Kapitel 13
Am nächsten Morgen wacht Tala auf und fragt sich, wie sie heute zur Schule kommen sollte, denn eigentlich war heute einer der Tage, an denen sie nicht das Auto bekommen sollte, da sie es gestern hatte. Normalerweise hält Tala sich auch an die Regeln, doch heute war ein Notfall, denn mit Nevada und ihren anderen Freundinnen konnte sie nicht fahren und auf Youki hatte sie ebenfalls keine Lust. Irgendwie musste sie jedoch zur Schule kommen, da sie nicht schon wieder fehlen konnte und somit nahm sie sich das Auto, da ihre Eltern sowieso nicht da waren und es wahrscheinlich noch nicht einmal mitbekommen würden. Tala fragt sich manchmal selbst, weshalb sie so brav war, wenn ihre Eltern doch nichts von dem mitbekommen, was sie tut, weil sie nie da sind. Tala beschließt, eine Regel zu brechen und eine Party am nächsten Wochenende zu veranstalten. Weshalb waren sie und ihre beste Freundin nicht darauf gekommen? Mit ihr wäre das viel witziger gewesen, aber da waren die beiden auch noch nicht in der Oberstufe gewesen. Vielleicht hatten sie da andere Dinge im Kopf, als cool bei allen anderen anzukommen. Tala wusste selbst, wie blöd dieser Gedanke war, aber sie wollte Freunde finden. Und sie würde Youki einladen, vielleicht würde sich dann endlich klären, was er nun will und was nicht. Sie musste sich bloß mit ihren Freundinnen vertragen, ob sie dies wohl heute schaffen würde? Wenn die Party schon morgen stattfinden sollte, dann musste sie sich mit ihnen versöhnen. Wenn sie sich heute nicht versöhnen würden, dann würde die Party ins Wasser fallen, denn ohne ihre Freundinnen dabei zu haben, wäre die Party bestimmt nur halb so lustig. Freitag oder Samstag. Samstag wäre noch eine Option. Als Tala jedoch im Auto sitzt, verwirft sie die Idee mit der Party wieder, da sie anfängt die Idee blöd zu finden. Sie kommt sogar zu früh zum Unterricht. Von wegen sie wären immer zu spät, weil Tala so lange braucht.
Nachdem Tala in der Schule angekommen ist und sich einen der besten Parkplätze ergattert hat, schaut sie nach ihren Freundinnen, doch die sind noch nirgends zu entdecken. Als Tala sich umsieht, scheint sie der einzige Mensch auf diesem Schulgelände zu sein. Hat sie etwas verpasst? Nachdem sie auch in der Schule niemanden finden kann, will sie ihren Freunden schreiben, doch da sie immer noch zerstritten sind, kann Tala mit keiner Antwort rechnen. Youki will sie nicht fragen, weil sie immer noch gekränkt ist, aber sie will ihn auch nicht darauf ansprechen. Schließlich beschließt sie, bei ihren Freundinnen vorbei zu fahren, doch keiner der drei ist zu Hause und auch bei Youki ist niemand. Nachdem Tala alle, die irgendwie ansatzweise mit ihr befreundet sind, Zuhause abgeklappert hat und keinen gefunden hat, fragt sie in der Jahrgangsgruppe nach.
„Wir sind auf einem Ausflug, wo bist du denn?", fragt ein schüchternes Mädchen.
„In der Schule", antwortet sie. Scheiße. Sie hatte den Ausflug vergessen, den heute der ganze Jahrgang machte.
„Meinst du, ich kann es noch schaffen, zu euch zu kommen?", fragt Tala in die Gruppe.
„Ich denke eher nicht. Lass dich am besten für heute krank melden", sagt sie und Tala seufzt. Noch ein unnötiger Fehltag mehr und eine Tollpatschigkeit in diesem Monat, den sie auf ihre Liste schreiben kann. Tala überlegt, ob sie ins Einkaufszentrum fahren soll, um Geschenke zu besorgen. Sie hasst das Gedrängel und schickt sonst immer ihre Freundinnen los, ihr etwas für ihre Eltern mitzubringen und sich selbst etwas auszusuchen. Die kann sie nun jedoch nicht fragen, weshalb sie sich auf den Weg zurück nach Hause macht und sich in ihr Bett legt. Versagerin geht ihr den ganzen Tag durch den Kopf, denn sie bekommt nichts auf die Reihe.
Nach einer Weile scrollt Tala durch Instagram und kommt irgendwie auf ihr altes Profil, welches immer noch existiert. Sie sieht sich und ihre beste Freundin beim Eis essen und zusammen lachen. Sie sieht sich all die Bilder an, auf denen sie zusammen sind und auf denen sie strahlt, als wäre sie nie von uns gegangen. Auf denen sie Spaß haben und zusammen sind. Sie scrollt durch die Seite, die über hundert Beiträge zählt und fängt an zu weinen. Ohne zu überlegen wählt sie Youkis Nummer, auch wenn sie sauer auf ihn ist. Er versteht sie. Tala weint immer noch und er fängt nicht an zu fragen. Sie braucht ihm nichts zu erklären, er redet nicht. Die beiden sind still und trotzdem verstehen sie sich.
„Ich bin in zehn Minuten da, okay? Bewege dich nicht vom Fleck. Ich bringe Schokoladeneis mit", sagt er und steht fünfzehn Minuten tatsächlich vor ihrer Haustür. Als erstes macht Tala nicht auf, doch als er sie noch einmal anruft und meint, dass er es ist, trottet sie aus dem Bett und öffnet die Tür.
„Ich habe kein Schokoladeneis gefunden, es war, ohne Witz, überall ausverkauft. Deshalb hat es etwas länger gedauert", begrüßt er sie hektisch und streift sich die Schuhe von den Füßen um mit Tala in ihr Zimmer zu gehen. Sie hat immer noch ein Taschentuch in ihrer Hand und wischt sich damit die Tränen aus dem Gesicht.
„Es tut mir Leid", sagt sie und er umarmt sie einfach nur wortlos, lange. Sie kann nicht aufhören zu weinen, auch wenn Tala die Instagram Seite von ihrer besten Freundin nun geschlossen hat. Er fragt nicht, weshalb sie weint, sondern hält sie bloß in seinen Armen und lässt sie alles raus lassen. Ihr Körper bebt und er hält sie noch fester an sich gedrückt. Alles was er tut, ist Tala umarmen, doch alleine dadurch geht es ihr so viel besser, denn sie braucht niemanden, der sie fragt, weshalb sie weint. Sie braucht jemanden, der sie ohne Wort versteht und einfach für sie da ist. Durch seine Anwesenheit geht es Tala so viel besser.
„Das Schokoladeneis musst du jetzt aber schon essen, sonst schmilzt es", sagt Youki nach einer Weile, nachdem Tala sich beruhigt hat und die beiden nebeneinder auf dem Sofa sitzen.
„Soll ich einen Löffel holen?", fragt er und sie nickt dankend. Es ist, als wären die beide schon jahrelang befreundet und er wäre zum tausendsten Mal hier. Es fühlt sich an, als würde er Tala besser kennen, als sie es tut und auch, als wenn er das Haus besser kennen würde, als sie. Obwohl sie schon ihr ganzes Leben lang hier wohnt, hat sie nicht einmal das Gefühl, zu wissen, wo die Löffel liegen. Er fragt sie nicht, weshalb sie geweint hat oder warum sie ihn angerufen hat. Er ist einfach nur da.
„Ich habe nur einen Löffel gefunden", sagt er und Tala muss lachen, da er bloß einen sauberen Löffel gefunden hat. Die Spülmaschine ist zwar sauber, aber sie hatte sie noch nicht ausgeräumt, da sie schlicht zu faul war. Schließlich füttert er sie mit Schokoladeneis und nascht ab und zu einen Löffel. Diese Situation erscheint den beiden überhaupt nicht seltsam, obwohl sie sich erst seit ein paar Wochen so wirklich kennen.
„Danke, dass du zu mir gekommen bist und danke auch, dass du nicht nachfragst. Ich werde dir irgendwann alles darüber erzählen, warum ich so bin, wie ich bin. Aber noch kann ich das nicht", erklärt sie ihm und er nickt. Vielleicht würde sie es ihm auch niemals erzählen, denn nun fühlte es sich in dieser Sekunde wieder so an, als würde er Berge für sie ausreißen. Und in der nächsten scheint sie ihm egal zu sein. Tala überlegt, ob sie ihn auf Stella ansprechen sollte oder ob das nun alles kaputt machen würde. Jedoch sind die beiden gerade sehr ehrlich zueinander und deshalb beschließt sie, ihn zu fragen.
„Youki?", fragt sie unsicher, ihre Hände zittern. Sie hat Angst, dass alles hier kaputt zu machen, auch wenn es noch nicht lange existiert fühlt sie sich, als wenn sie ohne Youkis Freundschaft nicht mehr leben könnte.
„Tala?", fragt er und nimmt ihre Hände in seine.
„Darf ich dich was fragen?", fragt sie und schaut ihm nun in seine blauen Augen, die strahlen.
„Was denn?", fragt er.
„Es ist mir irgendwie. Ich will nichts zwischen uns kaputt machen. Unsere Freundschaft ist mir sehr wichtig geworden und, ich weiß auch nicht. Vielleicht sollte ich es dich lieber nicht fragen", sagt sie.
„Jetzt musst du es mir aber sagen. Du kannst nicht etwas anfangen und dann doch zurückziehen", antwortet er. Sie zieht ihre Hände aus seinen. Tala schließt die Augen.
„Es kann sein, dass ich hier viel zu viel hinein interpretiert habe, aber ich hatte das Gefühl, du magst mich wirklich. Und in anderen Momenten habe ich das Gefühl, ich bin dir völlig egal. Wieso wolltest du die Nummer von Stella haben, wenn du mich fragst, ob wir uns näher kennen lernen wollen? Ich dachte, du meintest das nicht nur auf freundschaftlicher Basis. Wir haben uns so gut verstanden und ich hatte einfach das Gefühl, dass ich mich in dich verliebe. Ich habe nicht das Gefühl, dass du das gleiche empfindest. Manchmal schon, aber manchmal denke ich, ich bin einfach nur blöd. Ich wette, ich mache mich gerade zum Vollidioten", sagt sie und Youki fängt tatsächlich an zu lachen. Tala lässt die Augen geschlossen.
"Ich mag dich wirklich und du hast nicht zu viel da hinein interpretiert. Ich möchte dich wirklich kennen lernen. Und vielleicht auch nicht nur auf freundschaftlicher Basis. Ich könnte mich in dich verlieben" , antwortet er ihr und sie öffnet die Augen langsam wieder und schaut ihn mit großen Augen an.
„Warum hast du gelacht und weshalb wolltest du ihre Nummer, wenn du dich in mich verleiben könntest? Ich dachte eigentlich nicht, dass du jemand bist, der sich gleich zwei Mädchen auf einmal warmhält. ?", fragt sie.
„Das passt doch alles nicht zusammen" fügt Tala noch hinzu.
„Ich habe gelacht, weil es doch offensichtlich ist, was ich für dich empfinde. Und ich bin auch keiner, der sich mit zwei Mädchen gleichzeitig trifft. Die Nummer von Stella wollte ich für einen Freund haben. Der beim Eislaufen auch da war. Er ist total in sie verknallt" , erklärt er ihr.
„Warte, der von Nevada?", fragt sie.
„Ja, ich glaube der ist die ganze Zeit mit Nevada gefahren", antwortet er.
„So ein Arschloch", sagt sie.
„Weshalb?", fragt er.
„Weil Nevada ihn doch wirklich mochte. Ich dachte, die beiden treffen sich", erwidert sie.
„Komm, Nevada ist doch nicht anders. Eigentlich würden die beiden echt gut zusammen passen", lacht Youki.
„Da hast du auch wieder recht", sagt sie nachdenklich. Nevada ist jemand, der sich mit jemanden trifft und sich danach nie wieder meldet. Sie macht Menschen Hoffnungen und verschwindet, ohne etwas zu sagen. Die beiden sprechen nicht weiter über Stella oder das Gespräch, welches sie geführt haben. Dass sie sich ineinander verlieben könnten. Sie beschließen, es für sich zu behalten. Sie beschließen, keinen davon zu erzählen und alles, was die beiden betrifft, erst einmal für sich zu behalten. Sie wollen nichts überstürzen.
„Danke, Youki" , sagt Tala und die beiden machen sich einen Disneyfilm auf Netflix an, der Tala aufmuntern soll. Das Schokoladeneis haben die beiden zusammen komplett aufgegessen und nach einer halben Stunde des Filmes ist Tala weggedöst. Youki schaut den Film noch zu Ende, da er Dinge beenden muss. Sie liegt in seinen Armen und er stellt sich vor, wie die beiden zusammen sind. Jedoch sind die beiden froh darüber, wie sich das zwischen den beiden entwickelt. Sie wollen nichts überstürzen und sich wirklich sicher mit einer Beziehung sein, die nicht nach zwei Wochen schon wieder in die Brüche geht. Er macht den Fernseher aus, als er den Film zu Ende gesehen hat und deckt sie zu, um sie ins Bett zu legen und sich selbst auf das Sofa zu legen. Auch wenn heute Donnerstag ist, bleibt er bei ihr. Ihre Eltern sind mal wieder nicht da und sein Vater liegt immer noch im Krankenhaus. Außerdem ist er auch traurig, denn der Film hat seinen keinen Bruder immer aufgemuntert, als er klein war. Aus diesem Grund hat Youki den Film ausgesucht und jetzt braucht er jemandem im Zimmer. Die Nacht verbringt Youki in einem unruhigen Schlaf auf dem Sofa, da er von seinem Bruder träumt. Alles scheint sich noch einmal zu wiederholen und es ist, als wenn alles sich noch einmal wiederholt. Er muss in dem Traum alles immer und immer wieder erleben, bis er schließlich schweißgebadet aufwacht, um zu merken, dass das Ganze nicht mehr der Realität entspricht.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top