2 / Am Bahnhof King's Cross
Auf den Straßen tummeln sich bereits große Menschenmassen. Gehetzte Muggel auf dem Weg zur Arbeit, genervte Mütter, die ihre kleinen Kinder zur Schule bringen und inmitten dieser alltäglichen Szene stehen Großmutter und ich. Und auch wenn wir uns gut tarnen, müssen wir für die Muggel ein merkwürdiger Anblick sein. Vor allem mit Espresso, meiner kleinen kaffeefarbenen Eule, erwecke ich viel Aufmerksamkeit.
Ich bin erleichtert, als wir endlich den Bahnhof King's Cross erreichen. Zwar herrscht auch dort bereits mächtiges Treiben, doch in ihrer Hektik nehmen mich die meisten Muggel gar nicht wahr. Nur gelegentlich bemerke ich wie mir jemand verstohlen nachblickt. Ich drehe mich schnell weg und folge Großmutter am Gleis entlang.
Wenig später erreichen wir Gleis zehn. Der letzte Zug muss gerade abgefahren sein, denn das Gleis ist beinahe leer. Nur vereinzelt sitzt jemand auf einer Bank und starrt auf sein Handy oder liest eine Zeitung. Als ich versuche einen Blick auf die Titelseite zu werfen, höre ich plötzlich eine bekannte Stimme hinter mir. Schlagartig drehe ich mich um und entdecke meine beste Freundin, die vom anderen Gleis aus auf mich zurennt. Freudig laufe ich ihr entgegen und kurze Zeit später fallen wir uns in die Arme, glücklich den anderen nach den langen Ferien endlich wiederzusehen.
„Sam, du hast dir die Haare gefärbt!", rufe ich überrascht und bewundere ihre dunkelgrünen Locken, die mir schon von Weitem aufgefallen waren. Sie passen wirklich perfekt zu ihr. Samantha Cordis stammt aus einer reinblütigen Zauberfamilie und im Gegensatz zu mir war es bei ihr von vornherein klar in welches Haus sie kommen würde. Sie ist ein stolze Slytherin. Aber auch ich habe mich inzwischen damit angefreundet eine Slytherin zu sein. Meine Großeltern und Urgroßeltern besuchten die Zauberschule Castelobruxo, weshalb ich vor meinem ersten Schultag unsicher war, in welches Haus ich eingeteilt werden würde. Nur Slytherin schloss ich als Tochter einer Squib und eines Muggels von Anfang an aus. Es war eine große Überraschung für mich, als ich dann doch nach Slytherin kam. Doch noch am gleichen Abend der Zuteilung lernte ich Samantha kennen und von da an waren alle Zweifel vergessen.
„Ach du lieber Himmel, Samantha, was hast du denn mit deinen Haaren angestellt? Du bist ja der grüne Wahnsinn!", plappert Großmutter fröhlich los und kurz darauf sind Samantha und sie in ein lebendiges Gespräch verwickelt.
Als wir die Mauer erreichen, die zum Gleis neundreiviertel führt, erfasst mich wie jedes Jahr dieses glückselige, magische Gefühl, dass sich in meinem ganzen Körper ausbreitet. Der Anreisetag nach Hogwarts ist noch immer ein besonderer für mich und auch Samantha sehe ich die Aufregung an. Lachend nehmen wir uns an die Hände wie wir es auch früher immer taten und blicken uns noch einmal um. Dann laufen wir los und lassen die Muggelwelt endlich hinter uns.
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