6. Das, in dem der Kessel dampfte


Das Sonnenlicht brach sich im Wasser und ließ hellgrüne Funken auf dem Boden schimmern, als es durch einen Spalt im Vorhang drang. Die tanzenden Flecken hatten eine leicht hypnotische Wirkung und wäre Claire nicht bereits im Zeitdruck, dann würde sie liebend gerne noch weiter ihrem unaufhörlichen Tanz zuschauen. Es war kurz nach der Mittagszeit und ihre erste Unterrichtsstunde des Tages würde in wenigen Minuten anfangen. Claire hatte diesen Umstand genutzt und ausgeschlafen.

Erin war nicht mehr da, denn sie war beim Mittagessen, welches Claire versäumt hatte. Sie hatte morgens eigentlich nie den größten Hunger und das galt auch, wenn sie erst mittags aufstand. Meistens war es Erin, die sie aus dem Bett scheuchte, denn diese war eine verdammte Frühaufsteherin. Claire war noch nie ein Morgenmensch gewesen, aber Hogwarts härtete ab.

Connor wartete im Gemeinschaftsraum auf sie. Er lag auf einem der Sofas, die Beine baumelten über die hintere Lehne und sein Kopf ruhte auf einem Kissen. Seine Brust hob und senkte sich langsam und es schien, als würde er schlafen. Als Claire neben ihn trat, öffnete er ein Auge und grinste sie verschmitzt an. „Na, Langschläferin? Bist du aus deinem Schönheitsschlaf erwacht?", fragte er und richtete sich halb auf, indem er sich mit den Ellbogen aufstützte. Sie schenkte ihm einen humorlosen Blick und klatschte ihm dann auf den Hinterkopf. „Komm in die Hufen, Romeo", sagte sie und schulterte ihre Bücher. Connor grinste erneut, dann schwang er die Beine auf den Boden und sprang auf. „Zu ihren Diensten, my lady."

„Spar dir das", sagte sie und schnappte sein Handgelenk. „Wir kommen schon fast zu spät." Connor lachte leise, während er hinter ihr her ging. „Und wenn schon, Sluggi verzeiht dir doch eh alles. Seinem kleinen Zaubertrankass", flötete er und Claire verdrehte die Augen. Es stimmte schon, sie war gut in Zaubertränke, aber nicht so, dass man sie als Ass bezeichnen könnte. Es war nicht sonderlich schwer, die Anweisungen des Buches zu befolgen, wenn man nicht unbedingt ein popelhirniger Troll war, wie die meisten anderen. Immerhin war es nun das letzte Jahr und nur die Besten waren weitergekommen.

Vor dem Unterrichtsraum für Zaubertränke warteten schon einige Schüler, darunter die Rumtreiber, Erin und auch Snape. Beim Anblick von Sirius musste Claire den Drang unterdrücken, sich zu übergeben. Professor Slughorn kam im selben Moment um die andere Ecke gewatschelt und sein großer Bauch wabbelte beim Gehen. Sein dickes Gesicht war mit Schweiß bedeckt und der krausige Schnurrbart, den Claire immer noch für eine hellblonde Raupe hielt, wackelte, als er lächelte. „Guten Tag, Klasse", sprach er und sein Blick glitt über die Anwesenden. „Miss Evans, Miss Amory, ich erwarte vieles von ihnen. Auch von ihnen, Snape. Potter, Black – benehmen sie sich einfach", sagte er erschöpft und Sirius und James grinsten sich kurz an. Erin, Connor und Claire setzten sich an ihren alten Tisch, so wie jedes Jahr, doch Slughorn, der an ihnen vorbeiging, sagte: „Machen sie es sich nicht allzu häuslich, dieses Jahr wird es alles etwas anders." Connor und Claire tauschten einen Blick und zuckten dann die Schultern.

Als der Professor sich an sein Pult stellte, erstarben die wenigen Gespräche und es wurde still. Er wischte sich kurz über die Stirn, dann ließ er den Blick durch das Klassenzimmer schweifen. „Also schön. Da ich dieses Jahr nur diejenigen bei mir habe, die wirklich ein Händchen für Zaubertränke haben - " Seine kleinen Augen huschten kurz zu Claire und Lily Evans. „ – oder wenigstens diejenigen, die richtig lesen können - " Connor grinste breit. „ – werde ich es dieses Mal auch etwas anders handhaben. Ihr habt alle unterschiedliche Level, möchte ich meinen, von eurem Können her. Deswegen werde ich für das restlichen Jahr Partner einteilen, die zusammen arbeiten werden." Bei seinen Worten brach wieder Geflüster aus.

„Was soll das heißen, Paare einteilen?", fragte Claire recht schrill ihre Freunde. „Ich schwöre bei Merlin, wenn er mich mit Black - "

„Ich dulde keine Widerworte bei meiner Einteilung, denn es ist zum Wohle ihrer akademischen Bildung und auch die, ihres Partners. Sehen sie es vielmehr als kleine Hürde, die sie überwinden können." Sein Lächeln sollte wohl aufmunternd wirken, aber für Claire wirkte es wie eine schadenfrohe Grimasse. „Nun gut, bevor wir noch mehr Zeit verschwenden... Wenn ich ihre Namen zusammen aufrufe, dann setzen sie sich bitte an einen Tisch, es interessiert mich nicht, an welchen, das dürfen sie selber entscheiden. Also gut..." Slughorn fummelte etwas an seiner Jackentasche herum, dann kramte er ein zerknittertes Blatt Pergament hervor. „Snape und O'Braiden", verlas er und Erin bekam große Augen. Sie blickte zu Claire und formte stumm mit ihren Lippen ein „Hilfe". „Nun kommen sie etwas in die Puschen, wir haben nicht lange Zeit", sagte Slughorn, als keiner der beiden sich bewegte. Erin packte langsam ihre Bücher zusammen, nahm dann ihre Waage und trottete hinüber zu ihrem unbeliebten Klassenkameraden, der wie üblich alleine saß. Er begrüßte Erin mit einem kalten Blick und zog dann sein Exemplar vom Zaubertrankbuch näher zu sich. Es sah ganz schön lädiert aus, als würde er es unter seinem Kopfkissen aufbewahren. Wenn Claire sich das genauer überlegte, könnte das sogar stimmen.

„Gut, gut... Potter und Evans, nicht wahr? Eine nette Kombination" Slughorn lächelte den beiden freundlich zu, während er wohl die mörderischen Blicke übersah, die Lily Evans James Potter zuwarf, als er sich an den Platz neben sie setzte und sich durch die Haare fuhr. Claire konnte die Anspannung zwischen den beiden beinahe mit den Fingern durchfassen.

„So, Eldon - " Connor versteifte sich sichtlich auf seinem Stuhl, als sein Name genannt wurde. „ – und Lupin." Claire konnte hören, wie er genervt ausatmete und dann aufstand, seine Bücher schnappte und sich neben den dritten Rumtreiber setzen ließ, der ebenfalls Zaubertränke hatte. Auch wenn Lupin ein ruhiger Junge war, war er immer noch ein Muggelsympathisant und hing mit Leuten wie Black und Potter rum.

Claire richtete ihren Blick wieder nach vorne, doch Professor Slughorn schien sich ihren Namen beinahe für den Schluss aufgehoben zu haben. Sie krallte ihre Finger in ihre Tasche, als der dickbäuchige ihren Nachnamen nannte. „Ja, genau. Amory und Black."

„Ich wusste es doch", zischte sie und warf einen kalten Blick nach hinten. Sirius erwiderte ihn grinsend und tippte dann mit der Hand neben sich. Claire schüttelte mit zusammengebissenen Zähnen den Kopf, stand dann auf und griff mit einer solchen Wucht ihre Tasche, als wäre diese Schuld an all ihrem Leid. „Töte mich doch einer."

Claire ließ sich lustlos neben ihn fallen und hielt so viel Abstand zu Sirius, wie es ihr möglich war und stützte dann den Kopf auf die Hände. „Na Na, Miss Amory, machen sie keinen so grimmigen Gesichtsausdruck. Sie und Mister Black werden sich sicher verstehen", sagte Slughorn und zwinkerte ihr zu. Claire würgte unbemerkt und versuchte sich dann an einem Gesichtsausdruck, den Slughorn durchgehen lassen würde.

Während dieser dann die letzten zwei Paare nannte, nutzte Sirius die Möglichkeit und beugte sich näher zu ihr rüber. „Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass dir Zornesröte wirklich ausgezeichnet steht." Claire biss sich auf die Lippe, dann wandte sie sich mit süßlichem Ausdruck um. „Oh, das erklärt natürlich, warum du so unglaublich dumm bist. Du magst diesen Ausdruck den ich habe, wenn ich mir einen Mordplan ausdenke, nicht wahr?" Sirius grinste breit und seine Augenbrauen hoben sich ein kleines Stück. „Ah, wirklich, könntest du diesem wunderschönen Gesicht etwas antun?", fragte er süßlich und Claire lachte freudlos auf.

„Ich würde dich nicht als hübsch bezeichnen. Eher als jemand, der sich sein Gesicht aus einem Fotokatalog ausgeschnitten hat. Leblos und langweilig", fügte sie dann hinzu und schlug ihr Buch auf, denn Slughorn hatte die Aufgabe an die Tafel gezaubert. Sirius schüttelte leicht den Kopf. „Bedauerlich. Aber weißt du, Liebste - " Claires Todesblick ließ ihn bellend lachen. „ – du erinnerst mich irgendwie an Evans."

„Evans? Das Schlammblut?" Sirius Mundwinkel zuckte bedrohlich bei der Erwähnung des Schimpfwortes, doch er sagte nichts dazu. „Richtig. Sie lässt James auch immer wieder abblitzen, obwohl wir doch alle wissen, dass sie ihn in Wahrheit liebt." Claires und Sirius' Blick glitt von alleine zum Tisch, an dem Evans und Potter saßen. Es schien, als würden sie sich wieder streiten, denn das rothaarige Mädchen schlug mit ihrem Buch auf Potters Oberarm, während dieser zähneblitzend grinste und sich durch die Haare fuhr. „Das könnte schon sein", sagte Claire und zückte ihr silbernes Messer, welches im sanften Licht des Kerkers schimmerte. „Es gibt nur den winzigen Haken, dass ich dich hasse. Aus tiefstem Herzen. Für immer." Sirius Augen versuchten sich in ihre zu Bohren, doch Claire ließ sich davon nicht beeindrucken und schnitt weiter die Molchleber klein. „Und jetzt fang an zu arbeiten oder Professor Slughorn muss mir einen neuen Partner geben, weil meinem leider das Blut ausgegangen ist", sagte sie leise und drehte das Messer in den Händen.

„Wenn du es sagst. Aber ich sag dir was: Irgendwann wirst du anders über mich denken." Claire lachte und warf ihm einen giftigen Blick zu. „Das kommt gerade von der Wahrsagenniete. Du hast nicht mal die Teeblätter ordentlich deuten können, und das war ja wohl das Einfachste, was wir je machen mussten." Sirius Wangen liefen etwas rosa an, doch er stocherte weiter mit seinem Zauberstab unter dem Kessel herum. „Wahrsagen war nie mein Fach gewesen. Stinklangweilig."

„Das sagst du nur, weil du unglaublich schlecht darin bist und Professor Clearance nie auf deine Flirtversuche eingegangen ist." Sirius schnaubte und Claire wusste, diese Runde hatte sie, wie sollte es auch anders sein, gewonnen.

Bis zum Ende der Stunde tauschten die beiden keine unnötigen Wörter mehr aus, außer „Reich mir mal die Waage", oder „Gib mir mal die Froschaugen". Als Slughorn schließlich durch die Reihen ging und die Tränke begutachtete und hier und dort seinen Kommentar dazu abgab, packte Claire bereits gemütlich ein. Der dicke Professor kam an ihren Tisch und seine Augen huschten über den brodelnden Trank. „Hm, nicht schlecht. Etwas dünn, aber da haben sie wohl zu wenig Baldriansamen benutzt, nicht wahr?"

„Hab ich dir doch gesagt", zischte Claire, doch Sirius steckte ihr nur die Zunge raus. „Aber ansonsten ist der Trank wirklich gut, nicht, dass ich etwas anderes von ihnen erwartet hatte, Miss Amory. Mister Black...sie haben sich bestimmt als behilflich erwiesen." Auf Claires Lippen erschien ein Grinsen, welches sie hinter ihrer Hand versteckte.

„Oh, Sir, wissen sie, ohne Claires Hilfe hätte ich diesen Trank bestimmt nicht so gut hinbekommen, eine sehr gute Wahl, der Partnerschaft", sagte er und zuckte vor Schmerz zusammen, als Claire ihm unter dem Tisch gegen das Schienbein getreten hatte. „Ja, das denke ich auch. Hoffen wir mal, dass sich die anderen ebenfalls schnell daran gewöhnen werden..." Sein Blick blieb an Potter und Evans hängen, die mit dem Rücken zueinander saßen und sich säuerlich anschwiegen. Von dem, was Claire mitbekommen hatte, hatte Evans Potter mit der Waage eins über den Kopf gezogen, weil er sie wohl irgendwie genervt hatte.

„Nun gut, belassen wir es dabei. Nehmen sie fünf Punkte für Slytherin und Gryffindor." Der Professor schlenderte wieder nach vorne und in dem Moment endete auch die Stunde mit dem üblichen Gong der Glocke. Bevor Sirius noch irgendwas sagen konnte, hatte Claire schon ihre Tasche gepackt und war aus dem Kerker gelaufen. An der Ecke wartete sie noch auf ihre Freunde.

„Und, wie lief es bei euch?", fragte sie, als Connor und Erin schließlich mit ihr zusammen die Treppen langsam hochstiegen. „Grauenhaft", rief Erin und schlug ihre Tasche. „Snape ist so ein Widerling! Ich schwöre euch, er hat beinahe mit der Nase im Buch gesteckt! Mich würde es nicht wundern, wenn dort irgendwelche Flecken zu sehen sind."

„Och, eigentlich ganz nett", sagte Connor grinsend, während Erin ihm einen tödlichen Blick zuwarf. „Lupin ist zwar nicht der Gesprächigste, aber immerhin kann er die Tränke brauen. Er sagt, was ich tun muss und schon habe ich 'ne gute Note. Sind die Gryffindors doch noch für was gut." Seine Augen flogen kurz nach hinten, dann wandte er sich an Claire. „Es überrascht mich ja, dass Black noch lebt."

Claire lachte kurz auf. „Naja, ich hatte keine Lust, alles alleine zu machen. Außerdem - ", sagte sie und grinste. „ – muss ich mir doch den Spaß des Quälens nicht nehmen lassen."

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