Kapitel 31: Gefährlich nah
Wie hypnotisiert starre ich in diese vor Begierde funkelnden grünen Augen. Ich bin wie gelähmt, unfähig auch nur für einen winzigen Moment lang den Blick von ihm abzuwenden. Die Luft zwischen uns scheint vor geladener Elektrizität zu glühen und ich versuche das ungeheuer starke Bedürfnis zu unterdrücken, mich nicht sofort auf ihn zu stürzten und ihn heftig zu küssen.
"Du warst also bei ihm.", stellt Nate nach einigen stillen Sekunden verbittert fest und taxiert mich immer noch unaufhörlich mit seinen Blicken, "Und ... Wie war es?"
"Er hat gelogen, Nate.", flüstere ich und sehe wie sich Nate's Augen vor Überraschung weiten.
Aber genau in dem Moment, als er den Mund aufmachen will, um etwas zu erwidern, wird er von einer kühlen Frauenstimme, die durch den kleinen Raum schallt, unterbrochen.
"Erdgeschoss. Lobby, sowie Restaurant, Bar, Pools, Massage- und Spa-Bereich."
Gerade als sich die Türen öffnen wollen, drehe ich mich fluchs um und ziehe beherzt an dem roten Notfall-Knopf.
"Bist du total irre?", brüllt Nate mich an und versucht mich mit Gewalt von der Schalterleiste wegzuschieben, ich selbst bewege mich jedoch keinen Zentimeter.
"Vielleicht. Egal.", rufe ich verzweifelt und sehe Nate eindringlich an, "Ich will doch nur, dass du mir zuhörst, Nate! Wenn die Türen aufgegangen wären, ich weiß es, wärest du jetzt einfach gegangen und dann hätte ich dir mit dramatischer Musik hinterher rennen müssen und dir nachschreien müssen: "Ich habe mit Alex nicht geschlafen, das würde ich niemals tun! Ich meine ja, ich war mit ihm auf einem Date, aber nur, weil ich versucht habe dich aus meinem Kopf zu bekommen!" und dann wir würden beide im Regen stehen, ich würde anfangen zu weinen und irgendwie hatte ich heute schon genug Drama -"
"Halt endlich deinen Mund, Jennifer.", knurrt Nate bedrohlich.
Ehe ich überhaupt realisieren kann, was gerade geschieht, presst Nate auch schon seine Lippen auf meine und drückt mich dabei mit seinem vollen Gewicht gegen die Wand des Aufzugs. Ich japse überrascht auf, erwidere jedoch seinen Kuss ebenso begierig. Ich stehe wie unter einem Bann. Unter seinem Bann. Es scheint nichts anderes jetzt auf dieser Welt zu geben als Nate, wie er mich jetzt küsst, verlangend und hungrig, genauso wie ich ihn. Ich spüre jeden seiner Muskeln an meinen Körper gepresst, seine Hände, die meine Taille hinab wandern und seinen wunderbaren Mund auf den Meinen gedrückt. Er packt meine Oberschenkel und hebt mich hoch ohne aber den Kuss zu unterbrechen, sodass wir auf Augenhöhe sind und presst mich dann noch stärker gegen den Aufzug. Ich umklammere mit meinen Beinen seine Hüfte, während seine Zunge meine neckt und jagt und seine Hände, die auf meinen Hüften liegen, langsam tiefer wandern. Er lässt von meinen Lippen ab und fängt an meinen Hals zu küssen, wodurch ich sofort leise seufzen muss. Ich atme schwer. Ich liebe dieses unbeschreibliche Gefühl so sehr, dass ich befürchte niemals davon genug zu bekommen. Genau wie sein unglaublicher und doch so betörender Duft, der mich jedes Mal nach mehr aufschreien lässt. Ich fahre mit meinen Fingern durch seine Haare und schließe kurz meine Augen um das Gefühl von seinen Lippen an meinem Hals und die elektrischen Stöße, die durch meinen Körper jagen, noch stärker zu genießen.
Nate lässt plötzlich von mir ab, woraufhin ich aufgebracht stöhne, er jedoch legt nur einen Finger auf meine Lippen um mich am Reden zu hindern.
"Ich glaube wir verursachen hier gerade einen kleinen Stau.", sagt er ruhig und stellt mich wieder auf meine zitternden Beine.
Ich sehe ihn verwirrt an und lausche angestrengt. Dann höre ich es auch.
"Wie um Himmels Willen, habe ich das nicht mitbekommen können??", frage ich mich selbst angesichts der gedämpft brüllenden, hysterisch kreischenden und Zeter und Mordio schreienden Menschenmenge, die sich wohl vor den verschlossenen Türen versammelt haben muss.
"Geht es Ihnen gut? Hören Sie uns?", kommt es gedämpft durch den kleinen Spalt zwischen den eisernen Türen und ich werfe Nate einen erschrockenen und angsterfüllten Blick zu.
Zu meinem Erstaunen zeigt er jedoch keinerlei Anzeichen von Angst oder überhaupt Überraschung, ganz im Gegenteil: Er scheint belustigt. Grinsend drückt er den roten Knopf wieder in seine alte Position und augenblicklich gleiten die Türen auseinander. Über zwei Dutzend Augenpaare des sämtlichen Personals, inklusive Portiers, Pagen, sogar Kellner und einige aufgebrachte Bewohner in schickem Designer Anzug, die anscheinend alle versucht haben den Tumult um den verschlossenen Aufzug zu lösen, starren uns wütend an.
Die Röte kriecht mir den Hals hoch. Wenn die nur wüssten . . .
"Weshalb haben Sie den Notfallknopf gedrückt?", blafft mich ein hagerer Mann in Anzug an, vermutlich einer der Geschäftsleiter, und ich schlucke.
"I-Ich ... ehm ... a-also ... wir ...", stottere ich, aber Nate schneidet mir mit gebieterischem, lautem Ton das Wort ab.
"Ich toleriere keine defekten Aufzüge ... also sehen Sie zu, dass Sie einen Handwerker auftreiben. Sofort. Oder ich lasse sie auf der Stelle feuern, haben Sie verstanden?"
Sein Ton lässt keinerlei Widerwort zu, was anscheinend auch der der Mann bemerkt haben muss, denn er fängt auf der Stelle an, nervös Entschuldigungen vor sich hin zu stammeln.
"Verzeihung, Sir. Mr. Dyllan, Sir. Wird nicht wieder vorkommen, Sir."
Aber Nate geht nicht darauf ein, schenkt dem armen Mann nicht einmal einen weiteren Blick, sondern nimmt mich nur an der Hand und führt mich in einen riesigen Raum neben der Lobby - anscheinend dem hauseigenen Restaurant.
"Hast du heute schon etwas Abend gegessen?", fragt Nate in sehr viel sanfterer Stimme - sein herrisches Gehabe von eben wie weggeblasen.
"Facettenhaft wie eh und je.", denke ich, kommentiere es jedoch nicht weiter.
"Nein, aber das macht nicht. Ich kann auch etwas zuhause essen. ", sage ich mit einem demonstrativen Magenknurren, "Du kannst nicht-"
"Jennifer.", warnt er mich in einem Anflug seines befehlenden Tons von eben und hält einen Finger hoch, "Sag mir niemals, was ich kann und was nicht.", knurrt er ernst und wirft mir einen bedrohlichen Blick zu bevor er einen Kellner zu sich ruft, der uns sofort äußerst eifrig zu einem der runden Tische führt.
Ich bemerke wie einige Gäste sobald Nate an ihnen vorbeigeht in gespanntes Schweigen ausbrechen oder ihn stotternd begrüßen.
"Donald Bagshot, Sir. So schön, Sie zu sehen, Mr. Dylan.", sagt ein älterer Mann mit buschigem Schnurrbart und Glatze und steht auf um Nate die Hand zu schütteln.
Nate nickt ohne etwas zu sagen und gibt dem Mann die Hand. Der Mann nickt auch mir respektvoll zu als ich an ihm vorbei gehe und ich blinzle verwirrt.
An einem Tisch nahe dem stockdunklen Fenster, hält mir der Kellner höflich den Stuhl hin und ich setzte mich Nate gegenüber. Er scheint keineswegs überrascht von der merkwürdigen Art wie sich Leute um hin herum verhalten.
Bevor ich auch nur den Mund öffnen kann, legt uns der Kellner auch schon die elegante Speisekarte vor uns und verschwindet dann wieder geräuschlos. Ich sehe darauf. Es ist eine hübsche, lederne Karte, auf der es auf der Vorderseite in goldenen, geschwungenen Lettern D' Lagune *** heißt.
"Gehst du hier-", setzte ich an, werde jedoch unterbrochen von einem schütteren Mann mit weißem Haar - ähnlich wie Zuckerwatte - in einem der ausgefallensten Smokings in Purpur rot gekleidet, den ich je gesehen habe.
"Mr. Dylan.", schnurrt er und auf seinem Gesicht breitet sich ein strahlendes Lächeln aus als hätte er gerade den Hauptgewinn eines Smoking-Wettbewerbs gewonnen, "Wirklich sehr beeindruckend. Sie kommen ganz nach ihrem Vater, Sir."
Ich starre den Mann mit leicht geöffnetem Mund an, aber abermals scheint es Nate nicht aus der Fassung zu bringen. Wieder nickt er nur und schüttelt dem Mann kurz die Hand bevor dieser wieder zu seinem Tisch verschwindet.
"Nate?", frage ich fassungslos und starre ihn mit immer noch geöffnetem Mund an.
"Hm?", gibt er nur von sich und wirft mir einen kurzen Blick von der aufgeschlagenen Speisekarte hinweg zu.
"Ehm ... Was wollen alle diese Leute? Wieso verhält sich jeder so merkwürdig hier?"
Er sieht mich eindringlich an, sagt jedoch nichts. Ich seufze.
"Ich habe das Gefühl, jeder behandelt dich als wärst du Harry Potter und doch sehe ich keine Blitznarbe an deiner Stirn."
Er lacht. Ein Kribbeln in meinem Bauch breitet sich auf der Stelle aus als ich sein raues, männliches Lachen vernehme. Wie als wäre ein riesiger Schwarm Schmetterlinge oder kleiner Vögel in meinem Bauch gefangen, die jetzt aufgeregt mit ihren Flügeln schlagen.
"Nein, Jennifer, ich bin nicht Harry Potter.", lacht er, wird aber in der nächsten Sekunde wieder ernst, "Ich habe vor einigen Tagen dieses Gebäude gekauft."
Mir stockt der Atem. Das Lächeln auf meinem Gesicht ist wie weggewischt.
"D-Du ... Du hast was?", hauche ich und starre ihn entgeistert an.
"Mein Vater ist einer der erfolgreichsten Immobilien Geschäftsmänner des Landes und hat eine sehr bedeutende Firma - Dylan Industries."
Meine Augen weihten sich.
"Du meinst nicht wirklich das Dylan Industries, oder? Nicht das, das fast ein Dutzend Mal auf der Titelseite der New York Times als erfolgreichstes Unternehmen des Jahres war, oder?"
Ich kann es nicht fassen. Das kann nicht wahr sein. Denn, wenn das stimmen würde, würde ich gerade einem Multi-Milliardär gegenüber sitzen. Nein, das kann einfach nicht stimmen, oder?
"Doch ... das Dylan Industries meine ich. Mein Vater und der Vater von Alex sind die Gründer.", sagt er trocken und legt die Speisekarte neben seinen Teller.
"Oh", flüstere ich, da mir einfach nichts besseres im Moment einfällt.
"Als ich 19 geworden bin, hat mich mir mein Vater ein wenig ein wenig mehr Einfluss in der Firma verschafft, wodurch ich jetzt dieses Gebäude und ein Hotel auf der Upper-East-Side in Manhatten gekauft habe."
Mein Mund klappt auf.
"D-Du ... du besitzt ein Hotel?", flüstere ich entgeistert, aber er nickt nur unbeeindruckt.
"Wer ist dieser Mann mit den leuchtend grünen Augen bloß?", frage ich mich und muss dabei sofort an Scar's Worte denken.
Nate ist geheimnisvoll, er hat Leichen in einem Keller, von dem du noch nicht einmal weißt. Du kennst ihn nicht, eigentlich niemand kennt ihn.
"Hatte Scar Recht? Kenn ich ihn überhaupt?"
"Zwei Mal das Menü Overtüre.", sagt Nate und zieht mich damit wieder zurück in die Realität. Ich blinzle.
"Welchen Wein, Sir?", fispelt der Kellner und nimmt unsere Speisekarten vom Tisch.
"Würden Sie tatsächlich Minderjährigen alkoholische Getränke anbieten, obwohl Sie genau wissen, dass es Gesetz ist, keinem unter 21 Jahren Alkohol zu verkaufen?", fragt Nate mit schneidender Stimme und der Kellner scheint unter seinem Blick zu zittern.
"Nein", flüstert er fahrig, "Selbstverständlich nicht, Sir."
"Gut. Das hatte ich auch nicht anders erwartet.", sagt Nate wiederum in gemäßigterer Stimme, "Zwei kleine Wasser."
"Sehr wohl, Sir. Kommt sofort", erwidert der Kellner eifrig und tänzelt davon.
Ich sehe Nate in eine Mischung aus Furcht aber auch Wut an.
Wie kann er es wagen, einfach für mich zu bestellen ohne mich zu fragen, was ich gerne essen will?
"Ich konnte nicht einmal selbst auswählen, was ich esse, Nate.", sage ich mit vorwurfsvoller Stimme und sehe ihn zornig an.
"Es wird dir schmecken."
"Und was, wenn nicht? Was, wenn ich eine Laktose-Intoleranz habe und Vegetarierin bin und du gerade etwas bestellt hast, was ich niemals essen würde?", frage ich angriffslustig. Nate's Miene bleibt eisern und wie so oft so unergründlich.
"Bist du Vegetarierin und Laktose intolerant?"
"Nein, aber-"
"Dann wird es dir schmecken.", sagt Nate mit Nachdruck und sieht mich durchdringend an als würde er mich wieder einmal röntgen wollen.
"Aber was wenn-"
"Jennifer.", knurrt er und ich verstumme augenblicklich, "Warte einfach ab, in Ordnung? Wenn es dir nicht schmeckt, darfst mir meinetwegen eine zweistündige Moralpredigt halten, OK?"
Ich schnaube und verschränke die Arme vor meiner Brust.
"OK.", erwidere ich spitz und sehe zu wie sich ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht bildet.
Nach Zwei Stunden, einem fünf Gänge Menü, bei dem meine Mutter nachher sich entweder gleich wieder übergeben und oder mindestens den nächsten Monat auf sämtliche Kohlenhydrate verzichtet hätte, fühle ich wohlig satt und zufrieden wie ich hier neben Nate auf dem Beifahrersitz kauere und ihn beim Fahren beobachte.
"Warum starrst du mich an?", sagt Nate plötzlich den Blick immer noch auf die Fahrbahn gerichtet und ich wende schnell den Blick ab.
"Du wirkst so konzentriert.", murmle ich ohne recht zu wissen ob das der wirkliche Grund ist oder ob das überhaupt einer sein kann.
"Ist es dir denn lieber, wenn ich mich nicht beim Autofahren konzentriere?", will er in schärferem Ton wissen und ich schüttle den Kopf.
Ich höre ihn ausatmen und werfe wieder einen Blick neben mich. Er wirkt wieder einmal so unnahbar, so fern, so ... unergründlich. Ihn umgibt eine gewisse Kraft, die mir das Gefühl gibt, mich in einer kleinen Blase zu befinden, in der mich nichts passieren kann. Er scheint so kontrolliert und das nicht nur er selbst: Er scheint alles um sich herum unter Kontrolle zu haben und alles um sich herum kontrollieren zu wollen. Aber wer ist er unter all seinen Masken? Wer ist er, wenn er sich nicht hinter seiner Kontrolle versteckt?
"Wir sind da, Jennifer.", sagt Nate etwa zehn Minuten später und ich drehe den Kopf.
"Oh.", hauche ich und sehe ihn dann wieder an.
"Nate?", frage ich leise ohne den Blick von ihm zu wenden, "Was sind wir?"
___________♡___________
Sooo ... das 2. Kapitel der Lesenacht!
Ich hoffe sehr, dass es euch gefallen hat! Ich freue mich wie immer über jedes Voten und Kommentar!☆♡
♥︎Danke für's Lesen♥︎
x Eliana
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