46. I'm running in the Rain - backwards

Die Straßen sind dunkel. Nur einzelne Laternen, die in der Dunkelheit flackern, beleuchten die Pflastersteine mehr oder weniger.

"NACH RECHTS!"

Der Boden ist feucht von einem Platzregen. In den Pfützen spiegeln sich die Silhouetten verschiedener Gestalten, welche in rasender Geschwindigkeit die Wege entlanglaufen.

"NEIN, DAS ANDERE RECHTS!!!"

Mülltonnen werden umgeworfen, Katzen aufgescheucht und die Stille gestört. Einige Krähen krähen furios bei dem Anblick des Trubels in ihrem Revier.

"PASS AUF-!!"

Ihre Gesichtsausdrücke sind panisch, ihre Bewegungen hektisch.

"MANN, HELMUT, FALL DOCH NICHT EINFACH SO HIN, DU IDIOT!!!"

Ihr lauter Atem ist kaum zu überhören, während sie die Straßen runtersprinten, auf der Suche nach einem geeigneten Unterschlupf.

"SAGT DER, DER VORHIN DIE STRASSE RUNTERGEROLLT IST!"

Sie alle sind komplett außer Atem und dennoch finden sie keinen Weg, ihren Verfolgern zu entkommen.

"KORO-SENSEI, WAS HABEN SIE NUR GETAN!?!?"

Rasend schnell sprinteten die E-Klässler der Kunugoigaoka durch die Nacht, mit dem Ziel, die Gangmitglieder abzuhängen. Ihr Lehrer, nach dem sie kläglich riefen, war nicht anwesend. Nein, er hatte sich längst aus dem Staub gemacht und seine Schüler im Stich gelassen. Und das, obwohl sie auf seine Verantwortung hin verfolgt wurden.
Wie es nur zu diesem Szenario kommen konnte...

– Vor drei Stunden... – (lol, wie random.)

"Diese Gören sind spät dran", fluchte einer der Kerle, die vor der Bar standen. "Wehe ihnen, wenn sie nicht kommen..."
"Oh bitte, wir? Den Schwanz einziehen? Ja klar", ertönte von der Tür der Bar die Stimme einer recht stattlich gekleideten Figur. Diese trug in der rechten Hand einen Queue, den sie über die Schulter gelegt hatte. Hinter ihr befanden sich fünf weitere Leute, die mehr als nur bereit für ein kleines Spiel waren.
Der Anführer der Gangster Truppe hob eine Augenbraue, als er sich umdrehte und aufstand. Er ging auf den Jungen zu, der soeben gesprochen hatte und blieb direkt vor ihm und seinem siegessicheren Grinsen stehen. Die Differenz in der Größe war kaum zu übersehen.
"Junge", fing der nahezu riesige Oberschüler an. Seine Stimme war tief und rau, eine Betonung zu seinem finsteren Blick. "Du warst vorher aber nicht da."
"Und du warst vorher wahrscheinlich genau so hässlich wie jetzt", entgegnete Paul seinem Gegenüber ignorant und ging an ihm vorbei, in Richtung der Billardtische. "Ist doch egal, wer an diesem komischen Turnier teilnimmt, oder? Manche von denen hatten nicht mal mehr Lust, mitzukommen und sind gleich zum Karaoke gegangen."
Präsent waren aktuell nur noch die sechs Teilnehmer und drei Unterstützer. Maehara, Ara, Ely, Kimi und tatsächlich auch der Großteil des Host Clubs waren ohne weiteres einfach abgehauen.
Die Teilnehmer der Mittelschulseite hießen: Paul, Kyoya, Karma, Aileen, Jojo und Helmut. Zudem waren auf ihrer Seite Nagisa, Isogai und Danny mitgekommen.

"Wie auch immer, lasst uns anfangen. Später läuft da noch die Wiederholung von der einen Serie, die ich echt nicht verpassen will", meinte Paul und sah bedenkend auf seine Uhr, ehe er gelassen seinen Queue einkreidete.
"Ihr werdet eure Entscheidung noch früh genug bereuen", murrte einer der zwielichtigen Oberschüler. "Wir spielen hier." Er öffnete einen roten Vorhang, der in einen dunklen Gang führte. Scheinbar der VIP Raum zu einem VIP Billardtisch mit VIP Billardkugeln und VIP Queues und VIP Spielern.
"Warum ist hier alles so dunkel? Seid ihr Vampire oder was? Außerdem riecht es hier so eklig nach Schweiß, lüftet doch mal ein bisschen", munkelte Helmut zickig rum, woraufhin Jojo ihm einen Schlag auf den Hinterkopf verpasste.
"Halt einfach die Klappe."
Nachdem sie alle durch den mystischen und zwielichtigen Gang gegangen waren, kamen sie in dem VIP Raum an, in dem bereits das gegnerische Team in epischen Positionen wartete.

"Nun denn", sprach Kyoya und richtete sich seine Brille, woraufhin diese aufblitzte. "Um in der Vorrunde zu gewinnen, muss ein Team vier von sechs Spielen für sich entscheiden. Steht es in der Vorrunde drei zu drei, also unentschieden, wird es drei Extra Spiele zwischen den jeweiligen Gewinnern der Vorrunde geben. Hierbei wird man direkt sehen können, wer gewinnt."
"Jaja, die Regeln kennen wir längst. Aber... ihr wollt wirklich diese kleinen Versager antreten lassen?", hob ein Typ gefällig seine Augenbraue, während er demonstrativ seinen Ellenbogen auf Jojos Kopf ablegte, um seine 1,87 Meter darzustellen.
Diese drehte jedoch seinen Arm an der Schulter hinter den Rücken und stellte ihm geschickt ein Bein, woraufhin er mit seiner deformierten Nase direkt an der Kante eines Tisches aufkam.
"Wir sind vielleicht Versager, aber du bist noch lange nicht so weit, dass du mich 'klein' nennen kannst", sah diese nun von oben auf ihn herab - mit einer seltsamen Art eines Ehrgefühls.
"Genau, nur wir dürfen unsere Klassenwinzlinge klein nennen!", fügte Danny hinzu, was die bereits komische Atmosphäre zusätzlich dezimierte.
Jojo und Nagisa waren dadurch selbstverständlich angesprochen und protestierten sofort: "ICH BIN NICHT KLEIN."
Die Gruppe an düsteren, gemeinen, asozialen, seltsamen Oberschülern sah ihre Gegner darauf herausfordernd an. "Wenn das so ist, dann beweist es. Winzlinge."

"Und das fasst so ziemlich alles zusammen."
"DAS FASST ÜBERHAUPT NICHTS ZUSAMMEN!!", brüllte Nazar Helmut an und schlug ihn mit der neu erworbenen Bratpfanne gegen den Kopf.
"Wenn die kaputt geht, musst du wieder eine neue kaufen. Nur mal so am Rande bemerkt...", kommentierte Mizuki, die mit einem Tablett mit vier Tassen Heißer Schokolade und einem Beutel Mini Marshmallows darauf ins Wohnzimmer kam und sich auf dem Sessel niederließ.
"Oh, Dankeschön", nahm sich Paul eine der Tassen, nachdem sie das Tablett auf dem Couchtisch abgelegt hatte. "Sehr zuvorkommend von euch, uns hier unterzubringen. Danke dafür übrigens."
"Passt auf, Jungs, Übernachtung für eine Nacht kostet pro Kopf 700€. Versorgung und sonstiger Gebrauch von Dingen wie Bad oder Küche zusätzliche 560€. Also sollten wir abhauen, bevor der erste hier einpennt, denn ab dem Moment gilt es als Übernachtung, auch wenn die Person direkt danach wieder aufwacht", wandte jedoch Karma ein, während er mit einem Handtuch auf dem Kopf und zwei weiteren in der Hand auch ins Wohnzimmer kam.
Helmut spuckte beinahe seine Heiße Schokolade wieder aus. "Was, wieso das?!"
Doch Karma warnte ihn schnell noch: "Pass auf, Kleckern zählt zu Sachbeschädigung und das fordert ein Bußgeld von 100€." Er warf die Handtücher zu den beiden anderen Jungs, die diese auffingen und sich nach und nach abtrockneten, ehe er sich selbst eine Tasse nahm und sich auf die Sessellehne setzte.
"Da kennt sich aber einer aus...", murmelte Mizuki schlürfend in ihre Tasse hinein.
Nazar aber war total schockiert: "Warum zur Hölle weiß der von unseren geheimen Verträgen??"
Der Rotschopf zückte nur ein Handy aus der Hosentasche, ohne von seiner Tasse aufzusehen, woraufhin Mizuki dieses nebensächlich an sich nahm. "Hab mich schon gefragt, wo es ist."
Nazar starrte die beiden nur irritiert an. "Hä, aber... Du hattest dein Handy doch in der Mall dabei?"
Sie nickte nur, während sie ihr Handy abcheckte, wobei Karma ihr versicherte, nichts damit getan zu haben. "Hab zwei, auf dem einen ist nichts, auf dem anderen ist alles. Ich steck regelmäßig die SIM Card um, damit keiner merkt, dass ich immer unterschiedliche Handys benutze. Ich warte auf den Tag, an dem mir mal das falsche Handy, auf dem nichts drauf ist, geklaut wird." Sie schielte vorwurfsvoll zu dem Rothaarigen, der aber keineswegs darauf reagierte und einfach gechillt seine Heiße Schokolade trank.
"Warte, also hat Karma dein Handy mit all deinen Daten, einschließlich unserer Wohngemeinschaftsverträge, darauf geklaut und in der Mall hast du dein anderes Handy, auf dem nichts ist, benutzt?", fasste Nazar zusammen, was sie verstanden hatte.
"Yep", bestätigte ihre schwarzhaarige Freundin.
"Siehst du, SO fasst man Dinge zusammen", sah Nazar zu Helmut, der nur mit den Augen rollte. "Also los, versuch's nochmal! Wer hat das Turnier denn dann gewonnen? Warum musstet ihr wegrennen? Und was hat Koro-sensei überhaupt damit zu tun? Was ist denn dann passiert, dass ihr plötzlich nur zudritt bei uns auftaucht??", durchlöcherte Nazar die Besucher weiter.
"Alter, wir wären gerade fast gestorben, lass mich zuerst mal trinken, die Fortsetzung folgt ja schon gleich", musste Helmut immer noch etwas nach Luft schnappen.
"Handtücher und Heiße Schokolade gehen zwar aufs Haus, weil Mizu viel zu gütig mit euch ist, aber ich würde mich trotzdem nicht zu weit aus dem Fenster lehnen", warnte Nazar ihn mit einem Todesblick, den er bisher nur gesehen hatte, als irgendein kleiner Grundschüler ihre Ananas klauen wollte. Das war ein äußerst beängstigender Moment für jegliche anwesende Person. Ein Moment, an den sich keiner erinnern wollte und den anzusprechen sich jeder fürchtete...

– Zehn Minuten zuvor... –

"MIZU, MACH DIE TÜR AUF!!"
"MACH SIE SELBER AUF."
"ABER ICH ZOCK GRAD ONLINE AM PC!"
"ABER DU BIST NÄHER DRAN!"
"MANN, JETZT MACH SCHON, ICH VERLIER NOCH!!!"
"DANN KRIEGST DU KEINE HEISSE SCHOKOLADE, KAPIERT!?"
"JAJAA."

Sie ging zur Tür, an der konstant jemand mit vollster Lautstärke klopfte, und öffnete diese, woraufhin es sogleich reinregnete.
"Hi, Mizu."
Sie starrte die drei Personen vor ihr, die völlig außer Atem waren, pokerfaced an.
"Hey."
Das Wasser prasselte auf die drei und ihre Klamotten sahen aus, als wären sie einfach so in einen See gesprungen.
"Nur mal so 'ne Frage, musst nicht antworten oder so, aber... könnten wir eventuell rein? Muss auch nicht sein, wenn du nicht willst. Wäre nur... Na ja. Ganz nett."
Sie seufzte.
"Warum ist so was total normal?"

Sie ließ die Jungs eintreten und schloss die Tür hinter ihnen, bevor noch mehr reinregnete. Als sie gerade durch die Gänge gehen wollten, hielt sie sie jedoch an. "Okay, halt, Jungs." Sie drehten sich um und sie wurde fragend angesehen. "Ich lass auf jeden Fall nicht zu, dass ihr mein Haus nass macht. Ausziehen."
"Macht das jetzt echt noch einen Unterschied...?"
"Ach Helmut", meinte Mizuki und legte eine Hand auf seine Schulter, "von euch dreien bist du garantiert der, der obendrauf noch am dreckigsten ist und trotz dessen allen ernstes bei mir Zuhause eintreten will. Du musst ja keinen Strip Tease aufführen, ich meine, klar, kannst du gerne machen, aber dann bitte bei Nazar, die zockt da drin." Sie zeigte zur Tür ihres Zimmers, von wo Geräusche des Tippens und lauter Flüche kamen. "Schätz dich glücklich, dass ich nicht Nazar bin und Nacktfotos von euch mache und sie jedem wildfremden Menschen zeige oder ins Internet stelle."
Nachdem die drei dann ihre Sackos und Hemden ausgezogen hatten, nahm sie diese an sich, um sie trocknen zu lassen. Derweilen gingen die drei ins Wohnzimmer und setzten sich auf die Hocker am Tresen, wie es ihnen gesagt wurde. Die nassen Spuren, die sie dabei erzeugten, bereiteten dem Mädchen dabei noch die größte Sorge.
"Bin ich in 'nem Host Club oder warum sitzen da zwei oberkörperfreie, nasse Hotties und ein anderer Typ in meinem Wohnzimmer?", kam Nazar pfeifend zum Wohnzimmer und lehnte sich schmunzelnd an den Türrahmen.
"Schaut mal, jetzt könnt ihr raten, wer der andere Typ ist. Ich vermute ja, es ist Helmut", kam Mizuki, die sich ihre Hände mit einem Handtuch abtrocknete, grinsend aus dem Gang und ging zur Küche, woraufhin sie die Holzfenster am Tresen, die die Küche von dem Wohnzimmer trennten, aufklappte. Schließlich durfte sie den weiteren Verlauf des Gesprächs nicht verpassen.
"Soll das indirekt heißen, dass du Paul und Karma als hot bezeichnest?", hakte Nazar nach und hob eine Augenbraue, ohne direkt auf ihre Aussage einzugehen.
"Ich bitte dich, sieh sie dir doch mal an!", bestätigte sie ihre Frage eindeutig und deutete unter Anderem auf die nassen Haare, die ihnen teils im Gesicht klebten, und ihnen damit einen gewissen Flare verliehen. "Und dann sieh dir... Helmut an."
"Warum HASST DU MICH?!", rief dieser dann genervt und beleidigt auf, da er als einziger so behandelt wurde.
"Ach, ich hasse dich doch gar nicht! Im Vergleich zu Nazars Zuneigung für dich muss meine neutrale Einstellung dir gegenüber wohl nur etwas mehr auffallen", winkte sie es lachend ab, ehe sie sich umdrehte, um in den Schränken mehr Kakao und Tassen rauszuholen.
"Hey, Karma, in Mizus Schrank oben sind Handtücher, geh doch mal welche für euch holen und mach bitte zusätzlich jeglichen Eigentum von ihr nass", sprach Nazar lächelnd zu dem Rothaarigen, der daraufhin nach kurzer Verzögerung aufstand und rausging, während er gefällig murmelte: "Ich sollte öfters herkommen."
"Hexe."
"DU bist die Hexe."
"Halt die Klappe."
"Auch egal", wechselte Nazar dann das Thema, "obwohl... Nein, doch nicht. Setzt euch doch auf die Couch, das muss doch ungemütlich für euch sein, nur auf den Hockern zu sitzen, macht's euch gemütlich! Keine Rücksicht auf Verluste!"
Provokation. Das war ihr Ziel. Denn sie wusste, wie sehr Mizuki es hasste, wenn irgendetwas in ihrem Haus unnötig nass wurde, auch wenn es sich nur um Wasser handelte.
Helmut und Paul taten, wie ihnen angeboten wurde, und besetzten mit Nazar die Couch mit drei Plätzen.
"Also, jetzt zum Wesentlichen", fing sie wieder von neu an und beachtete die Schwarzhaarige, die sie dabei anfunkelte, kein Stück, "warum zur Hölle seid ihr hier?"

zurück in der Gegenwart, 40 Minuten nach der eigentlichen Gegenwart

"Fangen wir mal damit an", versuchte Mizuki, das Gespräch voranzubringen, "wieso seid ihr ausgerechnet zu uns gekommen? Lilias Haus würde auf dem Waldpfad von der Schule aus gesehen zuerst kommen."
Und die Jungs antworteten so synchron, dass man glauben könnte, sie hätten es abgesprochen: "Hat uns nicht reingelassen."
"Das erklärt so einiges."
"Tja, und dann mussten wir eben zum nächsten Haus, das möglichst nicht unser eigenes war, damit die nicht rausfinden, wo wir wohnen", erläuterte Karma genauer und grinste dann etwas. "Keine Sorge, der Regen hat unsere Spuren bestimmt schon verwischt. Aber auch wenn sie uns finden, habt ihr hier ja Sicherheitsfallen."
"Warte, WIR HABEN FALLEN?!", wusste Nazar – mal wieder – nicht Bescheid. "Hä, wieso weiß ich nichts davon? Warum hab ich sie nie gesehen? Und was sind das für Fallen??"
Mizuki nahm sich eine Hand voll Marshmallows und warf diese einzeln in ihre Tasse, wobei sie die Hälfte davon gleich aufaß. "Hab sie vom Verteidigungsminusterium einrichten lassen und irgendwann daran gearbeitet, während du wieder... Keine Ahnung, am Zocken oder so warst. Wenn du herausfinden willst, was die Fallen machen, kann ich gerne deine Identifikationsdaten zurückstellen und dann wirst du selbst sehen...", erklärte sie zwar pokerfaced, aber mit einem gewissen Funkeln in dem Augen. Wie die Fallen ausgelöst werden, würde sie selbst nur zu gerne sehen.
"Also erstens: Danke, aber nein, danke. Zweitens: Heißt das, die Daten von allen Leuten, die bisher hier waren – also sogar auch Paul –, sind irgendwo hier eingespeichert? Aber wie hast du das so schnell gemacht?? Haben wir Paul nicht erst... Heute oder so kennengelernt?!"
"Tja", war das Einzige, was sie darauf antwortete. Auf weitere Aspekte dieses Themas ging sie nicht mehr ein und führte das eigentliche Gespräch weiter: "Erzählt mal die Story weiter, wieso musstet ihr wegrennen? Und wo ist der Rest eurer Gruppe?"
Die drei sahen sich erst gegenseitig an, ehe Paul sich räusperte und anfing: "Kyoya, Aileen und Johanna sind vermutlich zum Host Club gelaufen, das würde ich Kyoya am ehesten zutrauen. Wir haben uns auf der Verfolgungsjagd irgendwo getrennt, genau bestätigen kann ich es also nicht. Und warum wir überhaupt gejagt wurden... ist 'ne ganz lustige Geschichte."

– Zurück zur Gegenwart, vor drei Stunden der eigentlichen Gegenwart, aber 90 Minuten in der Zukunft der Gegenwart... –

"Leute? Ich glaube, wir haben versagt."
"Noch ist die Hoffnung nicht verloren. Er kriegt das hin, ganz sicher."
"Alter, es ist HELMUT, der kriegt doch gar nichts hin!"
"Euch ist klar, dass ich euch hören kann?"
"Auch er kann was schaffen, vertrau ihm mal!"
"Aber wie oft noch, es ist HELMUT!"

"HALTET MAL DEN RAND, ICH WEISS, WAS ICH TUE", rief dieser dann total genervt und hätte glatt den Queue in seiner Hand zerbrechen können.
"Es geht um Leben und Tod, Bruder!! Wenn du das nicht hinkriegst, sind wir schon erheblich im Nachteil!!", meinte Danny und schüttelte ihn an den Schultern durch. "Dank Paul und Kyoya und deinem Glück haben wir es durch die Vorrunde geschafft, aber wenn du genau so wie die anderen verlierst, haben wir einen erheblichen Nachteil!"
"Für einen, der nicht mal teilgenommen hat, machst du die Klappe aber ganz schön weit auf", warnten Aileen und Jojo ihn von hinten.
Die sechs Vorrunden waren beendet. Während Kyoya, Paul und Helmut die Matches gewannen, mussten Jojo, Aileen und Karma eine Niederlage eingestehen. Dass ihre Spiele manipuliert wurden, war im Nachhinein wohl mehr als nur offensichtlich. Aber zu spät bemerkt hieß nie geschehen. Damit mussten sie sich abfinden.
Es stand also Drei zu Drei, das Unentschieden, nach dem die Gewinner gegeneinander antreten mussten. Und Helmut musste anfangen.

"Hey hey, weil ihr euch trotz eurer kläglichen Niederlagen doch so wacker in der ersten Runde geschlagen habt, überlass ich gerne dir den Vortritt", meinte sein Gegner sorgenlos und lachte abfällig.
"Das lass ich mir nicht gefallen, rette unsere Ehre und lass ihn anfangen!", rief Jojo, die wegen ihrem Spiel gegen genau diesen Typen noch immer wütend war. Sie wollte entnervt vortreten, wurde aber von Karma aufgehalten.
"Wer den ersten Zug bekommt, hat einen gewaltigen Vorteil. Je nach dem, wie geschickt man vorgeht, kann man es schaffen, die Kugeln so zu platzieren, dass es für einen am günstigsten ist. Geht eine Kugel rein, kann man gleich die nächsten versenken. Er sollte das Angebot nutzen, wenn er nicht gerade seine letzte Hirnzelle verloren hat", erklärte er ruhig, mit dem Gedanken an sein eigenes Spiel. Sein Gegner durfte anfangen und hatte einen sofortigen Lauf. Er selbst kam gar nicht erst mehr zum Zug.
"Chillt mal, ich mach das ja schon", seufzte Helmut und versuchte, sich zu beruhigen. Wobei ihm das ziemlich schwer fiel. Sie hatten nur noch drei Möglichkeiten. Wenn die erste Runde gleich gut lief, würden sie sofort in Führung stehen und der nächste Spieler hätte deutlich mehr Sicherheit. Er musste also gleich von Anfang an einen guten Start hinlegen. Auf einen Misserfolg seines Gegners konnte er nicht hoffen.
Er legte seine Hand auf die grüne Fläche, den Zeigefinger auf dem Mittelfinger, den Queue in der Mitte durch.
Es muss klappen. Es muss mindestens eine Kugel rein. Er musste nur die 9 reinkriegen und dann war es geschafft.
Es muss klappen. Es muss klappen. Es muss klappen. Es muss klappen. Es muss klappen.

»Entspanne deine Hand. Halte sie ganz sanft, als würdest du an einem schönen, sonnigen Morgen ins Klassenzimmer gehen und deinen Lehrer mit einem etwas zu langem Messer erstechen wollen. Eine schwierigere Herausforderung als das wird dieses Spiel wohl schon nicht sein, oder?«

Sein Puls senkte sich und sein Atem wurde leichter. Es stimmte. Was würde schon schwieriger sein als die Herausforderung, mit der er jeden Tag konfrontiert wurde? Jedenfalls kein billiges Billardspiel in irgendeiner Bar in irgendeinem Kaff.
"Scheiß Oktopus", grinste er dann beruhigt und stieß die Kugel.

"Liebste Nummer Neun... Versenkt." Er stand genau hinter der Ecke und wies der Kugel kindlich an, näher an das Loch zu kommen.
Die gelbe Kugel verschwand im dunklen Loch des Tisches. Auf diesem waren nur noch die Spielkugel und drei Objektkugeln.
Alle sahen ihm fasziniert dabei zu, wie er sich gerade hinrichtete und den Queue auf den Tisch legte. "Ich nehme mal an, das ist ein Punkt für uns."

"Okay, okay, warte", unterbrach Nazar seine Geschichte. "Es ist doch unmöglich, dass du da echt so cool warst."
"Warum werde ich heute die ganze Zeit nur gemobbt?!", war er vollkommen verständnislos und entnervt.
"Na ja. Du bist halt Helmut. Musst eben damit klarkommen", zuckte Mizuki mit den Schultern, woraufhin der Angesprochene einen Besen hätte essen können.
"Ich hab das Spiel gewonnen, okay?! Aber ich muss auch zugeben, dass ich nur durch Koro-sensei geschafft habe..."

Zurück zur Gegenwart, zehn Minuten vor der eigentlichen Gegenwart... –

"Okay, Helmut, das war total krass", waren Aileen und Jojo voll fasziniert von ihm und seinen Skills, die er soeben vorgezeigt hat.
"Junge, was war das für 'ne Stimme, huh?!", machte ihn jedoch sein Gegner, der gar nicht erst mehr zum Zug kam, an.
Helmut war verwirrt. "Eine Stimme?"
"Ich glaube, er meint die von Koro-sensei...", murmelte Aileen und sah zu einer Fensterluke am Dach, wo ein merkwürdiger Schatten war, der sogleich panisch verschwand.
"Wartet mal, das war nicht nur eine Stimme in meinem Kopf?!", hatte er scheinbar nicht bemerkt, dass sein Lehrer tatsächlich anwesend war.
"Ich nehm's zurück. Er ist ein Idiot", verdrehte Jojo die Augen.
"Du hast doch gecheatet, oder nicht? Los, raus mit der Sprache, du Eliteschüler!", ging der Gangster weiter auf ihn zu, als dann die Fensterscheibe zerbrach und eine riesige Gestalt heruntergebrettert kam.
"KORO- ...sen...sei?"
Vor ihnen stand... Nun ja. Ihr Lehrer. In derselben Verkleidung, die er bei der Schulversammlung anhatte – nur mit einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht.
Auch die Oberschüler sahen ihn irritiert an. "...Was ist das?"
"Das ist... Euer Lehrer?", flüsterte Paul leicht verstört zu Helmut, der pokerfaced zu Koro-sensei sah.
"Du weißt ja gar nicht, wie sehr ich mir wünschte, dass er es nicht wäre."
Koro-sensei zappelte wie immer komisch mit seinen Tentakeln herum und sprach daraufhin: "Meine Schüler sind sehr raffiniert und lassen sich nicht so einfach unterkriegen wie ihr vielleicht denkt! Nur, weil sie auf einer renommierten Schule sind, heißt es noch lange nicht, dass sie hoch angesehem sind! Auch sie kämpfen mit Problemen, die ihr wahrscheinlich auch zu gut kennt. Daher können sie–"
"DAS INTERESSIERT DOCH KEIN SCHWEIN, VERSCHWINDE!!", hörten die Assi Schüler ihm aber unerwarteterweise nicht bei seiner lehrreichen Rede zu und wollten mit dem Queue auf ihn einschlagen, wobei er aber panisch auswich.
"Schüler? Es hat scheinbar keinen Sinn. Eure inkompetenten Gegner, die es nicht einmal schaffen, ein einfaches Billardspiel zu gewinnen, müssen das Wissen wohl aufgezwungen bekommen. Ich werde ihnen höchstpersönlich–", er unterbrach sich selbst, als er sich umdrehte und Paul und Kyoya sah. Ein Moment der Stille. Ein Moment des Zögerns. Ein Moment der Besorgnis. Ein Moment der Angst. Ein Moment der absoluten Panik. "–aus den Augen gehen."
Und in Windeseile war er bereits verschwunden und ließ jeden irritiert da stehen.

"Was ist gerade passiert?", fragte Helmut.
"Euer Lehrer ist abgehauen", antwortete Kyoya.
"Nachdem er die Typen beleidigt hat", fügte Paul hinzu.
"Da hat er wohl wieder nicht alles durchdacht", meinte Nagisa.
"Er bereitet wie immer nur Probleme", seufzte Isogai.
"So wie immer", fügte Danny hinzu.
"Vor Paul und Kyoya kann er wohl nicht viel machen", murmelte Aileen.
"Und das bedeutet?", hakte Jojo nach.
"Entweder Flucht oder Kampf", schlussfolgerte Karma.

"Und das fasst alles zusammen", beendete Helmut seine Geschichte und legte seine leere Tasse auf dem Tisch ab.
"Okay, wow", reagierten Nazar und Mizuki wie aus einem Mund.
Doch schon nach kurzer Zeit fing Nazar wiederum an zu lachen. "Oh Gott, Helmut, du hast gleich zwei Spiele gewonnen! Du hast ja doch was drauf, du Ananaskopf! Dafür, dass du und Paul gewonnen habt, dürft ihr ausnahmsweise kostenlos übernachten! Wir waschen auch eure Klamotten und versorgen euch!"
"Hey, warte, das haben wir aber nicht abgesprochen", wollte Mizuki sie aufhalten, während sie die leeren Tassen wieder auf dem Tablett sammelte. Zwecklos. Sie ahnte bereits, dass mit 'wir' mit Sicherheit nur sie gemeint war.
"Karma hat nichts erreicht. Er muss zahlen", meinte Nazar nebensächlich zu dem Rotschopf.
"Das ist ja gemein", murmelte er bloß schmollend.
"Heul nicht rum, du kannst es meinetwegen aufschreiben lassen oder anders dafür aufkommen. Mizu, du kümmerst dich darum, dass er auf jeden Fall den richtigen Preis zurückzahlt!", beschloss Nazar einfach so und ging aus dem Wohnzimmer, um ihnen Decken und Kissen zu holen, wobei Helmut und Paul ihr helfen wollten und ihr folgten.
Mizuki sah ihnen hinterher, als sie dann mit dem Tablett aufstand und die Küche anpeilte. "Nur mal so, mit Eis kannst du's mir garantiert nicht zurückzahlen."
"Wie wär's mit Erdbeermilch?", hob er eine Augenbraue.
"Schokomilch. Jahresvorrat", wandte sie jedoch ein.
"Monatsvorrat."
"Mindestens zehn Monate."
"Bis zu meinem Geburtstag, letztes Angebot."
"Nur, weil du an Weihnachten hast", gab sie dann schließlich nach.
"Es ist ein Segen~"

Derweilen irgendwo anders... –

"ICH WILL DER ALLER BESTE SEIN, WIE KEINER VOR MIR WAR!!"

"GANZ ALLEIN SCHNAPP ICH SIE MIR, ICH KENNE DIE GEFAAAHR!!"

"ICH STREIFE DURCH DAS GANZE LAND UND SUCHE WEIT UND BREIT!!"

"DAS POKÉMON, UM ZU VERSTEHEN, WAS MIR DIIEESE MACHT VERLEEIHT!!"

"POKÉMON!!!!"

"KOMM UND SCHNAPP SIE DIIR!!"

"NUR ICH UND DUU!!"

"IN ALLEM, WAS ICH AUCH TU!!!!"

"POKÉMON!!!!"

"DUU, MEIN BESTER FREUND!! KOMM, RETTEN WIR DIE WEEELT!!!"

"POKÉMON!!!!"

"KOMM UND SCHNAPP SIE DIR!!"

"DEIN HERZ IST GUUUT!!"

"WIR VERTRAUE AUF UNS'REN MUT!!!!"

"ICH LERN VON DIR!!"

"UND DU VON MIR!!"

"POKÉMON!!!!"

"KOMM UND SCHNAPP SIE DIR!!"

"KOMM UND SCHNAPP SIE DIIIR!!"

"POKÉMON!!!!"

Billard gut, Karaoke gut, Ende gut, Alles gut.

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Fucj this shir im dyIng

Warum wurde ich eigentlich noch nicht umgebracht? Dabei hab ich jedem vor zwei Jahren das Recht dazu gegeben.

Das ist mit Abstand eines der am schlechtesten geschriebenen Kapitel meines ganzen Lebens.

Wenigstens fängt jetzt endlich ein neues Kapitel an (*metaphorisches Gelaber*).

Ich hatte tatsächlich wieder Spaß am schreiben. (Auch wenn's total bescheuert ist, ahem)

Jedenfalls: Happy Official BDay, Helmut! Dafür würdest du heute reichlich gemobbt! #03.06.2019

Well then. Starten wir endlich mal ein neues Kapitel und damit eine neue, etwas gechangete Ära.

Cya.

OSU!!

[4030w.]

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