42| Mitternachtsausflug

Etwas verfroren, müde und erschöpft kam ich in unserem Doppelzimmer an. Hillary hatte ihre Tür offen und lag mitten auf dem großzügigen Bett ausgestreckt und hatte glaube ich eine Maske auf dem Gesicht.

„Hey, Ich bin wieder da."
Sagte ich laut genug, damit sie mich hörte.

„Wie war dein Tag?"
Fragte sie mich und ich ging einfach wie selbstverständlich in ihr Zimmer und setzte mich an ihr Bettende. Hillary hatte sich aufgesetzt und musterte mich neugierig.

Ich erzählte ihr alles was passiert war, auch das mich Maverick nach der Schneeschlacht fast geküsst hätte.
Dabei entließ sie einen so hohen und spitzen Schrei, das ich mir die Ohren zuhalten musste.

„Endlich!! Und was ist dann passiert?"

„Wir haben uns mit Nick getroffen, sind weiter Ski gefahren und jetzt bin ich hier."

„Dieser Esel..."
Murmelte sie unverständlich.

„Was?"
Fragte ich nach.

„Ach nichts. Und was hast du heute noch so vor?"

„Wie wäre es mit essen und danach schlafen gehen? Es war ein anstrengender Tag und ich hoffe das heute keine Party steigt."
Hillary winkte ab.

„Die meisten sind noch fertig von letzter Nacht. Heute findet sicher nichts statt. Aber morgen denke ich schon, das wieder etwas geplant ist."

Lary wirkte nachdenklich.

„Was hältst du davon, wenn wir heute nach dem Essen noch in den Whirlpool gehen und ausspannen? Dann würden wir auch was zusammen machen."

„Eigentlich total gerne aber da gibt es noch eine Sache, die dagegen spricht. Ich habe keine Badesachen."

„Wie konntest du das vergessen?? Wo ich dir doch gesagt habe, dass es hier einen Pool gibt."
Meine Freundin lief auf und ab und ich sah die halbe Maske schon auf dem Boden liegen, wenn das so weiter ging.

„Lary ich besitze keine Badesachen... außerdem habe seit Ewigkeiten keinen mehr gebraucht! Deswegen habe ich es nicht für nötig befunden, einen zu kaufen. Und für diesen Trip habe ich es einfach vergessen."

Lary blieb mitten in ihrem Zimmer stehen und sah mich verdattert an.

„Dann kannst du meinen zweiten Bikini haben."

Ich sah erst an mir herunter und dann an ihr.

„Bei aller Liebe Lary. Ich werde nie in deine Sachen passen. Schon gar nicht in deinen Bikini. Das würde bei mir aussehen, als würde mein Arsch Zahnseide benutzen und meine Nippel würden jedem „Hallo" sagen."

Wie sagen uns kurz schweigend an, nachdem ich den Spruch herausgehauen hatte und brachen anschließend in schallendem Gelächter aus.

„Da hast du wahrscheinlich recht."
Lachte Hillary immer noch.

Wir beruhigten uns langsam.

„Okay, aber morgen wird sofort einer in der Stadt gekauft, versprochen?"
Ich nickte einfach und lächelte.

„Gut, dann lass uns essen gehen. Ich sterbe fast vor Hunger."

Doch ich hielt sie an und machte eine kreisförmige Bewegung vor ihrem Gesicht.

„Willst du das nicht abwaschen?"

„Was?"

„DAS!"
Ich tippte die weiße wabbelige Masse in ihrem Gesicht an und verzog mein Gesicht zu einer Grimasse.

Sie lachte auf.

„Oh, ja ganz vergessen. Warte bitte kurz."

Hillary verschwand im Badezimmer und ich wartete im Flur auf sie. Duschen konnte ich nach dem Essen, so geschwitzt hatte ich auch nicht.

„Hey Bambi sehen wir uns gleich beim Essen? Ich halte dir auch einen Platz neben mir frei."
Meine Augen wurden groß, als Lary aus dem Bad trat.

„Aus dem Weg ich muss duschen!"
Waren meine nächsten Worte und schon quetschte ich mich an ihr vorbei...

**

Es war ein schönes Abendessen mit Freunden geworden. Hillary und Nick saßen mit uns an einem Tisch und wir verstanden uns super.

Wir aßen die Pasta, erzählten alle von unserem Tag, bis daraus zweier Gespräche wurden.

Als Erstes verabschiede sich Nick mit einer lahmen Ausrede und kurz darauf Hillary.
So war ich wieder alleine mit Maverick Vance und es machte mich jedes Mal nervöser.
Wir unterhielten uns gut, es war leicht, mit ihm ein Thema zu finden, das wir beide interessant fanden.
Ich fühlte mich bei ihm immer wohler und auch immer angezogener. Als ich zum wiederholten Mal daran dachte, was wohl passiert wäre, wenn uns der Mann nicht von der Piste gejagt hätte, sprang ich auf.

„Es ist schon spät. Ich sollte schlafen. Danke für den schönen Abend..."

„Ähh gerne... vielleicht können wir ja..."

„Bis morgen..."
Unterbrach ich ihn gehetzt und verließ den Essenssaal, indem nur noch wenige Studenten saßen.

Ich hetzte in mein Zimmer, es war kurz vor halb zwölf. Hillarys Tür war verschlossen und ich ging einfach davon aus, das sie schlief.
Leise schlich ich mich in mein Zimmer und versuchte schnell einzuschlafen.
Doch das gestaltet sich sehr schwierig.

Als ich mich nach einer halben Stunde immer noch hin und her wälzte, stand ich einfach auf.
Ich zog mir eine kurze Sportsshorts über und unter mein Overzized T-Shirt einen BH an.
Ich schlich durch das große dunkle Haus und tatsächlich schien keiner mehr wach zu sein. Hillary hatte recht. Alle waren vom feiern und Skifahren völlig fertig oder wie im Fall von Nick mit anderen Dingen beschäftigt.

Ich fand mich selber auf der verschneiten Außenterrasse wieder und beobachtete das dampfende warme Wasser vom beheizten Pool vor mir.
Langsam zog ich meine Schuhe aus und dippte meine Zehn in das herrlich warme Wasser.

Eine dumme Idee braute sich in meinem Kopf zusammen. Vorsichtig sah ich mich um und nach oben. Es war niemand zu sehen und fast alle Zimmer waren dunkel.
Also schälte ich mich aus meinem T-Shirt und meiner Hose und legte alles nahe der Treppe auf den Steinboden, wo kein Schnee lag. Dazu kam mein Handy, auf dem ich nur für mich Entspannungsmusik abspielte.

Jetzt stand ich nur noch in einem einfachen schwarzen Slip und meinem BH vor dem herrlich glänzenden türkisen Wasser.
Ohne weiter darüber nachzudenken, nahm ich Anlauf und sprang in das warme Nass.

Ich blieb so lange unter Wasser wie ich konnte. Ein berauschendes Glücksgefühl füllte mein Herz.
Als mir die Luft ausging, tauchte ich wieder auf und stellte mir Schrecken fest, das Maverick Vance mich wohl die ganze Zeit beobachtet hatte, denn er trat aus dem Schatten des Gebäudes in das sanfte Licht der Terrasse und des Pools.

„Was machst du da?"

„Schwimmen."

„Das sehe ich. In deiner Unterwäsche?"
Meine Wange brannten und ich versuchte mich zu verstecken, indem ich meine Hände an das Gesicht hob.

„Ja warum nicht? Ich habe halt keine Badesachen."
Versuchte ich cool zu bleiben.

„Okay, wenn das so ist."

Ich hörte es platschen und drehte mich zu Maverick, der auf mich zu schwamm.

„Was soll das werden?"

„Ich schwimme auch."

Ich versuchte wieder zur Treppe zu kommen und somit von ihm weg. Das war eine unglaublich dumme Idee von mir gewesen.
Doch Maverick kesselte mich neben der Leiter ein und ließ mich nicht weg. Er drängte mich an den Beckenrand und stützte sich mit seinen Armen rechts und links neben mir ab.

„Warum läufst du immer weg?"
Ich seufzte und sah überall hin nur nicht zu ihm.

„Ich dachte wir haben das hinter uns gelassen und sind jetzt Freunde." Er klang enttäuscht.

Ich rang mit mir selber.

„Wir können keine Freunde sein!"
Stellte ich fest und sah ihn wieder an. Seine Augen waren ganz ruhig auf mich gerichtet, er wirkte weder verletzt noch sauer auf mich.

„Da gebe ich dir ausnahmsweise mal recht Bambi!"
Er legte seinen Kopf schief und ich zog meine Augenbrauen kraus.

„Nicht, wenn sowas zwischen uns steht."

Ich brauchte keine Erklärung von ihm was er meinte. Er spürte dieses Etwas, diese Kraft und die damit verbundenen Gefühle genau wie ich.

„Ich werde dich jetzt küssen, Bambi. Sag stopp, wenn du es nicht willst."

Er wartete nur ein paar Sekunden und da lagen seine Lippen auch schon auf meinen. Ein elektrischer Schlag, der von meinem Mund bis zu meinen Füßen schnellte, nahm von mir Besitz.
Die sanften Klänge von „I feel it coming" umhüllten mich und konnten meine Gefühle kaum besser beschreiben.

Ich erstarrte, während Mavericks Augen geschlossen waren und er seine Lippen gegen meine bewegten, hielt ich nur still und versuchte die tausend Bienen in meinen Körper zum Schweigen zu bringen.

Maverick stoppte und sah mit seinen dunkelgrünen Augen in meine.

Er wirkte nervös und angespannt. Das kribbelige Gefühl in meinem ganzen Körper wurde schwächer. Sowas hatte ich noch nie gefühlt und ich wollte es wieder empfinden.

Ehe Maverick etwas sagen und sich zurückziehen konnte, nahm ich meinen Mut zusammen, legte meine Arme um seinen Nacken und küsste ihn stürmisch. Ich wollte dasselbe berauschende Gefühl wie vor ein paar Sekunden fühlen und es kam geballter und stärker zurück.

Als hätte er ewig darauf gewartet, umfasste er mit seinen bereiten Armen meine Taille und presste mich an sich. Unter Wasser hatte ich den Eindruck die Zentimeter unsere Haut, die sich berührte zehnmal mehr zu spüren als sonst.

Maverick küsste mich leidenschaftlich und voller Inbrunst.
Und auch wenn es erst der dritte Kuss in meinem Leben war, wusste ich erst jetzt wie sich ein Kuss anfühlen sollte.

Vorsichtig ging er weiter, öffnete mit seiner Zunge meine Lippen und übernahm die Führung in meinem Mund. Als wüsste mein Körper von alleine was er zu tun hatte, denn mein Gehirn war komplett außer Betrieb, biss ich leicht in seine Unterlippe.

Maverick stöhnte auf.

Durch dieses animalische Geräusch legte sich eine Gänsehaut über meinen kompletten Rücken bis zu meinem Nacken.

Er ließ von mir ab und ohne es kontrollieren zu können entfloh mir ein leises Wimmern.
Jedoch seufzte ich gleich wieder auf, als ich seine Lippen an meinem Kinn und schließlich an meinem Hals spürte, genau über meinem Puls.
Als er an der empfindlichen Stelle zu saugen begann, stöhnte ich auf und das Brennen unter meiner Haut wurde stärker.

„Maverick."
Sagte ich atemlos und versuchte ihn zu stoppen, aber ich war zu kraftlos.

Seine Hände fanden den Weg über meinen Rücken zu meinen Oberschenkeln. Er umfasste sie und zog mich auf seine Hüfte.
Jedoch spürte ich etwas Hartes an meinem Bein, was mich aufschreckte und ich riss die Augen auf. Plötzlich war ich wieder in der Realität angekommen und bemerke, wo ich eigentlich war.

„Alles okay Baby?"
Mavericks Stimme war dünn und tief.

Er ließ mich los, als er Panik in meinen Augen sah, jedoch war das mehr Scham als Angst, die meine Kehle hinauf kroch.
Maverick gab mir mehr Raum und ich strampelte mich frei.

„Ich muss gehen."

Warum auch immer standen mir die Tränen in den Augen. Wie weit wäre ich gegangen? Es machte mir irgendwie Angst und ich schämte mich erneut für meine Unerfahrenheit und für meine Fluchtgedanken. Er hatte nichts falsch gemacht, aber sah aus als hätte ich ihn geschlagen.

„Es tut mir leid."
Krätze ich und stieg die Leiter aus dem Pool auf die Terrasse. Die Kälte erwischte mich.

„Das muss es nicht. Habe ich was falsch gemacht?"

Maverick wirkte getroffen und das schürte die Pein in mir noch mehr. Aber ich wollte auch nicht, das er sich schlecht fühlte.
Ich hob meine Sachen auf, die leider auch schon klamm waren und zog sie einfach über meine nasse Unterwäsche.

„Nein das hast du nicht. Können wir morgen reden."

Ich wurde unruhig als er aus dem Wasser kam. Wie konnte man nur so gut aussehen, mit so definierten Bauchmuskeln, breiten muskulösen Schultern und einem perfekt gezeichnetem Torso.

„Klar. Aber bitte tu mir ein Gefallen?"
Er hielt mich sanft am Handgelenk zurück.

„Bitte stoß mich nicht wieder zurück!"

„Werde ich nicht!"
Antwortete ich und gab ihm einen Kuss auf die Wange um meine Aussage zu unterstützen.

Doch jetzt musste ich gehen, um meinen Kopf klar zu kriegen und herauszufinden was ich wirklich will...

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