꧁ Chapter Eighty-Five ꧂

Sternchen nicht vergessen ❤️

Harry POV

Ich weiß nicht, in welchem Moment sich bei mir der Schalter umlegte. Ob es war, sobald Louis und ich die Eisenbahn betraten oder, als die ersten Tränen den Weg über seine Wange fanden. Es tat mir in dem Moment so weh, nicht für ihn da sein zu können. Immerhin waren wir in der Öffentlichkeit und alleine, dass ich mich so sehr um ihn kümmerte, könnte schon zu auffällig sein. Ich konnte ihm ansehen, dass er schmerzen hatte und ich hätte alles dafür gegeben, ihm etwas gutes zu tun, damit es ihm besser ging, doch ich wusste nicht wie.

Das Louis solche schmerzen hatte, hauptsächlich durch das, was der Direktor ihm angetan hatte, machte mich unglaublich wütend. Ich hätte schon eher da sein müssen, ich hätte dafür sorgen müssen, dass dieser Arsch ihn gar nicht erst anpackte. Ich würde alles für diesen Jungen tun, dass wurde mir noch einmal bewusst, als ich ihn beim schlafen beobachtete und meine Hand gedankenverloren nach seiner griff, die Gott sei Dank unter einer Decke versteckt lag.

Ich hoffte so sehr, dass er wusste, wie sehr ich ihn liebte. Ich würde für uns stark sein, so lange, bis es ihm wieder besser ging. Das hatte ich schon einmal geschafft. Nach dem Tod meiner Familie, war ich in ein Loch gefallen aus dem ich gedacht hatte, es nie wieder raus zu schaffen. Doch auch dann, hatte ich einfach funktioniert. Nicht gut, aber es hat geklappt und jetzt, könnte ich das auf jeden Fall wieder tun. Nicht unbedingt für mich, aber für ihn. Ich würde alles für ihn sein, dass hatte ich ihm versprochen. So hätte ich es seiner Mutter versprochen und dieses Wort hatte ich Lottie gegeben. Er war mein Leben.

Die Wälder, Felder und Städte zogen an uns vorbei und ich achtete darauf, dass wir an den richtigen Stellen umstiegen. Ihn wecken zu müssen, war das schlimmste für mich, da er für einen Moment so ausgesehen hatte, als hätte er eine bequeme Position gefunden. Am liebsten hätte ich ihn einfach auf meine Arme genommen und getragen, doch das konnte ich nicht. Ganz anders wie der Junge vor mir, der seine Freundin ohne weiteres aus der Bahn hob und dem die Leute mit einem Lächeln im Gesicht hinterher schauten.

"Lou", sagte ich leise und als ich mich für einen Moment unbeobachtet fühlte, strich ich ihm vorsichtig über die Wange. "Du musst aufwachen, wir sind da."

Ich sah, dass er seine Augen nur schwer aufbekam und er gähnte einmal herzlich, bevor er sich verwirrt umschaute. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, wo wir uns befanden und er die Decke faltete, damit er sie mir wiedergeben und ich sie in der Tasche verstauen konnte. Ich bedankte mich beim Schaffner und wartete, bis Louis neben mir zum stehen kam, bevor wir losgingen und uns nun nach Mary's Haus erkundigen mussten.

Louis war die ganze Zeit still. Schon in der Bahn, hatte er kein Wort zu mir gesagt und ich war mir sicher, dass dem noch eine ganze Weile so sein würde. Ich hatte den Moment mitbekommen, in dem er gebrochen war und wusste nicht, wie ein gebrochenes Herz ein anderes heilen konnte. Ich war nicht Lottie oder Zayn, ich kannte ihn keine Jahre. Wir kannten uns kein halbes Jahr; wie sollte ich ihm irgendwie helfen können?

Als ich spürte, wie er neben mir zu zittern begann, schälte ich mich schnell aus meiner Jacke und hing sie ihm über, während seine Schritte immer langsamer und müder wurden. Auch ich spürte den langen Tag in meinen Knochen und war erleichtert, als mir der zehnte Mann dann ansagte, dass es die nächste Straße rechts rein sein würde. Louis schlief beinahe beim laufen ein und als ich die Hausnummer bereits erahnen konnte, schüttelte ich Gedankenverloren den Kopf und stellte mich vor Louis. Dieser lief schon fast in mich, da er so müde war, weswegen ich ihn kurzerhand griff und weiter trug.

"Harry, was machst du?", nuschelte er, schien jedoch nichts dagegen zu haben und legte seinen Kopf lediglich auf meiner Schulter ab. Es war nicht einfach, den Koffer und Louis zu tragen, zudem meine Hände schmerzten und ich mir sicher war, ein paar Wunden wieder aufgerissen zu haben, doch für Louis, war es mir alle Mal wert.

"Ich trage dich, das siehst du doch", gab ich nur zurück und war dann bereits angekommen, weswegen ich die Treppen hoch stiefelte und in meiner Tasche nach dem Schlüssel suchte.

Es roch heimisch, als wir das Haus betraten, dabe waren wir nie hier gewesen. Als wir Mary ganz am Anfang aus dieser Stadt mitgenommen hatten, hatte sie uns nie hier hin eingeladen.

"Mary", nuschelte Louis leise und ich wusste sofort, was er meinte. Der Geruch der alten Dame lag immer noch im Haus und wir beide mussten tatsächlich etwas lächeln, als ich den Koffer abstellte und dann die Treppen nach oben ging.

Tatsächlich öffnete ich nur zwei falsche Türen, ehe ich ein Schlafzimmer fand, in welchem das Bett bereits bezogen war. Mary hatte mal erwähnt, dass sie eine Freundin hatte, die einmal in der Woche vorbeikam und anscheinend hatte sie dieser gesagt, dass sie das Bett fertig machen sollte. Deswegen legte ich Louis auch in eben diesem ab, strich ihm die Schuhe und die Socken von den Füßen, ehe ich mich an die Hose machte und ihm diese ebenfalls auszog. Er ließ all das über sich geschehen, bevor ich ihn in die Decke einwickelte und ihm einen Kuss auf die Stirn drückte.

"Schlaf schon mal, mein Engel." Meine Stimme war leise und gerade als ich gehen wollte, griff er vorsichtig nach meiner Hand. Es wunderte mich, dass er selbst in diesem Schlaftrunkenen Zustand noch darauf achtete, mir nicht weh zu tun.

"Du musst auch schlafen, Haz."

"Ich bin sofort da, versprochen. Mach die Augen zu."

Mein Freund nickte und zog seine Hand zurück, woraufhin ich ihn noch einen Moment betrachtete, bevor ich das Zimmer verließ und draußen einmal durchatmete. So langsam schwand die Müdigkeit und die Schmerzen kamen wieder, weshalb ich die Treppe nach unten ging und den Koffer schnappte. Diesen nahm ich wieder mit hoch und beschloss, mir das Haus morgen näher anzusehen, denn mein Kopf war nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Deswegen machte ich mein versprechen auch war, kümmerte mich nur um meine Wunden und machte mich frisch, bevor ich zu Louis ins Bett kroch und mich so drehte, dass ich ihn mir genau ansehen konnte.

Sein Gesicht sah nicht so friedlich entspannt aus, wie es normalerweise der Fall war. Eine Sache, die mich extrem beschäftigte und ich fragte mich, wie wir jemals wieder von dieser Last befreit werden sollten. Louis liebte das Trapez und vor allem liebte er es, zusammen mit Lottie aufzutreten. Selbst wenn wir uns einem anderen Zirkus anschließen sollten, dies war nicht sein Traum. Er hatte den Zirkus übernehmen wollen; die Idee seiner Mutter verwirklichen und mit Lottie auftreten. All das blieb ihm nun verwehrt, weil wir uns ineinander verliebt hatten.

Bereute er es nun? Wünschte er sich, mich nicht kennengelernt zu haben und nun stattdessen seinem Traum weiter nacheifern zu können? Ich würde es ihm nicht verübeln, ich konnte mich im Moment auch nicht besonders gut leiden. Ich hatte ihn nach der Sache mit Faye von mir weggestoßen, obwohl ich gemerkt hatte, wie gern er mit mir hatte darüber reden wollen.

Mit fiesen Gedanken im Kopf, schaffte ich es dann doch irgendwann, meine Augen zu schließen und fiel in einen unruhigen Schlaf; meinen Engel dabei nicht in meinem Arm.

*****

Ich fiel früh aus dem Bett. Ein Hahn in der Nachbarschaft krähte und mein Magen meldete sich, welcher nach einer ganzen Weile tatsächlich mal nach einer Mahlzeit verlangte. Zuerst sah ich zu Louis, welcher jedoch immer noch schlief, weswegen ich leise aufstand und mich im Bad frisch machte. Dann nahm ich mir ein paar Klamotten aus dem Koffer und hatte dann das erste Mal die Zeit, mich in dem Haus umzusehen.

Es war alles sehr liebevoll und alt gestaltet. Hauptsächlich hingen Bilder der anderen Zirkusmitglieder an den Wänden und ich fragte mich, ob diese Louis irgendwie aufheitern könnten oder ihn womöglich nur noch trauriger machen würden. Man merkte jedoch schnell, dass Mary keine andere Familie in ihrem Leben gehabt hat, denn ansonsten gab es nichts.

Die Küche war groß und hell, etwas, was ich mir bei Mary schon gedacht hatte. Bei ihrer Leidenschaft fürs kochen, war dies das mindeste gewesen. Ein Blick in den Kühlschrank verriet mir, dass sogar dieser aufgefüllt wurde und ich schüttelte den Kopf. Diese Frau hatte wirklich an alles gedacht und machte ihre Versprechen war. Es schien so, als hätte sie bereits eine Vorahnung gehabt, denn sie hatte mir ja versprochen, für uns da zu sein, egal was passierte. Das sie eine Lösung für uns finden würde. Wie dauerhaft dies hier war, ist die andere Frage und ich schüttelte den Kopf, um diesen Gedanken erst einmal zu verbannen, bevor ich ein wenig Toast nahm und es beschmierte. Ich machte außerdem ein wenig Rührei und begab mich dann mit einem Frühstückstablett zurück ins Zimmer, wo Louis nun tatsächlich schon leicht im Bett aufsaß.

"Guten Morgen mein Engel", sagte ich leise und keine Sekunde später, fand sein Blick meinen. Ich stellte das Tablett am Fußende ab und setzte mich dann ebenfalls aufs Bett, um es dann wieder zu mir zu ziehen und Louis seine Tasse Tee in die Hand zu geben.

Diese nahm er noch an, doch sobald ich ihn dazu bringen wollte, etwas zu essen, schüttelte er den Kopf. Ich wollte ihn nicht zwingen, versuchte es jedoch noch ein paar Mal und wurde wortlos abgewiesen. Es hing eine schwere Stille über uns, die auch mir den Appetit verdarb, weswegen letztendlich mehr als die Hälfte noch auf den Tellern blieb und ich mich seufzend vom Bett aufsetzte.

Ich musste funktionieren.

"Ich gehe mal in die Stadt und schaue wegen Jobangeboten", meine Stimme klang kälter wie beabsichtigt, als ich mir eine bessere Hose raussuchte, in der Hoffnung, dass es damit leichter fallen würde. Ich erinnerte mich daran, wie ich damals mit meinen zerfledderten Klamotten nach einer Arbeit gesucht hatte und Reihenweise abgewiesen wurde. Dabei wollte ich ja Geld verdienen, um mir etwas besseres leisten zu können.

Louis sagte nichts, als ich mich verabschiedete und mich auf den Weg machte. Den Zettel mit Mary's Adresse hatte ich in meiner Hosentasche, falls ich nicht wieder zurückfinden sollte und tatsächlich, fand ich schnell ein paar Stellen, die mir bekannt vorkamen. Vor allem, als ich dann an Mary's alter Schneiderei vorbei kam, in welcher gerade eine andere Dame arbeitete. Ich begrüßte sie freundlich und obwohl sie mich noch nie gesehen hatte, erwiderte sie die Begrüßung.

Ich versuchte das leere Gefühl in meinem Körper zu ignorieren, als ich in den verschiedensten Geschäften nachfragte und niemand eine Hilfskraft benötigte. Bei dem dritten Bauernhof dauerte es dann eine ganze Weile, bis ich mal jemanden gefunden hatte und mit einem lauten Rufen, machte ich auf mich aufmerksam.

"Guten Tag mein Junge", die Stimme des alten Herren war schon ganz kratzig, aber freundlich, als er die zwei Eimer abstellte, die offensichtlich schwer gefüllt waren. "Wie kann ich dir helfen?"

"Ich suche Arbeit und wollte fragen, ob Sie meine Hilfe gebrauchen könnten. Ich mache alles was Sie von mir wollen und die Bezahlung ist mir egal." Ja, so weit war ich mittlerweile schon runter gegangen, was auch den Mann vor mir verwirrte.

"Hast du schon mal auf einem Bauernhof gearbeitet, mein Junge?"

Ich nickte sofort, als meine Hoffnung etwas stieg.

"Nachdem meine Familie gestorben ist, habe ich mich auf verschiedenen Höfen als Hilfe angeboten und daher schon alle arbeiten verrichtet. Ich bin aber auch für neues offen, ich habe keine zwei linken Hände. Ich verspreche Ihnen, Sie würden es nicht bereuen, mir eine Chance zu geben." Der Mann sah nickend an mir herunter und sein Blick blieb an meinen Händen hängen. Immerhin waren die Wunden unter sauberen Verbänden versteckt, sodass er die Stärke der Verletzungen gar nicht einschätzen konnte. "Das ist nichts. Es tut kaum weh."

Erneut nickte der Mann, nun jedoch skeptisch. Das gute Gefühl verschwand und die Stille war unangenehm, bevor er sich räusperte.

"Komm doch morgen früh wieder, mein Junge. Ich werde dann mit meiner Frau gesprochen haben und dir genaueres sagen. Ich heiße Arthur Barnham." Er streckte mir die Hand hin, die ich sofort ergriff, während ich mich zusammenriss, nicht aufgrund des festen Händedrucks zusammen zu zucken. Immerhin hatte ich ihm ja gerade gesagt, dass es gar nicht so schlimm sei.

"Harry Styles", gab ich zurück und er sah für einen Moment so aus, als käme ich ihm bekannt vor, jedoch ignorierte er dies einfach und nickte. Ich verbeugte mich noch einmal zum Dank und wank ihm dann zu, als ich schnellstmöglich von seinem Hof spazierte und zurück zu Mary's Haus lief.

Ich fragte mich, was Louis den ganzen Tag über gemacht hatte und kam mit ziemlichem Hunger nach Hause. Es war ein komisches Gefühl, dieses Haus für die nächste Zeit als Louis' und meines anzusehen. Theoretisch war es genau das, was wir uns gewünscht hatten, aber irgendwie auch nicht. Eben weil unsere Wünsche so auseinander gingen und uns nie bewusst gewesen war, dass man das ja irgendwie vereinen musste, wenn man sich liebt.

Ich kochte ein paar Nudeln mit einer Tomatensauce, ehe ich einen Blick durchs Fenster in den Garten warf. Es gab zwei große, starke Bäume und ein bisschen Obst und Gemüse, welches sicherlich gut zum frischen Kochen genutzt werden konnte. Ansonsten jedoch war das Gras grün und lud einfach dazu ein, sich mit einer Decke darauf zu legen und einfach nur in den Himmel zu starren.

Ich seufzte, nahm das Essen vom Herd und verteilte es auf zwei Teller, ehe ich mich mit diesen wieder nach oben begab. Irgendwie hatte ich geahnt, das selbe Bild vorzufinden, wie noch heute Morgen und doch brach mein Herz, als es tatsächlich so war. Louis starrte an die Decke und ich konnte die getrockneten Tränenspuren auf seiner Wange sehen, als auch mich die Dunkelheit wieder einholte und ich mich neben ihn auf die Bettkante setzte.

"Ich habe was gekocht, möchtest du etwas Essen?", fragte ich ihn und wartete lange auf eine Antwort, die nicht kam. Stattdessen krallten sich seine Hände noch fester in die Bettdecke, als würde ich sie ihm entreißen, wenn er nur eine Sekunde lockerlassen würde. "Außerdem habe ich jemanden kennengelernt, der mich vielleicht auf seinem Bauernhof arbeiten lässt. Immerhin hält das Geld von Mary und Joe nicht ewig." Er sagte wieder nichts dazu und ich kaute auf meiner Lippe, ehe ich seufzte und meine Augen schloss. Wie konnte es sein, dass er mir so nahe und dann doch wieder so fern war?

Meine Hand zuckte zu seinem Gesicht und wollte ihm die Haare aus dem Gesicht streichen, jedoch hielt ich mich gerade noch rechtzeitig davon ab. Es würde nur noch mehr weh tun, dem war ich mir sicher. Außerdem schien es nicht so, als wollte er mir gerade wirklich nahe sein und erneut überkam mich der Gedanke, dass er womöglich gar nicht mit mir hier sein wollte. Das er mich dafür hasste, ihm das Leben zerstört zu haben.

Ohne ein weiteres Wort, stellte ich seinen Teller auf seinem Nachtschrank ab und verließ dann das Schlafzimmer, um mich nach unten auf die Couch zu setzen. Mein Blick fiel auf den Kamin und wie automatisch, schaufelte ich mir die Nudeln in den Mund und brachte dann den leeren Teller zu der Spüle.

Ich musste funktionieren und das tat ich. Für Louis und mich; denn ich hatte 'Für immer' gesagt. Und dieses 'Für immer', startete genau jetzt.

[...]

Louis hat offensichtlich eine ziemlich dunkle Phase erwischt.. hoffen wir mal, dass er da bald wieder rausfindet :/ ❤️

Früherer Berufswunsch?🤔
M: Tierpflegerin
C: Ärztin

Lasst uns was kleines da ❤️

Lots of love
Michelle &' Carina xx

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