#2 4

This is how it ends - Bloodstream - Ed Sheeran

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Ich wusste nicht, wo ich war. Brandon war neben mir in einem hellen Raum ohne Bett und allem, was man im Zimmer sonst noch so brauchte. "Hallo, Engel."
"Hallo.", lächelte ich. Ich war so glücklich, ihn hier zu sehen. Es war ein schönes Gefühl.
"Wo bin ich hier ?", fragte ich verwirrt und lief im Raum herum. Es piepte in meinen Ohren, ein wiederholter Rhythmus.
"Das habe ich dir doch schon gesagt, Engel.", grinste er.
Ich drehte mich zu ihm. "Im Himmel ?"
"So ungefähr. Komm mit.", lachte er und wir gingen aus dem Raum. Es liefen Ärzte herum, panisch. Menschen auf den Klappbetten, die in einen Raum geschoben werden.
"Das bin ich.", flüsterte er. "Und du bist die da hinter mir."
"Was passiert hier denn ?"
"Wir sterben, Wioleth."
Er sah nicht besonders traurig aus. "Sowas passiert manchmal früher als man es sich wünscht."
"Naja.", murmelte ich und legte die Arme um mich, obwohl ich mich perfekt fühlte. "Ich wollte sterben und was Schöneres könnte ich mir nicht vorstellen. Es tut mir ja nicht weh."

"Dann komm mit oder bleib hier."
"Wohin mitkommen ?"
"In den Himmel. Den richtigen Himmel."
Er hielt mir die Hand hin. Ich ergriff sie.
Dann zog er mich an sich. "Nicht so schnell. Du wirst überleben."
Es wurde ruhig, ich hörte nur wieder dieses Piepen. Ich wollte mit ihm reden.
Doch dann war er weg und alles... alles ging...

Ich rang nach Luft und streckte die Hände aus, um mich irgendwo festzuhalten, denn ich fühlte mich, als würde ich fallen, doch ich war hier, ich war in der Hölle und nicht im Himmel. Die Traurigkeit breitete sich wie ein Pest in mir aus und ich konnte sie schmecken, diesen bittere Geschmack von einer verlorenen Hoffnung. Wieso war ich nicht gestorben ?
Ich war verwirrt, verloren. Menschen redeten, doch was sagten sie ? Es war ein durcheinander. Ich hörte weinen, ein lachen, ein schreien. Was war hier los ?
Ich sagte etwas, ich wusste nicht was.
Ich fühlte etwas, doch ich wusste nicht, worauf es sich bezog und was es für eine Bedeutung hatte.

"Sie ist stabil, aber ihre Lunge...", sagte eine Frau. "Sie braucht einfach viel Ruhe."
"Aber meine Tochter..", sagte Mum. Mum ? Wo war ich ? Von wo kam Mum plötzlich ?
"Mum.", raunte ich, doch ich fing direkt an zu husten. "Mum..."
Ich schüttelte mich vor Schmerz, meine Lunge schien zu zerreißen und gleichzeitig fühlte es sich an, als würde sie jemand zusammenquetschen.
Menschen waren nah bei mir und hoben meinen Arm, nur damit ich kurz darauf ein kleines Pieksen fühlte. Ich war noch nicht klar genug im Kopf, um nachzuvollziehen, was die Frau meinte, doch ich wusste bereits, dass ich nicht Zuhause war und das nur eines bedeuten konnte. Kein Traum. Das war alles passiert. Pax...

Ich kniff meine Augen noch fester zu als sie es schon waren. Es tat so weh. Viel mehr als meine Lunge und mein Kopf. Ich wollte seinen Namen sagen, er wälzte sich schön in meinem Kopf. "Mum.", murmelte ich rau. Ich hörte mich kaum an wie ein Mensch. Mein Kopf war kurz davor, zu explodieren.
"Mein Schatz, ich bin hier.", sagte sie. Ich fühlte ihre Hände auf meinem Gesicht, so sanft und lieb, wie eine Mutter sein sollte. Doch eine Mutter haute nicht einfach ab. Ich öffnete meine Augen spaltbreit, aber ich sah kaum etwas, weil das Licht so hell war.
"Wo warst du Mum ?"
"Ich erzähle dir das alles Zuhause, ich will dich nicht stressen."
"Wieso stressen?", hüstelte ich.
"Schlaf lieber, okay ?"

Einige Stunden später war Jason auch wieder bei mir, denn er war eigentlich vor Mum hier gewesen. Sie hatten ihn aber nicht reinlassen wollen, da erst die Erziehungsberechtigten etwas mit den Ärzten besprechen müssen. Doch wo Dad war, wusste ich nicht und es war mir auch egal.

"Warum bin ich hier?", fragte ich Jason und setzte mich auf, was mir nicht leichtfiel. Jason bemerkte es und stellte das Bett schräg ein, damit ich mich anlehnen konnte.
Er seufzte und fuhr sich durch die Haare. Er sah wirklich fertig aus.
"Nachdem die Bullen gekommen sind bist du einfach in meinen Armen ohnmächtig geworden..naja, dachte ich. Aber dein Herz hat nicht mehr geschlagen."
Er sah mich nicht an, sondern sah auf den Boden und verzog seinen Mund. "Den Typen werde ich umbringen."
Ich krallte mich an die Bettdecke, doch ich erwiderte darauf garnichts mehr. Niemals hätte ich gedacht, dass das passiert. Ich wollte ihn lieben, ihn verstehen, etwas Gutes in ihm finden. Doch genau in dem Moment, wo man denkt, alles ist klar, genau dann ändert sich alles und überzeugt dich vom Gegenteil. Ich hasste mich, doch das hatte ich doch nicht verdient, oder ? Oder war ich so schlecht, dass ich meine Taten nicht als schlecht einschätzte ?

Ich glaubte immer noch nicht an Schicksl und Karma. Das alles hatte keinen Grund. Nichts davon hatte mir bisher im Leben geholfen, es war doch nur ein Hindernis. Und jetzt wusste ich nicht, wie ich weiterleben sollte, wenn ich solche Angst hatte. Ich wollte mich wieder isolieren, so wie ich es damals getan hatte und dann würde ich wieder lernen, zu fühlen. Doch letztendlich würde das alles darauf hinausführen, ein unaufhörlicher Kreislauf bis ich starb. Dafür musste ich nicht einmal misshandelt werden. Es würde für mich immer wieder passieren, in meinem Kopf. Ich würde durchdrehen und hier landen.

"Hörst du mir zu Wioleth ?", fragte Jason und nahm meine Hand. Ich schreckte nicht zurück.
"Ich gehe jetzt, aber Mona kommt gleich.", sagte er. Ich erkannte ihn kaum wieder. Er war plötzlich so lieb zu mir. Sein Lächeln war schmal, doch aufrichtig gemeint.
"Okay, bye.", murmelte ich.

Er schleppte sich erschöpft aus dem Raum und Mona kam herein. Sie sah noch schlimmer aus als Jason.
Ihr Beine trugen sie kaum.
"Hi.", zitterte sie. Sie hatte sich doch nicht solche Sorgen gemacht ?
Sie setzte sich vor das Bett, nahm meine Hand und brach in Tränen aus.
"Was ist ?", fragte ich ernsthaft besorgt.
Ich hatte niemanden so weinen gehört wie sie in diesem Moment.
"Brandon.", stieß sie aus. Sie schrie sich die Seele aus dem Leib.

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