PROLOG


[Information: Der Prolog macht eine Ausnahme im Schreibstil.
Der Rest des Buches ist in Prosa verfasst.]

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SCHATTENMENSCHEN

Sie haben mir gesagt, dass wir schlafen können, wenn wir tot sind,
während Blut aus Wunden ihrer Arme rinnt.
Und in naher Ferne schreit ein Kind,
aber es kümmert sie nicht,
denn Schmerz macht blind.

Sie haben mir gesagt, dass es die Probleme löst.
Hätte ich nur gewusst, dass es Probleme bloß verstößt,
und die Wahrheit sich damit entblößt,
dass sie krankhaft lachen, wenn es mir Angst einflößt.

Sie haben mir gesagt, dass es sie zu ihnen selbst macht.
Und damals habe ich mir nichts dabei gedacht.
In diesem Haus haben Schatten gewacht -
am hellsten Tage und in dunkelster Nacht.

Dieses Haus am Ende der Allee.
Ich kann es vor Augen seh'n, wenn ich in Gedanken meiner Wege geh'.
Erinnerungen daran tun ziemlich weh,
doch ich werde sie nicht verdrängen, bin kein verschrecktes Reh.

Drinnen hat es immer muffig gerochen,
sobald sie nach Hause kamen, habe ich mich im Wandschrank verkrochen,
sie waren meine persönliche Hölle, sie haben mich zerbrochen.
Damals, als junges Ding,
das tagtäglich auf's Neue mit Hoffnung das Leben,
aber niemals mit geschlossenen Augen, seiner Wege ging
und damals stumm war, wie ein Blatt, aber des nachts zu schreien anfing.

Düster und dunkel,
Blut, Gewalt, gefährliches Gemunkel,
schöner Schein, von außen glitzerndes Gefunkel,
innerlich kaputt, niemals heil, zerstört, verletzt, illegales Gerumpel.

Die Vergangenheit ein Haufen Dreck,
kleines Mädchen, heulend, auf der Veranda, wollte nichts als weg,
laute Schreie, dumpfes Klopfen, stickiger Qualm,
das Leben ein einziges Gesteck
aus Tränen, Scherben, Narben und Gier,
vielleicht Blutgeleck.

Dieses Leben dort war nie real.
Was Wirklichkeit war, passte in einen Schuhkasten im Regal,
aber zwischen Leben und Rausch war ihnen das egal,
denn solange niemand davon erfuhr, war alles, was sie taten, perfekt und legal.

Ich war ihr größter Fehler,
das war, was sie mir immer sagten,
wenn sie sich doch einmal in mein stilles Kämmerlein wagten
und mich bedrängten und belästigten, an meiner Unschuld nagten,
weil es sie erfreute und ergötzte, wenn mich danach die Alpträume plagten.

War befleckt und schmutzig,
wirkte bloß nach außen hin ziemlich putzig,
ein Wrack am Boden, vom Leben enttäuscht, von Gefühlen ausgeleert.
Irrte durch diese Welt, war ausgemergelt und kaputt, hab mich nicht gewehrt,
gekämpft, meine Stimme erhoben, gab nichts, das mich schert,
bis ich kurz vor dem Tod,
kurz vor der Selbstzerstörung merkt':
Das alles war es nicht,
aber ich selbst,
ich war mehr wert.

[E.SCH.]

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