16- Rad mit Tee
Er schaute hoch und wich zurück. "Hehehe... Hab keine Angst kleiner Samoaner, ich tu dir nichts." "Hör mal, wer immer du bist, ich hab grade keinen Bock auf Spielchen. Hast du ein Mädchen mit blauen Haaren hier herum streunern gesehen? Ich muss sie finden", sagte er genervt und verengte seine grauen Augen zu Schlitzen. Er erkennt mich nicht?
"Was wollen nur alle von dieser Bonny? Was kann sie überhaupt? Sie ist nicht schön, sie ist nicht lustig, sie ist unhöflich. Ja, sie lehnt meine Würmer ab und singen lässt sie mich auch nicht. Also hab ich sie versteckt. So einfach war das", ich schnippte mit dem Finger. "Naja, besser als du sieht sie auf jeden Fall aus. Ich würde auch behaupten, dass sie witziger als du bist und 'ne bessere Show im Ring hinlegt. Im Gegensatz zu ihr, war das gar nichts. Achja, und deine Würmer kannst du dir sonst wohin stecken. Wohin hast du sie gebracht? Ich muss mit ihr reden."
Ich legte meine Hand auf seine Schulter, kitzelte ihn mit den Krallen am Hals. Dann sah ich ihn wieder so gestört aus meinen roten Augen an und fing an zu singen: "Oh oh oh, was seh ich da, ein verliebtes Ehepaar! Wie kommt es, dass sie dir so wichtig ist?" Jetzt will ich es aus ihm herauskitzeln. Ruckartig nahm ich ihn bei der Hand und ging mit ihm zu meinem Lockerroom. "Sie ist nur eine gute Freundin. Sie gehört zu unserer Gruppe. Ich glaube nur, dass ich ihr vertrauen kann und will mir einen Rat von ihr holen. Sie scheint meistens sehr intelligent." Ich blieb stehen. Um was geht es wohl? Danke, dass er mich vertrauenswürdig findet.
Wir waren an meinem Lockerroom angekommen, als er ernst sagte: "Sie ist nicht drin, sie macht nicht auf." "Ach was, meinst du? Sie vielleicht nicht. Aber ich." Überrascht sah er mich an, als ich die Tür öffnete, und lief durch den ganzen Raum und suchte alles ab. "Wo. Ist. Sie? Sag es mir jetzt!", drohte er und würgte mich mit einer Hand.
"Roman mein lieber, meintest du nicht gerade, du willst etwas von ihr?" Er nickte verwirrt und sah mich erwartungsvoll an. "Tja Roman, was sagst du dazu?" Ich zog die Attrappe von meinem Kopf und meine blauen Haare kamen zum Vorschein. Ro's Augen wurden groß wie Christbaumkugeln und er starrte mich an. Lächelnd gab ich ihm meine Hand und sagte: "Hi, ich bin Bonny, schön dich kennenzulernen. Mach's dir doch auf der Couch gemütlich, während ich mich abschminke. Danach können wir mit den therapeutischen Maßnahmen beginnen."
Als ich dies erledigt hatte, setzte ich mich ihm gegenüber. "Ich brauch deinen Rat." Ich schüttelte den Kopf und tadelte gespielt: "Das Rad, und falscher Kasus. Roman, lern deine Sprache." Er verdrehte die Augen und meinte: "Nein, Rat mit T." Daraufhin lachte ich und versuchte ihm klar zu machen: "Ro, ich hab hier kein Fahrrad oder so da, und Tee brauch' ich jetzt auch nicht mehr kochen. Aber okay, schieß los, dann kriegst du dein Tee-Rad."
Roman seufzte. "Also Ro, was gibt's? Es scheint ziemlich ernst, hm?" Er nickte langsam und erklärte zögernd: "Da gibt es eine Person, die ich überraschen will, weil sie mir die Welt bedeutet und ich sie schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe. Außerdem brauche ich einfach eine Pause von der Arbeit. Ich liebe meinen Job, aber im Moment wächst alles über mich hinaus. Ich will nicht, dass ich in einem Monat mit einem Burn-out Zuhause sitze und gar nichts mehr machen kann. Vince meinte, ich könne mir die Pause genehmigen, aber ich will die Jungs nicht allein lassen. Kannst du bitte auf sie achten?" Als ich das hörte musste ich erst schmunzeln, dann runzelte ich die Stirn und wegen seinem letzten Satz grinste ich wie ein Depp. "Keine Angst, Ro, ich pass schon auf die Jungs auf. Du weißt, dass ich fast alles für meine Leute tun würde. Wer sich mit denen anlegt, hat sein größtes Problem bei mir. Roman, das wichtigste ist, dass du dich wohl fühlst. Wenn du denkst, dass du das jetzt nötig hast, dann zieh es durch. Deinen Job kannst du nicht verlieren, wenn Vince sagt, dass es okay sei. Du hättest dadurch auch mehr Zeit für deine Freundin und du könntest mehr mit ihr unternehmen. Wir werden es ohne dich schaffen. Wir werden dich sehr vermissen, ich hoffe das weißt du, aber wir können ja mal alle videochatten, telefonieren oder nur schreiben." Der Big Dog nickte langsam und wurde entschlossener. "Ja. Okay, ich tu es. Woher weißt du... am besten frage ich erst gar nicht nach. Weißt du, das ist so ne Sache... ich wollte einfach mal komplett abschalten, ohne irgendeinen Kontakt. Deswegen will ich dich noch um was bitten. Dieses Gespräch muss unter uns bleiben. Du bist meine Vertrauensperson hier, die Einzige, die Bescheid weiß. Wenn die Anderen fragen, sag einfach du weißt von nichts. Du kannst Sachen gut für dich behalten. Ich weiß, dass du gute Lügen erzählen und die Leute super manipulieren kannst, nutze das bitte aus. Ich komme irgendwann zurück, das ist klar." Roman Reigns stand auf und ging herüber zur Tür. "Hey Ro, warte", ich sprang auf und umarmte ihn. "Danke für alles, Ro. Du bist echt ein guter Kerl. Ich hoffe, ich seh dich hier bald wieder. Pass auf dich auf. Und bitte schreib mir alle zwei Monate ne Postkarte, damit ich weiß, dass du noch am Leben bist, okay? Da muss auch nicht viel drin stehen, es reicht ein Smiley mit deiner Unterschrift, nur ein Lebenszeichen, weil ich sonst-"
"Ist okay, Bonny. Mach ich irgendwann. Bis irgendwann", beruhigte er mich und schritt durch die Tür.
"Bonny, bist du da drin?!" Seth klopfte wie wild an die Tür. Ich jedoch entschied mich, keinen Mucks von mir zu geben, sonst würde er wissen, dass ich doch hier war. Vielleicht würde er das Rätsel dann zu schnell lösen. "Bonny? Geht's dir gut?" Der Kerl lässt nicht locker, oder? "Ich komm' jetzt rein!", warnte er mich. Blitzartig legte ich mich hinter die Couch und schloss die Augen, tat so, als ob mein Bauch weh tat. Einen Sekundenbruchteil später flog die Tür auf. "Bonny, bist du da?", er durchsuchte alles, bis er mich zusammengekauert hinter dem Sofa fand. Erschrocken stürzte er vor mir auf die Knie und nahm mich in den Arm. "Oh mein Gott, Bonny!" Er drückte mich immer fester an sich. "Seth... was tust du hier?", sagte ich benommen und blinzelte ihn an. Unruhig betrachtete er mich, legte eine Hand an meine Wange und berichtete: "Wir sind alle total verrückt geworden. Keiner hat dich heute gesehen. Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht. Was ist passiert?" Langsam setzte ich mich auf und hielt mir den Kopf. "Ich... ich weiß es nicht", fing ich an, "alles, was ich sehen kann, sind rote Augen. Sie bohren sich durch meine Gedanken und ich kann nichts dagegen unternehmen." "Rote Augen?!" Seth's Blick weitete sich und er guckte mich eindringlich an. "Ich... ich fühle mich komisch. Als hätte mich jemand angegriffen, aber... ich habe keine Ahnung was es ist, es fühlt sich so anders an. Irgendetwas stimmt mit meinem Kopf nicht. Es ist fast so, als hätte ich Phantome in meinem Hirn." Der Kingslayer reagierte genau wie ich es mir nur hätte wünschen können: "Hast du etwas mitbekommen? Boogeygirl. Diese Frau ist verrückt. Auch wenn sie Baron eine auf's Maul gegeben hat, die ist nicht ganz dicht." Während Seth mir von dem Vorfall erzählte ging ich auf die Knie und zog mich an der Rückenlehne des Sofas hoch, um aufzustehen. Doch dann legte Seth wieder seine Arme um mich und zerquetschte mich. "Geht es dir soweit gut?" Ich nickte, tat aber so, als würde mir schwindelig werden und stütze mich an die Lehne der Couch. "Pass auf! Sicher dass alles okay ist?", fragte er besorgt und nahm mich genau unter die Lupe. Dann runzelte er die Stirn und fokussierte meine Augen. "Warum sind deine Augen so rot?", kam es dann von ihm. Innerlich hoffte ich, dass er nicht daran denken würde, dass die Kontaktlinsen Irritationen in meinen Augen ausgelöst haben. Verwirrt fragte ich ihn, was er meinte. "Sieht aus, als hättest du geweint, oder dir die augen gerieben", erklärte er dann. Kopfschüttelnd setzte ich mich auf die Rückenlehne und senkte den Blick. "Es ist alles bestens, sorge dich bitte nicht um mich." Auf einmal legte er seine Hände auf meine Schultern und fixierte jede meiner Bewegungen. "Seth, wärst du so lieb und würdest bitte aufhören, in meine Seele zu sehen?" "Hör auf so zu reden", entgegnete er kalt, "du redest so geschwollen. Du bist anders." Skeptisch verengte ich meine Augen und befreite mich aus seinem Griff. Dann wandte ich mich von ihm ab, schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Ich zuckte. Noch zwei mal. Bis der Architekt mich von hinten packte und wieder zu sich drehte. Doch sobald er in meine Augen sah, ließ er mich los. Wie eine Stunde zuvor, sah ich ihn mit diesem verrückten Blick an, nur dass diesmal mein linkes Augenlid zuckte, dagegen konnte selbst ich nichts tun, es kam von der Anspannung. "Seth, ich weiß bei bestem Willen nicht, worauf du mit deiner Aussage hinaus willst. Vielleicht ist es besser, wenn du nun gehst." Ohne mich aus den Augen zu lassen, verließ er den Lockerroom. Als die Tür ins Schloss fiel und ich seine Schritte nicht mehr hören konnte, atmete ich tief aus. "Na, wenigstens hat er mir die Nummer abgekauft."
Als ich mich wieder total vermummt aus dem Lockerroom schlich, wurde ich von Jason Jordan und Enzo Amore aufgehalten. Verdammt. "Franchy, da bist du ja. Enzo und ich haben uns schon voll die Sorgen gemacht. Hast du auch diese Verrückte da gesehen? Boogeygirl? Oh man..." Bloß nicht lachen!
"Ja man, voll crazy oder? Hat mir ihre Würmer in die Tasche gelegt. Und mich in meinem eigenen Umkleideraum eingeschlossen. Und Roman hat sie auch zu mir gebracht." Jason sah mich geschockt an. "Was?! Hast du gesehen, was sie mit Baron gemacht hat? Sie hat dich einfach ersetzt. Wenn ich die wiedersehe, dann...", Jason ballte die Hände zu Fäusten. Um nicht zu lachen, musste ich mir sehr fest auf die Zunge beißen und ich beruhigte ihn: "Keine Angst, die kommt nicht wieder. Ich hab sie umgebracht. Alles was von ihr übrig ist, liegt in meinem Mülleimer." Ungläubig beäugte mich mein Bruder und ich fuhr fort: "Kosmetiktücher voller Kinderschminke, Würmer aus Gelantine und eine schöne Erinnerung. Ich schwör dir, du hättest deinen Blick seh'n müssen." Nun verstand er es und boxte an meine Schulter. "Du warst das?!" Grölend vor Lachen nickte ich und gab Enzo ein High Five. "Yo, Ricky! Wir haben uns lange nicht mehr gesehen", meinte ich fröhlich. "Yo, Franchy."
Ich wollte nur noch in's Bett. Hundemüde kam ich im Hotel an und stieg in den Aufzug. Vor meinem Zimmer wartete ein großer Kerl mit langen, dunklen Haaren, ich freute mich ihn zu sehen. Bis ich erkannte, wer er war.
Okay sorry für diesen Cliffhanger, aber der letzte Satz bot sich einfach für das Ende des Kapitels an. Oh my lord, ich habe gestern Abend bemerkt, dass heute Samstag ist. Und ich hab mich richtig gefreut, ich liebe es Kapitel upzuloaden. So wie ihr hoffentlich gespannt auf die neuen Kapitel wartet, warte ich darauf sie zu veröffentlichen. 😂 Was wird Bonny den anderen erzählen und kann sie überhaupt dicht halten? Wird Seth den Braten riechen? Und wer steht da im Hotelflur vor ihrem Zimmer? To be continued... >Bonny😜💙
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