Kapitel 49

Bereist am nächsten Morgen, begleitete ich Handan Sultan zu dem Raum, in dem mir Ahmed viele Kleider anfertigen lassen hatte.
Als ich diese wieder vor Augen hatte schlich sich mir wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Auch sie sah sich in dem Raum um und kam anschließend zu mir
"Mein Sohn ist sehr großherzig" sagte sie mit dem Blick auf die vielen Kleider und dem Schmuck.
Ihr Blick lag wieder auf mir.
"Nicht einmal den Sultans ist so viel gegönnt. Nach all dem was du für uns getan hast, hast du das hier sehr wohl verdient. Schätze diese Geschenke, doch hüte dich davor, alles preiszugeben. Sei keinem ein Dorn im Auge. Du weißt genauso gut, dass es im Harem viele weitere Mädchen gibt, die auf ihre Reihe warten auch das gleiche Glück wie du zu haben. Erwecke bloß nicht deren Eifersucht"
Ich nahn ihre Worte zu herzen, denn sie hatte Recht.

Erst noch gestern wurde ich von einer angegiftet.

"Gibt es noch immer keine Nachricht vom Sultan?" wechselte ich das Thema
"Leider nicht" ihre Stimme nahm einen besorgten Ton an und wie schon immer schaute sie auf ihre vor dem Körper gefalteten Hände.
Sie hob ihren Kopf genauso schnell wieder an und ein leichtes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht
"Nun sag mir, hast du mir eine erfreuende Nachricht zu geben?"
Ich errötete.
"Nach dem mein Sohn wieder genesen war, hat er keinen anderen außer dich zu sich gerufen" fuhr sie fort
"Leider nicht mein Sultan. Doch ich spüre es. Schon bald werden sie die gute Nachricht erhalten"
"Ich hoffe es" gab sie besänftigend bei.

Haji betrat den Raum und verbeugte sich.
"Mein Sultan. Safiye Sultan erwartet sie in ihren Gemächern. Sie sagte es sei was wichtiges. Ich weiß auch nicht mehr, was vor sich geht"
Handan Sultan zog ihre Augenbrauen misstrauisch zusammen und schritt voraus.
Kurz bevor Haji ihr folgen konnte hielt ich ihn auf
"Ich möchte über alles informiert werden Haji"
Er überlegte einige Sekunden nach, bevor er mir ein Nicken zuwarf.

In dem Gespräch zwischen Safiye Sultan und Handan wurden die Pläne Halimes aufgedeckt.
Sie hätte sich mit Timarioten getroffen um den kleinen Prinzen auf den Thron zu bringen. Als Beweis wurde ein Brief gefunden, den Halime verschickt und das Treffen einberufen hatte.
Man hatte sie frisch ertappt.
Im Gegenzug für diese Information würde Safiye Sultan weiter im Palast bleiben.
Zu meinem Leid.
Doch momentan war es das wichtigste diesem auf den Grund zu gehen.

Irgendwas schien mir hier nicht richtig.
Waren Halime Sultan und Safiye Sultan nicht auf der selben Seite?

Handan Sultan war ganz außer sich und wurde im Palast zur Rede gestellt
"Man sagt, wenn man einer Schlange das Leben verzeiht, beißt es eines Tages zu" gab Handan Sultan ganz außer sich
"Ich bin unschuldig mein Sultan. Das ist eine Falle. Das ist alles das Spiel von Safiye Sultan" verteidigte sich Halime
"Ist der Brief also auch eine Lüge?" stellte Haji die Frage, der direkt hinter Halime stand.
"Es enthielt eindeutig die Bitte, den kleinen Prinzen zu beschützen" fuhr er fort
Halime Sultan schüttelte den Kopf
"Ich habe den Brief nicht geschrieben"
"Gehen wir mal davon aus, dass du die Wahrheit sagst" fing Dudu an
"Was hast du dann in dem selben Raum mit ihnen zu tun gehabt?. Niemand hat sie dazu gedrängt"
"Safiye Sultan hat mir einen Vorschlag gemacht. Sie sagte mir, es wäre der beste Moment, da wo der Sultan nicht hier ist, den kleinen Prinzen auf den Thron steigen zu lassen. Ich habe es abgelehnt. Ich wusste nicht einmal das dort die Timarioten waren"

Ihre Worte brachten nichts.
Sie stießen auf taube Ohren.

"Ich glaube nur an das was ich selber sehe und höre." Handans Stimme triefte nur vor Wut
"Nein. Mein Sultan bitte machen sie es nicht" flehte Halime ein letztes mal
"Dudu. Es ist mein Befehl. Schickt sie sofort zum alten Palast und steckt die Timarioten ins Gefängnis." Ihre Stimme duldete keine Widerrede
"Bitte machen sie es nicht. Sehen sie denn nicht, dass Safiye Sultan versucht uns gegeneinander zu richten? Spielt nicht nach ihrem Spiel" ihre Stimme war nichts mehr als ein Wimmern.
"Waren wir je Alliierte, dass wir uns jetzt gegeneinander richten sollten?! Und jetzt geh und verabschiede dich von dem kleinen Prinzen"
"Nein. Dudu, ich bin ein Sultan. Wie werden sie diese Situation dem Sultan erklären?"wandte sich Halime nun an Dudu
"Vergibt mir, doch bis der Sultan zurückkehrt, wäre es das Beste für sie, dass sie in dem alten Palast bleiben"

Als nur noch ich und Handan Sultan da waren, konnte ich nicht anders als das Thema wieder aufzugreifen.
"Finden sie nicht, dass es eine etwas zu harte Strafe gewesen ist mein Sultan?"
"Sie sollte sich glücklich schätzen, dass ich ihr nicht das Leben genommen habe" brachte sie nun etwas ruhiger hervor
"Du weisst es genauso. Du hast es mit erlebt. Du weißt was Halime getan hat, als mein Sohn am Sterbebett gebunden war"
"Ich sage nicht, dass Halime Sultan unschuldig ist. Als sie dorthin gegangen ist, hat sie mit Sicherheit etwas im Kopf gehabt. Doch diese Situation wird nur zum Vorteil für Safiye Sultan sein.Die Wahrheit muss ans Licht gebracht werden"
Ich verwies mit den letzten Worten an Safiye Sultan.

"Die Wahrheit...Wem interessiert hier die Wahrheit? Wenn wir doch nun eine Möglichkeit in unseren Händen haben, warum sollten wir diese nicht ausnutzen?"kam es spöttisch von ihr
Ich wusste das beide sich nie wirklich ausstehen konnten. Doch das hier war nicht richtig.
"Wartet einige Zeit damit ab und lasst uns erst einmal herausfinden, was Safiye Sultan vor hat" gab ich als Vorschlag von mir
"Safiye Sultan will zeigen, wie sie uns behilflich sein kann, wenn wir auf sie eingehen. Doch auch ihre Bemühungen werden umsonst sein. Auch sie wird zum Tränenpalast gehen. Sie wird an det Entscheidung des Sultans nichts ändern können"
"Mein Sultan-" versuchte ich es erneut, doch sie hob ihre Hand und deutete mir nichts mehr zu sagen.
"Kösem, denk nicht mehr daran und ermüde dich nicht umsonst mit solchen Angelegenheiten. Und stell nie wieder meine Entscheidungen in Frage. Du kannst jetzt gehen"
Ich zwang die vielen Wörter, die mir auf der Zunge lagen herunter und verließ ihre Seite.

Die Nachricht über Handan Sultans Worte hatten schnell alle Ecken des Palastes erreicht.
Im Harem reihten sich die Mädels an beiden Seiten auf und ich gesellte mich zu ihnen. Wie schon oft stand dabei Cennet an meiner Seite
"Immer ein Ereignis nach dem anderen. Möge Gott uns helfen" beklagte sich Cennet
"Keine Angst, der liebe Gott wird ganz sicher nicht dafür sorgen, dass ihr hier bleiben werdet. Aber das Spiel geht weiter, ist dem nicht so?"
Von weitem sah man Halime Sultan kommen und alle nacheinander begrüßten sie mit einem Knicks.
Als sie mit ihrer Gesellschaft an uns vorbeiging rann Mustafa auf seine Mutter zu. Nicht weiter entfernt folgte auch die Tochter von Halime, Dilruba.

"Mama geh nicht"kam es weinerlich von ihm.
Halime kniete sich vor ihrem Sohn hin, strich ihm über seine Locken und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.
"Ich werde nicht weit weg gehen. Ich werde ganz bald wieder zurückkommen" versuchte sie ihn zu besänftigen
"Lass mich mit dir gehen. Bitte nimm mich mit"
Der Anblick zerbrach mir das Herz.
Ich merkte das Halime Sultan sich bemühte nicht die Fassung zu verlieren.
Ich trat einen Schritt auf beide zu und sprach zu ihm
"Der Sultan ist jetzt nicht da, wer wird dann uns beschützen, wenn auch du fehlen wirst?" versuchte ich es in sanften Worten
"Was wird dann mit meiner Mutter passieren? Wer wird sie beschützen?"
"Sie wird zurükkehren. Sie würde dich doch niemals verlassen" gab ich zurück und versuchte alles mögliche um es glaubhaft rüber zu bringen.
"Versprichst du es mir?" in seinen Augen schien wieder Hoffnung
"Versprochen" erwiderte ich fest und streckte ihm meine Hand hin, die er nach einigem zögern ergriff.
Halime stand aus ihrer Position auf und schaute zu mir.
An ihrem blick bemerkte ich, dass sie versuchte mich zu durchschauen, doch ich hatte keine weiteren Absichten.
"Halime Sultan, ich werde den kleinen Prinzen beschützen. Wenn Sie gewähren werde ich immer ein Auge auf ihn behalten und ihn mit meinem Leben beschützen"
Ich sah Erleichterung in ihrem Gesicht aufblitzen.
Ein letztes mal drückte sie einen Kuss auf seine Stirn, bevor sie sich von ihm wendete und
"Auf Wiedersehen" sagte

Als Halime Sultan um die Ecke bog und verschwand ergriff seine Schwester seine kleine Hand und funkelte mich an.
"Wer bist du, das ausgerechnet du ihm beschützen sollst, wenn ich noch hier stehe?. Bleib bloß fern von ihm"
Ich war verwirrt von den Worten, die sie mir zuwarf.
Mit diesen Worten zog sie den kleinen Prinzen mit sich.
Der kleine Prinz drehte sich mit dem Kopf ein letztes mal zu mir und ich setzte ein ermutigendes Lächeln auf.

"So Mädels die Show ist beendet. Alle wieder an die Arbeit!" kam die gewohnt laute Stimme von Cennet.
An mich gewendet senkte sie ihre Stimme in einen Flüsterton
"Genau das ist es Mädchen. Das ist genau das was du tun sollltest. Den Prinzen beschützen"
War diese Bemerkung ironisch gemeint?
Oder lag was ernstes daran?
Ich zog meine Augenbrauen verwirrt zusammen und schaute ihr hinterher.
"Cennet, warte"
Ich wollte nicht aus ihr schlauer werden
"Warum sollte ich den Prinzen beschützen sollen? Was wird passieren?" fragte ich
"Lass mich nicht bereuen, dir das überhaupt gesagt zu haben. Das ist alles was du wissen solltest. Ich will nicht wegen dir auch noch meinen Kopf verlieren"
Mit diesen Worten war das Thema für sie erledigt.

Was ging hinter geschlossenen Türen vor sich?
Da Halime Sultan weggeschickt wurde und ich diesen Hinweis von ihr erhalten habe...
Deutet alles wieder auf Safiye Sultan hin.
Was hat sie bloß vor?

Ich musste meine Worte doch anscheinend ernster nehmen und den kleinen Prinzen genauer im Auge behalten.

Der Abend brach an und ich ging zum kleinen Prinzen, damit er wenigstens etwas zu sich nimmt.
Ich setzte mich neben ihm, während er mit um die Knie geschlungenen Arme nur in die Leere schaute.
Ich packte das weiße Tuch aus in dem ich einige Maronen gesteckt hatte.
"Schau mal was ich dir so mitgebracht habe"
Meine Worte schienen ihn neugierig gemacht zu haben, denn er starrte erwartungsvoll zu mir.
Ich schlug das Tuch zur Seite und zeigte ihm die Maronen.
"Ich werde nicht ohne meine Mama essen"
Ich wusste wie sehr er diese mochte, und trotzdem war er so stur und gab vor nichts essen zu wollen.

Wie es nun so ist kleiner Prinz.

"Na gut. Dann werde ich wohl alle alleine essen müssen"
Ich begann die Schalen zu schälen und merkte wie er mir immer wieder verstohlene Blicke zu warf.
Ich setzte alles dran um nicht grinsen zu müssen und machte weiter, bis die Maronen frei von der Schale war.
Ich gab vor sie zu essen und setzte sie kurz vor meinem Mund ab und warf ihm einen Blick zu.
Sein Gesicht strahlte und er reichte mir seine kleine Hand.
Er nahm seinen ersten Bissen und schaute wieder zu mir.
Ich machte weiter und schälte bereits die nächsten.
"Ich vermisse meine Mutter. Ich vermisse auch Meneksche (rechte Hand von Halime)"
"Ich vermisse auch meine Mutter, meinen Vater und meine kleine Schwester. Ich vermisse aber auch den Sultan. Ich bete immer dafür das er so schnell es geht wieder zu uns kommt"
"Ich werde auch dafür beten" gab er wieder hoffnungsvoller von sich.
Als er seine Maronen aufgegessen hatte, schlich er sich zu mir und bettete seinen Kopf auf meinen Schoß.
So wie er da lag mit seinen unzähligen blonden Locken, die ihm in sein Gesicht hingen, ließ mein Herz weicher werden. Ich hatte ihn wirklich gern.
Ich strich ihm mehrmals über die Haare und merkte wie seine Atmung mit der Zeit immer ruhiger wurde.
So saß ich einige Zeit, bis ich mich vergewissern konnte, das er wirklich tief und fest schlief.
Ich hob seinen Kopf leicht an und bettete ihn auf einen Kissen, den ich unter seinen Kopf schob.
Er regte sich nicht.
Ich stand auf und ging aus dem Zimmer.
Cennets Worte ließen mir keine Ruhe und so beschloss ich zumindest die erste Nacht in der Abwesenheit seiner Mutter bei ihm zu bleiben.
Ich holte einen weiteren Kissen und eine Decke und ging wieder ins Zimmer.
Draußen wütete schon wieder einmal der Sturm, und jeder im Harem war schon bereits am schlafen.
Als ich das Zimmer betrat sah ich einen männlichen Bediensteten im Zimmer gebückt über dem Prinzen stehen.
Was hatte er hier zu suchen?
Er drehte sich zu mir um und ich sah etwas in seiner rechten Hand aufblitzen.
"Was hast du hier zu suchen? Wer bist du?" gab ich fest und laut von mir
Auf dem Gesicht erschien ein schiefes Lächeln.
In seiner Hand war ein Seil.
Eines, welches zum Erwürgen gedacht ist.
Er ging einige Schritte auf mich zu.
Meine Augen weiteten sich vor Schreck und ich gab einige Schritte nach.
Ich schmiss das Kissen welches ich in meiner Hand hielt auf den Boden und  versuchte ihm das Seil aus der Hand zu entwinden doch er schubste mich mit einer Bewegung zu Boden.
Als ich mich ihn wieder zuwendete nahm er einen Dolch aus seinem Bund und zückte es hervor.
Ich brauchte Hilfe!

Der Prinz war in Gefahr!

Ich schrie aus vollem Leibe nach Hilfe
"Kommt zu Hilfe!"
Meine Schreie blieben unbeantwortet, doch den kleinen Prinzen hatte es geweckt.
"Kösem?" kam es noch verschlafen von ihm.
Ich wurde panisch und rannte zum Kamin, an dem sich ein Kaminbesteck befand. Ich griff danach und schlug ein. Ich traf ihn am Bein und er stürzte auf den Boden. Bereits in der nächsten Sekunde kam er wieder auf die Beine.
Dudu stürmte rein und schaute mit vor Schreck geweiteten Augen auf das Geschehen vor ihr
"Was passiert hier?!" kam es entsetzt von ihr
Ich nutzte die Gelegenheit und rannte zum Prinzen.
Dudu, konnte in ihrem hohen Alter nicht viel machen, doch sie nahm ihren Gehstock und sperrte dem Angreifer den Weg.
Sie rief nach Verstärkung doch keiner kam.
Ich versuchte Mustafa zu beruhigen, der schon angefangen hatte zu weinen.
Ein schmerzvoller Schrei ließ mich nach Dudu umschauen.
Ihre Augen waren weit aufgerissen und mit einer Hand hielt sie sich die Wunde am Bauch, die der Angreifer verursacht hat.

Er flüchtete.

Mustafa weinte umso bitterlicher und ich hielt seinen Kopf zu meinem Körper um ihn vom Geschehen so weit es ging abzulenken.
Dudu schwanden die Kräfte und sie sank auf die Knie und hielt sich kräfteringend an ihrem Gehstock fest.

Die Verstärkung kam endlich an und ich wies einige von ihnen an dem Angreifer zu folgen.
"Er ist weggerannt" und zeigte mit dem Finger in die Richtung, in der er verschwand.

Es dauerte nicht lange und sie brach zusammen.
Ich verzweifelte und wurde panischer.
Ich ließ den kleinen Pinzen los und kniete mich vor Dudu auf dem Boden und drückte mit dem Tuch auf die Wunde.
Meine Hände waren nach kurzer Zeit benetzt mit ihrem Blut.
Sie durfte nicht sterben.
Ihre Atmung wurde schwächer, doch die Hilfe kam zum richtigen Zeitpunkt. Haji kam mit einer Ärztin und einigen Helfern in das Zimmer
Man brachte sie schnell in die Krankenzimmer und sie wurde versorgt.
Mustafa wurde in das Zimmer seiner Schwester gebracht.

Auch wenn wir das schlimmste angewendet hatten, war eine Person gefährlich verletzt worden.
Was wäre passiert, wenn ich heute nicht hier gewesen wäre?
Was wäre, wenn mir Cennet nichts gesagt hätte?
Ich wollte mir das schlimmste nicht einmal ausmalen.
Und schon wieder konnte kein weiterer hinter all dem stecken als sie.

Safiye Sultan.

Dieses mal ist zu weit gegangen.







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