Zwei Tage später, am Montagmorgen, fuhr Reed auf seinem Motorrad zur Schule. Obwohl er bei seinem Onkel so ziemlich alles gelernt hatte, was er als angehender Alpha benötigte, wollte er dieses Jahr noch zu Ende bringen.
Er stellte gerade seine Maschine ab und zog den Helm vom Kopf, da fuhr Caleb neben ihn auf den Parkplatz und stieg aus. Der andere Alpha umrundete das Auto und kam auf ihn zu. Kurz vor Reed blieb er unsicher stehen. „Hey“, grüßte er leise.
„Hey“, bekam er als Antwort und Reed blickte ihn abwartend an. Caleb rührte sich nicht, denn er wusste nicht, was er tun oder wie er sich verhalten sollte.
„Willst du mich nicht mit einem Kuss begrüßen?“, fragte Reed schließlich und grinste frech. „Seit wann bist du denn so schüchtern?“
Nun kam Bewegung in Caleb. So etwas ließ er sich nicht zweimal sagen, also zog er Reed an seinen Körper. „Ich wusste nicht, ob du das zulassen würdest“, gab er leise zu und grinste verlegen.
„Jetzt weißt du es“, kicherte Reed und schlang seine Arme um ihn. „Ich habe nichts dagegen, wenn du mi... hmpf“, begann er und wurde von den Lippen unterbrochen, die sich stürmisch auf seine legten.
Caleb seufzte zufrieden und schob fordernd seine Zunge zwischen die Lippen seines Gefährten. Reed reagierte ohne zu zögern und öffnete den Mund. Mit einem leisen Stöhnen hieß er Caleb willkommen, der sofort seinen Mund erkundete. „Dein Geschmack macht mich ganz verrückt“, flüsterte Caleb zwischen zwei Küssen.
„Das kann ich nur zurückgeben“, keuchte Reed ihm entgegen. Ein Räuspern hinter ihnen ließ sie auseinanderfahren.
„Was muss ich denn da sehen? Reed, hast du etwa deinen Gefährten gefunden? Milo und du haben gar nichts davon verraten.“ Yuki war hinter sie getreten und hatte sie angesprochen. Sie wirkte leicht beleidigt.
„Ähmm...“, begann Reed und stockte.
Yuki übernahm die Initiative und streckte ihre Hand aus. „Hallo, ich bin Yuki. Reeds zweite Beta und du bist ein wirklich schnuckeliger Kerl. Da hat Reed ja tatsächlich einen Jackpot abgegriffen“, sagte die Japanerin und schüttelte Calebs Hand.
Hinter ihr tauchte Milo auf und knurrte Caleb böse an. „Freunde dich mit ihm nur ja nicht an. Der Kerl ist ein Arschloch“, beteuerte der Beta und löste Yukis Hand aus dem Griff des verhassten Alphas.
„Milo, lass das! Caleb und ich versuchen es miteinander und da bist du mit solchen Kommentaren keine große Hilfe“, sagte Reed schon zu ruhig, was seinem Beta zeigte, dass er vorsichtiger sein sollte.
„Na gut. Aber er soll die Finger von meinem Mädchen lassen“, rechtfertigte er sich und zerrte Yuki mit sich.
„Was war denn das?“ Caleb starrte Reeds Betas verwirrt hinterher.
„Milo mag dich eben nicht und jetzt, da er seine Mate gefunden hat, ist er auch noch sehr besitzergreifend.“ Reed zuckte die Achseln.
„Weiß er davon, dass ich dich nach unserem ersten Mal nicht markiert habe?“ Der Alpha musste wissen, woran er war.
„Nein, mein Dad und ich haben ihm nichts davon erzählt. Es wissen nur mein Vater, Sally, Garret und deine Eltern davon. Ich möchte auch, dass es so bleibt. Wir hatten schon genügend Start-Schwierigkeiten. Da brauche ich nicht auch noch Milo, der sich in unsere Beziehung einmischt, weil er meint, mich schützen zu müssen.“ Reed sah ihn wieder an und zuckte die Schultern.
Caleb trat vor und zog Reed zurück in seine Arme. „Okay. Wenn das dein Wunsch ist, dann respektiere ich das. Aber falls du ihm doch noch davon erzählen möchtest, ist das für mich auch in Ordnung.“ Er beugte sich vor und küsste Reed noch einmal. Zu seiner Freude erwiderte sein Gefährte den Kuss.
Nachdem sie sich endlich voneinander lösen konnten, machten sie sich auf den Weg zu ihrer Klasse. Dabei hielten sie sich an den Händen und ignorierten die vielen erstaunten Blicke der anderen.
„Hey, Reed. Was ist denn mit euch beiden? Ich dachte, ihr hasst euch“, rief Florian aus der Parallel-Klasse plötzlich.
„Wie du siehst, ist das nicht mehr so. Caleb hier, ist mein Gefährte“, schrie der Angesprochene laut zurück. Es sollte ruhig jeder wissen, dass sie nun zusammengehörten.
Caleb grinste erfreut, als Reed ihre Verbindung zueinander so offen zugab. Er hatte schon Bedenken gehabt, der andere Alpha könne versuchen, das zu verheimlichen. „Du arbeitest ja tatsächlich daran, mir zu vertrauen“, flüsterte er ihm leise zu. „Das gefällt mir und ich werde dich nicht noch einmal enttäuschen.“
Reed blickte ihn abschätzend an. „Das rate ich dir auch nicht, denn noch einmal werde ich dir nicht vergeben“, gab er genauso leise zurück. Gestaltwandlerohren hörten ausgezeichnet und sollten von ihren Schwierigkeiten erst einmal nichts erfahren.
Caleb nickte vorsichtig. Er würde alles dafür tun, Reed glücklich zu machen und ihn vergessen zu lassen, dass er beinahe an dessen Tod schuld gewesen wäre.
Reed spürte Calebs aufkommende Unsicherheit und legte beruhigend seine Hand an dessen Wange. „Lass diese Gedanken. Wir machen einfach einen Neuanfang. Auch ich werde versuchen, nicht mehr daran zu denken. Du wusstest nicht, was du tust, als du mich nicht markiert hast und ich habe danach einen ähnlichen Fehler begangen, als ich mich von dir fern hielt.“
Caleb nahm Reeds Hand von seiner Wange und küsste die Handfläche. „Wenn das nur so einfach wäre, aber ich gebe mein Bestes“, versprach er. Dann klingelte es zur ersten Stunde und sie setzten sich in ihrem Klassenraum auf ihre Plätze.
Der Unterricht war langweilig und Reed kannte das alles schon. Also fing er an, zu zeichnen. Er malte zwei Wölfe, die auf einem Felsen saßen. Der eine Wolf zu Füßen des anderen.
„Das sieht schön aus“, wurde er aus seinen Gedanken gerissen und zuckte ertappt zusammen. Caleb stand hinter seinem Stuhl und blickte ihm dabei über die Schulter. Irritiert bemerkte er, dass die Stunde vorbei war. „Malst du öfter?“ Caleb konnte seine Neugier nicht verstecken.
Reed zuckte mit den Schultern. „Nur manchmal“, antwortete er und packte seine Stifte zusammen.
„Kann ich das haben? Es erinnert mich an uns beide. Ich finde, der liegende Wolf sieht aus wie du und der andere, wie ich.“ Calebs Blick war noch immer auf das Blatt geheftet.
Reed betrachtete nachdenklich die Zeichnung. Sein Gefährte hatte recht. Es sah aus, wie sie beide. Anscheinend hatte Reed im Unterbewusstsein ein Bild von ihren Wölfen gemalt. Er riss das Blatt aus seinem Heft und gab es Caleb, der es freudestrahlend entgegennahm und in sein eigenes Heft klemmte.
„Komm, holen wir uns was zu trinken. Ich lade dich ein“, sprach Caleb erneut und nahm Reeds Hand.
Dieser ließ sich von seinem Stuhl ziehen und folgte seinem Gefährten zur Mensa. Natürlich hatte es die Runde gemacht, dass sie beide nun Mates waren und sie wurden unterwegs zur Mensa mehrmals deswegen angesprochen.
Caleb beantwortete grinsend die Fragen und zog Reed dabei an seine Seite. Es erweckte den Eindruck, als wäre der Alpha stolz darauf, mit ihm zusammen sein zu können. Reed bestätigte immer nur kurz die Fragen. Langsam fühlte er sich doch ein wenig unwohl, da immer wieder die Frage aufkam, warum die Mondgöttin gerade zwei Alphas, die niemals gemeinsamen Nachwuchs haben konnten, als Mates gebunden hatte.
Caleb versuchte abwinken und sagte, es gäbe schließlich auch andere Möglichkeiten, ein Kind zu bekommen. Adoption zum Beispiel. Dies machte Reed nur wieder bewusst, wie sehr Caleb doch Kinder mochte und dass es unglaublich schwer für ihn sein musste, darauf verzichten zu müssen.
Lark versuchte sich zu Wort zu melden, doch Reed ignorierte seinen Wolf. Er wollte erst einmal sehen, wie es zwischen ihnen beiden lief, bevor er eine Entscheidung traf. Obwohl er seinem Wolf versprochen hatte, am übernächsten Wochenende mit Caleb über sein Geheimnis zu reden, hatte er Angst vor dessen Reaktion.
Mittlerweile standen sie vor dem Getränkeautomaten, der in der Mensa stand, und begutachteten die Auswahl. „Also, was möchtest du haben?“ Caleb sah Reed fragend an. Reed entschied sich für einen Apfelsaft und Caleb für einen Kirschsaft. Mit den Getränken machten sie sich wieder auf den Rückweg in ihre Klasse. Es war nur eine kurze Pause und die war gleich wieder vorbei.
Kaum im Klassenzimmer angekommen, klingelte es bereits. Die Schüler setzten sich und warteten anschließend auf den Lehrer, der kurz danach erschien. Die nächsten zwei Stunden waren sie damit beschäftigt, Rechenformeln zu lösen.
*****
Endlich klingelte es zur großen Pause und Reed lief neben Caleb zur Mensa, wo sie sich an einen großen Tisch setzten. Kurz danach erschienen auch Milo und Yuki, die sich nach einer kurzen Begrüßung zu ihnen setzten.
Auch Calebs Betas, Steve und Dominik, kamen hinzu und sahen sie erstaunt an. „Hey, Caleb. Wie kommt es, dass du mit denen an einem Tisch sitzt? Ich dachte immer, du hasst Reed“, fragte Steve und bekam von Dominik einen Stoß in die Rippen. Der zweite Beta hatte sofort erkannt, was Sache war.
Milo grinste Steve belustigt an, der immer noch nichts geblickt hatte und Dominik anfuhr, was das eben sollte. Der zweite Beta deutete mit dem Kopf auf die beiden Alphas, die eng nebeneinander saßen und ihre Hände verschränkt hielten. Steves Augen wurden groß. „Oh, das ... also ich ... Boah, jetzt sagt mir nicht, ihr beiden seid Mates“, meinte er erstaunt.
Caleb sah ihn kalt an. „Wie du sehen kannst, sind wir das. Hast du etwas dagegen einzuwenden, Steve?“ Der Alpha betonte den Namen seines Betas extrem.
Dieser hob abwehrend die Hände. „Herrje, nein. Natürlich nicht. Aber ich habe noch nie von zwei Alphas als Gefährten gehört. Ich meine, ein Mann und eine Frau verstehe ich ja. Aber zwei männliche Alphas? Das ist ziemlich...“ Steve redete sich gerade um Kopf und Kragen.
Dominik, der bemerkte, wie Calebs Blick sich verdunkelte und er sich anspannte, stieß nun zum zweiten Mal seinem Freund den Ellenbogen in die Rippen. „Sei endlich ruhig. Du machst es dadurch nur noch schlimmer!“
Steve blickte entschuldigend zu Reed und Caleb. „Sorry. Versteht das bitte nicht falsch. Ich gehe davon aus, dass die Mondgöttin sich dabei schon etwas gedacht haben muss, denn sonst würde sie so etwas nicht tun. Also sollte alles seine Richtigkeit haben“, beteuerte Steve.
Caleb entspannte sich wieder und lehnte sich zurück. Obwohl er wütend auf Steve gewesen war, hatte er bemerkt, wie Reed ihm beruhigend über den Handrücken strich. Sein Gefährte war anscheinend der Besonnenere von ihnen beiden.
Reed hingegen hatte belustigt dem Gespräch zwischen Caleb und Steve zugehört und gespürt, wie sein Gefährte immer wütender wurde. Um diesen zu beruhigen, hatte er begonnen, seine Hand zu streicheln und gespürt, wie dieser sich an ihm fest krallte. Er selbst hatte dieses Gespräch schon längst hinter sich. Milo hatte sich ganz zu Anfang zur Genüge über Caleb ausgelassen. Es war einfach eine Tatsache, dass jeder wusste, dass sie sich bis vor Kurze, nicht ausstehen konnten. Um die angespannte Situation zu lockern, wandte sich Reed an die beiden Betas, die unsicher neben dem Tisch stehen geblieben waren.
„Wollt ihr euch nicht endlich setzen? Die anderen beobachten uns bereits“, sagte Reed und deutete mit dem Kopf zur Meute hinter ihnen.
Steve atmete erleichtert auf. „Danke, Reed“, nuschelte er und setzte sich. Nur stockend kamen Gespräche in Gang, aber bis zum Ende der Pause lachten alle miteinander. Teilweise auch dank Yuki, die den anderen gegenüber unvoreingenommen war.
Der restliche Unterricht verlief ohne weitere Zwischenfälle. Nur wenige trauten sich, die beiden Alphas auf ihre Beziehung anzusprechen. Allerdings gab es ziemlich viel Getuschel.
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Schulalltag und erste Hürden.
Zur Zeit läuft es ganz gut zwischen Reed und Caleb. Aber ob das auch so bleibt? 🤔
Ich verrate euch was... Drama im Anflug. 😛
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