett stand ein Glas mit einer Wasserflasche und irgendwelche Tabletten.

Ich nahm eine von ihnen und trank etwas, jedoch tat mein Hals dabei höllisch weh. Ich beschloss nach unten zu gehen um zu frühstücken. Ich machte mir einen Obstsalat und setzte mich auf's Sofa. Nach einer Folge HIMYM ging ich in die Küche, stellte meine Schüssel in die Spülmaschine und ging wieder nach oben. Als ich wieder in meinem Bett lag bekam ich zwei Nachrichten. Eine von meiner Mutter, ob alles gut sei und die andere von David.

,,Warum bist du nicht in der Schule? :(" , fragte er.

Ich schrieb zurück : ,,Sorry, bin mega erkältet ._. "

,,Gute Besserung. Soll ich nachher mal vorbeikommen?" , schrieb er daraufhin.

,,Danke. Und nein lieber nicht, ich will dich nicht anstecken. Komme morgen wahrscheinlich auch nicht" , war meine Antwort.

,,Mhm Schade, aber dafür statte ich dir spätestens Morgen einen Krankenbesuch ab ;)."

Ich antwortete darauf nicht, sondern legte mein Handy zur Seite und setzte mich an mein Klavier. Ich wollte als nächstes "Skinny Love" von Birdy spielen. Ich hatte mir letztens die Noten dazu besorgt und sie waren nicht allzu schwer. Als ich die ersten Töne spielte vergaß ich wieder alles. Dieses Gefühl war unbeschreiblich.

Als ich im Bad stand, weil ich eben auf dem Toilette war und mein Gesicht einmal waschen wollte, machte ich die Schublade unter dem Waschbecken auf. Dort waren meine Klingen drin. Ich hielt sie in meiner Hand, atmete einmal tief durch. Sollte ich es wirklich tun? Ich begann zu zittern und war mir unsicher, ob das eine gute Idee war.

Bevor ich mich noch umentscheide, dachte ich.

Ich warf die Dinger in die Toilette und spülte sie hinunter.

Wirklich, ich wusste nicht, wie ich das mal eben tun konnte. Diese Klingen waren schließlich vorher mein Lebenssinn gewesen und machten mir einiges einfacher. Und jetzt hatte ich sie einfach hinuntergespült.

***

Danke für 177 Reads *-*

Ihr seid toll, nicht vergessen <3

Song im Anhang : The All-American Rejects - It Ends Tonight

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