13| Hintern küsst Eis

Ich schob mir gerade den letzten Bissen von meinem Toast mit Marmelade in den Mund. Bella war den ganzen Morgen schon so aufgeregt und konnte es kaum abwarten loszufahren.

Ashley wollte noch ein paar Besorgungen machen für sein College und Mum hatte ihn begleitet.

"Kendall fang."

Fernando schmiss mir einen Schlüssel zu, den ich sofort fing, einen Autoschlüssel.

"Damit seit ihr flexibel und könnt fahren, wohin ihr wollt."

"Ähh Danke."

Fernando umrundete den Tisch und gab seiner Tochter einen Kuss auf den Kopf.

Dann kam er zu mir und steckte mir fünfzig Dollar zu.

"Hier ich will nicht das du alles zahlst, wenn du mit Arabella unterwegs bist."

Ich wollte ihm das Geld zurückgeben.

"Das ist nicht nötig."

"Ich bestehe darauf."

Er schob meine Hand zurück und ich nickte ihm dankend zu. Ich nahm das Geld einfach für Bella.

"Arabella hat sich immer Geschwister gewünscht. Vor allem eine große Schwester zu der sie aufsehen kann. Danke das du ihr deine Zeit schenkst."

Ich lächelte schief und schluckte meinen letzten Bissen runter. Das war mir zu viel Gefühl und ich ging nicht darauf ein.

Stattdessen lenkte ich ab.

"Bella bereit zu fahren?"

"Ja."

Sie verpackte ihre Haare in einen Zopf. Meine hatte ich heute eng an den Kopf geflochten. So würden sie mir nicht ins Gesicht fliegen.

"Weißt du welches Auto das ist."

Ich zeigte ihr den Schlüssel als wir draußen waren.

"Nein leider nicht. Aber ich wusste gar nicht, dass Daddy einen Ford hat."

Ich zog meine Augenbrauen hoch und sah über die Einfahrt. Doch da standen nur noch Mums Mercedes und ein SUV zu dem der Schlüssel nicht passte. Vielleicht steht er ja hinten in der Garage.

Bella lief voraus und umrundete das halbe Grundstück, bis wir vor einer großen Doppelgarage standen. Bella öffnete diese mit einem Pin-code und das Tor fuhr hoch.

Ich staunte als ich dort zwei weitere Autos fand. Einen alten Porsche und direkt daneben das Auto was ich immer fahren wollte. Einen alten Ford Mustang mit meinen Initialen, "011-KH".

"Cool, Daddy hat dir ein Auto gekauft."

Das sah ich auch und blickte etwas zerknirscht auf das schwarze Gefährt vor mir.

"Alles okay?"

Ich nickte etwas abwesend. Damit würde ich auf jeden Fall nochmal mit Fernando reden müssen. Aber für das erste brauchten wir ein Auto um zur Eishalle zu kommen. Bella und ich stiegen in den Wagen und fuhren los.

Fast ehrfürchtig strich ich immer wieder über das Lenkrad.

Woher wusste er das dies mein Traumauto war? Hatte Ash etwas verraten?

Ich merkte wie meine Stiefschwester mich hin und wieder von der Seit musterte.

"Was ist los Bell?"

"Du mochtest es nicht, dass Daddy dir das Auto geschenkt hat."

"Ja. Das ist alles etwas seltsam für mich."

"Er will nur das du ihn magst. Er meint es immer gut und wünscht sich das diese Patchworkfamilie funktioniert."

"Ich verstehe, aber ich habe einen Dad, der sich gut um mich kümmert."

Ich spürte wieder Bellas Blick auf mir aber sie sagte nichts. Sie liebte ihren Vater aber schon, verteidigte ihn nicht mehr.

"Schau mal da ist sie endlich."

Bella wobbelte aufgeregt mit ihren Beinen hin und her und zeigte auf die Eishalle, die nicht zu übersehen war. Ich musste über ihre kindliche Freunde schmunzeln.

Als erste besorgte ich uns Schlittschuhe am Verleih und half Bella in ihre einzusteigen. Danach machten wir uns ganz langsam auf zur Eisfläche.

Ich erklärte Bella alles und zusammen mithilfe der Bande bewegten wir uns fort. Sie schien keine Angst zu haben, was schon mal gut war. Und nach einigen wenigen Runden lief sie sicher alleine.

Ich fuhr teilweise rückwärts vor ihr her und gab ihr den ein oder anderen Tipp.

"Konntest du auch Sprünge und Drehungen?"

Sie wusste, dass ich mal Eiskunstlauf gemacht hatte und davon war ich ausgegangen. Schließlich wusste es ihr Vater auch von meiner Mutter.

Ich lächelte sie an und nickte.

"Ja, aber ich war nie besonders gut darin, weil ich immer größer und schwerer war als die anderen Eiskunstläuferinnen. Vielleicht auch tollpatschiger."

"Kannst du mir etwas beibringen?"

Ich lachte auf.

"Ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch was kann?"

Mit großen Augen sah sie mich an.

"Aber ich kann es ja mal versuchen..."

Bella klatschte in ihre Handflächen und ich fuhr voraus. Bis auf ein paar Kinder und Eltern waren wir fast alleine in der Halle. Das hieß, dass ich genug Platz hatte um mich auszuprobieren.

Ich nahm etwas Anlauf, zog eine scharfe Kurve und nahm meine ausgebreiteten Arme zu meinem Körper. So drehte ich mich schnell ein und um mich selber.

Es fühlte sich schnell an und ich hob die Arme über meinen Kopf und dann nach außen um mich selber wieder zu bremsen.

"Wow das war so toll."

Rief Bella und jubelte.

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich das noch konnte.

Übermütig bereitete ich mich für einen Sprung vor. Ich drehte mich, nahm Anlauf und sprang ab. Nach einer halben Umdrehung landete ich perfekt auf dem anderen Fuß. Auch wenn ich danach etwas wackelte.

Bell jubelte mir zu. Ich lächelte sie an, winkte ihr und nahm ein letztes Mal Anlauf. Diesmal wollte ich mich an einem letzten Sprung versuchen, dem Axel. Den ich eigentlich nie richtig geschafft hatte.

Kurz bevor ich abspringen wollte, sah ich aus dem Augenwinkel eine Frau auf den Rängen, die meiner Mutter ähnlich sah. Vor meinem geistigen Auge spielte sich ein Film ab.

"Geh wieder auf das Eis!",

"Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.",

"Frauen haben auf dem Eis hübsch auszusehen.", "Wenn du zu schwer bist, dann nimm ab und mach es möglich."

Ich kam aus dem Gleichgewicht, taumelte und knallte mit Arm zuerst auf das Eis. Gerade so konnte ich mich noch abfangen, um Schlimmeres zu vermeiden, aber ein stechender Schmerz blieb nicht aus.

"Kendall!"

Schrie Bella auf und kam sofort zu mir.

"Alles gut Bella, mir geht es gut."

Presste ich heraus und versuchte mich aufzurichten. Sie versuchte mir zu helfen und mich zu stützen.

Doch meine Augen und meine Gedanken waren ganz woanders.

Ich sah in die Zuschauertribüne, aber es war keiner zu sehen, der so aussah wie sie. Hatte ich mir das eingebildet?

"Es tut mir so leid, Kendall. Ich hätte dich nicht drängen sollen."

"Alles gut Bell. Das war nicht deine Schuld, sondern weil ich ungeschickt war."

Sie beruhigte sich und zusammen verließen wir die Eishalle. Wir hatten noch ein Selfie auf dem Eis gemacht, bevor ich mich lächerlich gemacht hatte. Bella scrollte durch ihr Handy und blieb bei dem Bild hängen.

"Das ist echt schön geworden."

Sagte sie mehr zu sich selber, als zu mir.

Ich lugte auf ihren Bildschirm und gab unsere Schlittschuhe ab.

"Ja das stimmt."

"Ich kann sie dir schicken, wenn du magst.

Ich habe auch deine tolle Drehung und deinen Sprung gefilmt."

"Ja gerne."

Bella und ich liefen zum Parkplatz und schon aus der Distanz sah ich ein paar Halbstarke um das Auto stehen.

Kurz bevor wir a das Auto traten, öffnete ich den Wagen. Ein Blick zu Bella zeigte mir, dass sie sich unwohl fühlte.

Ich legte beschützerisch den Arm um sie, als könnte ich sie vor den Blicken der Jungs schützen.

"Hey Baby."

Ich regierte gar nicht, öffnete die Beifahrertür und half Bella einzusteigen.

Das dieses Auto so eine Aufmerksamkeit erregen würde, hätte ich nicht gedacht.

Ich lief um den Mustang, verstaute meine Jacke im Kofferraum und ignorierte die Sprüche.

"Habt ihr ein Foto gemacht?"

Ein paar nickten. Es waren Jungs im Alter von Bella.

"Gut! Dann verschwindet, ihr habt ja jetzt was ihr wolltet."

Ich stieg ein und fuhr weg. Bella lächelte mich stolz an.

"Ist etwas?"

"Es ist toll eine große Schwester zu haben, die sich um einen kümmert und mich beschützt."

Mein Mundwinkel zuckte verdächtig.

"Aber das mit dem Schlittschuhlaufen lasse ich lieber. Das ist viel zu gefährlich."

Ich lachte und fuhr und zur nächsten Eisdiele, während Bella weiter ihrer Bilder von heute sichtete. Ich holte mein Handy aus der Hosentasche und legte es ihr auf den Schoß.

"Hier schick sie mir ruhig und Speicher dir meine Nummer ab."

Sie lächelte mich an und begann gleich damit mir alles zu schicken, was sie an Fotos und Videos gemacht hatte.

"Es tut mir leid, aber dir hat hier gerade ein Mann geschrieben. Ich wollte die Nachricht nicht lesen."

Ich kicherte leise. Das war sicher Josh.

"Über Instagram."

Fügte sie hinzu und ich stutzte.

"Ein Maverick Vance."

Entsetzt starrte ich zu ihr herüber und sah wieder nach vorne. Die gerade noch grüne Ampel leuchtete jetzt in einem grellen rot.

Erschrocken drückte ich sofort auf die Bremse. Gerade noch rechtzeitig und wir wurden in unseren Sitz gepresst.

"Entschuldigung."

Hauchte ich und Bella holte tief Luft.

"Schon okay. Ich sollte dich nicht ablenkten während der Autofahrt."

Langsam fuhr ich wieder an und bog auf einen großen Parkplatz. Nicht weit vom hier sollte die Eisdiele sein, von der Bella erzählt hatte.

"Dein Handy."

Sie überreichte mir mein Telefon und zusammen stiegen wir aus und schlenderten zur Eisdiele. Bella schwärmte von dem Tag, was mich freute, aber ich war im Kopf woanders. Was wollte Maverick von mir, außer das offensichtliche?

Bella suchte uns Eis aus, ich vertraute ihr und anschließend setzten wir uns auf eine Bank nahe dem Skaterpark.

Heimlich schielte ich auf meinen Display. Warum war ich auch noch so neugierig?

Nein, ich würde mir nicht ansehen, was er geschrieben hat.

Das wäre genau das, was er wollte.

Bella war ruhig geworden und ich beobachtete meine neue Stiefschwester aus dem Augenwinkel.

Sie vergaß ihr Eis weiter zu essen und beobachtete stattdessen die ganzen Skateboardfahrer und Inlineskater.

Auch einige Mädchen waren dazwischen.

Eislaufen war ganz sicher nicht ihr Ding. Aber das was vor uns da ablief wohl viel eher...

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