Mein ganz Persönliches Osterwunder
🌼 Gründonnerstag 🌼
„Das macht dann 3,20€.", ich lächele gequält, eigentlich hätte ich schon seit halb vier Feierabend. Sehnsüchtig werfe ich einen Blick in Richtung Eingang, doch Fehlanzeige, von Vanessa ist noch immer keine Spur. Meine Kollegin scheint sich wohl zu verspäten, mal wieder. Langsam frage ich mich, warum Sven, der Inhaber des „Café Develoup", ihr noch nicht gekündigt hat. „Entschuldigung!", der Mann vor mir hält mir das Geld hin. Ich werfe ihm mein strahlendstes Lächeln zu und nehme es ihm ab: „Schönen Tag noch, und beehren sie uns bald wieder." Er scheint es wohl ziemlich eilig zu haben, als er sich umdreht und geht. Auf halber Strecke kommt ihm Vanessa entgegen. „Na endlich, das wurde aber auch Zeit.", ich eile auf sie zu. Vanessa trägt eine schwarze Jean und einen hellen Pulli mit einem Osterhasen, sofert bekomme ich schlechte Laune. Ich habe keine Ahnung warum die ganze Welt sich so auf Ostern freut, ich meine Eier suchen und Schokolade bis zum Umfallen essen? Nein Danke. Schnell schiebe ich Vanessa hinter die Theke und mache mich dann auf in Richtung Ausgang. Draußen atme ich den frischen Frühlingsduft ein, bevor ich mich zu meinem alten Fahrrad begebe. Es gehörte meinem Dad und ist das einzige was ich noch besitze, nur ist es leider nicht mehr das jüngste.
Seufzend schiebe ich es auf die Hauptstraße, schwinge mich in den Sattel und fahre mit quietschenden Reifen los, mehr oder weniger schnell. Ich fahre die gut befahrene Straße entlang, biege dann nach rechts und schließlich nach links in Richtungen Wohnungen ab. Wir, das sind meine Mom und ich, wohnen im 3. Stock. Früher hat hier noch mein Dad und Luna ,meine Zwillingsschwester, gelebt, bevor, bevor... Ich schlucke schwer, Mensch Ajuna reiß dich verdammt noch mal zusammen. Luna ist nicht tot! „Nein, viel schlimmer!", höre ich plötzlich meine innere Stimme, „Sie liegt im Wachkoma!" Tränen treten mir in die Augen und meine Sicht verschwimmt. Halb blind schließe ich mein Fahrrad an, betrete das Treppenhaus und gehe keuchend die Treppen hoch. Mein Herz wird schwer, es ist einfach nicht mehr das selbe, so ohne Luna und Dad. Ihr müsst wissen, Dad hat uns verlassen, als Luna ins Wachkoma fiel. Seitdem haben wir ihn nie wieder gesehen. Ich gebe zu, ich vermisse ihn. Ich vermisse die Normalität. Mein Herz zieht sich sehnsuchtsvoll zusammen, was würde ich nur tun um einmal wieder zusammen zu Abend zu essen, als Familie. Mum kommt erst in einer Stunde also könnte ich theoretisch....
Mit federnden Schritten renne ich das Treppenhaus, was ich davor mühsam hinauf gelaufen bin, hinunter und zu der Busstation gegenüber unseres Wohnblocks. Mit einem schnellen Blick prüfe ich die Tafel, die die Zeiten anzeigt, an denen die Busse kommen. Perfekt, der zum St. Alex Krankenhaus kommt in fünf Minuten.
Kaum ist der Bus angekommen steige ich ein. Die Luft ist stickig, aber das werde ich schon aushalten.
Die Fahrt dauert 20 Minuten und sobald er anhält steige ich aus und renne in das Gebäude. Ich kenne den Weg genau. Ich bin hier schon oft entlang gelaufen, so oft, das ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Da sehe ich auch schon die Tür. Ich lege meine zitternde Hand auf die Klinke. Vorsichtig betrete den Raum. Es sieht alles aus wie immer. Luna liegt ihn ihrem weißem Gewand in dem viel zu groß wirkendem Krankenbett. Überall stehen Stofftiere, Schokolade und noch anderes Zeug herum, was sich mit der Zeit hier angesammelt hat. Ich setzte mich auf den Sessel und lausche dem regelmäßigem Pipen der Geräte, an denen sie angeschlossen ist.
„Pieppppppp, pieppppppp, pieppppppp", ich schrecke auf. Ich muss eingeschlafen sein, panisch sehe ich mich um. Luna liegt zuckernd in ihrem Bett, und ist blau angelaufen. Eine Frau zieht mich aus dem Zimmer. Mehrere Ärzte stürzen hinein. Ich bin wie gelähmt.
🌼 Ostersonntag 🌼
Drei Tage ist es her, seit ich im Krankenhaus war. Drei Tage ist es her, seit sich Lunas Zustand „zusammengebrochen" ist. So nennen es die Ärzte. Ich schnaube. Nun sitze ich hier, neben meiner Mum, auf dem Sofa und kann nichts tun, während wir auf einen Anruf warten.
„Ring, Ring", das Telefon reißt mich aus meiner Trance. Meine Mum hebt ab und verlässt den Raum.
„Wir dürfen sie besuchen, ein letztes mal, fals...", sie muss den Satz gar nicht beenden.
Der Weg zu dem Zimmer meiner Zwillingsschwester kommt mir länger vor als sonst, oder einfach schwerer? Sie liegt in ihrem Bett, mit Schläuchen an verschiedene Geräte angeschlossen. Ich setzte mich zu ihr. Ich schließe meine Augen und bete. Ich bete für ihr leben.
Plötzlich spüre ich eine Federleichte Berührung an meinem Handgelenk. Ich öffne die Augen und blicke in Identische. Ich nehme Lunas Hand in meine. Und in dem Moment, weiß ich, das alles gut werden wird. Denn das ist mein ganz persönliches Osterwunder.
***********************************************************************************************
[790 Wörter]
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top