8 - Alte Feinde 💛
Felix POV
„Hyunjin. Wach auf. Der Unterricht beginnt gleich", flüsterte ich und schüttelte meinen Freund an der Schulter wach. Er schlief so fest, dass er dich tatsächlich seinen eigenen Wecker überhörte. Und das an einem Montag. Gut. Auf ein Neues. „Jetzt steh schon auf. Wir kommen sonst zu spät."
Hyunjin drehte sich zu mir und sah mich mit müden, kleinen Augen an. „Ist schon Zeit zum Aufstehen?" „Ja. Raus aus den Federn und zieh dich an. Harry und Eithan bringen uns gleich was zum Frühstück."
Während Hyunjin sich aus seiner Decke schälte, warf ich ihm seinen weißen Hoodie und ein schwarzes T-Shirt zu. „Wie kommt es, dass du verschläfst? Hast du deinen Wecker nicht gehört?" „Scheinbar nicht. Das ist mir noch nie passiert", nuschelte er verschlafen. Während er sich fertig anzog, warf er einen Blick auf sein Handy. „Ich habe den Wecker tatsächlich nicht gehört. Scheiße." Ich musste lachen. Das sah ihm gar nicht ähnlich. Hyunjin rieb sich verschlafen die Augen. Noch im Halbschlaf sah er mich an. „Du sagtest, dass Harry und Eithan uns was zum Frühstück bringen. Wo haben sie es her?" „Aus der Cafeteria. Sie sagten, sie würden uns einladen." Hyunjin lachte verlegen. „Wie nett von ihnen. Dies sollten wir ihnen alsbald zurückzahlen, wenn sich die Gelegenheit bietet." „Dann überlege dir schon einmal etwas. Aber zieh dich erst fertig an. Wir wollen ja nicht zu spät kommen." Hyunjin zog sich ein T-Shirt und einen Kapuzen-Pullover darüber. Ich reichte ihm seine Bauchtasche. „Jetzt schwing die Hufe."
Nachdem Hyunjin sich seine Tasche packte und mir auf den Flur folgte, kam Daniel uns entgegen. Ich winkte ihm zu. „Guten Morgen, Daniel. Warum bist du nicht bei der Versammlung?", fragte ich und legte fragend den Kopf schief. Daniel rückte seine Krawatte zurecht und antwortete: „Es kommen heute zwei neue Schüler zu uns. Sie werden wahrscheinlich in meine Klasse eingeteilt. Ich soll wieder die Führung übernehmen." Ich sah erst verdattert zu Hyunjin und dann wieder zurück zu Daniel. „Neue Schüler?" „Ja. Mir wurde erzählt, dass sie aus Südkorea kommen. Ich würde gerne mit euch plaudern, doch ich habe es eilig. Wir sehen uns im Unterricht. Ciao." Daraufhin war Daniel auch wieder über alle Berge. Irgendetwas war komisch an der Sache. Wieso kamen auf einmal wieder neue Schüler an die Rhythm Coast Academy? Vielleicht wird Ms. Dawnstring uns bei der morgendlichen Versammlung in Kenntnis setzen.
Angekommen in der Halle stellten Eithan, Harry, Hyunjin und ich uns in die letzte Reihe. Leises Gemurmel füllte den Raum. Ich stupste Eithan mit dem Ellenbogen an. „Ist heute etwas Besonderes passiert?" „Du meinst, weil so viele am Murmeln sind? Ja. Es sollen zwei neue Schüler hier aufgenommen werden. Hat Daniel dir nichts erzählt?" Ich schmunzelte. „Doch. Aber ich habe das eher für ein Gerücht gehalten. Kennst du bereits ihre Namen?" Eithan zog die Schultern hoch. „Nein. Ich weiß nur, dass sie aus einer Highschool in Seoul stammen."
Geschockt schnappte ich nach Luft. Konnte dies möglich sein? Konnte es sein, dass Changbin und Jisung diese neuen Schüler waren? Hyunjin nahm meine Hand. Er versuchte, mich zu beruhigen, was nicht so funktionierte, wie er sich das vorgestellt hatte. Ich bekam erneut Angst. Ich kannte die beiden Jungs gut genug, um zu wissen, zu was sie fähig waren.
Ms. Dawnstring begann mit ihrer Rede: „Guten Morgen, liebe Studenten. Die heutige Versammlung eröffne ich heute mit einer Ankündigung. Wir heißen heute zwei Gastschüler willkommen. Jisung, Changbin. Kommt doch bitte hier hinauf." Zwei Jungs betraten das große Podest und richteten wie in Zeitlupe ihren Blick auf die Menge. Ich fiel vor Schock fast in Ohnmacht. Das konnte nicht wahr sein. Nicht sie. Alle, nur nicht sie! Ich spürte, wie meine Knie weich wurden und ich beinahe zusammenbrach. So sehr hatte ich gehofft, dass mein Leben wieder entspannt wird und ich meine Ruhe hatte. Daraus wird wohl nichts.
„Guten Tag. Mein Name ist Changbin und ich komme aus Seoul. Ich habe mit meinem besten Freund Jisung die Busan Highschool besucht. Ich hoffe, wir werden alle gute Freunde." Gute Freunde. Wer's glaubt! An seinen Worten war alles falsch, was nur falsch sein konnte. Hyunjin sah es genauso. In seinen Augen funkelte blanke Wut. Ich konnte es ihm nicht verübeln.
Die Blicke schweiften über die Menge und der von Jisung blieb dann an mir hängen. Verflixt! Er hat mich gesehen. Was sollte ich jetzt machen? Ihn einfach ignorieren wäre mein Todesurteil. Also musste ich mich ihm stellen.
Ms. Dawnstring schien die Anspannung in der Luft zu spüren und lockerte sie mit einem Klatschen in die Hände: „Nun. Ich heiße euch herzlichst an der Rhythm Coast Academy willkommen. Daniel wird euch die ersten paar Tage begleiten. Hyunjin und Felix werden ab jetzt von Harry und Eithan weiter begleitet. Die Versammlung ist beendet."
Der Schülerauflauf löste sich langsam auf. Ich verfolgte Daniel mit den Augen. Er lief geradewegs auf Changbin und Jisung zu und begrüßte sie. „Wir müssen die beiden dringend im Auge behalten, bevor ein Desaster passiert", flüsterte Chan mit zu. Ich sah ihn an und nickte. „Sie sind bestimmt noch immer wütend auf uns. Obwohl wir eigentlich nichts getan haben." „Denkst du, dass sie sich rächen wollen?", murmelte Hyunjin. Ich zog die Schultern hoch. „Vielleicht. Doch steigere dich da nicht zu sehr rein." „Mach ich schon nicht." Ich war erleichtert, dies zu hören.
Hyunjin griff nach meiner Hand und führte mich aus der Halle raus in Richtung Tanzsaal. Es war jetzt Zeit, in den Unterricht zu gehen. Hoffentlich überstehen wir diesen Tag ohne Komplikationen.
Der Mittwoch flog an uns vorbei wie ein Schwarm Insekten auf der Flucht. Hyunjin, Eithan, Harry und ich machten uns auf den Weg zur Freestyle-Stunde. Vorher wollten wir uns noch mit Blair und Courtney treffen. „Wo warten die Mädchen auf uns?", fragte ich. „Und wo ist Chan? Ist er bei ihnen?"
Bevor mir jemand antworten konnten, kamen die eben genannten Studentinnen durch die Tür der Mädchentoilette. Chan stand davor und schien auf sie gewartet zu haben. Courtney bürstete ihre rote Mähne mit einem Taschenkamm durch und knotete sie dann zu einem Pferdeschwanz zusammen. Blair verstaute ihren Mascara in ihrer Handtasche.
„Courtney! Blair!", rief ich, um ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Sie blickten zu mir rüber und lächelten. „Hey, Hyunjin. Hi, Felix. Wie geht es euch?", fragte Blair. Ich schmunzelte und antwortete: „Einigermaßen gut. Die neuen Schüler hast du ja schon kennengelernt, oder?" Blair rümpfte die Nase. „Ja. Sie sind ein bisschen aufdringlich, aber ansonsten scheinen sie ganz nett zu sein." Ich verdrehte die Augen. Courtney schien zu merken, dass mir dieses Gespräch auf die Nerven ging. Sie legte mir eine Hand auf die Schulter. „Du scheinst sie wirklich nicht zu mögen. Harry hat mir erzählt, dass sie euch in der Highschool gemobbt haben." „Stimmt. Ich kuschle lieber mit einem Stachelschwein als ein Sterbenswörtchen mit ihnen zu wechseln." Ich konnte mir ein sarkastisches Grinsen nicht verkneifen. Damals in der Highschool war so etwas für mich kaum möglich. Doch jetzt ist alles anders. Und aus einem unerklärlichen Grund konnte ich spüren, dass sich in der Zukunft noch mehr verändern wird. Vielleicht las es daran, dass Hyunjin und ich langsam erwachsen wurden. Wir waren keine Kinder mehr. Oder es war doch etwas ganz anderes. Die Zukunft vor uns war einfach so unbekannt und konnte alles für uns bereithalten. Was, wenn wir uns trennen werden, wenn wir richtig erwachsen sind? Wenn wir kein Paar mehr waren und uns aus den Augen verlieren werden? Und wenn Changbin und Jisung weiter versuchen werden, uns zu trennen? Sie haben es schon einmal fast geschafft. Werden sie dieses Mal erfolgreich sein?
Es war komisch. Seit die beiden hier aufgetaucht sind, und das ist nicht mal eine halbe Stunde her, bekam ich erneut diese erstickende Angst. Wie ein Tentakel, der mich hinab in die Tiefen des Ozeans ziehen wollte.
Schließlich standen wir vor der Tür zum Tanzsaal. Die meisten Schüler waren schon dort und auch Daniel war anwesend. Ich beobachtete ihn, wie er mit Changbin und Jisung sprach. Ich stupste Hyunjin an und deutete unauffällig mit dem Fuß auf das Trio. Wir spitzten die Ohren, um zu hören, was sie sagten.
Changbin lachte. „Aber sicher kenne ich die beiden. Eigentlich waren wir in der Highschool sehr gute und enge Freunde. Aber Chan war neidisch auf uns und hat sich dann von uns abgespalten", erzählte er Daniel und brachte es so glaubwürdig rüber, dass Daniel ihn scheinbar schon aus der Hand fraß. Widerlich! „Und was war mit Hyunjin und Felix? Wart ihr auch befreundet?", fragte Daniel. Jisung stieß einen tiefen Seufzer aus. „Ja. Wir waren wirklich dicke. Doch dann wurden wir älter und der Neid kam. Daraufhin haben sie uns die Freundschaft gekündigt und nie wieder ein nettes Wort mit uns gewechselt." Mir lief ein angewiderte Schauer über den Rücken. Jeder Ton war mehr als nur gelogen. Aber was konnten wir schon tun? Wenn wir jetzt den Mund aufmachten, gab es mehr Probleme als in der Highschool. Also wäre es fürs Erste besser, wenn wir uns zurückhalten und beobachten, was passiert. Auf einmal wollte Chan sich von seinem Platz auf die Gruppe zubewegen, doch ich hielt ihn an der Schulter zurück. „Lass es." Ich konnte sehen, wie wütend ihn das machte. Aber eine Konfrontation war das Letzte, was wir gebrauchen konnten. Am besten wäre es, wenn wir abwarten, wie sich die jetzige Situation entwickelte.
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