02. Warmes Zuhause
Die Autofahrt war entspannend, auch wenn ich während der halben Stunde durchgehend alte Rockmusik hörte, um mit meinen wirren Gedanken nicht alleine zu sein.
Eigentlich war ich ein humorvoller und ausgeglichener Mensch, doch über die Jahre verbitterte ich immer mehr.
Ich musste diesen Kerl einfach zu fassen bekommen, ansonsten würde ich nie wieder ruhig schlafen können.
Frustriert fuhr ich mir mit der linken Hand durch mein dunkelbraunes Haar, während aus meinen Lautsprechern leise Worte des Metallica Songs Nothing Else Matters drangen.
Mein kleines, aber feines Einfamilienhaus befand sich in einer ländlicheren Gegend, am Rande der Stadt, weit weg vom Dreck und unerträglichen Lärm der Großstadt. Ich besaß sogar einen Garten im Hinterhof des Hauses, auf den ich sehr stolz war, und eine Schäferhündin names Ellie. Aufgrund der Arbeit konnte ich mich selten um beides kümmern, weshalb ich meine Schwester oft um Hilfe beten musste. Es war ein schreckliches Gefühl von anderen abhängig zu sein, egal in welcher Form.
Ich hielt vor meinem schwarzen Tor, ließ meine Fensterscheibe herunter und gab einen Sicherheitscode ein, sodass sich mein Tor kurz darauf automatisch öffnete und wieder schloss, nachdem der Bewegungsmelder an meinem Haus den Wagen wahrgenommen hatte.
Nachdem ich den Wagen in meiner Garage geparkt und mein Diensthandy ergriffen hatte, stieg ich ohne weiteres Zögern aus. Ich durfte keine Zeit schinden, da ich bald wieder aufstehen musste und wenigstens vier Stunden Schlaf benötige, um überhaupt zu funktionieren.
Mein Haus war gemütlich eingerichtet, denn ich besaß eher rustikale Holzmöbel sowie warme Wandfarben; die Dekoration schien auch nicht zu überladen zu sein. Ich hatte sowieso kein Händchen fürs Dekorieren, was vermutlich daran lag, dass ich ein Mann war.
Im Wohnzimmer befand sich etwas, was ich an diesem Haus am meisten liebte: der Kamin.
In der Stadt war das unvorstellbar. Da würde man vermutlich gleich mehrere Anzeigen im Briefkasten vorfinden, weil Nachbarn Angst hätten, abzubrennen.
Mit einem Seufzer warf ich meine Tasche sowie Autoschlüssel auf die Kommode und hing danach meine Dienstjacke an einen Haken im Flur. Die schwarzen Lackschuhe zog ich mir dabei im Stehen aus.
Ab ins Bett.
Leichter gedacht, als getan. Denn ich musste noch Duschen und eine Kleinigkeit essen, ansonsten würde ich wieder mitten in der Nacht vor dem Kühlschrank stehen, in dem sowieso keine gesunden Lebensmittel vorzufinden waren. Ich konnte zwar ein wenig kochen, aber meist ernährte ich mich bloß von Fastfood oder Eiweißpulver, weil es keinen Sinn hatte, nur für eine Person zu kochen. Es blieben immer Reste, die man anschließend in den Kühlschrank stellte und nach einer Woche feststellte, dass sie anfingen zu schimmeln.
Eine meiner letzen Bestellungen stand sogar noch auf der Kücheninsel. Schnell räumte ich den Rest der chinesischen Nudeln in den Kühlschrank, ohne nachzusehen, ob sie noch gut waren und zuckte bloß die Schultern. Mehr als Bauchschmerzen konnte ich sowieso nicht bekommen.
Wäre meine Schwester hier, dann würde sie mir vermutlich für meinen achtlosen und riskanten Lebensstil den Kopf abreißen.
Bei der Vorstellung ihrer vermeintlichen Worte, verdrehte ich bloß die Augen, während ich aus meinem Kühlschrank einen Apfel nahm und hungrig in diesen hineinbiss. Nebenbei sammelte ich in meinem Wohnzimmer Klamotten auf und brachte diese in das große Bad, wo ich sie gezielt in einen Wäschekorb warf. Ha! Getroffen.
Mit einem leichten Schmunzeln kehrte ich in meine Küche zurück, öffnete von dort aus die Terassentür und warf den Apfelgriebsch auf den Kompost. Ellis kam aus ihrer Hütte angerannt, wedelte freudig und begann meine Kleidung abzuschnüffeln.
"Ein Haufen fremder Menschen...", sagte ich schmunzelnd während ich mich hinhockte und sie am Hals zu kraulen begann, "aber diesmal keine anderen Hunde. Ich weiß ja, wie eifersüchtig du werden kannst."
Als hätte sie es verstanden, stupste sie mich mit ihrer kalten Nase im Gesicht an und fing an zu schlecken.
"Igitt, Ellie!", ich drückte sie lachend von mir weg und stand wieder auf.
Anschließend schloss ich die Terassentür und befahl Ellie, sich auf ihr Kissen vor den Kamin zu legen - sie gehorchte sofort.
Lively hatte ihr mit Sicherheit wieder Futter gegeben, eine Vereinbarung, die wir vor einiger Zeit getroffen hatten, da ich seit meinem aktuellen Fall nie vor 22 Uhr zuhause sein konnte.
Also ging ich beruhigt in das Badezimmer, um zu duschen.
In meinen rauen Händen verteilte ich das herb riechende Duschgel, welches ich anschließend auf meiner leicht behaarten Brust einrieb. Unter meinen Händen spürte ich die Unebenheiten meiner Haut, vor allem knapp über dem Herzen an der linken Brust und an meinem rechten Oberarm; es waren Narben von Schüssen, die ich mir über die Jahre eingefangen hatte. Teilweise auch aus der Zeit, als ich noch in der US-Army diente; das ist nun schon neun Jahre her und noch immer plagten mich nachts Albträume, welche mir den Schlaf raubten.
Ohne weiter darüber zu grübeln, ließ ich von diesen Stellen ab und wusch den Rest meines sthenischen Körpers.
Nach der Dusche zog ich eine karierte Webboxer und ein weißes T-Shirt an, und ließ mich sogleich rückwärts in mein anthrazitfarbiges Boxspringbett fallen.
Es überkam mich zwar schnell die Müdigkeit, doch ich war mir sicher, dass diese Nacht alles andere als erholsam sein würde.
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