Kapitel 1

Es war einfach nur kalt. Dabei lag nicht einmal Schnee. Und das im Dezember! Gut, es waren noch fünf Tage bis zum ersten Dezember, doch war auch das nicht typisch für Ende November. Kälte ohne Schnee - dann musste es ihrer Meinung nach auch nicht kalt sein. Mina mochte den Winter, doch waren die Winter längst nicht mehr so, wie sie sie aus ihrer Kindheit hier im Süden Deutschlands gewohnt war. Heute war so ein Tag, an dem kein Schnee lag, und das Thermometer -9°C angezeigt hatte. Die letzten Tage hatte es nur geregnet, nachts über war es kalt geworden, so dass das Wasser auch schön auf die Straße gefrieren konnte, und Idioten, wie sie einer war, auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni oder zum Einkaufen, schön auf die Fresse fallen konnten, wenn sie nicht aufpassten. Wobei, das war wohl wirklich nichts, was sie hätte beeinflussen können. Eine böse Kraft hatte das beeinflusst, und sie hatte nichts dagegen tun können.

"Du bist echt der oberschusseligste Mensch, den ich kenne. Ich sag noch, geh da nicht lang, und du läufst gerade aus drauf zu... Echt jetzt, so idiotisch kannst echt nur du sein."

"Danke Schwesterherz für deine netten Worte... Und jetzt sei so lieb, und sag mir nicht noch einmal wie dumm ich bin."

Lotte, Mina's Schwester, hatte direkt vor der glatten Fläche, auf der Mina nur Sekunden später ausgerutscht war, gestanden, und ihr gesagt, sie solle aufpassen. Als hätte man ihr das Hirn durch die Nase rausgezogen, lief die ältere der beiden Schwestern trotzdem geradewegs auf das Eis zu, und selbst Lotte hatte sie nicht mehr halten können. Nun hatte sie den Salat. Seit einer Stunde saßen die zwei Schwestern nun schon im Krankenhaus, und warteten darauf, dass endlich eine Krankenschwester kommen würde, um sie in einen Behandlungsraum zu bringen. Oder zum Röntgen. Irgendwo hin, Hauptsache sie musste hier nicht mehr in der Notaufnahme sitzen, und dem Mann ihr gegenüber beim Verbluten zusehen. Offensichtlich hatte er sich an der Hand verletzt, und das einzige Stück Stoff, das in der Nähe gelegen hatte, um die Blutung zu stillen, war weiß gewesen. Gut, mittlerweile hatte es den satten Rotton seines Blutes angenommen, was Mina immer wieder aufstoßen ließ. Blut war definitiv etwas, was sie nicht sehen konnte. Das, und DSDS. Beides eklige Sache, bei denen sie am liebsten schreiend davonrennen würde.

"So, Frau Fobrich... Sie kommen mit zum Röntgen." Eine der etwas älteren Krankenschwestern, die hier wohl schon mindestens 30 Jahre arbeitete, wartete auf sie, um Mina zum Röntgen zu bringen. Zum Glück hatte sie sich nur ihren Arm verletzt. Am Bein wäre es viel schlimmer gewesen.

Zu dritt liefen sie den nach Desinfektionsmittel duftenden, in hellorange gestrichenen Gang entlang, bis Schwester Sybille, wie es ihr Namensschild verriet, stehen blieb.

"Jetzt nur noch rechts um die Ecke, da bitte einfach auf die Stühle setzen, und warten, bis Sie aufgerufen werden." Ihre Stimme konnte gar nicht noch mehr Unlust und Unwille ausstrahlen, und doch schaffte Schwester Sybille es, mit ihrer Mimik genau das zu verdeutlichen. Lotte nickte nur, während Mina, ihren linken Arm angewinkelt an ihren Körper gepresst, um die Ecke lief. Zu dumm nur, dass sie nicht zuvor um die Ecke geschaut hatte. Dann hätte sie nämlich gesehen, dass ein Mann, ohne Vorsicht, einfach in sie rein laufen würde. Kurz schrie sie auf. Hatte er doch genau ihren vermutlich gebrochenen Arm angerempelt. Mina wäre jedoch nicht Mina, wenn ihr Drang, Menschen auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen, nicht größer wäre, als der Schmerz, der sich durch ihren Arm zog.

"Sag Mal, spinnst du. Einfach ohne jede Vorsicht hier die Gänge entlang zu rennen! Das ist ein Krankenhaus! Und wäre mein Arm nicht schon verletzt gewesen, wärst du jetzt vermutlich Schuld daran, wenn er gebrochen ist."

Zwei blaue Augen hatten sie auf einmal im Bann. Vergessen war die Wut. Aus ihrem Kopf verschwand jeder Funken Intelligenz.

"Tut mir Leid... Ich hab's eilig." Seine Stimme ließ sie erschaudern. Nicht nur weil sie so tief war, nein. Den schwäbischen Dialekt konnte man nur zu gut raushören, und den kleinen Lispler beim s hatte man auch nicht überhören können. Nichtsdestotrotz, überwog der schöne Klang seiner Stimme. So rau und doch so zart, konnte Mina sich gut vorstellen, dass sie ihm stundenlang zuhören könnte, selbst wenn er ihr das BGB vorlesen würde.

Noch bevor sie etwas erwidern konnte, war er schon wieder weiter gegangen, jedoch nicht ohne ihr noch kurz entschuldigend auf die Schulter zu klopfen, und sich ein paar Meter später umzudrehen und ihr ein "nochmal Entschuldigung" zuzurufen. So musste es sich anfühlen, wenn man von einem Hurricane erfasst wurde. Nur entfernt nahm sie wahr, dass Lotte irgendetwas zu ihr sagte.

"He hallooo! Mina!?" Lotte schien fast durchzudrehen, als die ältere der beiden endlich wieder wahr nahm, was um sie herum geschah.

Sie wollte überhaupt nicht aus diesem Bann gerissen werden. Zu groß war die Angst, dass sie sich diesen schönen, rothaarigen Mann mit den blauen Augen, und der wundervollen Stimme in einem Anflug von Verrücktheit einfach nur eingebildet haben könnte.

"Hast du ihn auch gesehen", wollte Mina von ihrer Schwester wissen, die vor ihr stand, und sie vorwurfsvoll anblickte.

"Dieses Riesenarschloch, dass dir auch noch auf deinen kaputten Arm gehauen hat? Ja den hab ich gesehen. Und jetzt komm, du musst nämlich zum Röntgen."

Mina verstand die Wut ihrer jüngeren Schwester nicht. Er hatte sich doch entschuldigt.

"Okay, offensichtlich hast du in deinem ganzen Leben noch nie einen Mann gesehen, da ist deine Reaktion völlig normal... und jetzt komm, vom anderen Geschlecht gibt es einige, die du noch anschmachten kannst."

Letzten Endes obsiegte die Zähheit der Jüngeren, und Mina hatte es tatsächlich in den Röntgenraum geschafft. Es wurden zwei unterschiedliche Aufnahmen gemacht, und mittlerweile war sie wirklich unleidig. Ihr Arm schmerzte höllisch, seit einer Stunde warteten sie nun schon auf den Arzt, der ihr sagen sollte, was mit ihrem Arm war und sie hatte furchtbaren Hunger. Gleichzeitig war ihr furchtbar schlecht, da sie nicht wusste, ob ihr Arm nun tatsächlich gebrochen oder nur verstaucht war. Sowohl sie, als auch Lotte hatten mittlerweile die Hoffnung verloren, dass einer der Götter in Weiß heute noch durch die Tür treten würde.

"Wir gehen jetzt einfach... so schlimm kann es nicht sein, wenn sie mich hier so ewig warten lassen." Mina wollte weg. Mit Ungeduld war sie bereits auf die Welt gekommen, da konnte sie mit solchen Situationen nicht gut umgehen. Einfach still sitzen zu müssen, nicht wissen was los war, und nicht dazu in der Lage, die Situation verbessern zu können. All das schaffte sie, und sie wünschte sich, dass sie heute Morgen einfach in ihrem Bett liegen geblieben wäre, so wie sie es sich vorgenommen hatte. Aber nein, ihre Vernunft hatte sie hinaus gezwungen. Nun hatte sie das Ergebnis der Vernunft.

"Wir gehen nirgendwo hin Mini, du hast einen verletzten Arm, und jeden Moment kommt ein Arzt durch die Tür, der dir sagt, dass es nicht so schlimm ist und du morgen wieder fröhlich durch die Gegend hüpfen kannst."

Als wäre sie Harry Potter höchst persönlich, kam auf einmal eine etwas ältere Frau durch die Tür herein. Ihre Haare hatte sie streng nach hinten in einen Dutt gesteckt, doch nahm ihr das nichts von ihrer freundlichen Ausstrahlung.

"So, guten Morgen Frau Fobrich" sagte sie und hielt Mina ihre Hand entgegen, die Mina, nun etwas fröhlicher gestimmt, nahm und sie grüßte. Zum Glück hatte es ihren linken, und nicht ihren rechten Arm erwischt.

"Ich bin Doktor Heldt", sagte die Ärztin, und begrüßte dann ebenso fröhlich Lotte, die noch immer neben Mina an der Behandlungsliege stand.

"Ich hab zwei Nachrichten...", begann die blonde Frau, während sie mit geübten Fingern auf der Tastatur vor sich herumklimperte, so dass nach wenigen Sekunden das Röntgenbild von Mina's Arm auf dem Bildschirm zu sehen war.

"Zwei Nachrichten... das klingt weniger schön. Eine wäre mir lieber gewesen...", erwiderte die Patientin, und ahnte nichts Gutes, während sie das Bild auf dem Computer betrachtete. Sie konnte definitiv einen Bruch in ihrem Knochen erkennen. Verdammte Scheiße.

"Zunächst die schlechte Nachricht... Ihre Elle ist gebrochen." Doktor Heldt deutete auf den klaren Bruch, auf dem schwarz-weißen Bild, und schenkte der rothaarigen Frau ein mitfühlendes Lächeln. "Aber... ich muss sagen, Sie haben Glück gehabt. Der Bruch ist weit genug vom Körper entfernt, sprich es muss nicht operiert werden. Eine Schwester wird Ihnen gleich eine Gipsschiene anlegen, die ist nicht rundum zu, da die Schwellung noch nicht abgeklungen ist, und mit einem Gips, der komplett geschlossen ist, hätten sie bei einem Weiteranschwellen keine Freude, glauben Sie mir. Sie bekommen außerdem noch eine Krankmeldung. Darf ich fragen, arbeiten oder studieren Sie? Damit ich weiß, wie lang die Krankmeldung erst einmal gehen soll?"

Mina war etwas überfordert. Das war jetzt doch alles etwas rasch über sie hereingebrochen. Und wirklich verarbeiten konnte sie es gerade nicht.

Sie hatte sich noch nie etwas gebrochen. Das ging nicht! Sie musste doch in den Kindergarten. Dort konnte sie nicht mit einem Gips am Arm arbeiten. Das ging so nicht.

Aber es musste gehen. Mit einem Gips am Arm.

"Du gehst jetzt nicht in den Kindergarten du sturer Bock! Ich sag Papa, er soll dich in deinem Zimmer einsperren." Diese Diskussion führten Mina und Lotte nun schon die ganze Fahrt vom Krankenhaus zurück zum Hof.

"Pf, als ob ihn das stören würde. Der würde nicht einmal liegen bleiben, wenn seine beiden Beine gebrochen wären. Da ist es ihm Recht, wenn ich so pflichtbewusst bin, und trotzdem arbeiten gehe."

Jetzt war Lotte genauso genervt wie Mina es war, das konnte die ältere Schwester allein schon an der Art erkennen, wie sie die Autotür zugeknallt hatte. Der Streit der beiden war nicht unbemerkt geblieben, denn mittlerweile waren schon die ersten Kinder auf die Auffahrt des Hofes getreten, hinter ihnen die Mutter der beiden Streithähne, sowie Fine und Caro.

"Ohh was hast du denn gemacht", konnte Mina den kleinen Robin fragen hören, der wie immer irgendwelchen Dreck im Gesicht hatte. Vermutlich war er mit ihrem Vater wieder im Stall gewesen.

"Ich hab mir den Arm gebrochen... wer will was auf den Gips malen?" Vergessen waren die Schmerzen, gut das hatte sie vermutlich den starken Schmerztabletten zu verdanken, aber die Kinder trugen durchaus dazu bei, dass sie dem ganzen Mist noch etwas Gutes abgewinnen konnte. Als wäre ihr vergipster Arm der Heilige Gral, starrten die Kinder mit großen Augen und offenem Mund ihre Erzieherin an, und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus.

"Tut das weh Mina?" Luna, die gleich an sie rangeschlupft kam, schaute ihre Lieblingserzieherin mit leicht glasigen Augen an.

"Oh je, Luna... nicht weinen." Beruhigend strich Mina der Dreijährigen über ihren rotlockigen Wuschelkopf, und nahm sie mit ihrem rechten Arm hoch. "Der tut mir nicht weh der Gips. Der hilft mir, dass es besser wird. Und in ein paar Wochen, bin ich das blöde Ding wieder los, okay?" Die kleine Maus nickte verständnisvoll, und gab Mina dann zaghaft einen Kuss auf ihren kaputten Arm.

"Soll is noch heile heile Segen singen? Dann tut's bei mir auch nis so lange weh?"

Mina lächelte, und schüttelte dann den Kopf.

"Das brauchst du nicht. So und jetzt gehen wir alle wieder rein, hier draußen ist es viel zu kalt!"

Nachdem die Kinder sich alle mit dem Gips, der von Lucas auf den Namen 'Schorsch' getauft wurde, vertraut gemacht hatten, saßen die sechs Frauen alle im großen Gemeinschaftsraum, in dem die Kinder der zwei Gruppen vor dem Mittagessen ab und zu noch zusammen spielen durften.

"So, und jetzt darf ich erfahren, weshalb ihr zwei vorhin so rumgebrüllt habt."

Frederike, die Mutter besagter Streithähne, beäugte ihre beiden Töchter missbilligend, während sie an ihrem noch ziemlich heißen Tee nippte.

"Wenn es nach Lotte ginge, würde ich jetzt oben im Bett liegen und nichts machen... ich hab gesagt, ich hab keine Schmerzen, ich kann arbeiten." Gut, das war mittlerweile gelogen. Sie spürte, dass die Schwellung an der gebrochen Stelle noch zugenommen hatte, und das drückte ganz schön unangenehm von innen gegen den Gips. Tatsächlich wünschte sie sich gerade nichts mehr als einfach im Bett zu liegen. Aber diese Genugtuung gönnte sie ihrer Schwester nicht.

"Und ich weiß, dass ich Recht habe ... ich sehe doch, dass du leidest! Dein Arm tut dir weh, weil die Schmerzmittel nachlassen. Das kannst du nicht leugnen."

"Musst du nicht selber zur Arbeit Lotte? Ich hab gedacht, du arbeitest gerade an einem wichtigen Projekt."

Ja, wenn Mina etwas wirklich beherrschte, dann war es der fliegende Themenwechsel. Die blonde Frau riss leicht panisch die Augen auf, schaute dann auf ihre Armbanduhr am Handgelenk, und sprang schnell auf.

"Bis nachher", konnten die verbliebenen Frauen noch hören, als hinter Lotte die Tür schon ins Schloss gefallen war.

"So, und jetzt sagst du uns Mal, wie du es hinbekommen hast, dir deinen Arm zu brechen", verlangte Alex, eine der Erzieherinnen der Waldzwergen-Gruppe.

"Ihr kennt mich, ich bin die tollpatschigste Person auf dieser Welt...", begann Mina, und erzählte davon, wie sie an diesem Morgen gemeinsam mit Lotte noch schnell einkaufen wollte, und auf dem Weg vom Parkplatz zum Supermarkt ausgerutscht war. Den Kindern hatten sie in der Zwischenzeit eine zur Vorweihnachtszeit passende CD eingelegt, und nun hörten sie im Hintergrund eines von Rolf Zuckowskis Liedern, dass die Kinder lautstark mitsingen konnten.

"Und jetzt hab ich hier den Mist für sechs Wochen... ich könnte durchdrehen."

"Aber, ich finde, Lotte hat Recht . Du solltest die ersten paar Tage vielleicht nicht unbedingt zur Arbeit kommen, oder nicht ganz so viel mitarbeiten. Nicht dass eines der Kinder noch blöd an deinen Arm kommt, und es vielleicht noch verschlimmert." Caro sprach wahre Worte, Mina war das durchaus bewusst, aber sie mochte es nicht, einfach nur nichts zu tun.

Und mit einem Gips am Arm ließ es sich auch so schlecht schlafen.

"Was soll ich eurer Meinung nach dann die ganze Zeit machen? Ich meine, es ist ja nur mein Arm der im Gips ist, aber... ach ich weiß auch nicht. Vielleicht können wir ja Vivi für morgen gleich noch dazu holen... wenn ihr mich da auch noch ausgrenzen wollt? Ich erstelle einfach nen neuen Arbeitsplan... das kann ich ja noch machen." Mehr mit sich selbst, als zu den anderen sprechend, hatte sich die Erzieherin nun ihre Tagesaufgabe gegeben, damit ihr wenigstens nicht langweilig wurde. Auch wenn sie das erstellen des Arbeitsplanes hasste wie die Pest. Das übernahm sonst Alex, die Mina nun mit einem skeptischen Blick betrachtete.

"Bist du dir sicher, dass du das machen möchtest? Ich meine, nicht dass du das nicht könntest, aber... du kannst das nicht." Ihr Stimme wurde mit jedem Wort fisteliger, das nicht musste sie im fünfgestrichenen C gesagt haben.

"Ich weiß, also wird es Zeit, dass ich es lerne!"

Ausgiebig verabschiedete sich die junge Frau noch von den Kindern, die jetzt gleich wieder mit den anderen Erzieherinnen in ihre Gruppen gehen würden. Natürlich kamen erneut Fragen auf, da die Kinder nicht verstehen wollten, weshalb Mina nun erst einmal nicht arbeiten konnte. Doch so schnell das Interesse für sie aufgekommen war, so schnell ebbte es auch wieder ab, und etwas anderes war wichtiger. Kinder waren eben erbarmungslos, wenn es um ihr Lieblingsspielzeug oder die Puppenecke ging.

Auch von ihren Kolleginnen verabschiedete sie sich, ihrer Mutter ließ sie ein "bis später" zukommen, und schon war sie auch schon auf dem Weg in ihr eigenes kleines Reich.

Der ganze Hof gehörte ihrer Familie, das hatte er schon seit Generationen. Mina und ihre Mutter hatten jedoch erst vor vier Jahren ein neues Kapitel im Leben des Hofes aufgeschlagen, als sie sich dazu entschlossen hatten, einen Bauernhof Kindergarten zu eröffnen. Nach ihrem Abitur hatte sie sich erst nicht entscheiden können, was sie nun mit ihrem Leben anstellen sollte, und so hatte sie sich, in weiser Voraussicht schon ein Jahr vor ihres Abschlusses für einen Ausbildungsplatz als Zimmerer beworben. Tatsächlich war das Arbeiten mit Holz schon immer etwas gewesen, was Mina gerne gemacht hatte, doch nachdem sie bereits nach eineinhalb Jahren die Ausbildung abgeschlossen, und danach zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet hatte wie ein Tier, hatte sie gemerkt, dass das nichts war, was sie für die Ewigkeit machen wollte. Und so hatte sie sich ihre Mutter zum Vorbild genommen, und eine Ausbildung als Erzieherin drangehängt. Dank ihrer Erfahrung als Zimmerer, hatten Mina, ihr Vater Walter und einige ihrer bekannten Zimmermännerkollegen ein Gebäude des Hofes, das zuvor jahrelang als große Lagerhalle verwendet worden war, zu einem wunderschönen, großräumigen Haus umfunktionieren können, in dem sich jetzt seit zwei Jahren bereits ihre Kindergartenkinder tummelten. Und bis jetzt hatte sie es nicht bereut. Sie liebte ihre Arbeit, die Kinder waren super, es war nie stressig, und ihr Arbeitsweg war alles andere als lang. Das ehemalige Haupthaus hatten sie, samt kleiner Scheune schon vor Jahren umgebaut, und mittlerweile hatte sie ihre eigene Wohnung separiert vom Rest des Hauses. Genau in diese Wohnung ging sie nun auch.

Natürlich hatte sie überhaupt keine Lust darauf jetzt die Arbeitspläne neu zu machen, aber das würde sie nun einfach in Angriff nehmen. So schlimm konnte es ja nicht sein.

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