Kapitel II

"Los, drück auf die Tube!", rufe ich Maria zu, woraufhin sie noch schneller fährt, als sie es nicht ohnehin schon tut. Klar ist das durchaus riskant, aber wir sind schließlich Agents und für Verfolgungsjagten und andere risikoreiche Missionen gründlich ausgebildet worden.

Von weiter vorne dringen die lauten Geräusche von Schüssen zu uns durch, denn wir sind nicht die einzigen, die die Flüchtigen per Fahrzeug verfolgen.
Auf einmal gibt es jedoch einen ohrenbetäubenden Krach und uns schlägt eine Hitzewelle samt üblem Rauch entgegen, so als hätte eines der Autos einen Unfall gehabt.

Unglücklich darüber sehe ich Maria mit einem bitterbösen Blick an, der jedoch selbstverständlich nicht ihr gilt, sondern den Flüchtigen und welchen sie auch ohne weiteres erwiedert.

Das Beben wird auch immer stärker und inzwischen hege ich keine Zweifel mehr daran, dass hier bald alles zusammenbrechen und uns auf den Kopf fliegen wird.
Dieses Gebäude ist gegen vieles geschützt, doch es wurde nicht gebaut, um schir übernatürlichen Kräften zu wiederstehen.
Und genau das ist es vermutlich, womit wir es hier zu tun haben: Übernatürliches Zeugs.

Maria, die clevererweise einen anderen Weg als Barton gewählt hat, lenkt das tüchtige Fahrzeug so, dass wir, dank der gelungenen Abkürzung, nun vor ihnen fahren.
Mit größter Mühe versuche ich, nur das Auto und nicht die Insassen zu treffen.
Immerhin sind Selvig und Barton eigentlich auf unserer Seite und ich habe nicht vor, ihnen das Leben ohne eine guten Grund zu nehmen.
Des Weiteren meinte Fury ja, dass Barton umgedreht wurde, was auch immer er damit genau meinte.
Ich schließe daraus aber, dass Clint das hier nicht freiwillig tut, sondern auf irgendeine Art und Weise dazu gezwungen wurde.

Mit einem mal zieht Maria ruckartig die Handbremse an, wodurch sich der Wagen einmal um 180° dreht und wir nun frontal auf den anderen Wagen prallen, welcher uns vor sich her schiebt, ohne Rücksicht auf Verluste.

"Clint, hör auf damit! Wir sind nicht deine Feinde!" rufe ich ihm zu, während ich hektisch auf den Wagen ballere, doch er ignoriert mein Anliegen vollkommen.
Anscheinend reicht das Maria, denn nun zieht auch sie wieder ihre geladene Waffe und schießt unerbitterlich durch die Windschutzscheibe auf den anderen Wagen.
Ich hatte ja bislang gestanden und somit nur oben drüber statt hindurch geschossen.

"Du ruinierst den Wagen, Maria", witzel ich trotzt der gefährlichen Situation rum, woraufhin ich von ihr nur ein sarkastisches Lachen zu hören bekomme.
Doch nicht nur wir schießen auf den vermeindlich feindlichen Wagen.
Auch Barton selbst zieht seine Waffe und beginnt, auf uns zu schießen, jedoch ohne Erfolg.
Das geht 'ne Zeit lang so weiter, bis er unseren Wagen durch ein geschicktes Manöver zur Seite lenkt und somit wieder freie Fahrt hat.

"Verdammter Mist!", stoße ich zischend aus und lasse mich frustriert davon in meinen Sitz fallen. Halt suchend vor Wut umklammere ich meine Waffe.

"Nur nicht aufgeben!" bekräftigt Maria mich mit starker Stimme, welche den Wagen bereits wieder unter Kontrolle gebracht hat und weiter hinterher fährt.

"Ist gerade nichts so einfach, angesichts der momentanen Situation!", gebe ich bloß zurück und halte wieder Ausschau.

Ich bekomme jedoch einen riesen Schrecken, als die Erde auf einmal wie verrückt und mit lautem Krächzen bebt.
Hastig drehe ich mich um und sehe mit geweiteten Augen nach hinten, wo die ganze Decke herabfällt und den Tunnel somit undurchquerbar zuschüttet. Genau damit hatte ich ja schon vorhin gerechnet.

"Los Maria, die Decke fällt zusammen. Vermutlich sogar das ganze Gebäude!", kläre ich sie wild gestikulierend auf, damit sie noch einen ticken schneller fährt.
Ich habe gewusst, dass dieses Gebäude solch übermenschlichen Kräften nicht ewig standhalten kann.

Konzentriert versucht sie, den von der Decke herabfallenden Brocken auszuweichen, was zum großen Teil auch erstmal funktioniert. Allerdings fällt einiges an Schutt und Staub auf uns drauf, was aber wohl nicht wirklich zu verhindern ist.
Na toll, dass darf ich dann später wieder in mühsamer Kleinstarbeit aus meinem dunklen Haar herausbekommen.
Grandios!

Leider engt uns der ganze Schutt so dermaßen ein, dass wir dem anderen Wagen nicht mehr hinterher kommen können.
Und so kommt es, wie es kommen musste: wir werden ebenfalls von der herunterkommenden Decke verschüttet, während es die scheinbar geistlich nicht ganz anwesenden Leute, darunter Barton und Selvig, herausgeschafft haben.
Letztendlich bleiben wir stecken und werden halb zugeschüttet. Nur durch ein Wunder werden wir nicht von herunterfallenden Gesteinsbrocken erschlagen.

"Hey Ella, geht es dir gut?", fragend sieht Maria mich besorgt an, woraufhin ich beruhigend meine Arme hebe.

"Alles im grünen Bereich, bis auf die aufgeplatzte Lippe. Aber ich werds überleben."
Ich schmecke das Blut, dass durch meine offene Lippe in meinen Mund läuft.
Wie ekelhaft! Ich hasse den metallischen Geschmack von Blut.
Kurzerhand wische ich mir einfach mit der Hand über die offene Wunde, um das Blut vorübergehend wegzuwischen.
Es brennt oder schmerzt nichtmal. Zu oft habe ich früher im Training eins auf die Rübe bekommen, also bin ich relativ gut abgehärtet gegen solch Kleinigkeiten.

"Bei dir auch alles okay?", stelle ich nun die erdrückende Gegenfrage, woraufhin sie beruhigenderweise zart lächelnd nickt und ihren rechten Daumen sichtbar in die Höhe regt.

"Kannst du auf deiner Seite aus dem Wagen aussteigen? Auf meiner Seite ist alles zugeschüttet", beginnt Maria erneut und ruckelt dabei hoffnungslos an ihrer Tür. Klar, der Wagen ist oben offen, aber die Gefahr bei dieser Art auszusteigen besteht, da der Wagen dadurch umkippen und uns verletzen könnte.
Aber warum auch Plan B nutzen, wenn Plan A absolut nichts im Weg steht.
Kurzerhand öffne ich einfach meine Tür, auch wenn ich etwas Gewalt anwenden muss, weil sie sich durch das Geschütt verkantet hat und steige mit wackeligen Knien aus, woraufhin sie mich dankbar ansieht.

"Director? Director Fury, hören sie mich?", das ist Coulsons Stimme, die rauschend aus meinem Funkgerät ertönt.
Sofort schnappe ich es mir, um besser zuhören zu können, während Maria noch kurz im Wagen sitzen bleibt und tief durchatmet.

"Der Tesserakt ist in Händen der Angreifer. Und wir haben Verluste. Adams, Hill?", klärt Fury uns auf und fragt anschließend nach unserem Stand der Dinge.
Gerade will ich antworten, als Maria mir mein Funkgerät regelrecht aus der Hand reißt, während sie ausstiegt und selbst antwortet.

"Viele Männer sind noch hier unten. Zahl der Überlebenden unklar."
Als sie meinen scherzhaft bösen Blick bemerkt, zuckt sie bloß grinsend mit den Schultern.
Sie weiß, sie sehr ich es hasse, wenn mir jemand etwas aus der Hand reißt oder für mich antwortet, obwohl ich durchaus selber antworten könnte.
Sie hat gerade netterweise beides getan.

"Folgender Befehl: jeder, der nicht mit Rettungsaufgaben betraut ist, soll nach diesem Koffer suchen", gibt Fury seine Anweisungen mehr als deutlich zu verstehen.
Mal wieder antworten Maria und ich synchron und mit erschöpfter Stimme mit "Verstanden!"

"Coulson, zurück zur Basis, Alarmstufe 7", Fury spricht ohne großes rumgeplänkel weiter und teilt uns die ohnehin schon offenbarte, dennoch furchtbare Wahrheit mit:
"Ab sofort befinden wir uns im Krieg."
Auf diesen Satz hin muss ich erstmal kräftig schlucken. Mein Herz pocht irre dolle, man könnte meinen, es sprünge mir bald aus der Brust. Tief atmend lehne ich mich an den Schrott, der bis vor kurzem noch ein funktionstüchtiges Fahrzeug darstellte

Krieg. Wir befinden uns im Krieg.
Eine schreckliche Erkenntnis, aber höchstwahrscheinlich umso richtiger.

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