34 - Du bist mehr als blau...
Seth's P.o.V.:
Verdammte Scheiße. Ich war so unglaublich besorgt um sie.
Randy war heute Mittag alleine zurück an unseren Tisch gekommen. Lea hatte eine Flasche Champagner organisiert gehabt und hatte eigentlich mit Bonny ihre Ringfreigabe feiern wollen.
Doch sie war nicht gekommen. Wir hatten noch eine halbe Stunde gewartet, wir hatten gedacht, sie hätte jemanden getroffen, der sie aufgehalten hatte und mit dem sie angeregt geredet hatte.
Ihr Rucksack hatte immer noch bei uns gelegen, alle ihre Wertsachen waren bei uns gewesen. Weit weg wäre sie doch nicht gegangen, oder?
Doch sie war einfach nicht gekommen. Also hatten wir das gesamte Gebäude durchsucht.
Und wir hatten sie nicht gefunden.
"Fucking Shit!", hatte Randy geflucht und auf die Tischplatte geschlagen. "Ich hätte sie nicht gehen lassen sollen! Oder ich hätte mitgehen sollen. Warum kann ich sie hier drin nie alleine lassen, ohne das ihr was passiert!?"
Er hatte einen Stuhl an die andere Seite des Raumes getreten. "Verdammt, ich hätte bei ihr bleiben sollen! Titus hat mir gestern noch geschrieben, ich soll gut auf sie achten, weil sie die Freigabe bekommt und es ihr dabei nicht gut gehen wird und was mache ich? Ich lasse sie gehen, nachdem sie das allererste Mal zugegeben hat, dass sie Angst hat! Argh!"
Lea und Roman hatten erfolgreich versucht ihn zu beruhigen und die Grünäugige hatte berichtet, dass Titus auch sie spät am Abend noch daran erinnert hatte, Bonny nicht alleine zu lassen.
"Ich bin nicht davon ausgegangen, dass sie uns ausbüchst. Wir sind doch sonst auch immer für sie da. Und dass das ein großes Thema bei Bonny ist, war ja von Anfang an klar."
Sie hatte sich neben Randy gesetzt und uns allen ein wenig gut zugeredet:
"Hört zu, es wird ihr gut gehen und wir werden sie wieder finden. Das tun wir immer. Ran, du musst aufhören dir die Schuld zu geben. Du konntest nicht wissen, wie sie handeln würde, das konnten wir alle nicht. Seid nicht so hart zu euch."
Die Sonne war untergegangen, die anderen suchten immer noch nach Bonny.
Ich saß vor ihrem Hotelzimmer und wartete darauf, dass sie durchnässt nachhause kam. Ich hockte dort im Schneidersitz mit ihrem Rucksack auf dem Schoß.
Verdammt, warum tut sie mir das an? Erst spricht sie nicht mit mir und guckt mich nicht an.
Dann weint sie und bricht mir mit diesem Anblick beinah das Herz.
Und jetzt verschwindet sie einfach.
Ich möchte sie doch einfach nur bei mir haben.
Mein Hinterkopf machte eine schnelle Bekanntschaft mit Bonny's Zimmertür und ich drückte ihren Rucksack an mich.
Ich will doch nur, dass es ihr gut geht.
Die Aufzugtür glitt nun schon zum wiederholten Male auf, nur war es dieses Mal kein viel beschäftigter Mensch, der ununterbrochen auf sein Smartphone starrte.
Es war eine schwankende junge Dame mit blauen Haaren. Sofort sprang ich auf und hechtete zu ihr.
Sie taumelte herum und kicherte leise für sich, stützte sich kurz an der Wand ab und hielt sich den Kopf.
Als sie mich erkannte, lachte sie und meinte: "Aye! Rollins! Was geht?!"
Ich war gerade nicht in der Lage, ihr zu antworten, ich schloss sie nur stur in meine Arme und wollte sie nicht mehr loslassen.
"Gott sei Dank, dir geht's gut. Wir haben uns solche Sorgen gemacht, Bonny."
Sie tätschelte meinen Rücken. "Klar, geht's mir gut. Ich mein', ich bin 'n bissch'n angebläut, aber sonst..."
Ich musste lächeln: "Bonny, du bist schon blau, weil deine Haare blau sind. Gerade bist du mehr als nur blau. Du bist ganz kalt und klitschnass."
Ich legte meine Hände auf ihre Schultern und sah ihr in's Gesicht, wo mich der nächste Schrecken erwartete.
"Fuck, warum blutest du? Wer war das?"
Sie schüttelte den Kopf und grinste nur keck: "So 'n Weib aus'er Bar. Dachte, sie könnt's mit mir aufneh'm. Pff, wenn du denkst, das hier is' schlimm, musst du die and're sehen."
"Du hast dich in einer Bar mit einer anderen Frau geprügelt?"
Sie nickte stolz.
"Is' doch mein Job, oder nich'?"
Ich legte ihren Arm um meine Schulter und meinen um ihre Hüfte, um sie zu stützen und begleitete sie zu ihrem Zimmer.
"Du musst in's Bett, Bonny."
Ich ließ die anderen mit einer knappen Nachricht, die ich einhändig tippte, wissen:
Seth: Hab sie gefunden.
"Au, das tut weh!", jammerte sie, als ich ihr im Badezimmer vorsichtig mit einem feuchten Tuch das Blut von der Schramme an ihrer Stirn und ihren Lippen tupfte.
"Tut mir leid", lächelte ich leise und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Wie bist du überhaupt an den Alkohol gekommen, du hattest doch gar kein Geld dabei?"
Sie lachte und erzählte: "Ohh! Gut, dass'u frägst! Das war mein Highlight vom Abend. Also nach'm Kampf mit der Bitch natürlich."
Sie hickste leise. "Ich hab' in meiner Jackentasche 20 Dollar gefund'n. Ich liebe sowas, da fühlt man sich, als hätt' man sich selbst Geld geschenkt, wenn man vergisst, dass man's da drin hatte."
Ich schüttelte den Kopf und sah besagte Jacke an, die ich an die Tür gehängt hatte. Der Rücken der Jacke war voller Schlamm, jedoch wollte ich erst gar nicht fragen, wie es dazu gekommen war.
Es war meine Sweatjacke, die ich ihr heute um die Schultern gelegt hatte. Du hast nicht wirklich meine 20 Dollar vertrunken?
Ihr Blick wanderte in den Spiegel. "Die beiden hatt'n Recht, ich seh' echt nich' schlecht aus...", murmelte sie. "Wer hat das gesagt?"
"Na, Hannah. Nee, warte, das war's nicht... Haley! Und das Weib aus'er Bar auch."
"Warte einen Moment, du hast sie geschlagen, weil sie mit dir ausgehen wollte?"
Sie guckte mich ernst an.
So ernst, wie es für diese betrunkene Spaßbombe nur möglich war.
"Ich bin doch nich' komplett dumm. Ich hab' nix gegen Schwule oder Lesb'n, oder die dazwischen oder Transleute oder... ja keine Ahnung, ich bin da kein Experte, aber du weiß', was ich mein'. Die Bitch wollt' mich nich' nachhaus' geh'n lass'n. Ich hab' sie sogar vorgewarnt. Ich mein', wenn sie nicht hör'n will und denkt, es wär' cool, sich mit 'ner verdammt'n Wrestlerin anzuleg'n, pff. Da hätt' ich ihr auch eine auf'n Weg gegeben, wenn'se mich nich' angemacht hätt', oder 'n Kerl gewes'n wär'."
Na, das klingt doch nach Bonny.
Ich legte meine Hände an ihre Taille und half ihr, aufzustehen.
"Woah, Achterbahn im Kopf", lallte sie und krallte sich in meine Schultern. Sie taumelte auf unsicheren Beinen in Richtung Bett, bis sie kurz stehen blieb und dann drohte, seitlich umzukippen. Mit dem Kopf an die Kante des Nachttisches.
Gott sei Dank konnte ich sie noch in letzter Sekunde auffangen und hielt sie nun in meinen Armen.
"Puh, das war knapp, huh?", kam es von ihr, während ich einen kurzen Dank gen Himmel schickte.
Ich setzte sie auf ihrem Bett ab und warf ihr ihren Schlafanzug zu.
"Bitte sag mir, dass du dich alleine umziehen kannst, ohne umzukippen." Sie nickte gackernd und zog sich sofort ihr türkisfarbenes Shirt über den Kopf. Während Bonny sich aus ihren nassen Klamotten schälte, legte ich ihr Handy auf ihren Nachttisch und schloss es an das blaue Ladekabel an, das Titus mit weißen und schwarzen Streifen verziert hatte.
Als ich mich gerade zu ihr umdrehte, torkelte sie mit rudernden Armen vor dem Bett herum. "Hey, langsam."
Sie ließ sich in meinen Armen hängen wie ein Sack Reis. Ich ließ sie vorsichtig in ihr Bett nieder und legte mich neben sie, zog sie näher an mich und hörte nur ein brummendes:
"Alles dreht sich... halt mich fest."
Ich lächelte.
Keine Sorge. So schnell lass ich dich nicht mehr los.
Nach einiger Zeit sah ich sie mir genauer an und gestand leise:
"Wenn du nur wüsstest, wie sehr du mir fehlst. Ich vermisse das Glitzern in deinen blauen Augen, wenn du mich anlächelst.
Vermisse deine Hand in meiner und deinen schweren Dickschädel auf meiner Schulter, wenn wir gemeinsam einschlafen.
Deine Stimme in meinem Ohr, wenn du mir jeden Abend ein leises "Gute Nacht" zuflüsterst.
Und deinen Gute Nacht Kuss auf meiner Wange. Ich vermisse es, dein Herz klopfen zu spüren.
Und wenn ich wieder aufwache, dann vermisse ich es, an diesem blauen Monster auf deinem Kopf zu ersticken. Und dir die Haare aus dem Gesicht zu streichen.
Mir fehlt der müde Blick in deinen verschlafenen Augen, dein lautes morgendliches Gähnen und deine raue, heisere Morgenstimme.
Selbst dein frustriertes Grummeln vermisse ich.
Deine Lippen auf meinen, wenn ich dir einen Guten Morgen Kuss gebe, fehlen mir so sehr.
Ich vermisse dich."
Zärtlich streichelte ihre Wange und bemerkte, dass Bonny sich kein bisschen regte.
Sie war bereits eingeschlafen.
Ich realisierte schnell, dass alles, was ich gerade gesagt hatte, vergebens war und sie kein Wort davon gehört hatte.
Vielleicht war es ja auch besser so. "Gute Nacht, Blue", flüsterte ich müde lächelnd und küsste die Schramme an ihrer Stirn.
Wha' do we gat ova heere? A cup'pa haters? A cup'pa haters! Sorry, ich hatte grade irgendwie die Enzo Vibes... xD
Ich hoffe, dieses Kapitel hat euch gefallen. Wir hatten mal wieder - nach gefühlten Ewigkeiten - ein bisschen Shipping-Material. #TeamSenny 😂
Wir lesen uns wieder in 7 magischen Tagen! 🍕
Yours truly, the one and only, ya girl, Bonny! 💙😜
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