26- Sie ist nicht weg

Also schaute ich nochmal bei meinem kleinen Jungen vorbei. Es kam mir vor, als wäre Titus mein kleiner Bruder oder so. Wir verstanden uns auf eine gewisse Art und Weise. Alleine diese Bemerkung: "Du bist ein Gangster, du entschuldigst dich nicht", das war pures Gold.
"Hey Youngster, du wolltest mir noch was sagen?", flüsterte ich, als ich seinen Raum betrat. "Komm, wir gucken uns SmackDown an", meinte der Kleine und winkte mich zu sich. Becky lief bereits in den Ring und ich nahm neben dem Bett auf dem Boden Platz. Nach ungefähr 1 einhalb Stunden fiel mir auf, dass er gar nicht mehr jubelte. Als ich zu ihm herüber sah, ging mein Herz auf. Titus lag eingekuschelt im Bett und schnarchte leise vor sich hin. In seinen Armen hielt er einen schwarzen Teddy mit blauen Augen. Kann man zu alt für Kuscheltiere sein? Er muss ihm bestimmt viel bedeuten. "Gute Nacht." ich streichelte über seinen Schopf.
Vorsichtig schloss ich die Zimmertür und verkrümelte mich in meines.

"Bonny? Hallo, wach auf!", hörte ich jemanden rufen, und spürte zwei Hände an meinem Arm, die daran zerrten. Verschlafen blinzelte ich die Gestalt an und gähnte langsam: "Was, wie viel Uhr ist es? Ah, erst 10 Uhr... Was, schon 10 Uhr?!", schreckte ich plötzlich hoch und sprang aus dem Bett. "Fuck, Fuck, Fuck!" Ich stürzte herab zu meinem Koffer und wühlte nach den passenden Klamotten für den heutigen Tag. Im totalen Stress hüpfte ich in meine blaue ripped Jeans und schmiss mich in ein cooles Holzfällerhemd. Schließlich schlüpfte ich in meine Lieblingssneaker und in die Lederjacke, die mir Finn Bàlor einmal gebracht hatte, als ich sie in der Lobby vergessen hatte.

"Wow, ich hab noch nie jemanden gesehen, der sich so schnell angezogen hat. Wie lange hat das gedauert, eine Minute?", staunte mein kleiner Youngster, während ich mir durch die Haare fuhr. "Schnell, wir sind zu spät! So spät, dass sogar morgen früher wär." Danach griff ich nach meiner Tasche und riss die Tür auf. Titus fragte wohin wir den überhaupt so eilig hin mussten. "Na in die Schule, wohin sonst? In die... in die Schule. Na klar...", lachte ich, teils über meine Blödheit und teils darüber, wie dumm Randy mich anstarrte. Dieser war zur selben Zeit wie wir aus seinem Zimmer gekommen. "Du willst in die Schule?", fragte er gleich. Mit meinem 'Oh man, bin ich doof'-Blick schüttelte ich den Kopf und umarmte ihn zur Begrüßung. "Randy, kommst du mit Frühstücken?", lud der Fan ihn ein und wir stiegen gemeinsam in den Aufzug. Die beiden wollten wissen, was das eben war. "Manchmal wach' ich in der Früh auf, und denk nur 'Shit, ich komm zu spät' oder ich hab so andere komische Angewohnheiten. Aber naja... so bin ich halt..." Ganz beeindruckt erzählte Titus, wie rasch ich mit dem Umziehen fertig war.

Mit Randy und Titus fuhr ich ins Krankenhaus zu Titus' Oma Emma. Bis jetzt war nichts wichtiges passiert. Emma hatte sich schon dafür bedankt, dass wir uns alle so um ihn kümmern. Außerdem sollte ich meiner Tante einen lieben Gruß von ihr sagen. Titus gab Bescheid: "Ich geh' mir 'was in der Cafeteria holen, kommt jemand mit oder soll ich euch 'was mitnehmen?" "Kannst du mir bitte 'nen kleinen Kakao mitbringen?", bat ich ihn, drückte ihm 5 Dollar in die Hand und Randy meinte, er würde ihn begleiten. Nun war ich mit Emma alleine und konnte kurz meine Pläne mit ihr teilen. "Wie gesagt, wird Titus für's Erste bei meiner Tante unterkommen. Vielleicht werde ich noch eine andere Möglichkeit finden, aber ich finde das ist schon mal ganz gut. Und ich würde Titus ungern überfordern, ich denke, das ist alles schon stressig genug für ihn. Ich hätte außerden noch eine wichtige Frage an Sie", plauderte ich. "Solange es meinem Titus gut geht, ist es okay. Danke für deine Mühen. Was ist denn noch?" Unsicher schluckte ich und sah kurz auf den Boden. Dann rückte ich mit der Sprache heraus: "Sollte es soweit sein, und Sie sind nicht mehr da... Wäre es angemessen, wenn ich ihn adoptiere?" Emma setzte sich mit aller Kraft auf und schaute mir eindringlich in die Augen. Angestrengt keuchte sie: "Ich bitte dich darum! Ich bin mir sehr sicher, dass du dich gut um ihn kümmern wirst. Ich danke dir für alles, was du für ihn getan hast und noch tun wirst.
Es gibt ein Sparbuch, das ich für ihn angelegt hatte, alles Wichtige findest du in der untersten Schublade meiner Kommode im Flur. Nimm Titus' Sachen aus meiner Wohnung mit und regle alles mir dem Vermieter", sie sank mit jedem Wort weiter zurück ins Kissen und atmete ruhig. Langsam wurde ich immer ängstlicher um sie.
"Gleich wird's vorbei sein. Sag Titus, dass ich immer bei ihm bin."
Es fühlte sich an als würden tausende, heiße Nadeln durch jeden Quadratmillimeter meiner Haut gestochen werden. "Ich werde immer auf euch achten", versicherte mir Emma und schloss die Augen. Ihr letzter Atemzug vestrich und danach bewegte sich nicht ein einziger Muskel. Alles war still, ich hörte nur noch meinen eigenen Atem und die Stimmen und Schritte von draußen. Nun saß ich da. Mit weit geöffneten Augen, wie in Trance. Sie hatte mir gerade ihre letzten Worte gegeben. Ich konnte und wollte es einfach nicht glauben.

Randy's P.o.V.:
Titus und ich waren auf dem Weg zurück zur Station, auf der seine Oma lag. "Randy, kann ich dir was anvertrauen?", fragte er leise. Selbstverständlich nickte ich und er sprach: "Ich glaube, meine Oma stirbt bald. Sie sieht so schwach aus, ich glaube, sie schafft es nicht. Natürlich ist es für jeden irgendwann soweit, aber... muss es denn so kommen?" Was soll ich denn jetzt sagen? "Doch, ich denke, sie schafft es. Ich glaube an sie." Ich öffnete gerade die Tür, als ich Bonny da sitzen sah. Auf dem Stuhl neben dem Bett starrte sie ins Leere. Ihre Augen waren weit aufgerissen, sie sah aus, als hätte sie einen Geist gesehen. Sie schien kaum zu atmen. Titus ließ das Gebäck und den Kakao vor Schreck fallen und blieb dort stehen. Er traute sich nicht näher zu kommen, beobachtete alles von der Ferne. Ich rief einen Arzt. "Das darf nicht war sein", weinte der Enkel der Verstorbenen. Ich drückte ihn an mich und auch Bonny umarmte ich fest. Sie rührte sich nicht. Vorsichtig nahm ich ihre Hände und half ihr aufzustehen, auch Titus' Hand ergriff ich.

Vor dem Krankenhaus stand eine Parkbank, auf der wir uns kurz niederließen. Bonny schloss den schluchzenden Jungen in ihre Arme und versuchte ihn zu beruhigen. "Titus, alles wird gut. Ich weiß, wie scheiße das jetzt ist, aber wir schaffen das." "Sie ist weg. Einfach weg. Und ich konnte mich nicht mal mehr von ihr verabschieden!", kreischte er, doch sie ließ ihn auf ihrem Schoß sitzen und erklärte: "Sie ist immer bei dir. Da drin", sie tippte auf seine Brust und strich ihm die Tränen von den Wangen. Sie rief noch ihre Tante an und erklärte ihr, dass sie morgen kommen würde. Das alles machte uns echt fertig.

Titus' P.o.V.:
Ich kann es einfach nicht glauben. Sie ist tot, einfach weg. Jetzt habe ich niemanden mehr. Ich muss in's Waisenhaus. Außer Bonny würde etwas tun, aber kann sie das überhaupt? Sie ist doch auch noch so jung, gerade mal 10 Jahre älter als ich.
Bonny war gerade in ihrem Zimmer, ich glaubte, auch sie brauchte eine Auszeit, nach all dem Ärger, den ich ihr machte. Nach zwei Stunden wurde mir langweilig und ich überlegte, bei ihr vorbei zu schauen. Ob sie besser damit klar kam?

... ich hab keine Ahnung, ob ich am Ende dieses Kapitels überhaupt fröhlich rumschreien kann, wie sonst. Trotzdem freut es mich, dass ihr hier unten angekommen seid. Danke für eure Liebe und Geduld mit mir. Ich lieb euch ganz doll! 🍕

Eure Bonny! 💙

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