Szene X

"Würdest du lieber dein ganzes Leben lang jede Mahlzeit kostenlos bekommen, aber dafür nie eine Freundin haben dürfen? Oder würdest du lieber nur noch Tofu essen dürfen, aber dafür in einer Beziehung sein?", sammle ich einige Cashewkerne aus der großen Tüte heraus, während ich auf Matts Antwort warte. Kauend sieht er mich mit einem grüblerischen Blick an. Wahrscheinlich möchte er die Optionen gründlich abwägen.

Grinsend beobachte ich, wie er seine Stirn runzelt, bevor er seinen Arm fordernd nach der Tüte mit dem Studentenfutter ausstreckt. Nachdem ich mich ein wenig vorgebeugt habe, reiche ich dem Jungen die zahlreichen Kalorien hinüber. Erschöpft lasse ich mich in die Kissen hinter mir zurücksinken. Innerlich lache ich mich selbst aus, während ich die ineinander verschlungenen Beine von Matt und mir betrachte.

"Ich wähle die kostenlosen Mahlzeiten", schluckt der Blondhaarige die Rosinen, die er sich zuvor in den Mund geworfen hat, hinunter. "Echt?", frage ich erstaunt nach. "Ja, ich habe doch dich", zwinkert mir Matt zu, während er seine Unterlippe befeuchtet. Meine Augen verdrehend trete ich leicht gegen seinen Oberschenkel. "Außerdem ist Tofu ekelhaft", lacht mein Kumpel dann laut los.

Meine Nase rümpfend denke ich an das eine Mal, als ich dieses asiatische Nahrungsmittel probiert habe. Es war wirklich nicht sehr appetitlich. "Würdest du lieber Julia Roberts treffen oder wissen wollen, wie der Typ aus dem Kino aussieht?", erhebt der Blondhaarige seine Stimme, nachdem er noch einige Nüsse in seinen Mund geworfen hat. "Julia Roberts treffen", lasse ich sofort verlauten - auch wenn der Gedanke an Shawn stetig in meinem Hinterkopf festhängt.

"Lüg mich doch nicht an, Luana", wirft der Junge ein Kissen nach mir, bevor er beginnt zu lachen. "Ich lüge nicht", schmeiße ich das mit Federn gefüllte Quadrat zurück, "Julia Roberts ist großartig. Ich würde so gut wie alles dafür geben, sie einmal in Echt zu treffen." Nickend streckt mir Matt seine Hand entgegen, um mir zu signalisieren, dass ich ihm dies schon oft genug gesagt habe. Dafür zeige ich ihm grinsend meinen Mittelfinger.

"Aber ernsthaft, Luana, interessiert es dich überhaupt nicht, wie er aussieht?", richtet er sich auf dem kleinen Sofa auf und sieht mich gespannt an. Mit meinen Schultern zuckend sammle ich die letzten Cashewkerne aus der Tüte heraus. "Braune Haare, braune Augen. Muss ich mehr wissen, um mich mit ihm unterhalten zu können?", kratze ich solange an meinem linken Nasenflügel, bis sich ein kleines Stückchen Haut löst. "Lass das sein", greift Matt seufzend nach meinem Handgelenk, um mich davon abzuhalten.

"Was ist mit seinem Gesicht oder mit seinem restlichen Körper? Willst du nicht wissen, ob er viele Muskeln hat?", wackelt der Junge anzüglich mit seinen Augenbrauen, "oder ob seine Lippen so aussehen, als wäre er ein guter Küsser?" Seinen Namen durch das kleine Wohnzimmer rufend werfe ich den Blondhaarigen mit einer Handvoll Studentenfutter ab. "Hör doch auf", lache ich, "du kannst lange darauf warten, dass ich mit Shawn etwas anfange. Es klingt so, als könntest du es kaum abwarten, mich endlich loszuwerden."

"Oh glaub mir, dich gebe ich nicht so schnell her", stopft mir Matt die Rosinen und Nüsse in meine Kapuze, nachdem er sie aufgesammelt hat. Mich windend versuche ich ihn davon abzuhalten. Doch da schlingt er schon seine Arme um meinen Oberkörper und erdrückt mich beinahe. "Luft", röchle ich gespielt, während ich in eine angenehmere Position rutsche. Mir auf meine Unterlippe beißend lege ich meine Hände auf den muskulösen Rücken des Jungens. Der Duft seines Calvin Klein Parfüms steigt mir in die Nase.

"Er hat weiche Haare und sein Kiefer hat diese Kante, die im Hellen sicher richtig gut aussieht", murmle ich gegen die Schulter von Matt, während ich mir vorstelle, wie es wäre darüber zu streichen. "Sein Shampoo riecht nach Apfel und er ist sicherlich größer als du. Seine Beine sind drei Meter lang", kichere ich leise wegen meiner letzten Aussage. "Erzähl mir mehr", fordert mich der Blondhaarige auf, bevor er sich auf seinen Rücken legt und mich so dreht, dass ich meinen Kopf auf seiner Brust ablegen kann.

Angestrengt versuche ich mich an mehr Merkmale zu erinnern. Währenddessen kaue ich auf der Innenseite meiner Wange herum. Seit ich denken kann, malträtiere ich die Haut an dieser Stelle. "Seine Stimme", hebe ich schließlich meinen Kopf, sodass ich Matt ansehen kann, "sie ist unheimlich sanft. Man fühlt sich direkt geborgen, wenn er anfängt zu sprechen. Bestimmt wäre Shawn ein guter Schauspieler." Grinsend male ich mir den Braunhaarigen in der Rolle von William Thacker aus.

"Luana, Luana", gibt der Junge unter mir einen komischen Laut von sich. So, als müsste er sich ein Lachen verkneifen. "Ich gebe dir drei Wochen. Dann wirst du jammernd in meinen Armen liegen und mir erzählen, dass du dir wünscht, du hättest ihn an diesem Abend geküsst", kneift Matt seine Augen zusammen und zieht somit eine spektakuläre Grimasse. "Das werde ich ganz sicher nicht tun", lache ich, während ich gegen seine Brust schnipse. "Und ob", holt er gerade zu einem seiner langwierigen Monologen aus, als die Wohnungstür aufgeschlossen wird.

"Schalt die PlayStation an. Ich muss ein paar Zombies oder andere Idioten abschießen", ertönt sofort darauf die Stimme von Samuel. Meine Augenbrauen in die Höhe ziehend löse ich unsere Umarmung, sodass sich Matt aufsetzen kann. "Woah, was ist los?", stützt er sich auf der Lehne des Sofas auf. "Mascha ist los", landet die Jacke meines Cousins in meinem Gesicht, da er sich achtlos durch die Luft geworfen hat. "Ich weiß gar nicht, wie man so einen Dickschädel haben kann. Sie ist echt ätzend!", redet sich Sam in Rage.

Erschrocken setze ich mich ebenfalls auf. "Scheiße Luana", sieht mich der Braunhaarige aus großen Augen an, "was machst du hier?" Meinen Kopf schief legend sehe ich ihn ein wenig ungläubig an. "Was man halt so macht, wenn man einen Freund besucht", grunze ich, bevor ich mit meinen Füßen in meine Sneaker schlüpfe. "Du darfst Mascha aber nicht sagen, dass ich so über sie geredet habe", klingt mein Cousin schon regelrecht panisch. "Das ist sicherlich auch nicht meine Aufgabe, Sammy", versuche ich ihn zu beruhigen.

"Wir sehen uns", wuschle ich Matt durch seine weichen Haare. Dann klopfe ich Samuel aufmunternd auf seine Schulter. Auch wenn der Aufbruch etwas plötzlich ist, möchte ich die zwei Jungs nicht daran hindern, über ihre Probleme zu diskutieren. Schließlich war mein Cousin zuerst mit Matt befreundet. Und zwar so gut, dass der Blondhaarige ihm vor langer Zeit einen eigenen Schlüssel zu seiner Wohnung ausgehändigt hat. Mein Handy aus meiner hinteren Hosentasche ziehend verschwinde ich durch die Wohnungstür. Während ich mit einem Auge darauf achte, dass ich nicht die Treppe hinunterfalle, verfasse ich bereits eine Nachricht. "Alles okay bei dir, Mascha?"

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Damals hatte ich jah die Befürchtung, dass ich es bereuen werde, Matt in dieser Geschichte mitspielen zu lassen. Aber fast zwei Jahre später bin ich immer noch genauso angetan von ihm hahaha 🤦🏻‍♀️😂

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