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Als ich um 09:00 Uhr von den Sonnenstrahlen geweckt wurde, hatte ich den Drang meinen Kopf wieder in meinem kuscheligen Kissen zu vergraben. Meine Mutter machte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung, indem sie fröhlich ,,Guten Morgen", trällerte. Frustiert kuschelte ich mich stärker in meine Bettdecke, die sie mir daraufhin wegzog.
,,Mama", jammerte ich. ,,Vivienne aufstehen! Deine Großeltern kommen heute vorbei und Clara mit deiner Tante Maria ebenfalls. Und heute Abend muss du dann zum Ball mit David. Ich darf dich doch schminken und beraten?", ratterte sie innerhalb binnen von Sekunden herunter und ich fasste mir mit zusammengekniffenen Augen an den Kopf, um die ganzen Informationen erstmal zu verarbeiten.
„Eigentlich wollten Kim und Lara heute Abend vorbeikommen damit wir uns zusammen fertigmachen können", antwortete ich ihr und genauso begeistert, wie vor zwei Minuten erwiderte sie : ,,Kein Problem, dann berate ich euch alle."
Nachdem sie mein Zimmer verließ, griff ich augenverdrehend nach meinem Handy. Okay, die Tatsache, dass Clara heute kam , war definitiv ein Lichtblick, aber ich sah schon die ganzen Fragen kommen zu meinem Gips. Natürlich wusste meine Familie davon, aber nunmal nicht alles und ich hatte keine Lust ausgequetscht zu werden, besonders weil ich die Sache gerade einigermaßen verarbeitet hatte. David, der übrigens gleich ein Basketball Spiel hatte, zu dem ich leider nicht kommen konnte, hatte mir um 08:30 Uhr schon geschrieben.
,,Guten Morgen, Schatz. Du schläfst wahrscheinlich sowieso noch bis 12:00 Uhr, aber was hältst du davon, wenn ich heute Mittag nochmal bei dir vorbeikomme? :D"
,,Herzlichen Dank auch, aber nein ich schlafe nicht mehr. Ja kannst du allerdings kommt heute meine Familie vorbei, wenn du möchtest kannst du sie ja mal kennenlernen :D Viel Gück gleich beim Spiel, das nächste Mal bin ich aufjedenfall dabei! :*", antwortete ich ihm und sprang, so gut es ging, aus meinem Bett, denn meine Mutter hatte mich bereits das dritte Mal zum Frühstück gerufen.
Meine Eltern hatten den Tisch auf der Terasse gedeckt und ich setzte mich im Halbschlaf zu ihnen. Mein Vater sah mich belustigt mit hochgezogener Augenbraue an und ich seufzte nur. ,,Wann kommen Clara und die anderen?", fragte ich kauend. Nachdem meine Mutter einen großzügigen Schluck aus ihrer Kaffetasse nahm, antwortete sie mir : ,,Etwa in einer Stunde, weil Clara später noch auf einen Kindergeburtstag muss und du ja noch den Ball hast." Langsam nickte ich und griff zu einem Brötchen, das ich mir anschließend dick mit Nutella bestrich.
Als ich wieder oben war, hatte ich noch ungefähr eine dreiviertel Stunde, um mich fertigzumachen. Das müsste reichen, außerdem war es sowieso nur meine Familie. Nach einigem kramen im Kleiderschrank griff ich nach einer schwarzen, engen Shorts und einem weißen Crop Top. Dazu schwarze Socken, okay eine Socke, und fertig war ich.
Im Badezimmer schminkte ich mich nur ganz leicht, denn es war erstens eine gefühlte Sauna draußen und zweitens war ich sowieso nicht der Mensch, der sich gerne täglich stark schminkte. Ich hatte zwar Spaß am aufwendigem schminken, aber mein 'Talent' dafür kam nur an besonderen Tagen zum Vorschein.
,,Vivienne!", rief die Stimme meiner Mutter und ich sah verwirrt auf meinen Handy Bildschirm. Ich hatte wirklich 45 Minuten für anziehen, Zähne putzen und aufräumen gebraucht.
,,Vivi", sprang mir eine kleine, begeisterte Clara in die Arme, kaum nachdem ich die letzte Stufe der Treppe heruntergelaufen war. Ihre kurzen Arme umschlangen meinen Oberkörper, weil ich in die Hocke gegangen war, und ich umarmte sie zurück. ,,Hallo meine Große!", grinste ich und meine Tante stand lachend daneben. ,,Es ist schön dich wiederzusehen", sagte sie sanft und auch sie zog ich in eine Umarmung, nachdem ich wieder aufgestanden war.
,,Ach Gottchen Kind", sagte meine Oma schockiert, als sie an der Reihe war. ,,Mir geht es gut Oma", versuchte ich sie zu beruhigen, aber sie schüttelte nur weiter den Kopf. ,,Diese Leute gehören weggesperrt. Auf der Stelle", rief sie aufgebracht.
,,Mutter", mischte sich auch nun Mom ein und fuhr fort : ,,Vivienne ist gerade dabei das alles zu verarbeiten und möchte heute einen schönen Tag haben, denn heute Abend steht ja noch der Ball an zu dem ihre Stufe als Dankeschön eingeladen wurde. Wir reden da ein anderes Mal drüber, okay?"
Schnell nickte meine Oma und entschuldigte sich zweimal Mal, woraufhin ich nur abwinkte. Plötzlich zog etwas an meiner Hand. Als ich runter blickte, sah ich Clara, die wohl versuchte an meine Aufmerksamkeit zu gelangen. ,,Ja?", fragte ich warm lächelnd. ,,Zeigst du mir dein Zimmer? Ich war lange nicht mehr hier", piepste sie und ich nickte nur lachend. Gemeinsam liefen wir die Treppen hoch und fasziniert drehte sie sich die ganze Zeit im Kreis, was zuckersüß aussah. Grinsend öffnete ich die Tür meines Zimmers und noch erstaunter lief sie herein. ,,Ein Klavier", quietschte sie aufgeregt und kletterte auf den zugehörigen Stuhl. ,,Soll ich dir Mal etwas vorspielen?", fragte ich und strich über ihre blonden Locken. Heftig nickte sie und ich hob sie von dem Stuhl runter, damit ich mich setzen konnte. Clara stand neben dem Klavier und reichte gerade mit ihren Händen dorthin. Ich spielte "Everglow" von Coldplay und sie wurde plötzlich ruhiger und lauschte nur noch der Musik. Als ich fertig war rief sie wieder leicht hyperaktiv : ,,Ich will das auch können!" In dem Moment kamen meine Großeltern mit meiner Tante herein, weil sie mein Zimmer auch lange nicht mehr gesehen hatten.
„Mami! Mami", rief das Energiebündel aufgeregt. ,,Ja?", fragte Maria lachend und ein wenig verwirrt. ,,Vivienne kann sooo toll Klavier spielen! Ich will das auch können", schwärmte sie und setzte ihren Kulleraugen Blick auf. ,,Vielleicht zeigt sie dir ja Mal wie das geht", erwiderte meine Tante bloß und strich ihrer Tochter über die Haare. Wieder nickte sie übermäßig begeistert und wir anderen begannen bloß zu lachen.
,,Das ist ein A", erklärte ich gerade meiner kleinen Cousine, die voll und ganz dabei war. Clara drückte die Taste herunter und ich tat es ihr nach. Seit einer Weile erklärte ich ihr die Noten und sie konnte sogar schon die ersten paar Noten des Stückes von vorhin mit der rechten Hand.
,,Kinder es gibt Essen", rief meine Oma uns nach einer ganzen Weile und wir standen beide auf, um nach unten zu gehen. ,,Wie lange spielst du schon?", fragte Clara mich mit ihrer niedlichen Kinderstimme, während wir die Treppen herunterliefen. ,,Seit ich so alt bin wie du. Damals war ich oft bei Oma und Opa und dort stand ein Klavier auf dem ich immer spielte. Mom hat mich dann irgendwann beim Klavierunterricht angemeldet. Möchtest du das auch mal ausprobieren?", fragte ich sie und Clara nickte eifrig.
Mein Dad hatte den Grill bereits vor einer halben Stunde angemacht und jetzt war es 'schon' 12:00 Uhr, sodass man das ganze schon Mittagessen nennen konnte. ,,Auf wessen Geburtstag gehst du heute?", fragte ich meine kleine Cousine mit ehrlichem Interesse. ,,Auf Henry's", antwortete sie grinsend, während sie damit beschäftigt war ein Stück Fleisch auf ihrer Gabel aufzuspießen. Plötzlich vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche und ich blickte meine Eltern kurz Entschuldigend an, denn ich schaute nach wer mir geschrieben hatte. Natürlich, David.
„Bin jetzt fertig, war auch schon duschen und so. Soll ich vorbeikommen?", schrieb er.
,,Mom? David ist jetzt wieder zuhause kann er vorbeikommen?", fragte ich und sie nickten bloß, als wäre es komplett selbstverständlich, was es eigentlich auch war.
„Wer ist David? Dein Freund?", fragte meine Oma ziemlich direkt und ich nickte bloß langsam. ,,Seit wann?" ,,Ähm seit ungefähr drei Monaten", antwortete ich ihr etwas verlegen, weil es unangenehm war vor meiner ganzen Familie darüber zu erzählen.
Wenige Minuten später klingelte es an der Tür und ich wollte gerade aufstehen, um zur Haustür zu laufen, da kam Clara mir zuvor und flitzte zur Tür. David und sie blickten sich kurz verwirrt an und sie musste wortwörtlich ihren Kopf in den Nacken legen, um ihn anzuschauen. ,,Bist du David?", piepste sie schüchtern. ,,Ja der bin ich. Und wer bist du?", fragte er und ging in die Hocke, um ihr die Hand zu schütteln. Sehr vornehm.
,,Ich bin Clara", erwiderte sie. ,,Hey Schatz", sagte jetzt auch ich und ging auf David zu. ,,Hallo", wisperte er vor meine Lippen um mir einen kleinen Kuss auf die Lippen zu drücken. Man hörte nur, wie meine Cousine sich die Hände vor die Augen schlug und ich unterbrach lachend den Kuss. ,,Darf ich vorstellen Clara, das ist David. Mein Freund", grinste ich und sie nickte mit großen Augen. ,,Er tut dir nichts, keine Sorge", fügte ich noch hinzu, weil sie immernoch so schüchtern war.
„Eigentlich ist sie nicht so schüchtern, aber das legt sich noch", erklärte ich David und er runzelte nickend die Stirn. ,,Sollen wir wieder zurück zu den anderen gehen?", fragte ich, weil das ganze etwas zu schräg wurde und David griff nach meiner Hand und bejahte. ,,Ich will auch an deine Hand", sagte Clara und verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. Ich hielt ihr meine andere Hand hin und zufrieden lief sie mit uns zu den anderen in den Garten.
Nachdem ich David meiner Tante und meinen Großeltern vorgestellt hatte, mein Opa hatte ihn einmal prüfend angesehen und schließlich genickt, aß er auch mit und setzte sich neben meine Oma, denn dort war der einzig freie Platz. Jedoch löcherte diese ihn mit Fragen und ich warf David einen grinsenden Blick zu. Als wir fertig waren halfen wir drei 'Kinder' das Geschirr abzuräumen und setzten uns wieder zu den Erwachsenen, die sich unterhielten. ,,Können wir in den Pool?", kreischte Clara plötzlich hellauf begeistert und ich sah David fragend an. Er nickte und zuckte mit den Schultern. Etwas zögerlich sagte auch ich ja, weil ich musste ja diesen Gips Schutz dann tragen.
Bevor Clara aber direkt mit ihren Klamotten in den Pool rennen konnt, hielt ich sie fest und fragte meine Mutter nach einem alten Badeanzug oder Bikini von mir für meine kleine Cousine. David hatte noch seine Badehose hier, weil er gestern da war und wir auch im Pool waren, und mein Zeug war ja sowieso hier. Logisch.
,,Ich glaube ich habe noch einen alten Bikini von dir", sagte meine Mutter und stand auf, um sich auf die Suche danach zu begeben.
David und ich gingen liefen schonmal die Treppen hoch, um uns umzuziehen.
***
Ihr seid alle toll, nicht vergessen <3
Song im Anhang : Lykke Li -No Rest For The Wicked
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