guilt
⚔︎ wooyoung
Ermüdet blickte ich auf mein Projekt runter, während ich alleinig den lauten Geräuschen meiner Klassenkameraden lauschte. Das Klimpern der Gläser, das Mischen zweier exogenen Mitteln, die Fußschritte, wenn sie von einem Tisch zum anderen liefen. Verloren in all den Geräuschen starrte ich blank auf den Tisch, wobei ich jegliche Kontrolle über mich selbst verlor.
Es geschah so viel in den letzten Wochen, sodass ich das Gefühl hatte, in dem schwarzen Loch der Ewigkeit eingesperrt zu sein - ohne jeglichen Ausweg um mich herum, nur die Schwärze und ich alleine.
Ich strich mir kurz über die Augen, als ich mir meine Handschuhe auszog und aus dem Fenster starrte. Es regnete stark in Strömen. Der Himmel war dunkelgrau, sodass es aussah, als wäre es schon abends, dabei hatten wir gerade mal 14 Uhr. Doch das weiße Licht des Klassenlabors hielt mich irgendwie noch mit halben Bein in der Realität.
Da ich seit längerem kaum schlief und mich die ganze Thematik mit San halb um den Verstand brachte, fühlte ich mich in meinem Körper wie eine wandelnde Leiche, auf die man weiterhin mit einer Waffe einschoss. Tot, aber dennoch in der Lage, diese Schmerzen zu empfinden.
Ein kleiner Blick durch den Raum ermöglichte mir die Aussicht auf meinen Schützling, der friedvoll mit seinen Freunden an seinem Projekt arbeitete. Wie immer wirkte er unfassbar lebensfroh, beinahe charmant durch die scharfe Form seiner Augen, mit denen er seine Mitmenschen dennoch freundlich anblickte.
Er musste voller Liebe stecken, so warm und aufmerksam er jemanden anschaute, sobald eine Person anfing zu reden. Als würde er dafür sorgen wollen, dass sich niemals jemand in seiner Anwesenheit ausgeschlossen fühlte.
Sobald ich ihn anschaute, kamen die Erinnerungen an unser letztes Treffen in mir hoch und die damit einhergehenden selbstbestrafenden Gedanken von mir, die mich zurück in die Schwärze meiner Seele zogen. Ich fühlte mich beinahe schon beschämt darüber, dass es mir konstant schlecht ging; als hätte ich kein Recht drauf. Vielleicht war das auch so...
,,San, vorsichtig!!",rief Mingi aufeinmal, als plötzlich das ganze Projekt einzustürzen schien. Beim genauen Hinsehen konnte ich erkennen, wie der Gasbrenner in San's Richtung drohte umzukippen, so wie der Reagenzkolben, der mit einer heißen, verätzenden Flüssigkeit darauf stand.
Doch bevor irgendwer reagieren konnte, hob ich meine Hand unter meinem Tisch an und ließ meine Telekenese ins Spiel kommen, wodurch ich den Gasbrenner zu Boden fallen ließ und den Reagenzkolben direkt mit, sodass keiner der Jungen, aber hauptsächlich San sich nicht verletzen konnte. Panisch wichen die drei Jungen aus, die gerade noch entspannt aber unachtsam am Plaudern waren.
,,Was war das?!",rief Hongjoong irritiert, als sie mein Handeln beobachteten, dieses aber logischerweise nicht zuordnen konnten. Während alle das Chaos wahrnahmen, alles schnell aufräumten, spürte ich, wie mir meine Hand plötzlich stark zu schmerzen begann.
,,A-Ah...a...",entkam es mir keuchend, während mir meine Hand zu krampfen begann und ich hastig unter den Tisch blickte, nur um offene Wundstellen an meinem Handrücken zu entdecken.
,,W-Wieso...?",flüsterte ich mir selbst leise zu, sobald ich die schwarzen Bluttropfen aus meiner obersten Hautschicht raustropften sah und seufzte, als ich verstand, dass ich wieder einen Moment hatte, wo mir meine Kräfte außer Kontrolle gerieten.
Dies musste bestimmt daran liegen, dass ich seit längerem ja nicht mehr trainierte durch die depressive Episode, die ich durchmachte.
Ohne erstmal San's Blicke auf mich liegen zu spüren, stand ich reflexartig auf, zog mir meine Schutzklamotten aus und verließ in schnellen Schritten den Klassenraum. Ich presste meine Hand an meine Brust, die unaufhörlich blutete und rannte hastig aus dem Gebäude, damit keiner mich sehen konnte. Es war mitten in der Unterrichtszeit, sodass ich tatsächlich alleine hier draußen war.
Ich ging in ermüdeten Schritten auf eine Schaukel zu, die an einem Baum hing und setzte mich erschöpft auf diese. Meine Hand ließ ich dabei ergeben auf mein Oberschenkel liegen, beobachtete, wie die brennenden Wunden immer größer wurden und ich nichts dagegen tun konnte. Sowas geschah immer, wenn ich mich länger nicht mehr mit meinem Element auseinandersetzte.
,,Wooyoung...",hörte ich meinen Namen plötzlich aus dem Nichts. Jedoch war die Stimme ganz leise, wodurch ich erschließen konnte, dass die Person nur paar Meter von mir entfernt sein musste.
Durch den starken Regen, der mich innerhalb paar Sekunden schon durchnässt hatte, dachte ich erstmal, mich verhört zu haben. Doch als ich meinen Kopf nach hinten drehte und einen besorgten San da stehen sah, stand ich hastig auf und versteckte meine Hand hinter meinem Rücken.
,,Deine Hand... Du hast sie verletzt.",sprach er vorsichtig, als er in langsamen Schritten schon auf mich zu kommen wollte. Automatisch wich ich paar Schritte zurück, damit er mir nicht näher kommen konnte und sagte nur gleichgültig:,,Mir geht es gut. Geh wieder rein."
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