Kapitel 49

Sam

Es kam mir vor wie ein Traum, als wir alle aus der großen Halle befreit wurden. Grace warf sich voller Freude auf mich und schleckte mir das Gesicht ab.

„Sam! Ich dachte, wir wären zu spät, ich dachte..."

„Haben das alles die ROFLs gemacht?", fragte ich, „Das alles? Haben sie die Polizei hergebracht?"

Grace schüttelte den Kopf. „Nein. Das war Rose. James und deine beiden Freunde haben ihr geholfen zu entkommen und sie hat Verstärkung geholt."

Wir drehten uns um und sahen zurück in die Arena. Die Menschen, die Ron festgehalten hatten, hatten ihn losgelassen und nun saß er am Boden, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen und atmete tief durch, dann hielt er inne als eine braunhaarige Frau mit langen Locken die Arena betrat und kurz auf der Schwelle stehen blieb.

„Ich glaube aber nicht, dass sie wegen dir gekommen ist...", murmelte Grace und lächelte.

Ich erkannte nicht, was sich in dieser Frau abspielte, doch ich fühlte, dass ihr Herz pochte, wie verrückt und dass sie nach Freude und Erleichterung roch. Ron blinzelte erstaunt, erhob sich dann taumelnd und stakste vorwärts, bis er direkt vor ihr stand und sich die beiden einfach nur überglücklich anlächelten. Sie umarmten sich und schienen sich gar nicht mehr loslassen zu wollen.

Ron vergrub sein Gesicht in Roses Haaren, dann weinte er und im selben Moment mussten beide anfangen zu lachen. Glück lag in der Luft und unendliche Freude und selbst ich musste zugeben, dass ich mich für Ron, den alten Raufbold freute, auch, wenn er in seiner Vergangenheit meine halbe Familie abgemurkst hatte.

„Ich werde die Menschen wohl nie verstehen...", brummte Juan, der aus seiner Ecke gekrochen kam und sich neben mich setzte. Graces Blick schweifte zwischen meinem Bruder und mir hin und her.

„Sehe ich doppelt?", fragte sie, „Oder gibt es dich wirklich zweimal?"

Juan und ich mussten lachen, was bewirkte, dass Grace den Kopf schief legte und ihr stehendes Ohr spitzte.

„Wir sind Brüder!", bellte ich und Grace kicherte.

„Das habe ich mir beinahe gedacht! Hey, ich glaube da oben ist jemand für euch, der sicherlich schon sehr lange nach euch sucht. Kommt mit!"

Grace sprang auf und trabte voraus. Juan blinzelte mich ahnungslos an, folgte mir aber, als ich Grace hinterher lief. Ich wusste, wer mich erwartete, war mir aber nicht sicher, ob ich wirklich zu ihm zurück kehren wollte.

„Ist es dein Herrchen?", fragte mich mein Bruder zögerlich. Ich schluckte und nickte.

„Du musst nicht mitkommen, wenn du nicht möchtest. Ich will dich nie wieder zu etwas zwingen. Du hast die letzten Monate sicherlich genug mitgemacht."

Mein Bruder lächelte nur und tapste an mir vorbei.

„Weißt du?", japste er im Vorbeigehen und blieb an meiner Seite stehen, „Ja, ich hatte sehr schlimme Zeiten durchzumachen, doch wenn ich dich so ansehe... Du wirkst so zufrieden und glücklich. Du hast diese Freude in den Augen, die ich von dir schon kannte, als wir noch Welpen waren. Dieses neugierige Glitzern, diese Hoffnung. Wenn du lange eingesperrt bist, verlierst du all das. Du fragst dich nach dem Sinn des Lebens, fragst dich, ob es nicht besser wäre, wenn du sterben würdest und vor allem, ob dich dann noch jemand vermissen würde. Und weißt du was? Ich wusste, dass du mich vermissen würdest, das hat mich am Leben gehalten, denn du warst immer für mich da, wenn ich dich gebraucht habe und ich habe dich einfach verlassen. Es ist alles meine Schuld, was ich durchmachen musste."

Damit hob er den Schweif und schloss zu Grace auf, die in einiger Entfernung wartete. Ich war beeindruckt, jedoch hatte Juan sich ganz dezent davor gedrückt, mir eine klare Antwort zu geben.

„Juan! Heißt das, dass du mit zu uns ziehen willst?"

„Das heißt, dass ich mir dein Herrchen einmal ansehen werde und dann entscheide, ob ich mein Leben gerne in seine Hände legen möchte."

Mein Herz pochte vor Freude und ich gab meinem Bruder einen sanften Nasenstüber, dann drückte ich mich an Graces Seite, während wir den Bunker unter der Erde verließen. Hinter uns, die Festnahme der Verbrecherbande in vollem Gange. Ich merkte jedoch, dass meine Begleiterin nicht ganz so glücklich war, wie ich selbst, dass das Abenteuer nun wohl zu Ende war.

„Was ist los, Grace? Freust du dich nicht?", fragte ich, doch Grace trabte nur schweigend weiter. Juan schielte wissend zur Seite, als Grace seufzte und meinen Namen flüsterte.

„Sam... du weißt genau, was mit mir los ist. Ich will dich nicht verlieren. Wenn wir da jetzt rausgehen, nimmt dich dein Herr mit und wir sehen uns nie wieder. Willst du das?"

Ich winselte, weil ich nun endlich verstand, wie ernst meine Entscheidung nun war. Wollte ich ein Straßenhund bleiben und alles aufgeben, was Jake mir in den letzten Jahren gegeben hatte? Liebe, Zuneigung, Futter und die Wärme eines Rudels? Oder wollte ich zu ihm zurückkehren und alle meine Freunde verlieren?

„Grace? Juan? Ich möchte noch etwas Zeit für diese Entscheidung. Wäre das in Ordnung für euch?"

Grace und Juan nickten, dann erhob sich mein Bruder. „Ich gehe schon mal voraus. Wenn du weißt, was du willst, ich sitze am Ausgang und passe auf, dass keiner der Verbrecher entkommt."

Grace sah mir in die Augen, Schmerz und Trauer waren darin zu lesen.

„Sam, ich möchte, dass du weißt, dass ich deine Entscheidung akzeptiere, egal, wie sie auch ausfällt. Ich liebe dich wie du bist, aber wir sind nur Hunde. Letztendlich entscheiden unsere Menschen, was mit uns passiert."

„Lass uns ein wenig nebeneinander laufen. Wenn ich laufe habe ich einen klareren Kopf. Und den werde ich für diese Entscheidung brauchen."

Grace nickte. Wir tapsten Seite an Seite durch den düsteren Gang. Ich atmete tief durch. Das Licht, das das Ende des Ganges kennzeichnete verschwamm langsam vor meinen Augen und ich merkte, wie ich wie im Traum über den kalten, feuchten Boden taumelte. Mein eist löste sich von meinem Körper und flog zu einem Ort, der weit abseits der realen Welt lag.

Schon bald kam die Dunkelheit um mich herum, ballte sich in meinem Kopf zusammen und explodierte in einer Formation aus Licht und Staub. Ich öffnete die Augen, doch ich war nicht mehr in dem dunklen Gang, sondern an einem Ort, den ich nicht kannte. Es waren keine goldgelben Vanillewolken, sondern eine Brücke über einem kleinen Bach, umgeben von grünen Wiesen und duftenden Blumen. Um mich herum der Duft von Grace und der von....Nana.

Ich schoss herum und da stand sie. Wunderschön, wie ich sie in Erinnerung hatte. Himmelblaue Augen und ein rotbraun-grau-weiß geflecktes Fell.

„Sam", flüsterte sie und sprang auf mich zu, sie warf mich um und wir kullerten zusammen über den Rand der Brücke, dann landeten wir schließlich mit einem lauten platsch im Wasser.

„Ich habe dich so vermisst, so sehr vermisst!", jaulte ich. Mir schossen die Tränen in die Augen, als ich sie sah. Sie war so real, so wirklich, als wäre sie nie gestorben und als schwämme sie tatsächlich vor mir im Wasser.

„Ich dich auch!", lachte Nana, „Du bist ein toller Hund geworden, Sam. Treu und zuverlässig. Stark und mutig. Edel und klug. Dein Mensch kann sich glücklich schätzen."

„Das kann er wohl!", rief eine Stimme hinter mir. Es war Grace. Sie stand am Rande des Flusses und sah wütend aus, „Sam, wer ist das?"

Nana schwamm zum Ufer, kletterte heraus und hatte gleich wieder trockenes Fell, sie berührte mit Grace Nasen und wedelte freundlich mit dem Schwanz. Grace wirkte jedoch nicht ganz so begeistert.

„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Grace", säuselte Nana, „Ich bin lange keine Konkurrenz mehr für dich. Mein Name ist Nana. Sam und ich hätten beinahe zusammen unser Glück gefunden, doch dann habe ich mein Leben gegeben, damit er weiter leben kann, um Hunde aller Art zu retten. Und das hat er getan. Er ist ein guter Hund, Grace, sei nicht wütend auf ihn. Er würde dich niemals betrügen."

Grace sah mich an, doch ich nickte zur Bestätigung nur heftig und zog den Kopf ein.

„Ich bin nicht wütend", japste Grace, „Nur verwirrt. Wo sind wir hier? Und wenn du doch tot bist, warum können wir dich dann sehen und mit dir reden, als wärst du noch am Leben?"

„Ich bin nur kurze Zeit hier. Ihr könnt mich sehen, weil ich in euren Wachträumen wandle. Ich habe nicht viel Zeit, darum hört gut zu! Ich möchte euch helfen, euch zu entscheiden, denn wie ihr euch auch entscheidet, es wird Verluste für euch geben. Entweder verliert Sam sein Rudel, dich oder sein Zuhause oder du, Grace, verlierst deine Stelle als Polizeihund und wirst dann nicht einmal bei Jake bleiben, sondern an einen anderen Besitzer weiter gegeben."

„Was sollen wir denn tun?", jaulte ich, „Ich liebe Grace, wie ich dich geliebt habe, Nana! Ich kann sie nicht schon wieder verlassen! Warum müssen Hunde nur immer so herum geschubst werden? Sind wir denn Marionetten?"

„Sam, du musst verstehen, dass viele Hunde dich brauchen. Wenn du bei Jake bleibst, kannst du ihnen helfen, aber auch nur dann. Du wirst Grace vielleicht nie wieder sehen, aber dieses Risiko müsstest du zum Wohle aller Hunde eingehen. Und du, Grace..."

„Was ist mit mir?", bellte Grace gereizt. Sie wollte nicht verstehen, warum es Nana so wichtig war, dass ich sie verließ. Sie dachte, Nana wolle mich nur für sich alleine.

„Grace, du wirst Sam niemals ganz verlieren.."

„Wie...wie meinst du das?", Grace erhob sich und sah sich nach mir um, doch ich starrte nur Nana an, denn ich ahnte bereits, worauf sie hinaus wollte.

„Du trägst einen Teil von ihm in dir. Dieser Teil wird dich immer an ihn erinnern. Pass gut auf ihn auf und hüte ihn wie einen Schatz, denn er wird das einzige sein, das dir von ihm bleibt."

„Willst du mich veralbern?", japste Grace, „Ich erwarte Welpen? Aber das wüsste ich doch!"

Nana lachte so herzlich, dass ich schmunzeln musste. „Ich habe lediglich von einem Teil geredet. Du wirst einen Welpen bekommen. Er wird niemals genau wie sein Vater werden, doch er wird seine Ideale in sich tragen. Tapferkeit, Stärke, Ehrgeiz und vor allem den Mut, der seinen Vater so auszeichnet."

Grace und ich sahen uns an und drückten uns eng aneinander.

„Ich weiß, dass es schwer für euch sein wird, euch zu trennen, aber denkt gut darüber nach. Es könnte das Leben vieler Hunde und Menschen in Zukunft stark beeinflussen."

„Aber Nana! Das kannst du nicht von mir verlangen!"

„Sam, in Zeiten wie diesen, sind es die richtigen Entscheidungen und die daraus folgenden Verluste, die wahren Mut ausmachen. Du bist dir genau bewusst, welche Folgen deine Entscheidung haben wird. Also sei mutig und wähle weise."

Nana verblasste und mit ihr auch die kleine Welt, in der wir uns befunden hatten.

Ich schlug die Augen auf. Grace neben mir war ebenfalls aus ihrer Trance erwacht und blickte ungläubig zu ihrem Bauch herunter.

„Das glaube ich einfach nicht...", murmelte sie, „Was ist gerade passiert?"

Ich sah traurig zu meinen Pfoten herunter und schniefte. Mit Nana holte mich immer wieder meine Vergangenheit ein und in meinem Kopf spielte sich immer wieder dieser Moment in Dauerschleife ab, in dem Nana sich vor mich warf und den Schuss abfing, der eigentlich für mich gedacht war. Wie sie blutend und vor Schmerz wimmernd vor mir lag und ihre wunderschönen, blauen Augen auf mich gerichtet waren. Wie sie mir sagte, ich solle laufen und mich nicht umdrehen, doch ich mich vor Schreck nicht rühren konnte. Wie sie flehte, dass ich den Menschen entkam, die uns den Tod wünschten und wie ich davon lief und sie einfach zurückgelassen hatte. Nana war für mich gestorben und ich hätte dasselbe für sie getan, doch es hatte einfach nicht sein sollen.

„Sam, was ist los mit dir?", fragte Grace und drückte mir ihre Nase gegen den Fang. Ich zuckte zusammen und sah zu ihr herüber. Ihre Augen waren voller Sorge, doch ich war nicht in der Lage auch nur ein Wort zu sagen.

„Sam?"

„Es tut mir leid, Grace, aber ich muss dich verlassen", seufzte ich und hoffte inständig, dass sie mir nicht wütend war, „ Ich will es nicht, aber es geht nicht anders. Ich werde einen Weg finden, dass wir uns wieder treffen können, doch sei mir nicht wütend, wenn ich es nicht schaffe. Du bist das Beste, was mir je passiert ist, aber ich kann nicht bei dir bleiben."

„Das habe ich mir gedacht", jammerte Grace traurig, „Aber ich kann es verstehen. Es hat mit dieser Nana zu tun, oder?"

„Ja, ich meine... nein oder... unter anderem. Es ist kompliziert zu erklären. Ich weiß nur, dass ich nicht bei dir bleiben kann."

„Aha."

„Es tut mir leid."

„Und das ist alles, was du dazu zu sagen hast?", murrte Grace säuerlich. Ich seufzte und legte mir eine Pfote über die Augen.

„Ich weiß nicht, was ich sonst sagen sollte. Versteh mich bitte, was würdest du denn tun?"

Grace Flanke streifte meine, dann sah sie zurück und lächelte leicht, doch ich merkte ganz deutlich, dass ihr gar nicht nach Lachen zumute war.

„Es ist schon in Ordnung, Sam. Ich bin dir nicht wütend. Es geht einfach nicht anders, das verstehe ich. Du hast eine Aufgabe auf dieser Welt, die wichtiger ist, als meine Gefühle für dich.".

Grace und ich tapsten zum Ausgang, wo Juan, wie versprochen auf uns gewartet hatte und nun auf eine Erklärung brannte.

„Wo wart ihr denn so lange? Was habt ihr da drin gemacht? Was wirst du jetzt tun, Sam?"

Ich sammelte meine Gedanken kurz und sah mich dann um. Ganz in der Nähe stand eine Polizeistreife und dort saß ein riesiges Rudel von Hunden, die ich kannte. Seven, Charlie, Bailey, Sunny, Tomtom und die ROFLs. Mein Herz tat vor Freude einen Sprung in die Luft.

„Ich werde zurück zu Jake gehen", sagte ich, gab Grace einen letzten Schleck über die Schnauze und rannte dann zu meinen Freunden hin. In meinem Kopf wirbelte eine Stimme herum und ich meinte Nana noch ein einziges Mal winseln zu hören:

Du bist weise, du bist mutig. Ich werde dafür sorgen, dass alles sich zum Guten wendet.

Hier war mein Abenteuer leider zu Ende. Nun gut, was heißt leider? Ich hatte eine Menge Glück gehabt, dass ich lebendig aus dieser Angelegenheit herausgekommen war. Meine Freunde hatten nie den Glauben an mich verloren und das hatte mir in der dunkelsten Stunde Hoffnung und Stärke verliehen. Mein Herz tat einen Sprung, als ich in Sevens strahlenden Augen blickte und wir für einen Moment einfach nur unsere Nasen aneinander drückten. Seven. Mein bester Freund.

„Sam! Du bist zurück!", jaulte Bailey und kam angesprungen, Charlie im Schlepptau. Die beiden schienen unzertrennlich und glücklich. Auch der Rest meines Rudels war sich scheinbar näher gekommen. Tomtom, Sunny und Seven hatten ihre Flanken dicht aneinander gedrückt. Ich gab meiner kleinen Bailey einen Nasenstüber und sah dann in den Himmel. Alles war am Ende gut geworden, doch überraschenderweise war es nicht einmal mein Verdienst gewesen.

Ein vertrauter Geruch streifte mir um die Nase, der mir trotz allem, was geschehen war noch immer einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Ich drehte meinen Kopf und sah Ron, der Seite an Seite mit Rose bei einer Gruppe Polizisten in einem Krankenwagen saß, wo sich eine Rettungssanitäterin um seine Wunden kümmerte.

Ich hatte ihm das Leben gerettet und er hatte mir verziehen. Der Plan der ROFLs war also aufgegangen. Sie hatten ihm die Augen geöffnet, dass es in der Welt mehr gab als Mord, Totschlag und Verbrechen. Seinen Hass auf Hunde schien er überwunden zu haben, als er erkannte, dass nicht wir, sondern er selbst für sein Unglück zuständig gewesen waren.

Ja, Menschen konnten sich ändern. Das hatte er mir ein für allemal bewiesen. Sein Blick schweifte kurz zu mir herüber und unsere eisblauen Augen trafen sich ein letztes Mal. Zum ersten Mal war sein Blick nicht voller Hass, sondern voller Dankbarkeit und Erleichterung. Er hatte seinen Platz in der Welt gefunden und ich hatte meinen.

Ich blinzelte ihm ein Lebewohl und sprang davon. Danach habe ich den Schwarzen Mann, meinen Feind und Freund, den Menschen, der mich zu dem gemacht hatte, was ich war, nie wieder gesehen.

Jake hatte uns bereits erwartet und kam mit wedelnden Armen angerannt, um mir um den Hals zu fallen.

„Sam! Du alter, dummer Hund! Jage mir nie wieder einen solchen Schrecken ein!"

„Ein Hallo hätte mir auch gereicht", brummte ich trocken. Meine Freude, ihn zu sehen hielt sich in Grenzen, weil ich wusste, was mich erwartete, wenn ich zu ihm zurück kehrte. Charlie und Bailey hinter mir räusperten sich.

„Sam. Wir haben uns entschieden... wenn er uns trennen will, dann soll es so sein. Hauptsache wir beiden bleiben zusammen. Es ist nicht so, als wollten wir nicht mehr bei euch sein, aber wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann wollen wir Jake nicht im Weg sein."

Ich war erstaunt, als ich das hörte. Tomtom erhob sich ebenfalls und sah mir in die Augen.

„Du weißt, wie sehr ich fremde Menschen verabscheue, aber ich habe gehört, dass ich bei Mr. Hendricks in der Nachbarschaft unterkommen und seine Villa beschützen soll. Was soll ich sagen... Hendricks ist ein guter Mann und ich bin gut mit Wilbur, seinem alten Pitbull befreundet. Er scheint ein sehr netter Mensch zu sein, darum gebe ich ihm eine Chance."

Auch Juan an meiner Seite blickte sehnsüchtig herüber zu Pixie und ihrer Bande:

„Ich werde nicht zu den Menschen gehen, Sam. Ich habe sie schon immer gefürchtet. Aber was spricht dagegen, Mensch und Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen? Pixie ist nicht mehr die Jüngste, ich denke, wenn sie ihren Beruf aufgibt, werde ich ihre Stelle übernehmen. So lange lasse ich mich von ihnen ausbilden, damit ich das wieder gut machen kann, was ich in den letzten Jahren verbockt habe."

Pixie hatte wohl gemerkt, dass unser Gespräch von ihr und ihrer Bande gehandelt hatte. Sie erhob sich auf alle Viere und kam mit ihren Freunden im Schlapptau auf uns zu getrottet.

„Das heißt dann wohl Abschied nehmen, nicht wahr?", fragte sie. Sie zitterte leicht. Wir würden uns alle schrecklich vermissen.

„Ich danke dir für alles, was ihr für uns getan habt", wuffte ich und drückte meinen Kopf an ihren Hals. Pixie erwiderte die Hundeumarmung.

„Wenn wir euch dafür irgendetwas geben können, dann sagt es uns", bellte Sunny hinter mir. Pixie hob nur den Kopf und lächelte.

„Seid ihr glücklich?"

Wir nickten.

„Dann ist das von größerem Wert für mich als alles andere in der Welt. Dafür lebe ich und dafür habe ich mein Bande gegründet. Außerdem habe ich neue Freunde gewonnen. Es gibt nichts Schöneres für uns, nicht wahr?"

Candy, Buddy und James lachten und nickten hinter Pixie. Erstauntes Murmeln ging durch die Menge hinter mir. Auch mein Herz schlug höher, denn so etwas hatte ich noch nie zuvor erlebt. Das war es, was man Selbstlosigkeit nannte. Güte, Großzügigkeit.

„Du bist der gütigste Hund, den ich je kennen lernen durfte", ich blickte Pixie in die Augen und wedelte mit dem Schwanz, „Bleib wie du bist und die Welt wird jeden Tag ein bisschen besser werden."

„Wir werden euch schrecklich vermissen", maunzte Candy.

„Wo eure Wege euch auch hinführen", bellte Buddy, „ passt gut auf euch auf."

„Und denkt daran: Wenn das Leben euch Zitronen gibt: Dann werft sie euren Feinden ins Gesich", japste James.

Wir drückten unsere Nasen noch einmal eng aneinander, dann machten wir kehrt und tapsten zurück zu Jake, der uns aus der Ferne im Auge behalten hatte. Er sollte sich keine Sorgen machen. Ich würde ihm nie wieder davon laufen. Das schwor ich mir.

Inzwischen waren viele der Tiere aus dem Untergrund geborgen worden. Überall standen Reporter und blitzten mit ihren seltsamen Blitzgeräten herum, die sie immer dabei hatten.

Sakura war auch unter den geretteten Tieren. Sie würden allesamt an ihre Besitzer zurückgegeben werden. Einige von ihnen würden wahrscheinlich im Tierheim landen und mit etwas Glück ein neues Zuhause finden. Dafür würden die Reporter mit ihren Zeitungsartikeln ganz bestimmt sorgen.

Ich blickte über den verbliebenen Rest meines Rudels, das noch an meiner Seite verblieb. Sunny, Seven, Tomtom und ich standen eng zusammen und waren uns näher, als nie zuvor. Jacobo und Flora hatten sich zu den Polizisten gesellt und ließen sich Bäuche kraulen. Sie würden mit Sicherheit auch bald ein neues Zuhause finden, da war ich mir sicher. 

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