Kapitel 4
Nachdem sie diesen Satz unter mehreren Schluchzern heraus gebracht hatte, machte Hes tatsächlich Anstalten, aufzustehen und die Türe wieder zu öffnen, doch ich hielt sie am Arm fest und entgegnete: „Sicher nicht. Du bleibst hier bis ich ungefähr weiß was los ist. Dann versuchen wir, eine Lösung für dein Problem zu finden und alles wird gut. Wie schon gesagt, wir sind beste Freunde und die sind für einander da. Ich lasse dich ganz sicher nicht mitten in der Nacht alleine durch die Stadt rennen, dir könnte irgendwas passieren. Schlaf dich erst mal aus und dann schauen wir weiter."
Das Mädchen nickte also stand ich auf und zeigte ihr mein Schlafzimmer. „Hier kannst du schlafen, im Schrank ist Kleidung, bedien' dich wenn du dich umziehen willst. Ich bin hier hinten, in der Küche oder im Wohnzimmer, wenn du was brauchst. Das Bad ist gleich nebenan. Schlaf dich aus und dann reden wir morgen, okay?"
Wieder nickte sie, murmelte leise „Danke" und lief dann zielstrebig auf mein Bett zu. Ohne sich umzuziehen oder ihre Mütze abzunehmen, kroch sie unter die Decke, rollte sich zu einer Kugel zusammen und schloss die Augen. Ihrem Atem nach zu urteilen war sie nach wenigen Sekunden eingeschlafen.
Vorsichtig schloss ich die Türe und ging in die Küche, wo ich mir eine Kanne Tee machte und mich an meinen Küchentisch setzte. Während ich Tasse um Tasse des heißen Getränks trank, dachte ich über Hes nach. Was war ihr passiert? Sie war doch gerade erst achtzehn geworden, hatte sie mir nicht erzählt, dass sie ihren Geburtstag feiern wollte? Warum war sie dann von zu Hause abgehauen?
Je länger ich nachdachte, desto verwirrender wurden meine Gedankengänge, doch eine sinnvolle Idee hatte ich nicht und so nickte ich langsam aber sicher immer öfter weg, bis ich der Müdigkeit schließlich nachgab, mich auf meine Couch legte und einschlief.
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