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Ihre Hand hatte ein Glas umschlossen, dessen Inhalt ich nicht identifizieren konnte und kurz fragte ich mich, ob sie betrunken war, aber dazu wirkte sie zu nüchtern, logisch. Schließlich entschied ich mich dafür, mit ihr ein Gespräch anzufangen, wenn sie es ignorieren wollte, was zwischen uns passiert war, bitte, das konnte ich auch ohne Probleme.

"Hey, hab dich gar nicht hier erwartet." Ich bemerkte aus dem Augenwinkel, dass Ashley im selben Moment auf die Bühne trat und die Leute begrüßte. Kurz streifte mein Blick zu ihr, aber als der erste Song begann, wusste ich, dass ich mir keine Sorgen machen musste, sie hatte alles unter Kontrolle, also konnte ich mich voll und ganz auf Amber konzentrieren.

"Ich dich auch nicht. Wie geht es dir?", wiederholte sie freundlich, etwas zu distanziert für meinen Geschmack, und nahm einen Schluck aus ihrem Glas.

"Ganz gut, hab viel zu tun in der Firma, bei dir?" Ich musste wirklich aufpassen, dass ich nicht in schallendes Gelächter ausbrach, weil das, was meine ehemalige Freundin abzog, so unglaublich lächerlich war, aber ich beherrschte mich, irgendwie.

"Ja, passt, Studium läuft, aber auch nur irgendwie, weißt du ja." Ich nickte und blickte zur Bühne. Sie durfte ruhig sehen, dass ich andere Sachen lieber tat, als mich mit ihr zu unterhalten. Ash hatte gerade ihren ersten Song beendet und fing gerade mit dem nächsten an. Sie sah unglaublich gut und souverän aus, es wirkte fast so, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan.

"Bist du allein hier?" Ambers Stimme schob sich wieder in meine Sinne und ich überlegte kurz, ob ich ihr wirklich erzählen sollte, dass ich nicht allein hier war. Letztendlich entschied ich dafür, ich wollte kein Geheimnis daraus machen, dass ich mit Ashley hier war, warum auch?

Also schüttelte ich den Kopf.

"Nein, bin mit ihr hier." Ich deutete auf Ashley, die gerade ihr Mikrofon fester umpackte. Kurz lächelte sie mir zu und ich lächelte zurück. Ich konnte mir denken, dass sie Amber bemerkt hatte, aber sie schien sich keine Sorgen zu machen.

"Wow cool, wusste gar nicht, dass ihr befreundet seid", antwortete sie leicht zurückhaltend und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

"Sind wir auch nicht", antwortete ich leicht lächelnd und Amber sah mich verwirrt an. Ich wusste genau, dass sie nachfragen würde, was ich damit meinte, sie war schlichtweg zu neugierig um es nicht zu tun.

"Wie soll ich das verstehen?"

"Wir sind zusammen." Fast.

Aber das musste sie ja nicht wissen, Fakt war, dass wir beide uns mehr als nur freundschaftlich mochten, da war ich mir sicher und das durfte Amber auch ruhig wissen, immerhin hatte sie ja gefragt. Ich wollte ihr zeigen, dass ich nicht von ihr abhängig war und ihretwegen jetzt für immer allein in meinem Zimmer blieb und heulte.

Als ich sie wieder ansah, konnte ich sehen, dass das Lächeln von ihren Lippen gewichen war und tief in meinem Inneren freute ich mich, mein Ziel erreicht zu haben. Es war nicht so, dass ich Spaß daran hatte, andere Leute Eifersucht verspüren zu lassen, aber Amber verdiente das nach dieser hinterhältigen Aktion, fand ich, außerdem beruhte das auf Gegenseitigkeit, immerhin schien sie mich ja auch schon ersetzt zu haben.

In dem Moment wurde mir bewusst, dass unsere Beziehung nie besonders gut gewesen war und, dass wir den jeweils anderen durch jede beliebige Person ersetzen konnten, wenn wir wollten und vielleicht war es am Ende sogar gut, dass es zu Ende gegangen war, denn sonst hätte ich niemals Ashley kennengelernt, die gerade ihren fünften Song beendete und mir kurz zulächelte.

Ich sah wieder zu Amber und ich konnte förmlich spüren, wie sie begann es zu bereuen, mich angesprochen zu haben. Wahrscheinlich hatte sie, gedacht, ich wäre allein hier und immer noch traurig und selbst, wenn sie es nicht gedacht hatte, so hatte sie definitiv nicht erwartet, dass ich glücklich und zufrieden mit einer super talentierten Künstlerin zusammen war, die obendrauf auch noch (meiner Meinung nach) viel besser aussah, als sie selbst.

"Ich muss mal wieder zurück", erklärte sie ein paar Sekunden später verschlossen und ich nickte nur, natürlich musste sie zurück.

"War nett dich wiedergesehen zu haben." Mit diesen Worten war sie verschwunden und für einen Moment hoffte ich, dass ich sie nie wieder sehen würde, obwohl sie selbst als normale Freundin total in Ordnung war.

Ich schüttelte nur amüsiert den Kopf und widmete für den Rest der Zeit meine gesamte Aufmerksamkeit der jungen Frau auf der Bühne. Ashley konnte das, was sie da oben tat verdammt gut, wie ich feststellte. Sie traf jeden Ton perfekt und sah unglaublich gut und auch ausgeglichen aus. In dem Licht konnte ich sehen, dass sie ein wenig schwitzte, aber selbst das sah unglaublich ästhetisch aus.

Ich verliebte mich mit jeder Sekunde mehr in sie, wie sie da oben stand und einfach nur das tat, was sie liebte und das war ein so schönes Gefühl. Es war nicht greifbar, aber dennoch ließ es mich ganz warm ums Herz werden und ich lächelte den Rest des Abends die ganze Zeit glücklich.

Als Ashley ihre Performance beendet hatte, erhob ich mich und machte mich auf den Weg zu ihr, ich würde ihr beim Aufräumen helfen. Ich fand sie auf dem Boden sitzend vor.

"Hey." Sie schien müde, als sie zu mir aufblickte und ich ihr anschließend auf die Füße half. Ein paar Sekunden musterte sie mich, dann zog sie mich an sich und umarmte mich herzlich. Ich erwiderte die freundliche Geste und als wir uns wieder voneinander lösten, hatte sich ihre Atmung beruhigt.

"Da warst unglaublich", begann ich und sie begann breit zu grinsen.

"Danke, es hat richtig Spaß gemacht, mir wird erst jetzt bewusst, wie sehr ich es vermisst habe live zu performen." Sie grinste mich an, bevor sie mir einen kurzen Kuss auf die Lippen drückte.

Wir begannen ihr Zeug zusammenzusuchen und während wir uns gemeinsam an den Kabeln zu schaffen machten, konnte man spüren, wie glücklich sie war.

"Wer war das eigentlich, mit dem du dich unterhalten hast?", fragte sie, als wir fast fertig waren. Ihre Stimme hat denselben neutralen Ton, wie bei all unseren Diskussionen, neutral aber dennoch neugierig und nett.

"Amber", antwortete ich nur grinsend und ich konnte hören wie sie auflachte, bevor sie sich zu mir drehte und mit den Augenbrauen wackelte.

"Ich hoffe doch sehr, dass sie eifersüchtig war, als sie wieder abgezogen ist, immerhin hattest du die besten Voraussetzungen", lachte sie und ich nickte. Oh ja, wenn sie eins gewesen war, dann eifersüchtig.

"Ich musste nur auf dich zeigen und sie hat sich sofort verschlossen", fuhr ich fort und lachte, während ich mir Ashleys Rucksack über den Rücken warf und sie auffordernd anblickte.

"Hast du gut gemacht, das Leben schreibt echt die lustigsten Geschichten." Sie griff nach meiner Hand.

"Wollen wir?" Sie deutete auf die Tür und ich nickte im selben Moment und folgte ihr breit grinsend und glücklich.

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